Kommunalversorger setzen auf Sonne – Solarthermie als Baustein urbaner Fernwärmenetze

Infoblatt Solare Wärmenetze | Nr. 4 www.solare-waermenetze.de 14.800 Quadratmeter – das wird der neue Maßstab sein für Solarthermie in Deutschland. Diese Größe hat das Kollektorfeld, mit dessen Bau die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB), nördlich von Stuttgart, im Herbst 2019 begonnen haben. Der vorherige Rekord der Stadtwerke Senftenberg in der Lausitz hat immerhin drei Jahre gehalten. Doch der aktuelle Trend ist klar: Die Fernwärmebetreiber in Deutschland haben die Solarthermie entdeckt. Kollektorfelder, die Energie in ein vorhandenes Wärmenetz einspeisen, mehren sich und sie werden größer. STARKES WACHSTUM Allein im Jahr 2019 werden voraussichtlich weitere 33.000 m2 Kollektorfläche gebaut werden, so dass die vorhandene Anlagenleistung in Deutschland von derzeit 44 Megawatt um mehr als die Hälfte wachsen wird. Den Löwenanteil werden dazu allein die drei größten Projekte in Ludwigsburg/Kornwestheim, Bernburg (8600 m2) und Halle (5091 m2) beitragen. Aus Sicht der etablierten Fernwärmeunternehmen, die sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten mit der Herausforderung konfrontiert sehen, fossile Energien aus ihrem Energiemix herauszudrängen und stattdessen erneuerbare Energien zu integrieren, hat die Nutzung von solarer Wärme im Zusammenspiel mit anderen erneuerbaren Energien viele Vorteile. Solarenergie ist preisstabil. Sie unterliegt nicht den unberechenbaren Preisschwankungen des Energiemarktes. Einmal gekauft und installiert arbeitet eine moderne Solarthermie-Großanlage mindestens 25 Jahre lang fast ohne Wartungsaufwand. Je nach Auslegung kann sie hohe Anteile der Sommerlast oder sogar den gesamten sommerlichen Wärmebedarf decken. Zunehmend setzen in Deutschland Versorgungsunternehmen auf Solarwärme. Solarkollektoren helfen bei der schrittweisen Dekarbonisierung von Fernwärmenetzen. Eine wachsende Anzahl von Projekten belegt, dass Solarthermie nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch inzwischen erste Wahl ist – gerade auch in Städten. Kommunalversorger setzen auf Sonne Solarthermie als Baustein urbaner Fernwärmenetze SENFTENBERG Die Stadtwerke Senftenberg haben im Sommer 2016 die bislang größte Solarthermieanlage Deutschlands an ihr Fernwärmenetz angeschlossen. 8300 m2 Vakuumröhrenkollektoren stehen auf einer ehemaligen Deponie. Technische Daten Bruttokollektorfläche: 8300 m2 CPC-Vakuumröhrenkollektoren Jahresertrag (Ø 2017/18): 4340 MWh Anbindung: Vorlauf (optional Rücklauf) Quelle: Stadtwerke Senftenberg Quelle: SWE/Steve Bauerschmidt Dabei sind die Preise für große Solarthermieanlagen heute – auch dank der Fördermöglichkeiten – konkurrenzfähig. Resultierende Wärmepreise aus großen Anlagen können je nach technischer Konstellation und Förderoption zwischen 50 und weniger als 20 Euro pro Megawattstunde liegen. Hinzu kommen schwer zu beziffernde Zusatznutzen wie etwa, dass eine Solarthermieanlage im Sommer die Anlagenlaufzeit von klassischen Wärmeerzeugern zu reduzieren hilft. So müssen diese auf den Winterbedarf ausgelegten Großaggregate weniger im Teillastbetrieb laufen und für Wartungsarbeiten entstehen komfortable Zeitfenster. HOHE FLÄCHENEFFIZIENZ Ein Pluspunkt, der die Solarthermie gerade für den Einsatz im Ballungsraum qualifiziert, ist ihr vergleichsweise geringer Platzbedarf. Die Suche nach geeigneten Flächen ist im urbanen Raum kein triviales Thema. Aber dabei ist es ein gewichtiges Argument, dass die Solarthermie gegenüber verschiedenen Formen des Biomasse- Anbaus eine 20- bis 50-fache Flächeneffizienz erreicht. Selbst gegenüber der Photovoltaik ist sie noch um Faktor vier im Vorteil. Die Fläche selbst ist außerdem nicht verloren; ein bodenständiges Kollektorfeld kann als Grünfläche extensiv beweidet werden – beispielsweise von Schafen. Oder es kann als Blumenwiese erholungssuchende Städter ebenso erfreuen wie nahrungsuchende Insekten. So ist die Solarthermieanlage in Ludwigsburg, die teilweise auf einer Altlast gebaut wird, als Lückenschluss für den rund um die Stadt entstehenden Grüngürtel eingeplant. Ein Spazierweg führt daran vorbei und macht das neue Highlight der Fernwärmeversorgung für Publikum erlebbar. Für die SWLB, die derzeit 14 Wärmenetze mit 22 Erzeugungsanlagen und 133 MW thermischer Leistung betreiben, spielt das Solarprojekt mit seinen 1088 Kollektoren und dem 2000 Kubikmeter großen Wärmespeicher eine Schlüsselrolle. In ihrem Projekt „Solar- HeatGrid“ schaffen sie einen Netzverbund zwischen Ludwigsburg und Kornwestheim und integrieren zugleich drei Inselnetze. Der größte Erzeuger ist hier heute und künftig ein wärmegeführtes Biomasseheizkraftwerk mit 9,75 MW thermischer und 2,1 MW elektrischer Leistung, die mit einer ORC-Turbine gewonnen wird. Die Anlage läuft bislang von Oktober bis Juni. In den Sommermonaten wird die Wärme mit fossil befeuerten Heizkesseln erzeugt, was die Klimabilanz der Fernwärme verschlechtert, sowie mit zusätzlicher BHKW-Leistung, die in der Heizperiode in „Konkurrenz“ zum Biomasse- Heizkraftwerk steht. Mit der solaren Jahreserzeugung von prognostizierten 5500 Megawattstunden sparen die SWLB daher nicht nur entsprechend viel Brennstoff und Treibhausgas ein, sondern auch viel Lieferverkehr im Ballungsraum. Die Heizperiode für die Biomasseanlage verkürzt sich künftig um einen Monat. JETZT KOMMEN DIE STADTWERKE Kein Wunder also, dass auch andere Versorger an der Solarisierung ihrer Wärmenetze arbeiten. Und während in den Jahren 2013 bis 2018 vor allem einige Solar-Bioenergiedörfer die solare Infoblatt Solare Wärmenetze | Nr. 4 LUDWIGSBURG/KORNWESTHEIM Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim bauen die bislang mit Abstand größte Solarthermieanlage Deutschlands. Technische Daten Bruttokollektorfläche: 14.800 m2 Flachkollektoren Jahresertrag (Prognose): 5050 MWh Quelle: Guido Bröer CHEMNITZ Der kommunale Energieversorger eins energie in sachsen betreibt seit 2016 eine Solarthermieanlage an einem Niedertemperatur-Teilnetz für den Stadtteil Brühl. Besonderheit: Die Flachkollektoren werden zur Effizienzsteigerung ohne Frostschutzmittel betrieben. Technische Daten Bruttokollektorfläche: 2230 m2 Flachkollektoren Systemanbindung: Direktanbindung an Low-Ex-Netz Quelle: eins energie in sachsen Wärmewende im ländlichen Raum vorgemacht haben, ziehen jetzt die städtischen Fernwärmeversorger nach. So sieht das auch der Präsident des Fernwärmeverbandes AGFW, Werner R. Lutsch, der im Interview (Seite 4) darauf hinweist, dass die größeren Projekte in Städten wegen der höheren Komplexität einen längeren Vorlauf benötigen. So haben die Stadtwerke Erfurt nach längerer Planung im Mai 2019 eine Doppel-Solaranlage mit zwei Kollektorfeldern (1155 m2 Vakuumröhren, 550 m2 Flachkollektoren) eingeweiht. Sie wollen mit dieser relativ kleinen Installation zunächst Erfahrungen sammeln, um im nächsten Schritt größere Solaranlagen zu errichten. Sehr zufrieden ist derweil der Vattenfall-Konzern mit seiner 2018 gebauten 1000-m2-Anlage in Berlin-Köpenick. Sie hat in ihrer ersten Saison die Prognosen weit übertroffen und 550 MWh Wärme produziert. Die Stadtwerke Halle an der Saale haben kürzlich den Zuschlag zum Bau einer gut 5000 Quadratmeter großen Flachkollektor-Anlage vergeben. Ähnlich wie in Berlin-Köpenick wird diese auf einem Betriebsgelände der Stadtwerke gebaut. Unweit von Halle werden auch bei den Stadtwerken Bernburg noch im Jahr 2019 Kollektoren installiert. Mit 8600 m2 dürfte deren Anlage – zumindest vorübergehend – die zweitgrößte in Deutschland nach Ludwigsburg sein. LANGFRISTIGE PLANUNGEN Doch auch der Ludwigsburger Rekord wird nicht ewig halten, wenn einige Stadtwerke ihre bereits laufenden Planungen umsetzen. So haben etwa die Stadtwerke Greifswald sich mit der Idee für eine rund 15.000 m2 große Solarwärmeanlage erfolgreich an einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur für innovative KWKAnlagen beteiligt (iKWK). Dieses Fördermodell, bei dem regenerative Wärmeerzeugung – z.B. Solarthermie – indirekt über einen Zuschuss für den KWK-Strom gefördert wird, könnte sich zu einer attraktiven Alternative zur regulären KfW-Förderung entwickeln. In ähnlichen Größenordnungen denken die Stadtwerke in Hennigsdorf und in Neubrandenburg, die jeweils den Bau großer Multifunktionswärmespeicher planen und diese passend auslegen wollen, um im zweiten Schritt Solarthermieanlagen im Megawattmaßstab daran anzuschließen. Bei den Stadtwerken Kempen am Niederrhein ist geplant, dass innerhalb der nächsten drei Jahre ein Kollektorfeld entstehen soll, das groß genug ist, um 15 Prozent des Jahresfernwärmebedarfs der Stadt zu decken. Dieses hätte etwa die Größenordnung, die alle realisierten Fernwärme-Solaranlagen in Deutschland bislang zusammen erreichen. Um im Jahr 2050 rund 12 Terawattstunden Solarthermie für die Fernwärme zu ernten, so wie es sich als Ziel aus der Gebäudestrategie der Bundesregierung ableiten lässt, müssen freilich noch viele solcher Projekte an den Start gehen. Denn dafür wäre 30 Jahre lang ein Zubau von jeweils 1 Million Quadratmeter Kollektorfläche nötig. www.solare-waermenetze.de BERLIN-KÖPENICK Vattenfall hat für das Fernwärmenetz im Berliner Stadtteil Köpenick im Frühjahr 2018 eine Kollektoranlage in Betrieb genommen. Sie wurde auf einer brachliegenden Fläche auf dem Betriebsgelände des Heizkraftwerkes errichtet und speist über einen Wärmetauscher in den Rücklauf des Netzes ein. Technische Daten Bruttokollektorfläche: 1058 m2 Flachkollektoren Jahresertrag (1. Betriebsjahr): 550 MWh Systemanbindung: Rücklaufeinspeisung über Wärmetauscher Quelle: Guido Bröer ERFURT Die SWE Energie GmbH, Tochter der Stadtwerke Erfurt, betreibt seit Frühjahr 2019 eine Solarthermieanlage an ihrem Fernwärmenetz. Die Anlage besteht zu Versuchszwecken aus zwei vollständig voneinander getrennten Teilen. Ein Teil arbeitet mit Flachkollektoren, der andere mit CPC-Vakuumröhrenkollektoren. Technische Daten Bruttokollektorfläche: 1705 m2 1155 m2 CPC-Vakuumröhrenkollektoren 550 m2 Flachkollektoren Jahresertrag (Prognose): 700 MWh Quelle: SWE/Steve Bauerschmidt Gefördert durch: www.solare-waermenetze.de IMPRESSUM Das Infoblatt Solare Wärmenetze ist eine Initiative im Rahmen von Solnet 4.0, einem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Vorhaben zur Marktbereitung für solare Wärmenetze. Die Projektpartner sind das Steinbeis Forschungsinstitut Solites, der Fernwärmeverband AGFW, das Hamburg Institut sowie die Herausgeber der Zeitschrift Energiekommune. Herausgeber: Steinbeis Innovation gGmbH vertreten durch Steinbeis Forschungsinstitut Solites (www.solites.de) Redaktion: Guido Bröer, Guido Bröer & Andreas Witt GbR Veröffentlichung: Oktober 2019 Haftungsausschluss: Das dieser Publikation zugrundeliegende Vorhaben wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unter dem Förderkennzeichen 03EGB0002A gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieses Dokuments liegt bei den AutorInnen. Weder der Fördermittelgeber noch die AutorInnen übernehmen Verantwortung für jegliche Verwendung der darin enthaltenen Informationen. Energiekommune Herr Lutsch, in jüngster Zeit steigt in Deutschland die Zahl der großen Solarthermieanlagen von Energieversorgern. Erleben wir in Ihrer Branche gerade einen Bewusstseinswandel? Nicht nur einen Wandel des Bewusstseins. Wir erleben einen realen Wandel der Energieversorgung im Strom- und im Wärmebereich, der sich in den kommenden Jahren noch verstärken wird. Im Grunde sind wir schon mittendrin. Die Fernwärme, die ja durch ihren hohen Anteil effizienter Kraft-Wärme-Kopplung ohnehin schon immer eine sehr umweltfreundliche Art der Wärmeversorgung gewesen ist, wird künftig immer weniger fossile und immer mehr erneuerbare Energien enthalten. Unsere Fernwärmeversorger stellen sich außerdem den ganz neuen Aufgaben und Chancen, die für sie im Zuge der Energiewende entstehen und die zum Teil aus dem Strombereich auf uns zu kommen. Fernwärme kann Sektorenkopplung, sie kann Energiespeicherung und sie kann erneuerbare Energietechniken – wie die Solarthermie – in einer viel effizienteren und kostengünstigeren Art und Weise integrieren, als dies in Einzelheizungen für Gebäude jemals möglich wäre. Warum interessieren sich Stadtwerke plötzlich für die Solarthermie? So plötzlich kam das gar nicht. Aber gerade die großen Projekte im urbanen Raum brauchten eine gewisse Anlaufzeit. Ich wage die Voraussage: In den nächsten Jahren werden wir von einer ganzen Reihe neuer Solarprojekte hören. Ein aktueller Anstoß sind dafür wohl auch die neuen europäischen Vorgaben für höhere Anteile erneuerbarer Energien in der Fernwärme. Mitgliedsstaaten bemühen sich also künftig, Wärmeversorger zu überzeugen, ihren Regenerativ- oder Abwärmeanteil jährlich um 1 Prozent zu steigern. Und inzwischen ist die Solarthermie nicht nur eine verlässliche und kostenstabile Energiequelle, sondern auch so preiswert, dass sie für viele Versorger zum tragenden Baustein für die „Dekarbonisierung“ ihrer Netze wird. Welche Anteile trauen Sie der Solarwärme zu? Europaweit gehen wir davon aus, dass 15 Prozent des Fernwärmebedarfs im Jahr 2050 solarthermisch gedeckt werden wird. In Summe sind dies dann 240 Terawattstunden. Wie fügt sich die Solarthermie in die Kakophonie der anderen Energieformen ein, die in sogenannten Wärmenetzen 4.0 eine Rolle spielen sollen? Sehr gut. Sie kann sogar dafür sorgen, dass aus der Kakophonie ein harmonischer Kanon wird. Denken Sie mal an die Multifunktionsspeicher, die mit den großen Solarthermieanlagen gebaut werden: Auf den ersten Blick werden diese großen Wassertanks dafür gebraucht, Solarwärme über Tage, Wochen oder gar saisonal zu speichern. Zugleich dienen sie aber auch zur besseren Integration der KWK-Anlagen in den Strommarkt und zur Optimierung des Zusammenspiels zwischen zahlreichen Energieerzeugern im Wärmenetz – künftig sogar zur Integration von Wind- und Solarstrom. Werner R. Lutsch ist Geschäftsführer des deutschen Fernwärmeverbandes AGFW|Effizienzverband für Wärme, Kälte, KWK sowie Präsident des europäischen Dachverbandes EuroHeat & Power. Im Interview spricht er über die Perspektiven der Solarthermie in der Ferwärme. Quelle: AGFW Infoblatt Solare Wärmenetze | Nr. 4 „Solarthermie wird zum tragenden Baustein“

Julian Kuntze2023-03-22T11:50:52+01:00Freitag, 1. November, 2019|

Solare Wärmenetze in der Wohnungswirtschaft – wichtiger Baustein für Klimaneutralität im Gebäudesektor

Infoblatt Solare Wärmenetze | Nr. 3 www.solare-waermenetze.de SCHLÜSSELROLLE FÜR EINE ERFOLGREICHE ENERGIEWENDE Der Gebäudesektor spielt eine Schlüsselrolle für das Gelingen der Energiewende: Immerhin machen die Beheizung und Warmwasserbereitung von Wohngebäuden fast ein Viertel des Endenergieverbrauchs der Bundesrepublik und circa 15 % der CO2-Emissionen aus. Jeweils ein Drittel davon entfällt auf den vermieteten Geschosswohnungsbau, also rund 8 % des Endenergieverbrauchs und etwa 5 % der CO2- Emissionen [1]. Die Energieerzeugung und -versorgung mittels Erneuerbarer ist somit auch für die Wohnungswirtschaft von hoher Bedeutung. Neben der Reduzierung des CO2-Ausstoßes liegt darin ein entscheidender Faktor für langfristig bezahlbare Mieten. INFRASTRUKTUR FÜR GRÜNE WÄRME IST VORHANDEN Bislang jedoch liegt der Fokus weitgehend auf der Stromerzeugung, dabei muss auch der Wärmebereich zwingend klimafreundlicher werden. Insbesondere Wärmenetze bieten eine gut geeignete Infrastruktur für grüne Wärme – gerade in dicht bebauten Innenstädten, wo die Umstellung auf erneuerbare Energien bei Gebäuden schnell an ihre Grenzen stößt. Die solaren Deckungsgrade sind hoch, zudem ist die Versorgung über zentrale Wärmenetze deutlich kostengünstiger im Vergleich zu dezentralen Anlagen. DIE WÄRMEWENDE BRAUCHT WÄRMENETZE An diesem Punkt kommt erneut die Wohnungswirtschaft ins Spiel: In einer Umfrage des Gesamtverbands der Wohnungswirtschaft im April 2018 gaben zahlreiche Wohnungsunternehmen an, über eigene Wärmenetze zu verfügen und Interesse an der Integration erneuerbarer Energieträger – vornehmlich großflächiger Solarthermie – zu haben. In der Praxis wird diese vorhandene Infrastruktur aber noch wenig genutzt, um einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Wärmenetze zu leisten. Inspiration können bereits erfolgreich realisierte Projekte liefern, bei denen vielfältige Konzepte und Technologien zum Einsatz kommen. SOLARWÄRME-CONTRACTING IN GRAZ Graz in der österreichischen Steiermark: Im Bezirk Waltendorf entstand in den 1960er Jahren mit dem Berliner Ring eine der größten Wohnsiedlungen der Stadt. Im Zuge einer umfangreichen Dach- und energetischen Sanierung Anfang der 2000er Jahre wurde die Versorgung über einen zentralen Ölkessel ersetzt durch den Anschluss an das Fernwärmesystem, kombiniert mit dem Bau einer Solaranlage. Auf den Dächern von sechs Gebäuden wurde eine Kollektorfläche von insgesamt rund 2.400 m2 installiert. Darüber werden über 750 Wohnungen in 27 Gebäuden versorgt. Die Solarwärme wird zunächst direkt in das Netz der Häuser, auf denen die Anlage montiert ist, eingespeist, und dann über das Hausnetz an die umliegenden Die Energiewende findet nach wie vor zu wenig im Wärmebereich statt. Dabei mangelt es nicht an intelligenten Konzepten zur Integration erneuerbarer Energien, wie etliche Beispiele zeigen. Wärmenetze mit Solarthermie-Einspeisung stellen eine besonders interessante Option für CO2- und Kosteneinsparungen dar, gerade für städtische Quartiere. Hier steckt neben grüner Wärme vor allem eines: noch viel Potenzial. Solare Wärmenetze in der Wohnungswirtschaft Ein wichtiger Baustein für Klimaneutralität im Gebäudesektor Gebäude weitergegeben. Überschüsse landen in zwei Pufferspeichern mit einem Gesamtvolumen von 60 m3. Bei ihrer Errichtung 2004 war die Solaranlage die größte ihrer Art in Europa. „Der Berliner Ring ist ein gutes Beispiel dafür, wie in einer dicht bebauten Siedlung mit relativ wenig Dachfläche ein hoher Wärmeertrag generiert werden kann“, sagt Moritz Schubert, zuständig für Projektentwicklung bei SOLID. Die Gesellschaft für Solarinstallation und Design baute die Solaranlage und betreut sie technisch. Eigentümer und Betreiber ist solar.nahwaerme.at, ein Unternehmen der SOLID-Gruppe. Im Rahmen eines Contractingmodells liefert es die Solarwärme an den Betreiber des örtlichen Wärmenetzes, der sie wiederum an die Bewohner am Berliner Ring vertreibt. „In diesem Fall haben nicht die Haus- bzw. Wohnungseigentümer in die Anlage investiert, sondern die Solar-Contractingfirma“, so Schubert. Und die Performance? „Die Leistung der Anlage ist auch 15 Jahre nach Inbetriebnahme noch immer zufriedenstellend und erfüllt mit einem Solarertrag von circa 1.000 MWh pro Jahr die Erwartungen.“ SPEICHER-PILOTPROJEKT IN ROSTOCK Gute Tausend Kilometer weiter nördlich blickt eine Anlage in Rostock schon auf eine fast 20-jährige Lebensdauer zurück. Im Mai 2000 ging sie als erste solar unterstützte Nahwärmeversorgung mit einem Aquiferspeicher in Deutschland in Betrieb – errichtet als Demonstrationsanlage im Rahmen des Bundesforschungsprogramms „Solarthermie-2000“. Eine Solaranlage mit knapp 1.000 m2 Absorberfläche versorgt ein Mehrfamiliengebäude mit 108 Wohnungen. Wärmeüberschüsse werden in einen unter dem Gebäude liegenden Aquiferspeicher mit zwei Brunnen geleitet. Der saisonale Wärmespeicher ist so ausgelegt, dass die Hälfte des jährlichen Wärmebedarfs für Raumheizung und Warmwasserbereitung durch Solarenergie gedeckt wird. Anfängliche Probleme im Anlagenbetrieb konnten behoben werden, so dass dieses Planungsziel mit einem solaren Deckungsanteil am Gesamtwärmebedarf von durchschnittlich 49 % erreicht wird. Solarthermie ist beim Betreiber der Anlage, der Rostocker WIRO Wohnungsgesellschaft, auch aktuell ein großes Thema. Um die Wärmeversorgung grundlegend zukunftsfähig auszurichten, hat das Unternehmen 2016 eine Energietochter gegründet: Die WIR Wärme in Rostocker Wohnanlagen GmbH erneuert in den nächsten 10 bis 15 Jahren sämtliche gasbetriebene Heizungsanlagen im Wohnungsbestand der WIRO. „Insgesamt werden wir rund 6.000 Wohnungen mit innovativer Technik ausstatten“, erläutert WIR-Geschäftsführer Ingolf Wenzel. „Dabei spielt der Einsatz Erneuerbarer Energien – darunter auch Solarthermie – eine wichtige Rolle.“ Seit 2017 wird dort, wo die Voraussetzungen wie etwa die Gebäudeausrichtung stimmen, Solarthermie als Ergänzung zur gasbetriebenen Heizungsanlage eingesetzt. „Für die in 2017 installierten Anlagen werten wir derzeit das erste volle Abrechnungsjahr aus und sind gespannt, inwieweit sich die Prognosen mit den realen Ergebnissen decken.“ Auch in puncto innovative Speichertechnologien ist WIRO weiterhin aktiv. Zwischen 2020 und 2022 sind Großprojekte wie das Werftdreieck geplant, deren Energiekonzepte beispielsweise den Einsatz von Eisspeichern vorsehen. Ob Speicher oder Solarthermie: „Diese Anlagen brauchen für einen optimalen Betrieb ein konstantes Monitoring“, betont Ingolf Wenzel. „Die Themen Energie und Effizienz werden immer wichtiger und erfordern somit mehr Aufmerksamkeit und Kapazitäten.“ WIRO sieht sich dafür mit seinem eigenen Energieunternehmen innerhalb der Wohnungsgesellschaft gut aufgestellt. FERNWÄRMENETZ ALS SAISONALSPEICHER IN BERLIN Der Bau großer Speicherkapazitäten war im neuen Wohnquartier am Berliner Forschungsund Wissenschaftsstandort Adlershof nicht notwendig – diese Funktion übernimmt das dort bereits vorhandene Fernwärmenetz. Andreas Reinholz vom lokalen Fernwärmeversorger BTB erklärt das Prinzip: „Wir stellen im Rahmen dieses Modellprojekts unser Fernwärmenetz quasi Infoblatt Solare Wärmenetze | Nr. 3 PROJEKTSTECKBRIEF: SOLARTHERMIE AM BERLINER RING, GRAZ (ÖSTERREICH) Versorgung einer Wohnsiedlung mit 27 Gebäuden (756 Wohnungen) Kollektorfläche insgesamt 2.480 m2 auf 6 Gebäuden, zentraler Wärmespeicher 2 x 30 m3 Inbetriebnahme im Jahr 2004 Solarertrag: ca. 900 – 1.000 MWh/a (ca. 10 % des Wärmeumsatzes der Anlage) Anschluss an vorhandene Fernwärmeversorgung Finanzierung über Contractingmodell als Saisonalspeicher zur Verfügung: Die Mehrerträge der Solarthermieanlage im Sommer werden in unsere Fernwärmeleitungen eingespeist und der Hausgemeinschaft gutgeschrieben. Diese Menge an Fernwärme steht ihr dann im Herbst und Winter ohne Berechnung zu.“ TESTLAUF FÜR FLEXIBLES VERGÜTUNGSMODELL Für einen Einsatz im größeren Stil sei dieses Vergütungsmodell allerdings noch nicht geeignet und müsste dafür deutlich differenzierter ausgestaltet werden, betont Reinholz. „Hier wird praktisch der komplette Arbeitspreis vergütet, angemessen wäre jedoch eher der vermiedene Brennstoffeinsatz. Die dafür erforderliche messtechnische Auflösung und der abrechnungstechnische Aufwand sind vom Versorger noch nicht wirtschaftlich darstellbar. Bei diesem Projekt ging es eher darum, an einem hochwertigen Neubaustandort die Umsetzbarkeit von erneuerbarer Energieerzeugung in Kombination mit Fernwärme zu demonstrieren und auch in der Verrechnung flexible Wege zu gehen.“ Dadurch, dass die Fernwärme der BTB bereits einen KWK-Anteil von 90 % und einen sehr niedrigen Primärenergiefaktor von 0,24 hat, erreichen die Häuser dank zusätzlicher Solarthermie Passiv- oder sogar Plusenergiehaus- Standard. 2017 ging die erste von insgesamt drei Solarthermieanlagen im rund 16 Hektar großen Quartier „Wohnen am Campus“ in Betrieb. Das von einer Berliner Wohnungsbaugesellschaft realisierte Ensemble aus fünf Gebäuden mit insgesamt 128 Wohnungen nutzt anderthalb Dachflächen für Solarthermie und die restlichen Flächen für Stromerzeugung aus Photovoltaik. Die Bilanz des ersten Betriebsjahres von Juni 2017 bis Mai 2018 ergab einen Solarwärmeanteil am Gesamtverbrauch von 68,6 % und einen solaren Wirkungsgrad von gut 42 %. Über die eigenständige Bilanzierung und Vermarktung der Solarwärme an die Kunden könnten neue Geschäftsmodelle entwickelt und Anreize zum Bau derartiger Anlagen gesetzt werden. [1] GdW Bundesverband Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. https://web.gdw.de/energie-und-technik www.solare-waermenetze.de PROJEKTSTECKBRIEF: “WOHNEN AM CAMPUS“ IN BERLIN ADLERSHOF Anlagenkonzept: möglichst hohe Wärmebedarfsdeckung durch Solarthermie und Strombedarfsdeckung durch Photovoltaik Umsetzung von drei Solarthermie-Anlagen auf drei Gebäude-Ensembles Errichtung eines Niedertemperaturnetzes mit 65°C und Einbindung in den Rücklauf des vorgelagerten Fernwärmenetzes zur Solareinspeisung Inbetriebnahme: sukzessive seit 2017 Bilanz des ersten Betriebsjahrs der ersten Anlage (618 m2 Kollektorfläche auf zwei Dächern): 288 MWh Solarwärme (Planung Wärmebedarf 250 MWh) PROJEKTSTECKBRIEF: SOLARTHERMIE MIT AQUIFERSPEICHER, ROSTOCK Die erste in Deutschland realisierte Solarthermie-Anlage mit Aquifer-Wärmespeicher Inbetriebnahme im Jahr 2000 Versorgung eines Mehrfamilienhauses mit über 7.000 m2 Wohnfläche mit Solarenergie zur Warmwasserbereitung und Raumheizung Kollektorfläche insgesamt 980 m2, integriert in 11 mit einer Neigung von 38° nach Süden ausgerichtete Dächer Aquiferspeicher mit einem Brunnenpaar unter dem Gebäude Solarer Deckungsanteil durchschnittlich 49 % Gefördert durch: www.solare-waermenetze.de IMPRESSUM Das Infoblatt Solare Wärmenetze ist eine Initiative im Rahmen von Solnet 4.0, einem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Vorhaben zur Marktbereitung für solare Wärmenetze. Die Projektpartner sind das Steinbeis Forschungsinstitut Solites, der Fernwärmeverband AGFW, das Hamburg Institut sowie die Herausgeber der Zeitschrift Energiekommune. Herausgeber: Steinbeis Innovation gGmbH vertreten durch Steinbeis Forschungsinstitut Solites (www.solites.de) Redaktion: Dr. Matthias Sandrock, Philippa Kreis, HIR Hamburg Institut Research gGmbH (www.hamburg-institut.com) Foto: S.1 und S.2 SOLID; S.3 oben WIRO; S. 3 unten Rolf Meißner (Ritter XL Solar), S. 4 GdW Urban Ruths Veröffentlichung: August 2019 Haftungsausschluss: Das dieser Publikation zugrundeliegende Vorhaben wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unter dem Förderkennzeichen 03EGB0002A gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieses Dokuments liegt bei den AutorInnen. Weder der Fördermittelgeber noch die AutorInnen übernehmen Verantwortung für jegliche Verwendung der darin enthaltenen Informationen. Energiekommune Wie schätzen Sie das Interesse an der Umstellung auf grüne Wärme seitens der Wohnungswirtschaft ein? Die Frage, wie sie perspektivisch ihre Energieversorgung gestalten, beschäftigt die Unternehmen zunehmend. Das zeigen Gespräche wie auch Umfragen. Entscheidend bei der Weiterentwicklung ihrer Bestände und energetischen Sanierungen sind neben dem Faktor „grüne Wärme“ dabei immer auch die Kosten pro gelieferte Kilowattstunde. Wie lässt sich beides bestmöglich verbinden? Hier besteht großes Interesse, vor allem an konkreten Praxisergebnissen. Welche Rolle spielt dabei die Solarthermie? Grundsätzlich eine wichtige. Wärmenetze mit solarer Unterstützung sind einer der Bausteine, um den Klimaschutz und die Energiewende voranzubringen. Die Lösung wird in einer Kombination aus Technologien liegen. Und Beispiele zeigen ja auch, dass es Möglichkeiten gibt, Solarthermie- Anlagen wirtschaftlich zu betreiben. Dies scheint aber sehr von den lokalen Gegebenheiten abzuhängen. Was fehlt noch zur Umsetzung von mehr innovativen Technologien und neuen Geschäftsmodellen? Dass die thermischen Solaranlagen in wohnungswirtschaftlichen Wärmenetzen bisher noch nicht „in Fahrt gekommen“ sind, ist aus meiner Sicht weniger eine technologische als vor allem eine praktische Frage. So ist eine Voraussetzung die Verfügbarkeit passender Freioder Dachflächen. Auch wird Wärme derzeit nicht nach ihren Treibhausgasemissionen, sondern nach dem Primärenergiefaktor bewertet. Bei Netzen mit KWK mit hoher Stromauskopplung ist daher der Anreiz gering, thermische Solaranlagen einzubinden. Vielleicht fehlt auch die Überzeugung darüber, dass die Anlagen ausgereift sind und einfach und zuverlässig das liefern, was geplant ist. Mangelndes Vertrauen, Flächenrestriktionen und niedrige Primärenergiefaktoren führen dann zu einer Zurückhaltung, solche Projekte anzugehen. Zudem macht der derzeitige Boom der PV es den solarthermischen Anlagen schwer, hier besteht quasi eine Flächenkonkurrenz: Wer aktuell an Dächer denkt, der denkt schnell in Richtung Photovoltaik. Also alles eine Imagefrage? Wenn Sie so wollen, ja. Eine stärkere Kommunikation von Erfolgsbeispielen im Hinblick auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis, CO2-Einsparungen, Umsetzung, Wartungsaufwand und Langlebigkeit werden sicherlich helfen, dem Thema solare Wärmenetze innerhalb der Wohnungswirtschaft mehr verdiente Aufmerksamkeit zu verschaffen. Im Gespräch: Dr. Ingrid Vogler, Leiterin Energie und Technik beim GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. Infoblatt Solare Wärmenetze | Nr. 3 „GROSSES INTERESSE AN KONKRETEN PRAXISERGEBNISSEN“

Julian Kuntze2023-03-22T11:50:52+01:00Donnerstag, 1. August, 2019|

Versorger erwärmen sich für Solarthermie

7 Solare Wärmenetze Juli 2019 Seit dem 21. Juni liegt die Baugenehmigung für Deutschlands bald größte Solarthermieanlage vor. Nun können auf dem Ludwigs bur - ger Römerhügel die Bagger anrücken. Solarkollektoren mit einer Gesamtflä - che von 14.800 Quadratmetern wird der Hersteller Arcon-Sunmark hier in den kommenden Monaten platzieren. Bezogen sich in den vergangenen Jahren die meisten Meldun gen über neue solare Wärmenetze auf ländliche Solar-Bioenergiedörfer von Bürger ener - gie gesellschaf ten, so beweist das Ludwigsburger Projekt nun endgültig, dass auch klassische Fernwärmebetreiber in urbanen Ballungsräumen Solarthermie als nachhaltige und kostengünstige Wärmequelle entdeckt haben. Die Reihe der Stadtwerke, die Multimegawatt- Anlagen planen, bauen und betreiben, wird immer länger. Allein in diesem Jahr wurden und werden neben Ludwigsburg noch mindestens drei weitere Anlagen im Megawattmaßstab von Stadtwerken fertiggestellt: in Erfurt 1700 m2, Halle 5000 m2 und (siehe Seite 10) in Bernburg 8600 m2. Weitere konkrete Planungen sind aus Städten wie Greifswald, Kempen, Hennigsdorf, Neubrandenburg und Potsdam be kannt, während sich eine ganze Reihe weite rer Stadtwerke mit ihren Plänen noch bedeckt halten. Die Teilnehmerlisten einschlägiger Veranstaltungen, wie des „Forums Solare Wärmenetze“, das Anfang Juni zum dritten Mal in Stutt gart stattfand, sprechen jedenfalls für ein stark wachsen des und immer konkreteres Interesse der kommunalen Fern - wärmeversorger an der Solarthermie. Vorreiter der Entwicklung waren Kommunen wie Neckarsulm (5700 m2) und Crailsheim (7400 m2), deren Stadtwerke innerhalb von Forschungs- und Demonstrationsprojekten mit großzügiger öffentlicher Unterstützung schon Anfang der 2000er Jahre sehr große Solarthermieanlagen mit Sai sonal spei - chern für Öko-Quartiere errichte ten. Die Anlagen beweisen bis heute, dass Solarthermie gerade im großen Maßstab technisch ausgereift und eine lang - fristig sichere Investition ist. Viele Probleme, die von kleineren Anlagen bekannt sind, wie etwa die Stagnation des Solarkreislaufs bei Überschuss wär me im Sommer, können bei fernwärmegekoppelten Anlagen oder solchen mit Langzeitwärmespeicher gar nicht erst auftreten. Trotz der guten Erfahrungen entstanden nach der Pionierphase Anfang der 2000er Jahre kaum neue große Solarthermieprojekte in Deutschland, während das Nachbarland Dänemark einen regelrechten Solarthermieboom in der Fernwärme erlebte. Überzeugende Erträge Der Wendepunkt kam erst mit der 8300-m2-Anlage der Stadtwerke Senftenberg, die 2016 ans Netz ging und seitdem die einst prognostizierten Ertragserwartungen Jahr für Jahr übe r - trifft. Dass hier im Jahr 2018 angesichts des Rekordsommers sogar ein Viertel mehr Solarwärme ins Netz eingespeist wurde als vorausgesagt, mag nicht verwun dern. Die Betriebswirte in Versorgungsunternehmen interessieren sich indessen mehr dafür, wie sich dies auswirkt auf die kalkulierten Wärmekosten. Pro solare Megawattstunde schnitt die Senftenberger Anlage nach Berech- Deutschlands Stadtwerke entdecken die Solarthermie. Zunehmend entstehen auch in urbanen Räumen große Kollektoranlagen für die Fernwärme. Stabile Wärme - preise, Langlebigkeit und Klimaschutz sprechen für die Technologie. Versorger erwärmen sich für Solarthermie Foto: Guido Bröer 8 Solare Wärmenetze Juli 2019 nungen des Herstellers Ritter XL in den ersten beiden vollen Heizperioden um 12,4 Prozent besser ab als vorausberechnet. Bei heutigen, weiter gesunke - nen Anlagenpreisen, beim üblichen Bundeszuschuss von 45 Prozent und bei einer kalkulierten Nutzungsdauer von 25 Jahren ergäbe sich laut Rolf Meißner von Ritter XL für die Senftenberger Anlage ein empirischer Wärmepreis von 1,72 Cent pro Kilowattstunde einschließlich aller Nebenkosten. Bislang bewahrheitet sich also die Devise des Senftenberger Stadtwerke- Chefs Detlef Moschke, der ein ums andere Mal betont, die Solaranlage allein aus wirtschaftlichen Gründen gebaut zu haben. Das macht den Unterschied zu früheren Demonstrationsprojekten, wo es weniger um Ökono mie als um Ökologie ging. Und gerade mit seiner rein wirtschaftlichen Argumentation macht Moschke Kollegen in der Versorger- Bran che hellhörig. Exkursio nen des Fernwärmeverbandes AGFW nach Senf ten berg sind stets ausgebucht. Energiekonzern ist zufrieden Auch Berlin-Köpenick, wo der Vattenfall- Konzern direkt neben seinem Heiz - werk seit einem Jahr eine 1000-m2- Flachkollektoranlage des dänischen Marktführers Arcon-Sunmark be treibt, hat sich inzwischen zur Pilger stätte für Fern wärmeexperten ent wickelt. Im Unterschied zu Senftenberg, wo die Kollektoren während des weit überwiegenden Teils ihrer Betriebsstunden in den mehr als 95 Grad heißen Vorlauf des zentralen Wärmenetzes einspeisen, fließt die Solarwärme in Köpenick ausschließlich in den kühleren Rücklauf. Vorlaufeinspeisung ist bei Fernwärmebetreibern zwar in der Regel belieb - ter, der Effizienz der Kollektoren sind die niedrigeren Arbeitstempe ra turen im Rücklauf freilich zuträglich. Und so kann auch Thomas Jänicke-Klingen - berg, bei Vattenfall unter anderem verantwort lich für die beschlossene Dekarbonisierung der Fern wärme, auf sehr gute Betriebser geb nisse ver wei - sen. 520 Megawattstunden (MWh) statt der er war teten 440 MWh lieferte das Köpenicker Solarfeld im ersten Betriebs - jahr. Es lag damit 18 Prozent über den Prognosen. Die Themen, die den Energiekon - zern Vattenfall umtreiben, der sein Berliner Wärmenetz bis 2030 kohlefrei und bis 2040 erdgasfrei betreiben will, ste - hen auch bei anderen Wärmeversor - gern auf der Tagesordnung. Nach Vorgaben aus Brüssel müssen alle Fernwärmenetzbetreiber ab 2020 Jahr für Jahr den Anteil von erneuerbaren Energien im Netz um mindestens 1 Prozent steigern. Solarthermie steht deshalb bei immer mehr Versorgern auf der Agenda. In städtischen Ballungsräumen erscheint zwar das Finden geeig neter Flächen fast immer als Problem. Allerdings gibt es dafür bei systematischer Flächensuche und frühzeitiger Beteiligung der maßgeblichen Behör den oft gute Lösungen. Für kleinere Anlagen findet sich – ähnlich wie in Köpenick – häufig schon auf Flächen der Ver sorger ein Plätzchen. So konnten die Stadtwerke Erfurt im Mai in unmit telbarer Nachbarschaft bestehender Fernwärmeleitun - gen gleich zwei Solar thermie anlagen einweihen. Mit einer Vakuumröhrenkollektoranlage (1155 m2) von Ritter XL und einem Flachkollektorfeld (550 m2) des öster reichischen Anbieters Solid wollen sie testen, welche Technologie für künftig geplante, wesentlich grö - ßere Solarprojekte in Frage kommt. Auch in Halle wird die Stadtwerke- Tochter Energieversorgung Halle (EVH) für die Solarisierung ihres Fernwärmenetzes eine eigene Fläche von rund einem Hektar verwenden, die bislang als Freilager für Materialien genutzt wurde. Für 374 Großflächenkollektoren ist da - rauf Platz, die zusammen eine Bruttokollektorfläche von 5091 m2 haben werden. Der Kommunalversorger sieht darin nur einen Anfang: „Die Größe der Anlage und deren Bedeutung für den Fernwärmebedarf bieten eine optimale Möglichkeit, für weitere Projekte Erfahrungswerte zu erwerben“, heißt es von Seiten der Stadtwerke-Pressestelle. Integration in den Grüngürtel Von den Stadtwerken Ludwigsburg- Kornwestheim, die jetzt die 14.800 m2 große Solarthermieanlage bauen, wur - de das Flächenthema besonders ele - gant gelöst. Die 1088 Kollektoren pflanzen sie auf einer Altlasten-Fläche un - weit ihres seit 10 Jahren existie renden Biomasse-Heizwerkes. Nicht nur die kurze Anbindeleitung spricht für diesen Standort. Vielmehr dient die künftige bunte Wiese zwischen den Kollek toren sogar als Lückenschluss für den geplanten Grüngürtel rings um Ludwigsburg. In dessen Verlauf wird auch ein Spazierweg mit Energielehr pfad am Kollektorfeld ent lang geführt. Dass im fortgeschrittenen Planungsstadium plötzlich streng ge - schütz te Zaun- und Mauer eidechsen auf der geplanten Solarfläche entdeckt wurden, durchkreuzte zwar die Zeitplä - ne. Die Verant wortli chen nahmen es allerdings als Herausforderung. Für die Reptilien wur den in der Nähe neue Habi tate aus Steinen und Altholz geschaffen. So konnte nach gelungener Umsiedlungsaktion jetzt die ersehnte Baugenehmigung an die Stadtwerke erteilt wer den. Und nach den Unterkünften der wärmeliebenden Rep ti lien wird die Sonne bald auch menschliche Habitate beheizen. Guido Bröer Die Stadtwerke Erfurt (SWE) haben gleich zwei Solarthermieanlagen an einem Standort gebaut, um die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Systeme zu prüfen. Foto: SWE/Steve Bauerschmidt Solare Wärmenetze Mit den schlüsselfertigen Solarwärme-Großanlagen von Arcon-Sunmark erzeugen Sie Ihre eigene Wärme und sparen damit nicht nur echtes Geld, sondern unterstützen aktiv den Umweltschutz. Als Marktführer mit über 25 Jahren Erfahrung in Großanlagen ist Arcon-Sunmark ein kompetenter Ansprechpartner rund um die Beratung, Installation und Betreuung individueller Solarthermie-Anlagen. Wir freuen uns auf Sie! www.arcon-sunmark.com JETZT UMSTEIGEN AUF UMWELTFREUNDLICHE UND GÜNSTIGE WÄRME Arcon-Sunmark GmbH Clermont-Ferrand-Allee 26e 93049 Regensburg info@arcon-sunmark.com Tel. 0941-64090804 Marktstatusbericht: Solarthermie in der Fernwärme 34 solarthermische Großanlagen mit einer Gesamtleistung von 44 Megawatt (MW) und einer Bruttokollektorfläche von 62.700 Quadratmetern sind derzeit in Deutschland in Fernwärmenetze eingebunden. Dies geht aus einem aktuellen Marktstatusbericht hervor, den das Steinbeis-Forschungsinstitut Solites Anfang Juni in Stuttgart vorgestellt hat. Die Branche erwartet für die nächsten Jahre ein beschleunigtes Wachstum und stellt sich langfristig auf einen fünfzigfach vergrößerten Markt ein. Bereits im Jahr 2019 werden nach Berechnungen von Solites, ergänzt um jüngste Informationen der Energiekommune- Redaktion, voraussichtlich weitere 33.000 m2 Kollektor - fläche an den Start gehen, so dass die vorhandene Anlagenleistung um mehr als die Hälfte wachsen wird. Den Löwen anteil werden dazu allein die drei größten Anlagen in Ludwigsburg (14.800 m2), Bernburg (8600 m2) und Halle (5091 m2) beitragen. Für die kommenden fünf Jahre bis 2023 erwartet Dirk Mangold, Leiter des Steinbeis-Forschungsinstituts Solites, eine Verdopplung der Anlagenzahl auf 70 große Solarsyste - me mit einer Verdreifachung der Leistung auf dann 140 MW. „Diese Zahl errechnet sich aus bereits laufenden Projekten und konkreten Machbarkeitsstudien, wobei wir die jeweilige Realisierungswahrscheinlichkeit als Faktor einkalku liert haben“, erläutert Mangold. Gemessen an den offiziellen Ausbauzielen, wie sie in der Energieeffizienzstrategie Gebäude der Bundesregierung dargelegt sind, könne die derzeitige, sehr positive Marktentwicklung freilich nur als ein Anfang betrachtet werden, betont der Wissenschaftler: „Bis zum Jahr 2050 möchte die Bundesregierung den Beitrag der Solarthermie zur Fernwärmeversorgung massiv steigern. Bei einem Anteil von 15 Prozent entspricht dies 12 Terawattstunden pro Jahr. Dafür wird eine installierte Leistung von rund 21 Gigawatt benötigt, also eine Kollektorfläche von rund 30 Millionen Quadratmetern. Wir brauchen somit einen Zubau von 1 Million Quadratmetern pro Jahr. Das bedeutet einen Faktor 50 gegenüber dem heutigen Markt!“ Euch auf europäischer Ebene finden solche Prognosen ihre Entsprechung. Werner Lutsch, Geschäftsführer des deutschen Fernwärmeverbandes AGFW und Präsident der europäischen Vereinigung Euroheat & Power verweist auf einen langfristigen europäischen Bedarf von 240 Terawattstunden Solarthermie in der Fernwärme im Jahr 2050. Der Marktstatusbericht ist als 4-seitige Bro schüre im Internet abrufbar unter https://bit.ly/2FInNA7 oder kann in Papierform kostenlos bestellt werden bei info@solites.de. SOLARTHERMIEANLAGEN IN DER FERNWÄRME Grafik: Solites/Energiekommune 10 Solare Wärmenetze Solarthermie Anlagen Im Norden geht die Sonne auf! garantiert höchste Erträge stabile Wärmepreise schlüsselfertig oder im Contracting Jetzt anrufen und eine unserer über 15.000 m² großen Referenzanlagen in Dänemark besuchen! Savosolar Kühnehöfe 3 | 22761 Hamburg info@savosolar.de | ✆ +49 (0) 40 500 349 7-0 GmbH J u li 2019 Bernburg setzt auf Sonne Die Stadtwerke Bernburg (SWB) in Sachsen-Anhalt schicken sich an, die zweitgrößte Solarthermieanlage Deutschlands für ihr Fernwärmenetz zu bauen. Nach Windkraft, Kraftwärme kopp lung mit Biomethan und Photovoltaikanlagen, mit denen sich die Stadtwerke zum Vorreiter in Sachen Mieterstrom machten, ist jetzt das Fernwärmenetz an der Reihe. Eine große Solarthermieanlage soll die Ökobilanz des Wärmenetzes in der 36.000-Einwohner- Stadt verbessern. Gerald Bieling, Geschäftsführer der Stadtwerke, sagt: „In den vergangenen Jahren haben wir vornehm - lich in Photovoltaik- und Windkraftanlagen zur umweltfreundlichen Stromerzeugung investiert. Mit der neuen So lar thermieanlage können wir nun auch den Wärmebedarf der Stadt Bernburg zunehmend aus regenerativen Quellen abdecken.“ Mit 8603 m2 Bruttokollektorfläche dürfte die Anlage Ende 2019 die zweitgrößte in Deutschland sein – nach Ludwigsburg, wo derzeit mit 14.800 m2 der neue Rekordhalter entsteht, und noch vor Senftenberg, wo die 8300 m2 große Röhrenkollektoranlage nach drei Jahren bald die Spitzenposition abgeben wird. Partner der Stadtwerke Bernburg ist bei diesem Projekt der Weltmarktführer Arcon-Sunmark. Das Konzept stammt von der EEB Enerko Energiewirtschaftliche Beratung GmbH. Das Investitionsvolumen beträgt 3 Millionen Euro. Davon sind 1,35 Millionen staatliche Zuschüsse. gb Veranstaltungstipp: Holz und Sonne Am 25./26. September 2019 findet der 19. Fachkongress Holzenergie als Topveranstaltung des deutschen Holzenergiemarktes statt. Dort wird es erstmals ein Forum zur „Kombination von Solarthermie und Biomasse“ geben. 250 Experten werden zur jährlichen Leitveranstaltung in Würzburg erwartet. Für viele bestehende und künftig ge - plante Holzenergie-Anlagen stellt die Solarthermie eine gute Ergänzung dar. Solarwärme spart Brennstoff und entlastet den Kessel vom ineffizienten Teillastbetrieb in den Sommermonaten. Das Bewusstsein dafür steigt in der Holzbranche. www.fachkongress-holzenergie.de Crailsheim ist in Sachen solare Fernwärme immer eine Reise wert. So zeigten sich während des 3. Forums solare Wärmenetze Exkursionsteilnehmer beeindruckt von der Pionierarbeit, die hier immer noch geleistet wird. Nicht nur weil die seit 2002 in mehreren Bauabschnitten auf insgesamt 7400 Quadratmeter gewachsenen Kollektor - felder jahrelang die größten in Deutsch land waren. Auch technisch und in Sachen Ökologie hat die Anlage einige Highlights zu bieten. So wird die Solarwärme teilweise in einem Bohrlochspeicher bis in den Winter gerettet und dann per Wärmepumpe veredelt. Zoologen sind derweil entzückt von den im Umfeld der Kollektoren entstandenen Trocken biotopen, wo seltene Insektenarten wie die blauflügelige Ödlandschrecke heimisch geworden sind. EXKURSIONSZIEL SOLARTHERMIE Foto: Guido Bröer Foto: Guido Bröer Holzheizwerk mit Kollektorfeld – zu Nachahmung empfohlen.

Julian Kuntze2023-03-22T11:50:52+01:00Montag, 1. Juli, 2019|

Sonne + Holz – den Gewinn macht das Dorf

7 Januar 2019 Solare Wärmenetze reishaus in Simmern. Büro des Klimaschutzbeauftragten im Rhein-Hunsrück-Kreis, Frank-Michael Uhle. Der Gastgeber und Volker Wich ter, Ortsbürgermeister der Gemeinde Neuerkirch, rechnen mal eben nach: 310000 Liter Öl pro Jahr, bei einem Heizölpreis, der im November gerade auf 90 ct pro Liter geklettert war. „Das macht 279000 Euro pro Jahr“, sagt Uhle. So viel Geld geben die knapp 300 Einwohner der Gemeinde Neuerkirch bei diesem Preis pro Jahr nicht mehr für Heizöl aus. Denn seit drei Jahren sind mehr als 80 Prozent der Gebäude in Neuerkirch und der Nachbar gemein de Kürz an das gemeinsame Wärme netz angeschlossen, das mit Holz aus der Region und Solarwärme beheizt wird. Uhle und Wichter rechnen weiter: In 20 Jahren flösse bei dieser Ölpreis-Momentaufnahme die stolze Summe von 5,58 Millionen Euro nicht mehr aus Neuerkirch ab und zu auswärtigen Energiehändlern und Ölscheichs. Die Neuerkircher bezahlen zwar weiterhin für ihre Wärme – an die Verbandsgemeindewerke in Simmern, die die Dorfwärmeversorgung betreiben. Aber das Geld bleibt in der Region. Die Gemeindewerken finanzieren von den Beiträgen der Hausbesitzer die Abschreibung von Heizhaus, Leitungen und Solarthermie anla ge, sie bezahlen den Lohn ihren Ingenieurs, der die Anlage überwacht, und sie kaufen Holz - hack schnit zel bei dem örtlichen Dienstleister, der das Restholz aus den umliegenden Wäldern zerkleinert, trock net und ausliefert. Und die Energieernte von der Sonne – 650000 Kilowattstunden pro Jahr? Zwar wurde die erst durch ein staatlich gefördertes Investment in das 1400 Quadratmeter große Solarkollektorfeld ermöglicht. Aber die Sonne selbst, die schickt keine Rechnung. Kommunale Daseinsvorsorge Im Hunsrück ist diese mone tari sierte Sicht auf die heimische Energiewelt inzwischen in vielen Köpfen verankert. Die Idee von der kommunalen Daseinsvorsorge und der Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe mithilfe erneuerbarer Energien wird nirgends deutlicher als in den inzwischen 17 Dorfwärmeverbünden, die sich im Rhein-Hunsrück- Kreis in den vergangenen Jahren gebil - det haben. Für alle zusammen rechnet Uhle eine jährliche Einsparung von 2,7 Millionen Liter Heizöläquivalenten vor. Geld ist ein Thema Zwei dieser Verbünde, Külz-Neuerkirch und seit Oktober 2018 auch die Ortsgemeinde Ellern (Foto oben), 10 Fahrminuten wei ter westlich gelegen, nutzen neben Holz die Solarthermie, die in beiden Ortsnetzen jeweils rund 20 Prozent zum Jahreswärmebedarf beiträgt und den Sommerbedarf vollständig abdeckt Letztlich sei auch in Ellern viel über Geld gesprochen worden, bevor im Gemeinderat der endgültige Beschluss zum Bau des Wärmenetzes gefallen sei, erinnert sich Friedhelm Dämgen, der Bürgermeister. Besonders als in der entscheidenden Anwerbephase vor eini - gen Jahren, in der sich möglichst viele Hausbesitzer für einen Anschluss an das Netz entscheiden sollten, der Ölpreis in Kommunen, die ihre Wärmeversorgung auf heimische erneuerbare Energien umstellen, tun nicht nur der Umwelt Gutes, sondern vor allem auch der lokalen Wertschöpfung. Sonne + Holz – den Gewinn macht das Dorf Foto: Guido Bröer K Solare Wärmenetze den Keller fiel. „Wir hatten uns ursprünglich 130 Hausanschlüsse vorgestellt, dann sind wir allerdings lange nicht über 80 hinausgekommen.“ Je geringer die Anschlussdichte, desto geringer die Wirtschaftlichkeit – dieses Grund gesetz aller Wärmenetzprojekte ließ das Projekt in Ellern zeitweilig auf der Kippe stehen. Der Durchbruch kam dann aber, als der Arbeitskreis Nah - wärme acht Dorfbewohner aus den eigenen Reihen argumentativ schulte, um für jeden Hausbesitzer eine Einzelberatung anzubieten. Gemein sam wurde in diesen Beratungsgesprächen die Situation im Heizungskeller über prüft und mit einem eigens entwickel ten Excel- Tool eine individu elle Wirtschaftlichkeitsberechnung erstellt. Ein wichtiges Argument war dabei auch, dass jeder Hausbesitzer für die Erneuerung seiner Heizungstechnik einen Zuschuss von der Gemeinde von 3800 Euro erhält. Der Betrag entspricht genau den Anschlusskosten die die Verbandsgemein de - werke Rhein böllen, die das Wärmenetz betreiben, einmalig für den Hausanschluss erheben. Dass die Gemeinde so großzügig sein kann, hat auch mit den vier Windrädern zu tun, die hier, wie in manchen anderen Hunsrück-Kommu - nen, im gemeindeeigenen Wald stehen. So fließen hohe Pachteinnahmen an die Gemeinde. Wie in anderen Wärmenetzverbünden gibt es auch in Ellern ein Glasfaser- Kabel für ultraschnelles Internet ins Haus gelegt. „Für mich ist dies beson - ders wichtig, dass man mit der Wärmeversorgung solche anderen Dinge miterledigen kann, die für die Zukunfts - fähig keit unseres Dorfes wichtig sind“, sagt Bürgermeister Dämgen, und er denkt dabei auch für an die Stromkabel, die bei dieser Gelegenheit erneuert wer den. Auch solche Dinge hätten mit kommunaler Wertschöpfung zu tun, meint er. Denn schließlich lebe Ellern von den Pendlern, die nach Mainz, Kob - lenz oder Wiesbaden führen. Für diese Leute seien Kommunikationstechnik und gute Onlineverbindungen im Home office zunehmend wichtiger. Ein Dorf grinst Volker Wichter, erlebt in Neuerkirch- Külz nun schon seit drei Jahren, wie sich der Doppel-Ort seit der Installation des Wärme net zes entwickelt und wie das Netz auch machen unerwarteten Segen bringt. Wichter lacht laut auf als er erzählt: „An den Tagen, als die Stromkostenabrechnungen ins Haus flatter - ten, hatten alle, wirklich alle im Dorf ein Grinsen im Gesicht. Ich selber habe nach dem ersten Jahr 500 Euro Stromkostenrückerstattung bekommen ohne dass ich etwas getan hätte - 200 bis 800 Euro haben die Leute zurück bekommen.“ Der Stromspareffekt resultiert aus den vielen ineffizienten Heizungspumpen und stromfressenden Kesseln, die beim Anschluss an das Wärmenetz außer Dienst gestellt wurden. Doch Wichter sieht den Benefit des Wärmenetzes nicht nur im Finanziellen: „Es fängt schon damit an, dass das Dorf im Winter ganz anders riecht; es stinkt nicht mehr nach Qualm. Und das Nahwärmenetz hat uns enorm zusammengeführt. Inzwischen haben wir vieles, was wir uns vor drei Jahren nicht vorstellen konnten, verwirklicht. Denn bei vielen Bürgern hat es Klick gemacht. Wenn da neue Ideen kommen, werden die nicht gleich belächelt, wie früher, sondern es wird ernst genommen.“ Beispielsweise hat die Gemeinde mehrere E-Bikes angeschafft und ein elektrisch unterstütztes Lastenrad, „die im Sommer jeden Tag unterwegs sind“, beteuert Wichter. Und neben der Turnhalle spielen Senioren mit ihren Enkeln auf einem neuen „Mehrgenerationen feld“ Mensch-ärgere-Dich-nicht. Alles kommt vom Wärmenetz „Das alles kam eigentlich vom Wärmenetz“, sagt Wichter. Mit den Diskussionen über die gemeinsame Energieversorgung sei ein neuer Gemeinsinn entstanden, und das Dorf sei auch deshalb wieder attraktiv gewor - den für junge Familien, berichtet Wichter: „In Neuerkirch gibt es jetzt überhaupt keine Leerstände mehr. Sondern wenn ein Haus zum Verkauf steht, ist die erste Frage des Interessenten, ist das Haus ans Wärmenetz ange schlos - sen? Und dann kommt als zweite Frage: Hat das Haus diesen Glasfaser an - schluss?“ Derzeit befänden sich in Neuerkirch sechs Häuser im Umbau, deren ältere Besitzer verstorben sind. „Die werden jetzt von jungen Familien bezogen, teilweise von Leuten aus Neuerkirch, die weg gezogen waren und die jetzt wieder zurück kommen.“ Auch das habe mit dem Wärmenetz zu tun, meint Wichter. „Die Leute, die zu uns kommen, sehen, dass hier was passiert. Und die sagen sich, wenn die den Heizungsumbau im ganzen Dort gepackt haben, dann geht da auch sonst was.“ Wichter sagt: „Das ist alles aus der Nahwärme entstanden, weil wir damit so zusammengewachsen sind. Als damals nach dem Wärmenetzplan auch noch die Idee mit der Solarthermie aufkam, haben uns manche Leute für verrückt erklärt und ausgelacht.“ Inzwischen lacht niemand mehr – außer über seine eigene Stromrechnung. Guido Bröer Energiewende sorgt in Ellern für Wertschöpfung: Die Windräder im Kommunalwald schaufeln Geld ins Gemeindesäckel; das Solar-Biomasse-Heizwerk erübrigt Öl-Importe. Foto: Guido Bröer Januar 2019 Drittes Solarwärmenetz in Rheinland-Pfalz Das Land Rheinland-Pfalz fördert einen Nahwärmeverbund in der Gemeinde Gimbweiler im Landkreis Birkenfeld. Die Ortsgemeinde will sich künftig mittels einer Holzhackschnitzel- und einer solarthermischen Freiflächenanlage versorgen. Geplant ist eine klassische Dorfwärmeversorgung für etwa 100 Hausanschlüsse von denen sich bislang gut 80 Hausbesitzer zur Teilnahme entschlossen haben. Außerdem soll eine Sporthalle und ein Mehrgenerationenhaus versorgt werden. Das Netz soll eine Länge von 4 Kilometern haben. Zwei Holzkessel mit 600 und 350 kW Feuerungsleistung sollen es versorgen, die dabei von einer Solarthermieanlage mit rund 1000 Quadratmetern Kollektorfläche unterstützt werden. Im Sommer sollen die Kollektoren die Heizlast vollständig übernehmen. Dazu werden zwei Pufferspeicher mit jeweils 60 Kubikmetern errichtet. Der Plan sei, die Anlage schon zur nächsten Heizsaison am Netz zu haben, berichtet Alexander Reis vom IFAS-Institut am Hochschulcampus Birkenfeld, der die Kommune in der Konzeptphase beraten hat. Reis nennt Dorfwärmenetze, die mit erneuerbaren Energien versorgt werden, „die Königsklasse der kommunalen Klimaschutzarbeit“, denn es gehöre sehr viel Überzeugungsarbeit dazu, um solch ein Projekt über Jahre voranzutreiben und möglichst viele Mitbürger zur Teilnahme zu motivieren. Auch Thomas Griese, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten (MUEEF) lobte bei der Übergabe des Förderbescheides für die Anschlussleitungen und die Hausübergabestationen an Bürgermeister Martin Samson Mitte Dezember: „Ich bin begeistert von diesem Projekt, denn wir brauchen das Engagement der Kommunen für eine erfolgreiche Wärme- und Energiewende!“ Neben Landesmitteln erhält Gimbweiler Zuwendungen vom Bund aus der nationalen Klimaschutzinitiative. gb Klimaschutzgesetz Thüringen bricht eine Lanze für solare Wärmenetze Im Dezember hat der thüringische Landtag ein Klimaschutzgesetz für das Land beschlossen. Darin nimmt die Wärmeversorgung einen großen Raum ein. Kommunen werden angehalten, Wärmeanalysen und darauf aufbauende Wärmekonzepte zu erstellen. Öffentliche Fernwärmeversorger sind verpflichtet, innerhalb von vier Jahren ein Konzept vorzulegen, wie sie ihr Netz bis spätestens 2040 klimaneutral machen wollen. „Fernwärmeversorgungsunternehmen (...) sind verpflichtet, ein Konzept für ihr Wärmenetz zu entwickeln, das an dem Ziel der nahezu klimaneutralen Wärmeversorgung bis zum Jahr 2040 ausgerichtet ist und in dem auch die gegebenenfalls erforderlichen Durchführungsschritte für den Zeitraum bis zum Jahr 2040 dargelegt werden“, heißt es im Wortlaut des Gesetzes. Um ein solches Konzept zu entwickeln, haben die Unternehmen maximal vier Jahre Zeit. Die ursprünglich im Gesetzentwurf vorgesehene Frist von drei Jahren wurde vom Landtag um ein Jahr verlängert. Im ersten Schritt müssen öffentliche Fernwärmeversorger in Thüringen nun binnen eines halben Jahres nach Inkrafttreten des Gesetzes die Zusammensetzung ihres Energiemixes veröffentlichen. Die Zuständigkeit der Kommunen für die Wärmeversorgung begründet der Landesgesetzgeber damit, dass anders als bei der Stromversorgung nur lokale und keine Überregionalen Netze zur Verfügung stünden. „Die Nutzung von Photovoltaik, Solarthermie, Kraft-Wärme-Kopplung, vor allem in Verbindung mit Speichern und Wärmenetzen, ist vorrangig in Gemeinden zu planen“, heißt es in der Begründung. Laut Klimaschutzgesetz sind die Kommunen aufgefordert, sich im Rahmen ihrer Zuständigkeit für Raumordnung und Bauleitplanung an den Entwicklungskonzepten der Fernwärmeunternehmen zu orientieren. Insbesondere mit Blick auf die Ausweisung ausreichend großer Flächen für die Solarthermie ist diese Aussage des Gesetzes relevant. gb Solare Wärmenetze Mit den schlüsselfertigen Solarwärme-Großanlagen von Arcon-Sunmark erzeugen Sie Ihre eigene Wärme und sparen damit nicht nur echtes Geld, sondern unterstützen aktiv den Umweltschutz. Als Marktführer mit über 25 Jahren Erfahrung in Großanlagen ist Arcon-Sunmark ein kompetenter Ansprechpartner rund um die Beratung, Installation und Betreuung individueller Solarthermie-Anlagen. Wir freuen uns auf Sie! www.arcon-sunmark.com JETZT UMSTEIGEN AUF UMWELTFREUNDLICHE UND GÜNSTIGE WÄRME Arcon-Sunmark GmbH Clermont-Ferrand-Allee 26e 93049 Regensburg info@arcon-sunmark.com Tel. 0941-64090804 Solare Wärmenetze Ludwigsburg bekommt wohl größte Solarthermieanlage Deutschlands Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) haben die Ausschreibung für die geplante Solarthermieanlage für ihr Fernwärmenetz abgeschlossen. Sie dürfte die größte derartige Anlage in Deutschland werden. Etwa 14000 Quadratmeter soll das Kollektorfeld nach Aussage der SWLB messen und damit eine Leistung von rund 7 Megawatt erreichen. Die Anlage würde somit die Dimensionen der bislang größten Solarthermieanlage Deutschlands in Senftenberg (8300 m2, 4,5 MW) deutlich übertreffen. Dass der Zuschlag an den dänischen Weltmarktführer gegangen sein soll, wurde von den Stadtwerken bislang nicht bestätigt. „Die ausführende Firma wird im Januar offiziell bekannt gegeben“, hieß es von Seiten der SWLB-Pressestelle. Die Solarthermieanlage, die auf dem Römerberg entste - hen soll, wird in das zentrale Ludwigsburger Fernwärmeverbundnetz einspeisen, das zurzeit erweitert wird. Ge plant ist auch ein Solarwärmespeicher, der als Multifunktionsspeicher genutzt werden kann. Bislang wird das Netz zu 70 Prozent durch das 2010 errichtete Holzheizkraftwerk versorgt, das mit einer thermischen Leistung von 14,6 MW und einer ORCAnlage zur Stromerzeugung mit 2,1 MW arbeitet. Das nach Integration der Solarthermieanlage und dem laufenden Zusammenschluss mit zwei Inselnetzen 26 Kilometer lange Fernwärmenetz soll ab Anfang 2020 etwa 6 Prozent seines jährlichen Energiebedarfs von der Sonne beziehen. Angeschlossen sind etwa 500 Gebäude. Das Ausbauvorhaben wird von der Bundesregierung mit einem Zuschuss von rund 10 Millionen Euro gefördert. Bei der Übergabe des Förderbescheids sagte die Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr- Sutter, bereits im Mai 2017: Wenn Sie zeigen, was möglich ist, werden es Ihnen viele andere nachmachen.“ gb www.swlb.de/solar-heat-grid Zwei solare „Testanlagen“ für Erfurt Die Stadtwerke Erfurt haben die Aufträge für zwei Solarthermieanlagen vergeben, die im Stadtteil Marbach in ein Subnetz des Erfurter Fernwärmenetzes einspeisen sollen. Mit den technisch getrennten Teilanlagen, die es zusammen auf 1100 m2 Kollektorfläche bringen, möchten die Stadtwerke verschiedene Technologien testen, um möglicherweise künftig noch größere Anlagen im Stadtgebiet zu errichten. So wird in Kürze die Ritter XL solar GmbH eine Teilanlage mit ihren CPC-Vakuumröhrenkollektoren ausstatten, während die österreichische Solid GmbH den Auftrag zum Bau einer ähnlich dimensionierten Flachkollektoranlage erhalten hat. Das Netz in Maybach ist ein Niedertemperaturnetz, das per Wärmeübergabestation vom Erfurter Fernwärmenetz versorgt wird. www.ritter-xl-solar.de, www.solid.at 13. Februar 2019 in Simmern Fachinformationstag „Solare Wärmenetze“ Die Energieagentur Rheinland-Pfalz veranstaltet in Zusammenarbeit mit den Partnern des Projektes Solnet 4.0 im Rhein-Hunsrück-Kreis einen Fachinformationstag zum Thema solare Wärmenetze. Kommunen, Versorgungsunternehmen und alle fachlich Interessierten können sich hier über den Stand der Technik, kaufmännische und rechtliche Aspekte sowie Fördermöglichkeiten praxisnah informieren. Es werden Exkursionen zu den beiden solaren Wärmenetzen in Külz- Neuerkirch und Ellern angeboten. Dank Unterstützung durch die rheinland-pfälzische Landesregierung ist die Teilnahme kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich. Thorsten Henkes, Energieagentur Rheinland-Pfalz, thorsten.henkes@energieagentur.rlp.de 22. März 2019 in Husum Fachinformationstag für den Norden Im Rahmen der New Energy Days im Messezentrum von Husum wird von der Investitionsbank Schleswig-Holstein und dem Branchenverband watt 2.0 in Kooperation mit dem Projekt Solnet 4.0 ein Fachinformationstag zu solaren Wärmenetzen angeboten. Das Programm befindet sich noch in Abstimmung. Simona Weisleder, Hamburg-Institut, weisleder@hamburg-institut.com 4./5. Juni 2019 in Stuttgart 3. Forum Solare Wärmenetze Die zentrale Fachveranstaltung zu solaren Wärmenetzen in Deutschland findet 2019 zum dritten Mal statt. Veran - stalter sind das Steinbeis-Institut Solites und der Verband AGFW. Gastgeber ist das Baden-Württem ber gische Umwelt- und Energieministerium. www.solare-waermenetze.de TERMINE ZU SOLAREN WÄRMENETZEN Januar 2019 Foto: Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim Seit 2010 wird das Ludwigsburger Fernwärmenetz zu etwa 70 Prozent von einem Holzheizkraftwerk mit ORC-Modul zur Stromerzeugung befeuert. Bald soll auch die bislang wohl größte Solarthermieanlage Deutschlands einen Beitrag leisten. Wiens größte Solarthermie-Anlage vom Kärntner Solarpionier GREENoneTEC Die von GREENoneTEC als Generalunternehmer im Auftrag der Wien Energie GmbH errichtete Anlage befindet sich in Wien Simmering, auf dem Dach eines bestehenden Kesselhauses in rund 70 m Höhe. Mit der Anlage wird das Netzspeisewasser für das Wiener Fernwärmenetz erwärmt. Die Solaranlage beeindruckt durch hohe Systemerträge von bis zu 780 kWh/m² und den daraus resultierenden niedrigen Wärmepreis. Zum Einsatz kam der GREENoneTEC Hochleistungskollektor der GK3003 Serie, welcher aufgrund seines Absorberdesigns sowie seiner attraktiven Leistungsdaten ideal für solarthermische Großanlagen geeignet ist. Als Referenz für jegliche Anwendung bei der ein Prozessmedium vorgewärmt wird, zeigt dieses Projekt einerseits, dass sich auch ein enormer Installationsaufwand durchaus lohnt und Solarthermie attraktive Wärmepreise garantiert. Andererseits dient die Anlage aber auch für Forschungszwecke und soll weitere Informationen zum zukünftigen Einsatz der Solarthermie in Wien liefern. GREENoneTEC Solarindustrie GmbH Energieplatz 1, 9300 St. Veit/Glan, Österreich Ihr Ansprechpartner für Projekte: DI Friedrich Rois +43 4212 28136 220 friedrich.rois@greenonetec.com www.greenonetec.com Anlagengröße Solarer Ertrag CO2 Einsparung 13m² 8m² 656 m² 510 MWhth/a 2.132.000 kg bezogen auf 25 Jahre

Julian Kuntze2023-03-22T11:50:52+01:00Dienstag, 1. Januar, 2019|

Vernetzte Solarwärme im Wohnungsbau + Solarenergiedörfer liegen im Trend

9 Oktober 2018 Solare Wärmenetze Bei einer Umfrage des GdW Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, an der sich 131 Wohnungsbaugesellschaften beteiligten, erklärte jedes vierte Unternehmen, dass es eigene Wärmenetze betreibe. Ausdrücklich nicht erfasst waren dabei Netze, die von Contractoren wie beispielsweise Stadtwerken betrieben werden. Bislang ist dieser Bereich der Wärmeversorgung weitgehend statistische Grauzone. Simona Weisleder vom Ham burg Insti tut, das in diesem Bereich mit dem GdW koo pe riert, findet das Umfrageergebnis deshalb sehr interessant: „Dass ein derart hoher Anteil der Wohnungsunternehmen eigene Netze betreibt, bestätigt unsere These, dass hier im Zuge der Wärmewende ein Feld zu beackern ist.“ Während sich der Fokus der Wohnungswirtschaft nach Weisleders Einschätzung bislang eher auf den Bereich der Gebäudedämmung gerichtet habe, sei die Erzeugung von Wärme mittels erneuerbarer Energien bislang noch zu wenig im Mittelpunkt, meint Weisleder. Ein vorhandenes Wärmenetz biete al - ler dings die beste Voraussetzung, um erneuerbare Energien, wie beispiels - weise Solarthermie, Erdwärme oder Holz, in vielfältigen Va ria tionen für die Wärmewende in Quar tie ren zu nutzen. Das zeigen etliche Beispiele. Sonne und Eis So betreibt eine Hamburger Wohnungsgenossenschaft, der Eisenbahnbauverein (EBV), seit 2014 im Quartier Roseggerstraße für 480 Wohnungen einen zentralen Eisspeicher mit Wärmepumpe, der von 600 Quadratmetern Solarthermiekollektoren regeneriert wird. Der Betontank mit 20 Metern Durchmesser fasst 1500 Kubikmeter Wasser und rettet trotz dieser relativ geringen Ausmaße große Mengen der Solar wärme vom Sommer in den Winter. Dies funktioniert, weil im Phasenübergang zwischen Eis und flüssi - gem Wasser bei Null Grad relativ große Mengen Energie gespeichert werden kön nen. Allerdings wird eine Wärmepumpe benötigt, um die bei null Grad gespeicherte „Wärme“ auf ein nutz - bares Temperaturniveau für die Raumheizung zu heben. Im Winter entzieht die Wärmepumpe dem Speicher die Energie und lässt dabei das Wasser im Speicher gefrieren. Im Sommerhalbjahr wird der Speicher dann durch die Kollektor anlage wieder aufgetaut und erwärmt. Die Heizkosten der Mieter konnten nach Darstellung von EBV-Vorstand Joachim Bode mit dem neuar - tigen System im Schnitt um 30 Prozent gesenkt werden. In den nächsten Jahren sollen nach diesem Vorbild weitere Quartiere mit Eisspeichersystemen ausgestattet werden. Ganz ohne großen Speicher kommen hingegen fünf neue Solarhäuser der HOWOGE Wohnungsbaugesell - schaft in Berlin-Adlershof aus (Foto oben), obwohl diese sich übers Jahr bilanziell zu 100 Prozent mit der Solarthermie vom eigenen Dach versorgen. Dafür mussten sogar nur eineinhalb Flach dächer mit Solarwärmekollek - toren bestückt werden. Die restlichen Dachflächen können für die Stromerzeugung aus Photovoltaik genutzt wer- Wärmenetze mit Solarthermie-Einspeisung sind eine interessante Energiewende- Option für städtische Quartiere, die bislang aber im Markt noch kaum angekommen ist. Vernetzte Solarwärme im Wohnungsbau Foto: Guido Bröer B Solare Wärmenetze den. Möglich wird dies, weil der Fernwärmeversorger BTB sein Netz gewissermaßen als Solarspeicher zur Verfü - gung stellt: Was die hoch effiziente Solarthermieanlage im Sommer an Mehr ertrag produziert, der in den Häusern selbst nicht gebraucht wird, das speist sie in die Fernwärme leitungen der BTB ein und erwirbt damit für die Mieter ein Energieguthaben. Im Winter steht der Hausgemeinschaft dafür die gleiche Menge Fernwärme ohne Berechnung zu. Im ersten Betriebsjahr der Anlage ist die Bilanz aufgegangen: Die Sonne lieferte mehr Wärme als die Häuser verbraucht haben. Andreas Reinholz, der das Modell als Projektentwickler der BTB zu verantworten hat, freut sich, dass dabei das Temperaturniveau der Solaranlage fast immer hoch genug war, um in den heißeren Vorlauf des Wärmenetzes einzuspeisen. Die Option einer Rücklaufeinspeisung, die bei Netzbetreibern nicht so beliebt ist, musste kaum genutzt werden. Neue Geschäftsmodelle Reinholz lässt durchblicken, dass an diesem im Sinne des Klimaschutzes vorbildlichen Deal zwischen der BTB und dem Wohnungsunternehmen für den Wärme netz betrei ber nicht wirklich viel zu verdienen sei. Allerdings sei es aus Sicht der Fernwärmebranche wichtig, auch in hocheffizienten Neubauquartieren im Geschäft zu bleiben, indem man solche flexiblen Angebote mache. „Die Musik für die Wärmewende spielt allerdings im Altbau“, sagt er. Und auch dort würden großflächige Solaranlagen im Sommer Überschüsse erwirt schaf - ten, die bei attraktiven Verrechnungsmodellen – die es heute in Deutschland allerdings noch nicht gibt – an das Netz abgege ben werden könnten. Bei einem neuen Quartierskonzept der eG Wohnen in Cottbus wird zwar künftig auch Solarwärme an Nachbargebäude weitergegeben, allerdings will man dort mit Verrechnung nichts zu tun haben. Die Schlagworte des vom Energieexperten Timo Leukefeld entwickelten Energiekonzeptes heißen „Flat - rate-Miete“ und „vernetzte Autarkie“. Die beiden fast fertiggestellten Sonnenhäuser mit jeweils sieben Wohnungen sollen sich nicht nur zu 60 bis 70 Prozent selbst mit Strom und Wärme versorgen; sie werden darüber hinaus ihre unvermeidlichen sommerlichen Solarwärmeüberschüsse jeweils an einen benachbarten Platten bau aus DDR-Zeiten abgeben. In den ansonsten mit Fernwär me versorgten Altbauten werden nur kleine Pufferspeicher installiert. Leukefeld geht davon aus, dass die Überschüsse der Solarhäuser ausrei - chen werden, um die Nachbargebäude in den Sommermonaten vollständig mitzuversorgen. „Indem wir den Nach - ba r gebäu den die Überschussenergie schenken, verdoppeln wir in den Solarhäuser den jährlichen Kollektor ertrag.“ Den Mieter im Sonnenhaus kostet diese Freizügigkeit nichts. Er zahlt in diesem Gebäude eine sogenannte Flatrate- Miete, in der Wärme und Strom bereits enthalten sind. Guido Bröer Mit den schlüsselfertigen Solarwärme-Großanlagen von Arcon-Sunmark erzeugen Sie Ihre eigene Wärme und sparen damit nicht nur echtes Geld, sondern unterstützen aktiv den Umweltschutz. Als Marktführer mit über 25 Jahren Erfahrung in Großanlagen ist Arcon-Sunmark ein kompetenter Ansprechpartner rund um die Beratung, Installation und Betreuung individueller Solarthermie-Anlagen. 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Die rheinland-pfäl zischen Nachbargemeinden Neuerkirch und Külz hatten sich mit ihrem Wärme netz zum siamesi - schen Zwillingsdorf verbunden – mit der Solar-Heizzentrale als Herz. Anfang 2017 stieß dann das fränkische Hallerndorf zum kleinen Kreis der Solarenergiedörfer. Erst 2018 ist der Club stark gewachsen: Gleich fünf neue Dorf-Solarheizungen nehmen im laufenden Jahr den Betrieb auf. Breklum im hohen Norden und Randegg ganz im Süden haben ihre Einweihungsfeiern schon hinter sich. In Liggeringen am Bodensee, Mengsberg in Hessen und Ellern im Hunsrück laufen die letzten Vorbereitungen zur vollständigen Inbetriebnahme von Wärmenetz und Solar- Heizzentrale in diesem Jahr. Alle diese fünf Projekte folgen der gleichen Grundidee: Im Som mer bleibt der Holzkessel für einige Monate ausgeschaltet. Dann über nimmt die Sonne die Restwärmeversorgung des Dorfes. Das spart einerseits Brennstoff, was sich mithilfe von Fördermitteln des Bundes auch für den heute noch relativ günstigen Energieträger Holz schon nach einigen Jahren rechnet. Andererseits wird damit der ineffiziente Teillastbetrieb der Kesselanlagen im Sommer vermieden. Das spart Wartungskosten und erhöht die Lebensdauer. 20 Prozent Solarbeitrag Der prognostizierte Beitrag zur jährlich verbrauchten Wärmemenge liegt in den neuen Solardörfern typischerweise bei knapp 20 Prozent. Diese Größenordnung ergibt sich fast automatisch, wenn das Solarfeld für eine Volldeckung im Sommer ausgelegt wird. Wollte man größere Solaranteile erreichen – wie es in Dänemark bereits häufig der Fall ist –, so müsste man deutlich größere Spei cher bauen oder in Kauf nehmen, dass die Kollektoren sich im Sommer mit unter abschalten und die Energie verloren geht. Beides würde die Kosten pro Kilowattstunde Solarwärme verteuern. Unterschiede im Detail So ähnlich sich die Solardorfprojekte auf den ersten Blick sind, so unterscheiden sie sich doch im Detail. Das fängt schon mit der Betreibergesellschaft an. In Mengsberg und Breklum haben sich lokale Bürgerenergiegenossenschaften gebildet, um das Netz zu betreiben. Wer angeschlossen werden möchte, wird Genosse und trägt mit seiner Einlage zum Stamm kapital des Unternehmens bei. Die Gegenleistung ist Wärme zum dauerhaft günstigen Preis. Und vielleicht gibt es sogar eine kleine Dividende am Jahresende. Der Auf - wand für Wartung der Anlagen, Abrechnung der Wärme und Betreuung der Mitglieder, dem sich die Genossenschaften hier über die Bauphase hinaus stellen müssen, ist allerdings erheblich. In den Gemeinden Ellern und Liggerin- Fünf neue Solar-Bioenergiedörfer nehmen 2018 in Deutschland den Regelbetrieb auf. Foto: Stadtwerke Radolfzell. Solarenergiedörfer liegen im Trend In Liggeringen am Bodensee haben die Stadtwerke Radolfzell das Solarthermiefeld bereits aufgestellt. Solare Wärmenetze gen hat sich die Dorfgemeinschaft deshalb entschieden, Bau und Betrieb des Netzes von vornherein dem jeweiligen Versorgungsunternehmen der Kommune zu überlassen. In Randegg hingegen wird das Netz von der Solarcomplex AG betreiben (vgl. Energiekommune 7/2018), einer als Aktiengesell schaft organisierten regionalen Bürgerenergiefirma, die schon im ersten Solarenergiedorf Büsingen Pionierarbeit geleistet hat. Technische Varianten Der auffälligste technische Unterschied zwi schen den einzelnen Solarsystemen ist die Bauform der Kollek toren. Drei der Anlagen (Ellern, Randegg, Breklum) arbeiten mit Vakuumröhrenkollektoren, die nach dem Thermoskannenprinzip isoliert sind und so bei kühler Witterung eine höhere Effizienz erreichen. In Liggeringen und Mengsberg kom men hin - ge gen Großflächen-Flachkollektoren zum Einsatz, wie sie im Vorreiterland Dänemark üb lich sind. Diese sind in der Anschaffung güns tiger, ha ben aber einen geringeren Flächenertrag. Für Thomas Pauschinger vom Steinbeis- Forschungsinstitut Solites in Stuttgart hat jedes System seine Vor- und Nachteile; für die Wärme wende in Deutschlands Dörfern seien diese aber letzt lich nicht entscheidend. Er sieht inzwischen einen klaren Trend zur Sonne: „Es liegt auf der Hand, dass sich die Solarthermie in immer mehr Energie dör - fern als verlässlicher und wirtschaftli - cher Wärmeerzeuger durchsetzt, denn solche Anlagen sind eine zukunftssi - chere Investition und genießen bei den Bewohnern eine hohe Akzeptanz.“ Mit der heutigen Technik sei dabei noch mehr möglich, so Pauschinger: „Wir rechnen damit, dass die Solarthermie zukünftig nicht nur den Sommerbedarf solcher Wärmenetze deckt, sondern durch größere Speicher auch höhere Solaranteile erzielt.“ Guido Bröer Das Solarthermiefeld im hessischen Mengsberg arbeitet seit dem 1. August. Die beiden Speicher sind schon prall gefüllt mit Solarwärme. Die ersten Gebäude werden versorgt. Foto: Viessmann Solarthermie Anlagen Im Norden geht die Sonne auf! garantiert höchste Erträge stabile Wärmepreise schlüsselfertig oder im Contracting Jetzt anrufen und eine unserer über 15.000 m² großen Referenzanlagen in Dänemark besuchen! Savosolar Kühnehöfe 3 | 22761 Hamburg info@savosolar.de | ✆ +49 (0) 40 500 349 7-0 GmbH 15. Oktober 2018 in Erfurt Wärmenetze mit erneuerbarer Ener gie und Multifunktions-Wärmespeichern Der kostenfreie Workshop des Umwelt- und Energie mi - nis teriums Thüringen richtet sich an Versorger, Kommu - nen, Genossenschaften, Wohnungswirtschaft und Planer. Info: A. Kornmann, aline.kornmann@tmuen.thueringen.de 25. Oktober 2018 in Stuttgart Regenerative Wärmekonzepte Der Stadtwerkeverbund ASEW gibt seiner Veranstaltung den Untertitel „Wärmewende mitgestalten und dabei Geld verdienen“. Es geht dabei unter anderem um die Verbindung von Solarthermie und Techniken der Sektorenkopplung in Wärmenetzen. www.asew.de/waermekonzepte 7. bis 9. November 2018 in Dänemark Exkursion zu dänischen Wärmenetzen Das Kompetenzzentrum Wärmenetze Baden-Württem - berg bietet eine Tour nach Dänemark an. Die Veran stal - tung richtet sich an Vertreter von Kommunen und Stadtwerken. Dänische Kommunen und Energiegenos - senschaften sind weltweit führend bei der Entwicklung von (Solar-)Wärmenetzen und Sektorenkopplung. KEA, www.energiekompetenz-bw.de/ddd TERMINE ZU SOLAREN WÄRMENETZEN Oktober 2018

Julian Kuntze2023-03-22T11:50:52+01:00Montag, 1. Oktober, 2018|

Mitmach-Stadtwerk setzt auf Sonne

rank van Balens Gedanken eilen seinen Worten oft schon ein Stück voraus. So auch wenn er von der Entstehung des Wärmenetzes in seiner Heimatgemeinde Breklum erzählt. Was dort, in der knapp 2800 Einwohner großen nordfriesischen Ort - schaft gerade geschieht, darf bereits in mehrfa cher Hinsicht als revolutionär gelten und ist für Frank van Balen doch nur der Anfang. Der Wärmeenergie-Mix im Breklu - mer Ortskern, wo bislang hauptsächlich fossil geheizt wird, soll schon bis zum Jahresende auf 100 Prozent erneuer - bare Energien ungestellt werden. 9 Prozent vom Jahreswärmebedarf soll dann die Sonne liefern. Das schafft ein Feld von Vakuumröhrenkollektoren des Herstellers Ritter XL solar mit 652 Quadratmeter Kollektorfläche. Für mehr reicht die Fläche direkt im Ortszentrum nicht, auf der in Kürze die Anlage errichtet werden soll. Den Löwenanteil am Wärmeenergie- Mix steuern zwei hocheffiziente Blockheizkraft wer ke (BHKW) bei, die kombiniert Strom und Wärme erzeugen und deren Brennstoff aus der Erdgasleitung kommt. Die kleinere der beiden Anlagen mit 80 kW Leistung heizt bereits ein Breklumer Möbelhaus, das nun ans Netz angeschlossen wird. Das größere mit einer Leistung von 480 kW wird in einem Container untergebracht. CO2-neutral von Anfang an Beide BHKW sollen zwar mit fossilem Erdgas betrieben werden. Der Brenn - stoff wird aber vom TÜV als CO2-neutral zertifiziert, indem für jede entnommene Kilowattstunde ein Obolus an ein CO2- Sparprojekt ge zahlt wird. Verdient wird der Mehrpreis über die Stromerzeu - gung der BHKW, die ans öffentliche Netz geliefert wird und dabei eine Einspeisevergütung erzielt. Dass ein BHKW und Solar kollek - toren gemeinsam ein Wärmenetz versorgen, ist für ein deutsches Solar-Bioenergiedorf ein Novum. Diese Kombination galt bislang schlicht als nicht wirt schaftlich, da BHKW sich hierzu - lande meist über den Strom verkauf finanzieren und daher nach herr schen - der Lehre eine Einschränkung ihrer Laufzeit durch den Einsatz einer Solarthermieanlage ihre spezifische Wirt - schaft lichkeit mindert. In Breklum sieht man das anders. Zum einen, weil die Genossenschaft gebrauchte BHKW anschafft, die sich schnell amortisieren. Zum anderen, weil van Balen und seine Energiegenossen die BHKW nur als Übergangslösung brauchen. Auf Dauer will die Genossenschaft nämlich kein Erdgas verheizen, dessen CO2-Kompensation sie nur als Not lö - sung sieht. Stattdessen soll als Ergän - zung zur Solarthermie überschüssiger Windstrom aus dem benach bar ten Windpark zu Wärme gemacht werden. Heute werden die Rotoren des Brek - lumer Bürgerwindparks, an dem viele der neuen Wärmegenossen seit Jahren beteiligt sind, häufig abgeschaltet, weil die Leitungen zum Abtransport der Strommengen nicht ausreichen. Tech- In der Kommune Breklum im Kreis Nordfriesland baut eine Bürger-Energiegenossenschaft Schleswig-Holsteins größte Solarthermieanlage. Sie ist Herzstück eines neuen Wärmenetzes, das sich in den kommenden Jahren noch stark verändern und auch Windstrom aufnehmen soll. Solare Wärmenetze Mitmach-Stadtwerk setzt auf Sonne Oktober 2017 F Foto: Guido Bröer Solnet 4.0 nisch ist es zwar ein leichtes, den Strom zum Heizen zu verwenden. Allerdings, so erklärt van Balen, verhinderten dies die bundesdeutschen Energie- und Steuergesetze, die die Nutzung des „Abfallstroms“ mit so hohen Steuern und Abgaben belegen, dass Power to Heat unwirtschaftlich ist. „Wir können aber nicht auf die Politik warten, sondern müssen jetzt Netze aufbauen, wenn wir den Altbaubestand CO2-neutral versorgen wollen,“ sagt van Balen. „So schaffen wir die Option, dass wir irgendwann unseren eigenen Windpark anschließen können.“ Sprit + Wärme lokal produziert Schon heute denkt van Balen dafür über technische Möglichkeiten nach. Einen schnöden Elektrokessel zu verwenden, wie dies einige Stadtwerke bereits tun, um negative Börsenstrompreise zu nutzen, ist für ihn dabei nicht die erste Wahl. Eine Option könne stattdessen ein Elektrolyseur sein, mit dem aus Windstrom Wasserstoff für Breklumer Fahrzeuge erzeugt werden könnte und dessen 25-prozentiger Abwärmeanteil im Dorfnetz Verwendung finden würde. Und die Breklumer machen bei diesen ungewöhnlichen Ideen mit. Van Balen: „Wir sind in Nordfriesland! Da sind es die Leute nicht nur gewohnt, dass sie sich an Windparks beteiligen können. Es ist mittlerweile typisch für uns im Norden, dass die Leute mit ihrer Daseinsvorsorge Geld verdienen wollen.“ Für den ersten Bauabschnitt im Ortskern, für 30 Einfamilienhäuser und 12 institutionelle Abnehmer vom Kindergarten bis zum Rathaus, wurden bereits 3,8 Kilometer Wärmeleitung im Sommer verlegt. Jeder zahlt 1000 Euro Genossenschaftsanteil und 3500 Euro einmalige Anschlusskosten. Und schon im kommenden Jahr geht es weiter: Eine Wohnsiedlung mit 140 Einfamilienhäusern ist dann an der Reihe. Obwohl dazu noch nicht einmal eine Informationsveranstaltung stattgefunden hat, sind schon jetzt viele der Eigentümer der Genossenschaft beigetreten, die nun 150 Mitglieder zählt. Sie unterstützen damit die Idee vom „Mitmach- Stadtwerk“, in dem – wie im Genossenschaftsgesetz verankert – jeder das gleiche Stimmrecht hat. In fünf Jahren, so das Ziel von Frank van Balen, soll dann im Endausbau das Wärmenetz für die ganze Gemeinde zur Verfügung stehen. Mit der Zahl der Hausanschlüsse soll auch die Solarthermiefläche mitwachsen. Dass im Zuge des Netzaus - baus mindestens eine weitere sehr große Solarthermieanlage gebaut wird, ist für van Balen ausgemachte Sache. Wind- und Solarwärme Ebenso sicher ist er, dass irgend wann Windstrom seinen Weg ins Wärmenetz finden wird. „Uns ist wichtig“, sagt van Balen, „dass alles in der Region bleibt und dass wir Herr unserer eigenen Energieversor gung werden.“ Dass sich hier viele Privatleute auf nachbarschaftlicher Basis zu einem „Mitmach-Stadtwerk“ zusammen - schließen, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Breklum Profis am Werk sind. Van Balen als hauptamtlicher Geschäftsführer ist ebenso vom Fach wie einige seiner Mitstreiter. Eine professionelle Organisationsform sei bei einem Wärmenetz unbedingt geboten, betont van Balen, da neben der Erzeugung auch die Abnahme der Energie, samt deren Abrechnung zu orga nisie - ren sei: „Die Organisiation unseres Wind parks war viel weniger komplex als dieses Nahwärmenetz.“ Guido Bröer BürgerGemeindeWerke Breklum e.G., Borsbüller Ring 25, 25821 Breklum, Tel. 04671 9331240, www.bgw-breklum.net Ritter XL solar, www.ritter-xl-solar.com Frank van Balen, Geschäftsführer der BürgerGemeindeWerke Breklum eG ist der profes sio nelle Kümmerer, den auch ein „Mitmach -Stadtwerk“ braucht. Solare Wärmenetze Foto: Guido Bröer Mit den schlüsselfertigen Solarwärme-Großanlagen von Arcon-Sunmark erzeugen Sie Ihre eigene Wärme und sparen damit nicht nur echtes Geld, sondern unterstützen aktiv den Umweltschutz. Als Marktführer mit über 25 Jahren Erfahrung in Großanlagen ist Arcon-Sunmark ein kompetenter Ansprechpartner rund um die Beratung, Installation und Betreuung individueller Solarthermie-Anlagen. Wir freuen uns auf Sie! www.arcon-sunmark.com JETZT UMSTEIGEN AUF UMWELTFREUNDLICHE UND GÜNSTIGE WÄRME Arcon-Sunmark GmbH Clermont-Ferrand-Allee 26e 93049 Regensburg info@arcon-sunmark.com Tel. 0941-64090804 Solarthermie meets Fernwärme Das Interesse von Stadtwerken an der Solarthermienutzung in Wärmenetzen wächst. Dies zeigte der erste Status - work shop „Solarthermie in der Fernwärme“, zu dem das Bundeswirtschaftsministerium Ende September nach Dresden eingeladen hatte. Die 200 Teilnehmer waren zu zwei Dritteln Mitarbeiter von Stadtwerken und anderen Fernwärmeversorgern. Werner Lutsch, Geschäftsführer des Fernwärmever ban des AGFW bestätigt, dass das Interesse seiner Branche an der Solarwärme gewachsen sei: „Wir haben früher noch gewisse Berührungsängste gehabt, aber mittlerweile sind wir darüber hinweg.“ Das Interesse der Stadtwerke wächst aber auch deshalb, weil seit gut einem Jahr erste Solaranlagen in bestehende deutsche Fernwärmenetze einspeisen, die auf Wirtschaft lich - keit getrimmt sind. Allen voran die vor Jahresfrist eingeweihte deutschlandweit größte Solarthermieanlage der Stadtwerke Senftenberg. Das 8300 Quadratmeter große Kollektorfeld mit einer Leistung von bis zu 5 Megawatt hat im ersten Betriebsjahr mehr als 4 Gigawattstunden an das Fernwär - menetz abgegeben –mehr als vorausberechnet. Senftenbergs Stadtwerke-Geschäftsführer Detlef Mosch - ke freut dabei, dass die vom Hersteller Ritter XL gelie ferte Röhrenkollektoranlage zumeist auf einem Temperaturniveau von 90 Grad und mehr direkt in den Vorlauf einspeist. Die Wirtschaftlichkeit der ebenfalls seit einem Jahr betriebene Solaranlage am Chemnitzer Heizkraftwerk mit 2136 Quadratmetern Flachkollektoren profitiert hingegen von den relativ niedrigen Vorlauftemperaturen, mit denen ein Subnetz den Stadtteil Brühl versorgt. Bei 70 Grad können die Flachkollektoren – die hier vom österreichischen Hersteller Green - onetech stammen – wesentlich effizienter arbeiten als in üblichen Hochtemperaturnetzen. Obwohl auch die Flachkollektoren hier ohne Glycol als Frostschutzmittel betrieben werden, hat die Chemnitzer Anlage laut ihrem technischen Mentor, Thorsten Urbaneck von der TU Chemnitz, den ersten Winter problemlos überstanden. Jedoch wurden vorsichts - halber 6 Prozent ihres solaren Jahresertrages für ihre Behei - zung bei Minusgraden eingesetzt, während die Senften - berger Vakuumröhrenkollektoren nach Angaben des Her stel - lers lediglich 0,1 Prozent ihrer Jahres-Wärme erzeu gung für den Frostschutz aus dem Fernwärmenetz bezogen haben. Der nächste Quantensprung für die solare Fernwärmeversorgung in Deutschland kündigt sich in der Stadt Hennigsdorf an. Die dortigen Stadtwerke wollen die Fernwärme kurzfristig klimaneutral machen. Neben einem Biomasse-Heizwerk und bislang ungenutzter Abwärme aus dem örtlichen Elektrostahlwerk ist auch die Solarthermie ein Baustein. Eine zentrale Rolle soll ein Wärmespeicher mit 22.000 Kubikmeter Wasser spielen. Einerseits puffert er plötzliche Schwankungen von bis zu 50 MW aus der Abwärme des Stahlwerkes. Zugleich soll er aber auch Power-to-Heat-Windstrom aufnehmen und große Mengen Solarwärme. In Hennigsdorf sind 20000 Quadrat - meter Solarkollektoren geplant, die überwiegend auf einer ehemaligen Schlackehalde des Stahlwerkes stehen sollen. Beeindruckt von solchen Aussichten äußert sich Frank Heidrich vom Bundeswirtschaftsministerium: „Fernwärme und Solarthermie – hier kommt zusammen, was zusammen gehört.“ gb Solare Wärmenetze Foto: Guido Bröer Zahlreiche Solaranbieter aus der Initiative Solare Wärmenetze stellten beim 22. Dresdener Fernwärmesymposium aus. 5000 m2 Kollektoren für Mürzzuschlag in der Steiermark Eine der größten Solarthermieanlagen Österreichs wird jetzt in der Stadt Mürzzuschlag gebaut. Die Anlage wird im Contracting betrieben. Seit 35 Jahren werden große Teile der 8600-Einwohner- Stadt im Bundesland Steiermark mit Fernwärme versorgt. 50 Prozent der Energie kommen bislang aus Biomasse. Nun wird eine große Solarthermieanlage gebaut, um den erneuerbaren Anteil der Fernwärme weiter zu erhöhen und zugleich wertvollen Rohstoff Holz einzusparen. 10 Prozent des Jahreswärmebedarfs sollen künftig Flachkollektoren mit rund 5000 Quadratmetern Kollektorfläche beisteuern. Das Kollektorfeld entsteht auf einer Wiese am nördlichen Stadtrand. Dort baut aber nicht der örtliche Fernwärmeversorger, sondern das Unternehmen S.O.L.I.D. aus Graz, das seit 1992 auf große Solarthermieanlagen spezialisiert ist. Es wird die Anlage auf eigenes Risiko als Contractor betreiben. gb S.O.L.I.D. GmbH, Detlev Seidler, Vertriebsleiter Deutschland, Tel. 0174 9474292, d.seidler@solid.at, www.solid.at Projekt Solnet 4.0 ist gestartet Koordiniert vom Forschungsinstitut Solites und gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium ist ein Projekt zur Marktbereitung für solare Wärmenetze gestartet. Bundesweit wollen die Projektpartner – neben Solites sind dies der Fernwärmeverband AGFW und das Hamburg-Institut sowie die Herausgeber der Energiekommune – über die Möglichkeiten solarthermisch unterstützter Fern- und Nahwärmenetze informieren und helfen, Markthemmnisse aus dem Weg zu räumen. Interessenten und mögliche Kooperationspartner sollten sich beim Projektleiter Thomas Pauschinger melden. gb Solites gGmbH, Thomas Pauschinger, Tel. 0211 6732000-40, www.solites.de WWW.SAVOSOLAR.DE SOLARTHERMIE FÜR BEWUSSTE UND NACHHALTIGE GEMEINDEN 11./12. April. 2017 in Graz/Österreich 5th International Solar District Heating Conference Die internationale Konferenz zur solaren Fernwärme nut - zung ist das Top-Event für alle Experten auf dem Gebiet der solaren Wärmenetze. In den vergangenen Jahren hat sich die Veranstaltung allerdings zunehmend für neue Zielgruppen geöffnet. Potenzielle Anwender aus Kommunen, Stadtwerken und Energiegenossenschaften sind hier willkommen und finden – bei moderaten Teilnahmegebühren – aktuellste Informationen zum Stand von Technik und Wirtschaftlichkeit. Wer Kontakte und Ansprechpartner sucht, ist hier richtig. Im April 2018 findet die Konferenz im österreichischen Graz statt. Konferenzssprache ist Englisch; ein Großteil der Teil - nehmer kommt allerdings erfahrungsgemäß aus den deutschsprachigen Ländern. http://solar-district-heating.eu Termin zum Thema solare Wärmenetze Solare Wärmenetze Auf der Mayerhoferwiese im Norden Mürzzuschlags entsteht eine Solarkollektoranlage (Computer-Visualisierung). Grafik: S.O.L.I.D. GmbH

Julian Kuntze2023-03-22T11:50:52+01:00Mittwoch, 1. August, 2018|

Solarwärme heizt Energiedörfer am Bodensee – Holz und Sonne als Energiequelle für Wärmenetz

Infoblatt Solare Wärmenetze | Nr. 1 www.solare-waermenetze.de Solarwärme heizt Energiedörfer am Bodensee Holz und Sonne ergänzen sich als Energiequelle für Wärmenetze Als im Jahr 2012 in Büsingen die erste Solar- Bioenergie-Dorfwärmeversorgung Deutschlands an den Start ging, war das ein Sonderfall. Schon deshalb, weil das 1300-Einwohner-Dorf am Hochrhein eine deutsche Exklave in der Schweiz ist. Deshalb gilt hier nicht das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit seinen Einspeisevergütungen für Ökostrom. Zwar geht es beim Thema Energiedorf hauptsächlich um Wärme, nicht um Strom, doch war das EEG mit seiner Vergütung für den Strom aus Biogas entscheidend für die allermeisten von mehr als 100 Bioenergiedörfer in Deutschland, die – angefangen mit Jühnde bei Göttingen und Mauenheim nördlich des Bodensees – seit 2006 entstanden sind. Mauenheim war das Erstlingswerk der Solarcomplex AG aus Singen, einer Bürgerenergiegesellschaft, die sich bis dato auf den Betrieb von Photovoltaik- Gemeinschaftsanlagen und einer Wasserkraftanlage beschränkt hatte. Inzwischen betreibt das Unternehmen in der Region 16 Wärmenetze. In den meisten dieser Bioenergiedörfer fließt durch die neu verlegten Fernwärmerohre Abwärme aus einer Biogasanlage zu den Häusern. Die Wärme kostet in diesem Modell fast nichts, denn nach den Regeln des EEG finanziert schon allein der Stromverkauf die Biogasanlage. BÜSINGEN IST ANDERS In Büsingen schied hingegen Biogas als Option für Strom und Wärme aus, weil nach Schweizer Recht dafür kein Business Case in Sicht war. Der Solarcomplex-Vorstand setzte deshalb auf Holzhackschnitzel aus der Region. Das allein wäre nichts besonderes gewesen. Doch die Verbindung mit einer großen Solarthermie-Anlage, die war noch in keinem deutschen Bioenergiedorf ausprobiert worden. „Wir haben damals spitz gerechnet und die Kosten der Solarwärme für wettbewerbsfähig befunden“, berichtet Solarcomplex-Vorstand Bene Müller. Denn schon im Jahr 2012 habe sich angedeutet, dass der Preis für Holzschnitzel aufgrund der wachsenden Nachfrage weiter steigen würde. Jede Kilowattstunde, die übers Jahr aus Sonne statt Holz erzeugt werden kann, stabilisiert deshalb den Wärmepreis. „Den letzten Ausschlag für die Entscheidung gab dann für mich eine Exkursion nach Dänemark“, erinnert sich Müller. Denn dort boomten damals schon solare Wärmenetze für Städte und Dörfer. In Büsingen wurde direkt neben der damals neuen Heizzentrale ein Solarfeld mit etwas über 1000 Quadratmetern Kollektorfläche errichtet. Zum Einsatz kommen dort Vakuumröhrenkollektoren eines deutschen Herstellers, deren Parabol-Spiegel dafür sorgen, dass das Sonnenlicht auf der gesamten Kollektorfläche genutzt wird und dass in den Räumen zwischen den Röhren die Energie nicht verloren geht. In der Region westlich des Bodensees sind seit 2012 Bioenergiedörfer mit großen solarthermischen Anlagen entstanden; weitere sind in Bau oder Planung. Diese Projekte finden über die Region hinaus Nachahmung. Hier zeigt sich, dass solare Wärmenetze auch in ländlichen Regionen erfolgreich realisierbar sind. SOLARENERGIEDORF BÜSINGEN Büsingen war deutschlandweit das erste Solar-Energiedorf seiner Art. Inbetriebnahme: 2012 Hausanschlüsse: 105 Netzlänge: 5,8 km Inbetriebnahme Solarthermie: 2013 Kollektorfläche: 1090 m2 Kollektortyp: CPC-Vakuumröhrenkollektoren Jahresertrag: 565 MWh/a Solarer Deckungsanteil: 13,5 % Die Anlage in Büsingen wurde so kalkuliert, dass sie übers Jahr etwa 13 Prozent des Wärmebarfs deckt. Eine Simulationsrechnung im Vorfeld hatte dabei einen Kollektorertrag von 500 Kilowattstunden pro Jahr je Quadratmeter Kollektorfläche prognostiziert. In den ersten sechs Betriebsjahren wurde diese Ertragserwartung nach Angaben des Betreibers um drei Prozent übertroffen. „Wir werden damit für die deutsche Solarkollektorszene als Referenz interessant“, ist sich Müller bewusst. Und in der Tat lässt sich belegen, dass später errichtete solarunterstützte Dorf-Wärmenetze in bayerischen, rheinlandpfälzischen und schleswig-holsteinischen Kommunen, während Informationsfahrten der dortigen Verantwortlichen nach Büsingen den entscheidenden Impuls bekamen. SOLAR-NACHRÜSTUNG RANDEGG In der Bodensee-Region ging die Entwicklung weiter. So hat die Solarcomplex AG im August 2018 wenige Kilometer von der Exklave Büsingen entfernt, in der Kommune Randegg ein nächstes großes Solarkollektorfeld in Betrieb genommen. Hier sind es 2400 Quadratmeter Kollektorfläche, die rund 20 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs im Netz decken sollen. Den Rest liefern ein 2 MW starker Holzhackschnitzelkessel, der bereits im Jahr 2009 zusammen mit dem Wärmenetz errichtet wurde sowie ein 700-kW-Pelletskessel, der bereits seit dem Jahr 2006 arbeitet. Im Randegger Wärmenetz gibt es eine Besonderheit auf der Nachfrageseite. Neben den rund 150 an das Wärmenetz angeschlossenen kommunalen und privaten Gebäuden, gilt es hier einen Großverbraucher zu versorgen: die Randegger Ottilien-Quelle GmbH. Der Getränkeabfüllbetrieb verbraucht große Wärmemengen für seine Flaschenwaschanlage. Und dies besonders im Sommer, weil der Verkauf von Mineralwasser und Limonade ein Saisongeschäft ist. Für die Wirtschaftlichkeit der neuen Solarthermieanlage, die jetzt neun Jahre nach dem Start der Wärmeversorgung im Dorf nachgerüstet wurde, ist das ein Glücksfall. Denn die Solarerträge liegen in den Sommermonaten um ein Vielfaches über denen des Winterhalbjahres. Die Anlage ist so ausgelegt worden, dass sie den Sommerbedarf von Abfüllbetrieb und kommunalem Netz in der Regel vollständig abdeckt. Dazu müssen die Kollektoren in der Lage sein, auch das relativ hohe Temperaturniveau von 95 Grad Celsius zu liefern, das in der Flaschenwaschanlage benötigt wird und das deutlich höher liegt als jene rund 70 Grad, die ansonsten im Wärmenetz im Sommer als Vorlauftemperatur benötigt werden. Aus diesem Grund entschieden sich die Verantwortlichen bei Solarcomplex auch in Randegg für Röhrenkollektoren, die aufgrund ihrer Vakuumisolierung bei hohen Temperaturen gegenüber typischen Flachkollektoren im Vorteil sind. In Randegg sorgen zwei Pufferspeicher mit einem Fassungsvermögen von je 100 Kubikmeter dafür, dass im Sommer eine Schlechtwetterperiode überbrückt werden kann, ohne dass die Holzkessel anspringen müssen. Dies verschafft der Betreiberfirma Solarcomplex auch einen Vorteil bei der Wartung. „Die Solaranlage gibt uns mehr Flexibilität bei der Jahresrevision der Kesselanlagen“, erklärt Eberhard Banholzer, Technik-Vorstand der Solarcomplex AG. Jährliche Wartungsarbeiten am Kessel könnten nun ganz entspannt in den Sommermonaten stattfinden, in denen die Solaranlage die Wärmeversorgung allein übernimmt. GERINGERE WARTUNGSKOSTEN Auch monetär ergebe sich daraus ein Vorteil, erläutert Banholzer: „Die Betriebskosten reduzieren sich durch die Solarthermie, weil der Kessel weniger gewartet werden muss. Hier machen sich die durch die Solarthermie vermiedenen Betriebsstunden bemerkbar. Während die von Singen aus fernüberwachte Anlage in der Heizperiode ein- bis zweimal pro Woche ein Kontrollbesuch abgestattet werde, reduziere sich die Frequenz im Sommer auf einmal pro Monat. Denn die Solarthermie habe kaum Betreuungsbedarf. Solche Argumente überzeugen auch kommunale Energieversorger in der Region. So werden die Stadtwerke Radolfzell im Ortsteil Liggeringen, sechs Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, voraussichtlich im Herbst 2018 eine autarke Dorfwärmeversorgung in Betrieb nehmen, die SOLARENERGIEDORF LIGGERINGEN Liggeringen wird eines der ersten Solarenergiedörfer sein, dessen Wärmenetz von einem kommunalen Energieversorger – den Stadtwerken Radolfzell – betrieben wird. Inbetriebnahme: 2018 Hausanschlüsse: 90 (erster Bauabschnitt) Netzlänge: 5 km Kollektorfläche: 1100 m² (erster Bauabschnitt) Kollektortyp: Hochtemperatur-Flachkollektoren Erwarteter Jahresertrag: 470 MWh/a Solarer Deckungsnteil: 20 % Infoblatt Solare Wärmenetze | Nr. 1 Je höher der Solaranteil, desto größer müssen die Speicher sein. In Randegg wurden zwei Tanks mit je 100 m3 Volumen errichtet. Sonne und Holz als Energiequellen kombiniert. 90 von 260 Gebäuden in Liggeringen sollen noch 2018 an das Netz angeschlossen werden. Am Ortsrand entsteht die Heizzentrale, und unweit des Gebäudes werden Solarkollektoren mit einer Bruttokollektorfläche von 1100 Quadratmetern aufgestellt. In dieser Anlage kommen Flachkollektoren zum Einsatz. Das österreichische Unternehmen, dass die Solaranlage in Liggeringen schlüsselfertig errichtet, setzte sich in einem Ausschreibungsverfahren gegen vier Konkurrenten durch. Das zeigt, welch eine rege Konkurrenz inzwischen innerhalb des überschaubaren Kreises von spezialisierten Anbietern großer solarthermischer Anlagen herrscht. FLÄCHE FÜR KOLLEKTOREN Ein Knackpunkt im Laufe der vierjährigen Planungsphase war in Liggeringen die Frage des Standortes für Heizzentrale und Kollektorfeld. Liggeringen liegt inmitten eines Landschaftsschutzgebietes. Erforderlich für das Kollektorfeld im Endausbau sind 3600 Quadratmeter Landfläche. Die Fläche am Ortsrand, auf der die Anlagen jetzt errichtet werden, konnte erst nach langen Verhandlungen mit übergeordneten Planungsbehörden aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgenommen werden. Insgesamt wurden 20 potenzielle Standorte geprüft. Technische und wirtschaftliche Eignung widersprachen sich dabei teils mit raumplanerischen Vorgaben aufgrund der umwelt- und landschaftsfachlichen Standortbedingungen. Der nun ausgewählte Standort hat als FFH-Gebiet und Vogelschutzgebiet eine mittlere bis hohe naturschutzfachliche Bedeutung. Die Rechtsgrundlage für den Bau der Solarthermieanlage schuf ein Bebauungsplanverfahren mit umfassenden Umweltberichten. Darüber hinaus wurde ein LandschaftsschutzgebietÄnderungsverfahren angestrengt, in dem die verwendete Fläche durch neue Landschaftsschutzgebiet- Flächen kompensiert wurde. Auch die Anwohner waren nicht sämtlich begeistert von den Solarthermie-Plänen. Viele sorgten sich wegen der Aussicht auf das Solarthermie-Feld. Und schließlich entstanden bei einigen Besitzern der Flächen, die für das Kollektorfeld in Frage kamen, auch überzogene Preisvorstellungen. All dies erlebte Hermann Leiz, der ehrenamtliche Ortsvorsteher von Liggeringen, als eine der schwierigsten Aufgaben in seiner Funktion. AUSGLEICHSMAßNAHMEN Auch in Randegg musste um die Fläche für das Kollektorfeld mit staatlichen Stellen intensiv diskutiert werden. Wenn sich die Beteiligten einig sind, geht es zum Schluss meist noch um so genannte Ausgleichsmaßnahmen. Das geringste Problem dürfte für die Stadtwerke Radolfzell die Auflage sein, den Pufferspeicher von Liggeringen mit Rankpflanzen zu begrünen und ein Gründach für die Heizzentrale zu planen. Demgegenüber ärgert sich Bene Müller über die behördliche Auflage, dass er das Kollektorfeld von Randegg aus Landschaftsschutzgründen hinter einer Hecke verstecken muss: „Die Argumentation, dass Solarkollektoren des Landschaftsbild verschandeln, kann ich nicht nachvollziehen. Wir sollten diese Anlage eigentlich stolz vorzeigen, eine große Schautafel davorstellen und damit werben. Ökologisch ist das Kollektorfeld eine Aufwertung der Fläche, die vorher als Maisacker genutzt wurde.“ Inzwischen scheinen sich am Bodensee einige Standards für ländliche Solar-Wärmenetze herauszukristalisieren: Rund 15 bis 20 Prozent solarer Deckungsgrad über das Jahr entspricht einer Vollversorgung durch Solarthermie im Sommer. Nach diesem Rezept werden die Anlagen nun langsam größer. In Schluchsee, ein Stück westlich im Schwarzwald gelegen, wo die Solarcomplex AG ihr nächste Solarwärmenetz plant, soll das Solarfeld bereits über 3000 Quadratmeter Kollektorfläche haben. Mittlerweile gibt es im Unternehmen einen klaren Vorstandsbeschluss, den Bene Müller so zusammenfasst: „In allen Wärmenetzprojekten, wo wir keine Abwärme – etwa aus einer Biogasanlage oder aus einem Industriebetrieb – einsetzen können, werden wir künftig Solarthermie einbinden.“ www.solare-waermenetze.de SOLARENERGIEDORF RANDEGG Das Randegger Wärmenetz wurde erst neun Jahre nach Inbetriebnahme solar nachgerüstet. Prägend ist ein gewerblicher Wärmeabnehmer mit hohem Sommerverbrauch. Inbetriebnahme: 2009 Hausanschlüsse:150 Netzlänge: 6,6 km Inbetriebnahme Solarthermie: 2018 Kollektorfläche: 2400 m² Kollektortyp: CPC-Vakuumröhrenkollektoren Erwarteter Jahresertrag: 1100 MWh/a Solarer Deckungsanteil: 20 % INFOBOX Vorteile für den Betreiber: • Zuverlässige und erprobte Technologie • Langfristig stabile Wärmegestehungskosten • Investitionssicherheit auch bei Verschärfung des Rechtsrahmens • Konkurrenzfähige Wärme in Bezug auf Primärenergiefaktor, CO2-Emissionen und erneuerbaren Anteil • Betriebliche Vorteile, insbesondere bei der Kombination mit Biomassekesseln (Reduzierung des Teillastbetriebs, flexible Kesselwartung) • Höchste Flächeneffizienz unter den Erneuerbaren • Hohe Akzeptanz in der Bevölkerung • Finanzielle Förderung durch Bundes- und Landesprogramme Gefördert durch: Infoblatt Solare Wärmenetze | Nr. 1 JEDES ENERGIEDORF BRAUCHT SEINE ENERGIETRÄGER www.solare-waermenetze.de IMPRESSUM Das Infoblatt Solare Wärmenetze ist eine Initiative im Rahmen von Solnet 4.0, einem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Vorhaben zur Marktbereitung für solare Wärmenetze. Die Projektpartner sind das Steinbeis Forschungsinstitut Solites, der Fernwärmeverband AGFW, das Hamburg Institut sowie die Herausgeber der Zeitschrift Energiekommune. Herausgeber: Steinbeis Innovation gGmbH vertreten durch Steinbeis Forschungsinstitut Solites (www.solites.de) Redaktion: Carlo Winterscheid, Guido Bröer Text und Fotos: Guido Bröer Grafik (Seite 2): Stadtwerke Radolfzell Haftungsausschluss: Das dieser Publikation zugrundeliegende Vorhaben wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unter dem Förderkennzeichen 03EGB0002A gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieses Dokuments liegt bei den AutorInnen. Weder der Fördermittelgeber noch die AutorInnen übernehmen Verantwortung für jegliche Verwendung der darin enthaltenen Informationen. Energiekommune Im Energiedorf Randegg haben sich zwei Energieträger gefunden. Die Rede ist nicht von Sonne und Holz, sondern von den Menschen Clemens Fleischmann und Bene Müller. „Ohne Clemens hätten wir hier kein Wärmenetz“, sagt der Eine über den Anderen. „Ohne Bene hätten wir erst gar nicht die Ideen dazu entwickelt“, sagt der Andere über den Einen. Und ja, da sei im Laufe der Jahre zwischen ihnen nicht nur eine fruchtbare Zusammenarbeit entstanden, sondern auch eine Freundschaft. Beide sind erfolgreiche Unternehmer und beide sind Überzeugungstäter mit regionalem Fokus. Der eine führt mit seinem Bruder die Sprudelund Limonadenfabrik Randegger Ottilien-Quelle GmbH – seit 126 Jahren im Besitz der Familie Fleischmann. Der andere ist Vorstandsmitglied der Solarcomplex AG im 15 Kilometer entfernten Singen, die seit Beginn des Jahrtausends Erneuerbare-Energie-Anlagen plant, baut und betreibt. Den ersten gemeinsamen Schritt machten die beiden im Jahr 2005. Damals überzeugte Müller die Fleischmann-Brüder den gesamten Strombedarf des kurz zuvor grundlegend modernisierten Abfüllbetriebes aus einem Wasserkraftwerk zu beziehen, das die Solarcomplex AG soeben in Singen reaktiviert hatte. Für Clemens Fleischmann war das ein Wendepunkt: „Wir verfüllen ein Naturprodukt als Familienbetrieb, und das seit 126 Jahren. Aber mit der Entscheidung, erneuerbaren Strom aus der Region zu beziehen, fing bei uns das Nachdenken über ökologische Fragen als Grundlage unserer Zukunftsfähigkeit und Glaubwürdigkeit erst richtig an.“ Danach ging es Schritt auf Schritt. 2006 nahm das Unternehmen dann für den Warmwasserbedarf der Flaschenwaschanlage eine 700 kW starke Holzpelletsanlage in Betrieb. Gebaut und betrieben wurde sie von der Solarcomplex AG als Contractor. „Ironie des Konzepts war, dass wir hier einen Heizkessel hatten, der hauptsächlich im Sommer lief; das kommt sonst eher selten vor“, sagt Müller. Um den Kessel auch im Winter besser auslasten zu können, initiierten Müller und Fleischmann Bürgerversammlungen, und warben für ihre Idee eines Dorfwärmenetzes. „Überrascht hat uns der Zulauf in der Gemeinde“, erzählt Fleischmann. Als fast 150 Gebäudebesitzer angeschlossen werden wollten, ging es nicht mehr nur um die Auslastung des vorhandenen Kessels, sondern um den Bau einer neuen Heizzentrale mit 2 Megawatt Leistung. 2009 ging die Wärmeversorgung an den Start. „So ist bei uns immer eine Idee aus der anderen entstanden“, sagt der Unternehmer. „Es war eine organische Entwicklung.“ Der nächste große Schritt dieser Entwicklung ist die Solarisierung von Randegg.

Julian Kuntze2023-03-22T11:50:52+01:00Mittwoch, 1. August, 2018|

Solarenergiedorf Mengsberg

7 April 2018 Donnerstagmorgen acht Uhr, Baubesprechung im Feuerwehrhaus von Mengsberg, wie jeden Donnerstag. Heute sind sie zu fünft. Ortsvorsteher Karlheinz Kurz, zugleich Vor stands sprecher der Bioenergiegenossenschaft Mengsberg eG, hat schon den Kaffee gekocht. Zusammen mit seinem Vorstandskollegen Thomas Theis diskutiert er mit den Projektleitern von drei Baufirmen. Seit Monaten wühlen sich die Bagger durch das 20 Kilometer nord östlich von Marburg gelegene 900-Einwohner-Dorf. „Durch das schlechte Wetter sind wir ziemlich in Verzug“, berichtet Kurz. 2300 Meter des rund 9 Kilometer langen Rohleitungsnetzes seien bereits verlegt worden. „Wir arbeiten in Bauabschnitten und jetzt haben wir angefangen, auch rückwärts zu bauen, von mehreren Enden her, um Zeit aufzuholen.“ Schon nach Ostern will die Bürgerenergiegenossenschaft die Wärmversorgung aufnehmen. Dann sollen die ersten Haushalte auf Fernwärme umgeschaltet werden. Das Schmuckstück Auf dem Hügel am Ortsrand steht bereits die neue Heizzentrale. „Unser Schmuckstück“ nennt sie Kurz. Und wer den architektonisch gefällig gestalteten Zweckbau betrachtet, ahnt nicht das große Kino, dass hier Anfang März zu besichtigen war. Mit Sondertransporten wurden nachts die beiden riesigen Pufferspeicher herangekarrt, die jetzt 17 Meter hoch hinter dem Gebäude aufragen. „Rückwärts mussten die Tieflader durchs Dorf und den Berg rauf, weil sie sonst nicht um die Kurven gekommen wären“, erzählt Kurz. An der Heiz zen trale angekommen verdienten sich dann die Kranfüh rer der beiden Mobilkräne Respekt. Ihr Job war es, die beiden jeweils 160 Kubik meter Wasser fassenden Stahlbehälter zu - nächst in die Senkrechte zu kippen und dann über das Dach der Heizzentrale hinweg zentimetergenau an den Aufstellort zu bugsieren. Das riskante Manöver bewältigten die Profis ohne Sichtkontakt und bei stür mi schem Seitenwind. Der ließ die tonnenschwe ren Stahltanks bedenklich pen deln, wie auf einem YouTube-Video des Hessi schen Rundfunks zu besich - tigen ist. Eine Kollision der Ungetüme mit dem Schornstein der Heizzentrale hätte fatale Folgen gehabt – auch weil die Außenhaut der bereits vor dem Transport im Werk dick mit Steinwolle gedämm ten Behälter empfindlich ist. Die Pufferspeicher zeigen dem kundigen Beobachter schon jetzt, dass in Mengsberg auch rein technisch etwas Besonderes entsteht. Die Gefäße werden gebraucht, damit der Haupt- Wärmeerzeuger, ein 1,1 Megawatt starker Holzhackschnitzelkessel im Sommer möglichst gar nicht anspringen muss – so wird ein uneffizienter Teillastbetrieb Sechs Jahre nach den ersten Überlegungen, drei Jahre nach Gründung der Energie- Genossenschaft und ein Jahr nach den Unterschrift unter den Bauvertrag läuft jetzt der Umbau Mengsbergs zum Solar-Bioenergiedorf auf Hochtouren. Erneuerbare Wärme für Mengsberg Foto: Guido Bröer Solare Wärmenetze D 8 Solare Wärmenetze vermieden. Mindestens vier Monate lang soll stattdessen eine Solarther mie - anlage allein das Dorf mit Wärme versorgen. Die Kollektorreihen sollen auf der frisch planierten Fläche neben dem Heizhaus errichtet werden, wo der Matsch bislang noch knöcheltief steht. Sobald das Wetter es zulässt, werde die Montage der Kollektoren beginnen, hofft Kurz. Wärmeüberschüsse, die die Sonne tagsüber liefert, werden dann in den Puffertanks gespeichert, um für die Abendstunden zur Verfügung zu ste - hen. Die Speicher sind groß genug dimensioniert, um im Sommer auch längere Schlechtwetterperioden überbrücken zu können. Im Gesamtjahr soll die Solaranlage 17 Prozent des Wärmebedarfs von Mengsberg liefern. Der Ortsteil von Neustadt wird auf diese Weise das erste Solarenergiedorf in Hessen werden. Und mit knapp 3000 Quadrat metern Kollektorfläche wird seine Anlage bis auf weiteres die größte in einem ländlichen Wärmenetz in Deutschland sein. Leistungsstärker sind nur die urbanen Anlagen in den Städten Senftenberg, Crailsheim, Friedrichsha - fen und Neckarsulm. Unser Dorf hat Zukunft Kein Wunder, dass die Mengsberger mächtig stolz auf ihr Werk sind. Begonnen hatte hier alles mit dem Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, an dem sich die Dorfgemeinschaft seit 2011 über die Regional- und Hessenmeisterschaft bis zum Bundessieger 2013 und zum Vize-Europameister 2014 hocharbeitete. Damals haben die Mengs berger erkannt, dass die Energiefrage neben vielen anderen Themen eine Schlüsselfrage für die ökologische und wirtschaftliche Zukunft ihres Dorfes ist. Als Dreh- und Angelpunkt der Dorferneuerung gilt dabei das Wärmenetz. Was in den Arbeitskreisen zur Vorbereitung der Wettbewerbe noch Theorie war, ist mittlerweile Praxis geworden. Und die macht viel Arbeit – ehrenamtliche Arbeit. Volker Helfenbein, Projektleiter des Heizungsbauunternehmens Viessmann, das viele Ideen für das Solar-Bioenergiedorf beisteuerte und jetzt als Generalunternehmer den Um - bau organisiert, zollt den Energiegenossen dafür Respekt: „Hochachtung von meiner Seite! Die Genossenschaft be - steht ja nicht nur aus dem Vorstand. Die Vorstandsmitglieder müssen immer wieder Entscheidungen treffen. Und diese Entscheidungen müssen sie auch immer wieder im Dorf rückkop peln und dabei alle Genossen einbin den. Das hat sehr viel mit Vertrau en zu tun.“ Nicht ohne Kümmerer Und so wird es auch an diesem Donnerstag sein. Nach der Baubesprechung am Morgen tagt abends in größerer Runde der Aufsichtsrat der Genossenschaft, durch den wiederum mit den Genossenschaftmitgliedern kommuniziert wird. „Seit einem Jahr geht das so“, sagt Kurz: „Morgens Baubespre chung, abends Aufsichtsrat – jede Woche.“ „Zum Glück haben wir hier Karlheinz Kurz, und zum Glück ist der schon Rentner“, betont sein Vorstandskollege Thomas Theis. Will heißen: Der Ortsvorsteher und Vorsitzende der Genossenschaft hält als primus inter pares die Truppe zusam men – nicht nur indem er morgens bei der Baubesprechung den Kaffee serviert. Auch Georg Stegemann, Leiter des Geschäftsbereiches Bioenergiedörfer und -systeme bei Viessmann, der die Mengsberger schon seit 2012 bei ihren Planungen begleitet, weiß genau, was er an Kurz hat: „Ohne einen solchen Kümmerer vor Ort, der über Jahre die Fäden zusammenhält, kann ich mir ein Energiedorfprojekt fast nicht vorstellen.“ Guido Bröer Zwei 17 Meter hohe Puffertanks sorgen dafür, dass Solarenergie auch in Schlechtwet - ter perioden zur Verfügung steht und im Sommer der Heizkessel nicht gebraucht wird. Nicht nur Wärme ist ein Thema in Mengsberg. Viele Dächer sind blau von Photovoltaik und auf dem Berg hinterm Dorf drehen sich Windräder. Die Inititial zün dung für die Mengsberger Energiewende kam mit dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Foto: Guido Bröer Foto: Guido Bröer April 2018 Solare Wärmenetze Mit den schlüsselfertigen Solarwärme-Großanlagen von Arcon-Sunmark erzeugen Sie Ihre eigene Wärme und sparen damit nicht nur echtes Geld, sondern unterstützen aktiv den Umweltschutz. Als Marktführer mit über 25 Jahren Erfahrung in Großanlagen ist Arcon-Sunmark ein kompetenter Ansprechpartner rund um die Beratung, Installation und Betreuung individueller Solarthermie-Anlagen. Wir freuen uns auf Sie! www.arcon-sunmark.com JETZT UMSTEIGEN AUF UMWELTFREUNDLICHE UND GÜNSTIGE WÄRME Arcon-Sunmark GmbH Clermont-Ferrand-Allee 26e 93049 Regensburg info@arcon-sunmark.com Tel. 0941-64090804 Stadtwerke Radolfzell geben Solarkollektorfeld in Auftrag Das Solarenergiedorf Liggeringen, Ortsteil von Radolfzell am Bodensee, macht Fortschritte. Noch in diesem Sommer sollen dort 1100 Quadratmeter Solarkollektoren installiert werden. Bereits seit Herbst 2017 lassen die Stadtwerke Radolfzell, die die Wärmeversorgung in Liggeringen künftig überneh - men wollen, unter dem Asphalt der Dorf straßen Fernwärmerohre verlegen. Jetzt hat der kommunale Energieversorger auch den Auftrag zum Bau des Kollektorfeldes erteilt. Nach einer Ausschreibung, an der sich fünf interessierte Solarthermieunternehmen beteiligt hatten, ging der Zuschlag nun an den österreichischen Projektierer SOLID, der bereits seit 1992 solarthermische Großanlagen plant, finanziert, installiert und betreibt. Das Konzept des Unternehmens, das selbst keine Kollektoren herstellt, fußt auf großflächigen Hochleistungsflachkollektoren mit zusammen 1100 Quadratmetern Brut - tokol lektor fläche. Angesichts der moderaten Tempera turen im dörflichen Wärmenetz von Liggeringen hätten sich die Flachkollektoren in diesem Fall als wirtschaftlichste Lösung erwiesen, heißt es von Seiten der Stadtwerke. Die Kollektoren sollen pro Jahr etwa 470000 Kilowattstunden Wärme liefern, was rund 20 Prozent des jährlichen Bedarfs entspricht. Während der Sommermonate sollen die neuen Holzkessel ganz abgeschaltet und der Wärmebedarf des Dorfes allein mit Solarthermie gedeckt werden. 90 von 260 Gebäuden in Liggeringen sollen bereits in diesem Jahr an das Netz angeschlossen und mit erneuerbarer Wärme versorgt werden. Das Solarkollektorfeld sei so ausgelegt, dass es erweitert werden könne, wenn weitere Nutzer hinzukommen und die Wärmenachfrage steige, betont Detlev Seidler, Deutschlandvertreter von SOLID. Er ist guter Dinge, die Solaranlage bereits in den kommenden Sommermonaten fertigstellen zu können. gb Stadtwerke Radolfzell, www.stadtwerke-radolfzell.de, SOLID GmbH, Detlev Seidler, Tel. 0174 9474292, www.solid.at Fünf neue Solarenergiedörfer 2018 Nach Informationen des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Marktbereitungsprojektes „Solnet 4.0“ werden 2018 in Deutschland mindestens fünf solarunterstützte Wärmenetze mit jeweils 1000 bis 3000 Quadratmetern Kollektorfläche neu an den Start gehen. Aktuell sei vor allem im Marktsegment der Energiedörfer eine wachsende Dynamik zu erkennen, konsta tiert Projektkoordinator Thomas Pauschinger vom Steinbeis-Forschungsins - titut Solites. Um so mehr will das von Solarunternehmen kofinanzierte Pro jekt künftig auch städtische Fern wärme - betreiber und die Wohnungswirtschaft adressieren. Solites gGmbH, Thomas Pauschinger, info@solites.de In landschaftlich reizvoller Umgebung am Ortsrand des Dorfes Liggeringen sollen in den kommenden Monaten die Holzheizzentrale und das Solarkollektorfeld entstehen. Grafik: Stadtwerke Radolfzell 10 Solare Wärmenetze Solarthermie Anlagen Im Norden geht die Sonne auf! garantiert höchste Erträge stabile Wärmepreise schlüsselfertig oder im Contracting Jetzt anrufen und eine unserer über 15.000 m² großen Referenzanlagen in Dänemark besuchen! Savosolar Kühnehöfe 3 | 22761 Hamburg info@savosolar.de | ✆ +49 (0) 40 500 349 7-0 GmbH Solare Kraft-Wärme-Kopplung In der dänischen Stadt Brønderslev ist am 19. März ein neuartiges Heizkraftwerk eingeweiht worden, bei dem ein konzentrierendes Solarsystem sowohl Strom als auch Wärme erzeugt. Als Sonnenfänger kommen in dieser Anlage nicht typische Flach- oder Vakuumröhrenkollektoren zum Einsatz, wie sie in anderen solaren Wärmenetzen genutzt werden. Vielmehr handelt es sich um Parabolrinnenkollektoren des dänischen Herstellers Aalborg CSP, die nach dem gleichen Prinzip arbeiten wie große thermische Solarkraftwerke in Wüstengebieten. Die Sonnenstrahlen werden auf eine Glasröhre im Fokus des Parabolspiegels konzentriert, in der ein Thermo-Öl auf bis zu 330 Grad Celsius erhitzt wird. Anders als in den Wüstenkraftwerken liefern die in 40 Reihen á 125 Meter Länge arrangierten Kollektoren von Brønderslev allerdings nicht nur Strom, sondern Strom und Wärme oder wahlweise auch nur Wärme. Denn das Thermo-Öl gibt seine Energie über Wärmetauscher entweder direkt an das Wärmenetz ab oder zunächst an eine ORC-Turbine (Organic Ranckine Cycle), in der Strom erzeugt wird. Die ORC-Turbine soll immer dann zum Einsatz kommen, wenn ausreichend Sonne scheint und die Börsenstrompreise zugleich hoch sind. Ansonsten heizen die Kollektoren das Wärmenetz von Brønderslev mit einer Leistung von bis zu 16,6 Megawatt thermisch. Das tun sie im übrigen schon seit Ende 2016. Allerdings hat das Versorgungsunternehmen Brønderslev Forsyning A/S erst kürzlich den Biomassekessel und die ORC-Turbine fertiggestellt, so dass die Solarkollek - toren erst jetzt auch zur Stromerzeugung genutzt werden können. Die ORC-Turbine kann auch vom Biomasse-Kessel mit Wärme be schickt werden. Innovativ ist auch der Einsatz einer Wärmepumpe im Abgasstrang. Sie nutzt wie bei einer Brennwertheizung die Kondensation des im Rauchgas enthaltenen Wassers und führt sie dem Wärmenetz zu. Die Anlage in Brønderslev ist nach Angaben der Betreibergesellschaft die erste ihrer Art welt - weit. Sie löst ein Gaskraftwerk ab. gb Parabolrinnenkollektoren können in Brønderslev künftig wahlweise Strom oder Fernwärme erzeugen. 10. April 2018 in Wolpertshausen: 2. Fachkongress Nahwärme, WFG Schwäbisch Hall mbH, event.wfgsha.de 11. und 12. April 2018 in Graz/Österreich: 5th International Solar District Heating Conference. www.solar-district-heating.eu 9. Mai 2018 in Berlin: Ohne Solarthermie keine Energiewende. Lösungen für Gebäude und Quartiere. Im Rahmen der Berliner Energietage, www.energietage.de 15. und 16. Mai 2018 in Nürnberg: 12. Eurosolar-Konferenz „Stadtwerke mit erneuerbaren Energien”, Eurosolar e.V., stadtwerke-konferenz.eurosolar.de 17. bis 19. April 2018 in Frankfurt: 23. Int. Fachmesse und Kongress für Wärme, Kälte und KWK, AGFW, www.eneff-messe.de 23. Mai 2018 in Senftenberg: Infotag: Vorstellung der größten solarthermischen Anlage Deutschlands, AGFW, www.energieeffizienzverband.de TERMINE ZU SOLAREN WÄRMENETZEN Foto: Aalborg CSP April 2018

Julian Kuntze2023-03-22T11:50:53+01:00Mittwoch, 1. August, 2018|
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