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Auszug aus: Energiekommune 7/22

7/22 Für erneuerbare Energien in Städten und Gemeinden bringt das geänderte Energierecht etliche neuerungen. nEuEr wind Für KoMMunEn Auch in kritischer lage setzen Stadtwerke neue Akzente. FErnwärME Vorreiterkommunen machen mit ideen elektrisch mobil. E-Mobilität www.energiekommune.de Foto: Guido Bröer -Auszug 10 Wärmenetze Größte Solarthermie-dachanlage deutschlands beheizt dettenhausen InDettenhausen hat Anfang Juli die größte SolarthermieanlageDeutschlands den Betrieb aufgenommen.Die Anlage auf einer neuen Lagerhalle des Schokoladenherstellers Ritter Sport soll etwa 20 Prozent des Wärmebedarfs im Dettenhausener Fernwärmenetz abdecken. Die Solaranlage mit einer Bruttokollektorfläche von 2315 Quadratmetern gehört Ritter. Das Wärmenetz betreiben die Stadtwerke Tübingen. Für die Solarwärme fanden die Partner ein interessantes Verrechnungsmodell: Im Sommer liefert der Schokobetrieb Wärme ins Netz, die in der kalten Jahreszeit entsprechend an das Schokounternehmen zurückfließt. Zur neuen Heizzentrale auf dem Ritter-Gelände gehört neben der Solarthermieanlage mit 1400 kW Spitzenlast auch ein Gas-Blockheizkraftwerk (BHKW) mit 1300 kW thermisch und knapp 1000 kW elektrisch, ein Gas-Reservekessel mit 3 MW und eine Wärmepumpe. Die verschiedenen Wärmequellen werden über zwei Pufferspeicher mit zusammen 200 Kubikmetern Volumen moderiert. Interessant ist dabei das geplante Zusammenspiel der einzelnen Module. Während die Solarthermieanlage in den Sommermonaten in der Lage sein dürfte den Wärmebedarf fast allein zu decken, trägt das BHKW die Hauptlast im Winter. Es liefert voraussichtlich insgesamt 62 Prozent derJahreswärmemenge und produziert dabei jährlich 3,5 Millionen Kilowattstunden Strom. Unterstützt wird das BHKW von einer Wärmepumpe, die als Effizienzbooster eingesetzt wird. Sie ist von den Planer:innen so dimensioniert worden, dass sie möglichst die gesamte Abwärme, also die Raumluft des BHKW-Aufstellraumssowie die Restenergie aus dem Abgasweg des BHKWs nutzen kann. Sie trägt damit 13 Prozent zum Jahreswärmebedarf bei. Der Gaskessel mit 3 MW Leistung soll hingegen allenfalls während extremer Kälteperioden auf einige Betriebsstunden kommen und steht ansonsten als Reserve bereit. Interessant ist auch die Rolle der beiden großen Wassertanks, die die ortsansässige Firma BTD Behälter- und Speichertechnik Dettenhausen geliefert hat. Sie dienen dem System als Multifunktionsspeicher. Einerseits wird in diese Wärmesilos tagsüber die Solarernte eingefahren, um damit die dunkle Tageszeit oder auch einzelne trübe Tage zu überbrücken. Andererseits entkoppeln die Speicher aber auch das BHKW vom aktuellen Wärmebedarf im Netz. So kann der Gasmotor insbesondere zu Tageszeiten laufen, wenn der Strompreis an der Börse besonders hoch ist. Mit dieser Gesamtkonstellation kommt die Dettenhausener Fernwärme voraussichtlich auf einen Primärenergiefaktor von 0,28. Und der soll künftig noch besser werden. 70 Prozent Regenerativanteil in der Wärmeversorgung sind das erklärte Etappenziel. Zu diesem Zweck suchen die Tübinger Stadtwerke aktuell nach einem geeigneten Standort für weitere regenerative Erzeugungsanlagen. In Frage käme zum Beispiel eine Holzhackschnitzelheizung. Denn Holz ist in der waldreichen Gegend vor Ort verfügbar. Als die Stadtwerke Tübingen, die in Dettenhausen auch die Konzession für das Strom- und Gasnetz halten, vor drei Jahren die dortige Fernwärmeversorgung für 50 Hausanschlüsse und einige Industrieabnehmer von einer insolventen Bürgerenergiegenossenschaft übernahmen, begannen sie gleich größer zu denken. Nun ist die erste Erweiterungstrasse fast fertig. Mit der können ein Altenzentrum und Teile einer Wohnsiedlung angeschlossen werden. Weitere Bauabschnitte sind im Prüfstadium. Potenzial ist in der 5500-Einwohner-Gemeinde Dettenhausen noch reichlich vorhanden. Guido Bröer baden-württemberg verlängert Förderung für effiziente wärmenetze Das Land Baden-Württemberg hat das Förderprogramm für energieeffiziente Wärmenetze um ein Jahr bis 2023 verlängert. Bisher kamen mehr als 60 Projekte in denGenuss der öffentlichen Mittel. Das teilte das Umweltministerium des Landes mit. „Weit mehr als 60 geförderte Wärmenetze mit über 156 Kilometern Leitungslänge und 2.800 Hausanschlüssen sowie jährlichen CO2-Einsparungen von fast 33.000 Tonnen“schreibtsich Energieministerin Thekla Walker als Erfolg zu. Deshalb sei die Entscheidung, dieses Programm zu verlängern und bis Ende Juni 2023 fortzuführen, nur logisch und folgerichtig. Potenzial zur Einsparung fossiler Energie sieht die Task Force Erneuerbare Energien der Landesregierung im Wärmesektor. Er macht mit rund 50 Prozent den größten Anteil am Endenergieverbrauch aus. Den Aus- und Neubau von Wärmenetzen unterstützt das Umweltministerium für Landkreise und Kommunen, aber auch für Unternehmen, Zweckverbände oder Einrichtungen des öffentlichen Rechts. Gefördert wird in Form eines Zuschusses von bis zu 20 Prozent der förderfähigen Investitionskosten, maximal 200.000 Euro. Über zusätzliche Boni lässt sich der Betrag auf bis zu 400.000 Euro je Vorhaben erhöhen. Die neue Verwaltungsvorschrift zum verlängerten Förderprogramm ist auf der Internetseite des Umweltministeriums zu finden. Nächster Stichtag für die Bewerbung ist der 15. August 2022. Weitere Bewerbungsrunden sollen voraussichtlich im Winter 2022 und Frühjahr 2023 folgen. AWi https://um.baden-wuerttemberg.de Deutschlands größte Solarthermie-Dachanlage auf einer Lagerhalle des Schokoladenherstellers Ritter versorgt jetzt Teile der schwäbischen Gemeinde Dettenhausen mit Fernwärme. Energiekommune 7/2022 Foto: swt/Marquardt Habeck vernimmt „Positive Signale“ zur bEw aus brüssel Bundeswirtschaftsminister RobertHabeck hat sich seiner Reise nach Brüssel Ende Mai zuversichtlich gezeigt, dass die seit Jahren angekündigte Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) nun bald in Kraft treten könne. Habecks Ministerium verkündete in einer Pressemitteilung, die EU-Kommission habe in dem schwebenden Beihilfeverfahren nun „eine vorläufige positive Bewertung abgegeben“. Habeck sagte:„Ich begrüße die vorläufige positive Bewertung sehr. Das Programm ist für uns ein wichtiger Schritt, um die Klimaziele im Wärmesektor zu erreichen.“ Mit der BEW sollen nach den bereits vor mehr als einem Jahr von der alten Bundesregierung gegenüber der Branche kommunizierten Plänen neben 40-prozentigen Investitionskostenhilfen erstmals auch Betriebskosten von Solarthermieanlagen und Großwärmepumpen bezuschussen. Quellen im Wirtschaftsministerium rechnen nach dem Zwischenbescheid aus Brüssel nun mit einem Inkrafttreten der Richtlinie binnen weniger Wochen – dies allerdings nicht zum ersten Mal. In der Fernwärmebranche ist derweil in Erwartung des Förderprogramms ein enormer Investitionsstau entstanden. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) fordert deshalb, die verfügbaren Haushaltmittel für das Programm im kommenden Bundeshaushalt massiv aufzustocken. Und angesichts der Probleme, mit denen sich die Fernwärmebetreiber durch die kriegsbedingte Gaskrise konfrontiert sehen, fordert BEE-Präsidentin Simone Peter:„Sobald die Förderrichtlinie da ist, muss man sie auch schon wieder nachbessern.“Insbesondere gelte es, die Betriebskostenförderung für Geothermie zu erhöhen und die Betriebsstundenbegrenzung für Biomasse-Anlagen zu begrenzen, damit alle Potenziale genutzt werden könnten. gb dlr: mechanische wärme aus wind In einem Pilotprojekt erzeugt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt(DLR) mit einer Windkraftanlage auf mechanischem Wege direkt Wärme, dasVerfahren könnte auch für Fernwärmesysteme in Dörfern eine Option sein. Wer aus Windenergie Wärme erzeugen will, geht zwar heute in der Regel den Umweg über die Stromerzeugung (Power to Heat). Tatsächlich ist der Weg der direkten Umwandlung der Bewegungsenergie in Wärme jedoch viel effizienter. Das DLR beweist dies bereits an einem Prototypen. Er steht in Celle auf dem Gelände der PSW-Energiesysteme GmbH, eines etablierten Herstellers von Kleinwindkraftanlagen. Das DLR-Team um Projektleiter Malte Neumeier hat den elektrischen Generator ausgebaut und die Anlage für den neuen Einsatzzweck modifiziert. Auf mechanischem Wege gelangt die Energie in einen Container, der neben der Anlage steht. Die Hauptkomponente dort ist eine spezielle Bremse – ein hydrodynamischer Retarder. Anwendungen sieht dasDLRTeam, wo Wärme bis 300 Grad Celsius benötigt wird, also beispielsweise in Fernwärme-Netzen oder der Industrie. gb Wärmenetze Foto: Guido Bröer Investitionsstau im Fernwärmemarkt. Neue Fernwärmerohre wollen in die Erde, doch die Branche wartet auf die Politik. Vakuumflachkollektoren für Fernwärme in Sondershausen Der dänische Projektentwickler Aalborg CSP bautfür das Fernwärmenetz der Stadtwerke Sondershausen eine Solarthermie-Großanlage. Erstmals in einer solchen Anlage in Deutschland sollen dabei hocheffiziente vakuumisolierte Flachkollektoren zum Einsatz kommen. Der Kollektortyp des in Genf ansässigen Unternehmens TVP Solar, der in einer Fabrik bei Neapel produziert wird, soll die jeweiligen Vorteile von Flach- und Vakkumröhrenkollektoren vereinen. Bereits vor zehn Jahren wurde er mit dem Innovationspreis der Messe Intersolar ausgezeichnet, konnte sich allerdings auf dem deutschen Markt bislang nicht durchsetzen. Laut Solar-Keymark-Datenblatt erreicht dieser Kollektor einen rechnerischen Energieertrag von 683 Kilowattstunden pro Quadratmeter Bruttofläche und Jahr (kWh/m2*a) am Standort Würzburg bei einer Systemtemperatur von 75 Grad Celsius. Der TVP-Kollektor würde damit für typische Anwendungen in Fernwärmenetzen sogar die Flächeneffizienz der aktuell besten Röhrenkollektoren übertreffen. Für den Praxiseinsatz in Sondershausen erwarten die Stadtwerke einen Ertrag von immerhin mehr als 500 kWh/m2*a. In Zusammenarbeit mit TVP Solar hat auch der dänische Projektentwickler Aalborg CSP mit Sondershausen seinen ersten größeren Geschäftsabschlussin Deutschland erreicht. Das Unternehmen hat in Dänemark bereits mehrere solarthermische Großanlagen realisiert, teils mit klassischen Flachkollektoren ohne Vakuum von Greenonetec, teils mit hauseigenen konzentrierenden Rinnenkollektoren. Für die Stadtwerke Sondershausen ist die Solarthermieanlage ein wesentlicher Schritt bei der Umstellung auf erneuerbare Energie. Dazu will Aalborg CSP bis zum Frühjahr 2023 genau 3105 Vakuumflachkollektoren mit einer Kollektorfläche von 6086 Quadratmetern installieren. Die Dänen liefern auch die Wärmeübergabestation sowie einen 1000 Kubikmeter großen Wärmespeicher. Letzterer soll im Winter auch genutzt werden, um ein neues Fernwärme-Blockheizkraftwerk vom Wärmebedarf im Netz zu entkoppeln und im Tagesverlauf strommarktoptimiert einzusetzen. gb Größter wärmespeicher deutschlands In Berlin entsteht nachAngaben von Vattenfall der größte WärmespeicherDeutschlands. Erragt 45 Meterin dieHöhe und soll in das Fernwärme-Netz eingebunden werden. Im April 2023 soll der Wärmespeicher für das Berliner Fernwärme-Netz in den kommerziellen Betrieb gehen. Er ist 45 Meter hoch, hat einen Durchmesser von 43 Metern und fasst 56.000 Kubikmeter Wasser. Allein das Füllen des Speichers werde bis zu zwei Monate dauern, so Vattenfall. Neben dem Kohleheizkraftwerk Reuter West befindetsich seit 2019 auch eine Power-to-Heat-Anlage mit einer installierten Leistung von 120 MW.Deren Wärme aus nicht anderweitig nutzbarem Wind- und Solarstrom will Vattenfall künftig in dem riesigen Wassertank speichern. gb Verbände fordern bessere bedingungen für tiefe Geothermie In einem gemeinsamen Positionspapier drängen die Branchenverbände AGFW, BEE, VKU und der Bundesverband Geothermie gemeinsam darauf, die TiefeGeothermie stärker zu forcieren. Der im Koalitionsvertrag vereinbarte Anteil von 50 Prozent erneuerbarer Wärme bis 2030 mache es nötig, massiv erneuerbare und klimaneutrale Wärmequellen zu erschließen. In Deutschland sind aktuell 42 Anlagen für Tiefe Geothermie in Betrieb, die ca. 1,3 TWh Wärme pro Jahr liefern. gb Wärmenetze Solche Vakuumflachkollektoren wie in dieser Anlage in Genf sollen künftig für Sondershausen Fernwärme erzeugen. +43 7269 / 76600 ofǛce@gasokol.at www.gasokol.at NAHWÄRME AUS 150 MILLIONEN KILOMETERN ENTFERNUNG Solarertrag: 920 MWh/Jahr Bruttokollektorǜäche: 1.590 m2 Nahwärme St. Ruprecht, Steiermark SOLARPREIS Österreichischer 2021 Foto: TVP Solar

2022-09-07T10:24:24+02:00Freitag, 1. Juli, 2022|

Wärmenetze in kleinen Kommunen

14 eit Wochen schon stapeln sich auf einer Wiese am Ortsrand von Breiten holz Fernwärmerohre. Jetzt haben die Bagger damit begon - nen, die Straßen des 750-Einwohner- Dorfes aufzureißen, das malerisch am Rande des Naturparks Schönbuch liegt. Holz ist hier reichlich vorhanden, mit dem künftig die drei Kessel in der neuen Heizzentrale des Ortes gefüttert werden sollen. Sie ersetzen weit über 100 Einzelhei zungen in den Gebäuden. Zu drei Vierteln sind das alte Ölkessel, denn ein Gasnetz gibt es in Breitenholz nicht. Vom „Öldorf“ zum „Bioenergiedorf“ – das wäre an sich schon eine spannende Geschichte. In der Fachwelt wird Breitenholz aber wohl eher als „Solar dorf“ von sich reden machen. Denn das mehr als 2000 Quadratmeter große Solarkollektorfeld soll den Wärmebedarf des Ortes übers Jahr zu 37 Prozent decken. Das ist ein rund doppelt so hoher Solaranteil wie in dem guten Dutzend anderen Solar-Bioenergiedörfern, die deutschlandweit schon in Betrieb sind. Für Günther Gamerdinger, Genossenschaftsvorstand der Tübinger Energiegenossenschaft, die das Wärmenetz in Breitenholz initiiert hat und die als Komplementärin an der örtlichen Bürgerenergie- Gesellschaft beteiligt ist, ist der hohe Solaranteil ein logischer Schritt: „Auch mit dem Holz verbrennt man wertvolle Ressourcen. Deshalb ha - ben wir gesagt, wir möchten die Kraft der Sonne nutzen, um die Ressource Holz ein Stück weit zu entlasten.“ Speicher macht den Unterschied Die technische Möglichkeit für den hohen Solaranteil schafft ein zehn Meter hoher Speicher. Dank ihm steht die geerntete Solarenergie auch an weniger sonnigen Tagen zur Verfügung. In bisherigen Solar-Bioenergiedörfern mit vergleichsweise kleineren Kollektorfeldern und Speichern trump fen die Solaranlagen vor allem im Sommer auf, wenn sie den niedrigeren Wärmebedarf im Netz komplett decken. Hingegen soll das Zusammenspiel von Kollekto ren und Speicher in Breitenholz auch in den kühleren Übergangsjahreszeiten und sogar an sonnigen Wintertagen nennenswerte Beiträ ge leisten. Ihr Netz werden die Breitenholzer Bürger:innen selbst betrei ben. Mit Kommanditanteilen von jeweils mindestens 1000 Euro haben sie sich an der eigens gegründeten örtlichen Betreibergesellschaft beteiligt. Das finan zielle und techni sche Know-how organisiert dabei die Genossenschaft Bürger-Ener - gie Tübingen, die als Komplementärin der Bioenergie Breitenholz eG & Co. KG im Boot ist. Die Tübinger Genossen haben seit vielen Jahren Erfahrung mit Photovoltaikanlagen. In Breitenholz wagen sie sich erstmals an ein Wärmeprojekt. Und wenn man sich umschaut im Ländle, dann gibt es immer mehr solcher gemeinschaftlichen und kommunalen Initiativen im Wärmebereich. In der Region Neckar-Alb ist Breitenholz eines von mehreren Vorzeigeprojekten, mit denen der Regionalverband Neckar- Alb und die drei jeweils kreisweit organisierten Klimaschutzagenturen für die Idee ländlicher Wärmenetze werben. Unterstützt durch EU-Geld versuchen sie im Projekt ENTRAIN mit solchen guten Beispielen auch andere Kommunen von den Vorzüge gemeinschaftli - Energiekommune 10/2021 Beim Thema „Kommunale Wärmeplanung“ ist Baden-Württemberg Vorreiter. Für Städte mit mehr als 20.000 Einwohnern ist die Erstellung eines Wärmeplans dort Pflicht. Für kleine Kommunen wird Wärmeplanung seit dem 1. Oktober gefördert. Einige Kommu nen in der Region Neckar-Alb wollten darauf nicht warten. Sie realisieren bereits Wärmenetze mit erneuerbaren Energien in unterschiedlichen Modellen. Foto: Guido Bröer Wärmenetze in kleinen Kommunen S cher Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien zu überzeugen. Das wichtigste Argument ist dabei neben dem Klimaschutz eine hohe regionale Wertschöpfung anstelle der bisherigen Energieimporte. Obendrein werden die Energiepreise durch heimische Erneuerbare absehbar stabiler bleiben, was Sicherheit gibt und somit auch eine soziale Komponente hat. Und noch einen anderen sozialen Aspekt sieht Franziska Kenntner, die Bürgermeisterin von Mehrstetten, wenn sie an das kurz vor dem Baube - ginn stehende Wärmenetz der Kommune denkt: „Ich glaube, dass es den Zusammenhalt fördert. Mein Nachbar hat die gleiche Wärme, und der, der eine Straße weiter wohnt, hat sie auch. Das hilft, den Zusamenhalt zu stärken.“ Zumal auch in Mehrstetten, mit 1450 Einwohnern hoch auf der schwäbischen Alb gelegen, die Antreiberin der örtlichen Wärmewende eine Genossenschaft ist – die Energie für Bürger Mehrstetten eG. Die hat sich eigens für Planung, Bau und Betrieb des Netzes im Ort gebildet. Genossenschaftsvorstand Rolf Schiller ist begeistert von der Idee des gemeinsamen Wirtschaftens: „Das hat ja auch was urdemokratisches, wie man es in modernen Gesellschaften, die so komplex sind wie unsere, kaum noch findet.“ Seit drei Jahren engagieren sich die Mehrstetter:innen für ihr Wärmenetz. Ausgehend zunächst von einem Quartierskonzept zur Versorgung von städtischen Gebäuden wie Schule, Rathaus und Kindergarten ist die Idee gewach - sen. Nach drei Jahren intensiver Diskussionen, des Planens und der Überzeugungsarbeit werden viele Hausbesit - zer:innen in Mehrstetten vielleicht schon im kommenden Jahr die Möglichkeit zum Anschluss an eine CO2- neutrale Wärmeversorgung mit Holz haben, um die sich die meisten viel weniger kümmern müssen als um ihre heutige Solo-Heizung, obwohl ihnen alles gemeinsam gehört. Lokale Wertschöpfung Im 20 Kilometer entfernten Pfron - stetten verfolgt Bürgermeister Reinhold Teufel einen etwas anderen Ansatz, Dort liegen sogar schon bislang ungenutzte Wärmelei tungen zwischen drei kommunalen Gebäuden, dem Kindergarten, der Schule und einer Veranstaltungshalle. Die Rohre hat der Gemeinderat bei passender Gelegenheit vor einigen Jahren vorsorglich mit verlegen lassen, um diese Liegenschaften eines Tages zentral zu versorgen, wenn die bereits betagten Einzelheizungen zum Austausch anstünden. Inzwischen allerdings ist die Idee weiter gewachsen. Die Gemeinde selbst will auch ihren Bürger:innen eine Fernwärmeversor - gung anbieten. Darin unterscheidet sich das Pfronstetter Modell von Breitenholz und Mehrstetten. Während dort Bürgerenergiegesellschaften die Projekte organisieren, will die Gemein - de Pfronstetten selbst investieren. Für Teufel liegt das nicht nur deshalb auf der Hand, weil seine Gemeinde über ausreichend Eigenkapital verfügt, das aktuell keine Zinsen bringt. Er möchte auch die Entscheidungs ho heit in kommunaler Hand halten: „Wir wollen Eigentümer des Netzes sein, um so auch bei der Preisgestaltung später im Interesse der Kunden ein Wort mitsprechen zu können.“ Die CO2-neutrale Energie sollen in Pfronstetten die heimischen Wälder und die Solarthermie liefern. Die Gemeinde besitzt selbst Wald und möchte ihr Holz vor Ort nutzen. „Viel wichtiger sind aber hier in der Region die privaten Waldbesitzer“, sagt Teufel. „Sie bekommen die Möglichkeit ihr Holz an den Betreiber des Heizwerkes zu verkaufen und so die regionale Wertschöpfung daraus zu generieren.“ Private Initiative Wie gut dies funktioniert, lässt sich be - reits in Rosenfeld im Zollernalbkreis zwischen Schwarzwald und schwäbischer Alb erkunden. Dort betreibt der Forstunternehmer und Holzhändler Günter Rauch seit 10 Jahren ein Heiz - werk samt Wärmenetz. Ausgehend auch hier von ersten kommunalen Gebäuden hat er sein Netz inzwischen in mehreren Stufen ausgebaut. Heute versorgt Günter Rauch mit seiner Naturenergie Kleiner Heuberg GmbH & Co. KG 27 Gebäude verschiedener Größe. W Ä R M E N E T Z E Heute schon an morgen denken: Mit einem Nahwärmenetz die kommunale Energiewende gestalten! EN ENE ENER ENERP ENERPI ENERPIP ENERPIPE u un unt unte unter unters unterst unterstü unterstüt unterstütz unterstützt S Si Sie a al als S Sy Sys Syst Syste System Systema Systeman Systemanb Systemanbi Systemanbie Systemanbiet Systemanbiete Systemanbieter b be bei d de der K Ko Kon Konz Konze Konzep Konzept Konzepti Konzeptio Konzeption ei ein eine eines N Na Nah Nah- o od ode oder F Fe Fer Fern Fernw Fernwä Fernwär Fernwärm Fernwärme Fernwärmen Fernwärmene Fernwärmenet Fernwärmenetz Fernwärmenetze Fernwärmenetzes Fernwärmenetzes. A Au Auß Auße Außer Außerd Außerde Außerdem s st ste stel stell stelle stellen w wi wir a al all alle Ko Kom Komp Kompo Kompon Kompone Komponen Komponent Komponente Komponenten f fü für d di die W Wä Wär Wärm Wärme Wärmev Wärmeve Wärmever Wärmevers Wärmeverso Wärmeversor Wärmeversorg Wärmeversorgu Wärmeversorgun Wärmeversorgung b be ber bere berei bereit bereit: Ro Roh Rohr Rohr- u un und V Ve Ver Verb Verbi Verbin Verbind Verbindu Verbindun Verbindung Verbindungs Verbindungst Verbindungste Verbindungstec Verbindungstech Verbindungstechn Verbindungstechni Verbindungstechnik Verbindungstechnik, Ü Üb Übe Über Überg Überga Übergab Übergabe Übergabet Übergabete Übergabetec Übergabetech Übergabetechn Übergabetechni Übergabetechnik u us usw usw. 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Zudem sind die Möglichkeiten zur Wärmedäm - mung in den vielen Fachwerkhäusern des historischen Stadtkerns schon aus Denkmalschutzgründen eher begrenzt. „Wir haben durch das Quartierskonzept viele interessante Erkenntnisse gewonnen, die wir jetzt sukzessive umsetzen wollen“, sagt Rosenfelds Bürgermeister Thomas Miller. Er setzt nun mit dem Gemeinderat auf den weiteren Ausbau der erneuerbaren Fernwärme. „Die Leute sind damit sehr zufrie den“, sagt er und verweist unter anderem auf das kürzlich angeschlos sene Freibad, das nun auch an kühlen Tagen mit angenehmen Temperaturen lockt. Wärmeplanung als Pflicht Wie Rosenfeld so werden demnächst viele Kommunen in Baden-Württem - berg systematisch ihre Wärmeplanung in die Hand nehmen. Was für die 103 Kommunen ab 20.000 Einwohnern ab diesem Jahr Pflichtaufgabe ist, das sollen kleinere Kommunen freiwillig angehen, so das erklärte Ziel der grünschwarzen Landesregierung. Im Gesetzgebungsverfahren zum Klimaschutzgesetz hatte sie zunächst davon abgese - hen, die kommunale Wärmeplanung für alle rund 1000 Kommunen des Bundeslandes auf einen Schlag obligato - risch zu machen. Dafür hätte es viel zu wenige kompetente Planerinnen und Planer gegeben, lautete die offizielle Begründung. Allerdings bekommen Kommunen seit dem 1. Oktober einen Zuschuss von bis zu 80 Prozent der förderfähigen Kosten, wenn sie einen kommunalen Wärmeplan erstellen lassen. Die Höchstbeträge sind nach Gemeindegröße gestaffelt. Und sie steigen noch um einen Bonus, wenn mehrere Kommunen ihre Wärmeplanung gemeinsam in einem sogenannten Konvoi angehen. Vom Konvoiverfahren verspricht sich das Land nicht nur mehr Effizienz für den Planungsprozess, son - dern auch bessere Ergebnisse. Denn eine interkommunale Wärmeplanung er mög licht es oft, Erneuerbare-Energien- Potenziale und Wärmebedarf über Kommunalgrenzen hinweg zusammenzubringen. Ein Paradebeispiel – wenn auch nicht aus Baden-Württemberg – sind die Gemeinden Neuerkirch und Külz im Hunsrück, die ein gemeinsames Wärmenetz mit Holz- und Solarthermieanlage aufgebaut haben. Guido Bröer Zuschuss für kommunale Wärmeplanung startet Das Land Baden-Württemberg bezuschusst kleinere Kommunen für die Erstellung eines kommunalen Wärmeplans. Die entsprechende Verwaltungs - vor schrift vom 15. September 2021 greift seit dem 1. Oktober. Weil alle 103 Kommunen des Landes mit mehr als 20.000 Einwohnern per Klimaschutz ge - setz innerhalb von zwei Jahren zur Erstellung einer kommunalen Wärmeplanung verpflichtet sind, erhalten sie für die neue Aufgabe Ausgleichs - zahlungen. Kleinere Kommunen möchte die Landesregierung motivieren, freiwillig in einen solchen Planungsprozess einzusteigen. Sie erhalten dafür jetzt bis zu 80 Prozent Förderung. Je nach Einwohnerzahl gibt es einen maximalen Sockelbetrag plus Kopfprämien. Kommunen mit weniger als 5000 Einwohnern können die Förderung nur gemeinsam mit mindestens zwei Nachbar - gemeinden in einem sogenannten Konvoi beantragen. Konvois werden mit weiteren Boni gefördert. Informationen zur neuen Förderung gibt es bei der Klimaschutzagentur des Landes, KEA-BW. Diese gibt auch einen kostenlosen Handlungsleitfaden zur kommunalen Wärmeplanung heraus. Kontakt: waermewende@kea-bw.de NEUE FÖRDERUNG IM SÜD-WESTEN W Ä R M E N E T Z E

2022-07-15T12:50:18+02:00Freitag, 1. Oktober, 2021|

Solarenergiedorf Mengsberg

Solarenergiedorf Mengsberg [esc_html]Open preview[/esc_html]

2022-07-14T14:33:26+02:00Mittwoch, 1. Januar, 2020|

Mit Gummistiefeln ins Solarzeitalter

7 Oktober 2017 Energiekommune 1/2020 Solare Wärmenetze er sich vor Ort ein Bild von solaren Wärmenetzen machen will, für den sind Gummistiefel derzeit das passende Schuhwerk. Denn wo demnächst Scha fe oder Bienen auf Grün- und Blüh flächen zwischen Solarkollektorreihen wei den sol - len, da ziehen vorerst allrad- und kettengetriebene Baufahrzeuge ihre tie - fen, matschigen Fahrspuren. Gleich auf fünf Großbaustellen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Baden- Württemberg nutzen aktuell Stadt - wer ke die sonnenarme Saison, um später Solarenergie in ihre Fernwär me - netze einspeisen zu können. Mit welcher Routine und Geschwindigkeit spezialisierte Solarfirmen heute ein Kollektorfeld mit vielen tausend Quadratmetern aufstellen können, da - von überzeugte sich ein Dut zend Pressevertreter samt Kamera teams im November bei den Stadtwerken Ludwigsburg- Kornwestheim. Dort entsteht ge rade Deutschlands größte Solarthermieanlage. Eingeladen vom Solnet-4.0- Projekt und der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg staunten die Medienleute nicht schlecht, wie flott ein Großkollektor nach dem ande ren in seine vorbereitete Halterung gehoben und von nur zwei Arbeitern mit jeweils einem routinierten Handgriff in seiner Halterung gesichert wird. Immerhin werden jeweils 250 Kilogramm und 13,6 Quadrat me ter Kollektorfläche bewegt. Während die Journalisten noch schnell einige Interviews mit Vertretern der Stadtwerke und des dänischen Generalunter neh mers Arcon-Sunmark aufzeichnen, hat der kleine Bautrupp im Hintergrund schon eine Fläche in der Größe mehrerer Tennisplätze belegt. Fließbandarbeit Ihm voraus arbeiten zwei Männer mit einem kleinen Raupenfahrzeug. Sie ram men GPS-gesteuert die Stützen für die Kollektoren in den Boden. Offenbar weiß die Maschine ziemlich genau, was sie zu tun hat. Und das muss sie auch, denn die präzise Ausrichtung der stählernen Pfosten ist die Voraussetzung dafür, dass der Kollektor später problemlos eingelegt werden kann und mindestens 25 Jahre lang optimal zur Sonne ausgerichtet bleibt. Wenn es gut laufe, dann könne sein kleiner Trupp 2000 Quadratmeter Kollektoren an einem Tag pflanzen, erzählt Claus Graven, Service- und Installations- Manager bei Arcon-Sunmark. Er hält vor Ort auf den Baustellen die Fäden in der Hand. „Unser Rekord liegt aber bei mehr als 6000 Quadratmeter an einem Tag“, erzählt der Däne stolz. So gesehen, könnte Deutschlands größtes Kollektorfeld innerhalb einer Woche aufgestellt werden. Dass es dann doch etwas länger gedauert hat, liegt daran, dass weiter vorn, in der Nähe der künftigen Heizzentrale, die Tiefbaufirma mit der unterirdischen Verroh rung noch nicht so schnell vorangekommen war. Die Wartezeit in Ludwigsburg nutzt Graven, um zu den beiden anderen laufenden Arcon-Projekten in Bernburg und Halle zu pendeln, wo mehr oder weniger gleichzeitig zwei solare Wärmenetze mit Kollektorfeldern von 5100 und 8600 Quadratmetern entstehen. Eine Nummer kleiner, aber nicht we niger interessant ist die Solar-Bau - stelle im baden-württembergischen Ettenheim. 1700 m2 Solarkollektoren sol - len dort künftig die Heimschule Sankt Bei fünf Stadtwerken in Deutschland laufen in diesem Winter die Bauarbeiten für große Solarthermieanlagen. Mit Gummistiefeln ins Solarzeitalter Foto: Guido Bröer W Solare Wärmenetze Landolin mit 1800 Schülern und ein angrenzendes Wohngebiet mit Wärme versorgen. Bereits seit 20 Jahren gibt es dort ein 6-MW-Wärmenetz mit einem gro ßen Holz kessel, zwei Öl-Spitzenlastkesseln und einem Blockheizkraftwerk (BHKW). Betreiber ist die Fernwärme Ettenheim, eine Tochtergesellschaft des Ingenieurbüros Ratioenergie GmbH aus Lörrach, an der die Schulstiftung und die Gemeinde Ettenheim jeweils mit 24,9 Prozent beteiligt sind. Weil das BHKW marode ist, hat Ratioenergie-Geschäftsführer Peter Blaser nach einer Alter na tive für die Som mer last gesucht und sie in der Solarthermie gefunden. Mit Solarthermie ist Blaser seit Jahrzehnten vertraut, aber Ettenheim ist sein weitaus größtes Solarprojekt. „Ich finde, es läuft ziemlich gut“, sagt er über die Bauarbeiten. Eine Überraschung gab es bislang beim Fundament für die bei - den jeweils 100 Kubikmeter großen Wärme spei cher, die inzwischen schon stehen. Der Baugrund für die schweren Tanks habe leider nicht gehalten, was er in den Voruntersuchungen versprochen habe. Deshalb sei ein deutlich aufwändigeres Fundament mit entsprechend längerer Bauzeit nötig geworden. Transportaufgaben Im Gegensatz zu Ludwigsburg, wo der riesige 2000 Kubikmeter-Speicher als Immobilie errichtet wird, können Speichertanks im Ettenheimer Format noch gerade so per Lastwagen befördert werden. Ein Hingucker ist so ein Transport allemal. „Wir haben natürlich im Vorfeld geschaut, in welcher Größe wir etwas transportieren können“, sagt Blaser. Das galt auch für die zahlreichen Lastwagenladungen mit Großkollektoren made in Finnland. Von der dortigen Fabrik des Herstellers Savosolar haben sie die ersten 2000 Kilometer über die Ost - see und deutsche Autobahnen vergleichsweise einfach überwunden. Auf den letzten Metern zum Aufstellort, der über eine steile, zerfahrene, schlammige Zufahrt führt, musste Savosolar dann aber feststellen, dass der vorgesehene Trak tor etwas zu schwach war. Mit mehr PS ließ sich die Aufgabe dann aber bewältigen, so dass der Kollektoracker im Januar bestellt werden kann. Deponie als Untergrund In Potsdam ist diese Phase schon überwunden. Mitte Dezember haben die örtlichen Stadtwerke (EWP) dort ein Solar - feld mit fast 5200 Quadratmetern Röhrenkollektoren des Herstellers Ritter XL solar eingeweiht. Auch hier habe der Untergrund ei - ner gewissen Zuwendung und Vorbereitung bedurft, berichtet EWP-Energiemanager Christian Lewandowski. So habe der Aushub für die Verrohrung wegen Umweltauflagen abtransportiert wer den müssen. Gleichwohl habe die alte Deponie einen ökologischen Wert gehabt. Gestrüpp und Bäume, die auf dem Gelände seit Jahrzehnten unge - stört gewachsen waren, musste der Fernwärmebetreiber durch Ausgleichszahlungen kompensieren. Erst als das Gelände gerodet war, konnten die Gestelle für die Kollektoren in den Boden gerammt werden. Nicht überall ging dass aber in dem heterogenen Deponiekörper so glatt wie erhofft. „Etwa 10 Prozent der Profile konnten nicht gerammt, sondern mussten ge - bohrt werden. Das dauert natürlich länger und ist auch teurer“, berichtet Lewandowski. Obwohl auch im Potsdamer Solar - feld an Schlamm kein Mangel herrscht, konn ten übrigens Oberbürgermeister Mike Schubert und seine Mitstreiter bei der feierlichen Einwei hung ihren Job ohne Gummi stie fel erledigen. Die Bauherrin EWP hatte rund um das symbo - lisch zu durchschneidende grüne Band ein Fuder Sand gestreut. Guido Bröer Wenn es um Sonnenenergie geht, darf Dunkelheit kein Hindernis sein. Mit großem Einsatz werden die aus Finnland angelieferten Großkollektoren auf die Baustelle in Ettenheim überführt und dort in ein provisorisches Zwischenlager gestellt. Foto: Savosolar Foto: Guido Bröer Ohne Gummistiefel: In Potsdam wurde eine Ladung Sand spendiert, um die Zerstücke - lung des grünen Band zur Einweihung von 5200 Quadratmetern Solarthermie am 11. Dezember trockenen Fußes vollziehen zu können. 8 Januar 2020 Solare Wärmenetze Mit den schlüsselfertigen Solar-Anlagen von Arcon- Sunmark setzen Sie auf eine zukunftsweisende Technologie, die gekoppelt mit KWK effizient und emissionsarm Wärme und Strom erzeugt. So sparen Sie nicht nur bares Geld, sondern leisten zugleich Ihren Beitrag zum Klimaschutz. Zukunft schon heute: Wir bauen derzeit die zwei größten deutschen Solarwärmeanlagen mit 10 MW & 6 MW. Als Marktführer mit über 30 Jahren Erfahrung in Solar-Großanlagen ist Arcon-Sunmark ein kompetenter Ansprech partner rund um die Beratung, Installation und Betreuung maßgeschneiderter innovativer KWK-Systeme mit Solarwärme. www.arcon-sunmark.com KWK MIT SOLARWÄRME – EINE CLEVERE KOMBINATION DEUTSCHLAND KOPPELT KWK MIT DER KRAFT DER SONNE – MACHEN SIE MIT! Arcon-Sunmark GmbH Clermont-Ferrand-Allee 26e 93049 Regensburg info@arcon-sunmark.com Tel. 0941-64090804 Hechingen plant 70 % Solarthermie mit Saisonalwärmespeicher Die Stadtwerke Hechingen planen ein deutschlandweit einmaliges Wärmenetz für ein Neubaugebiet, das 70 Prozent seines jährlichen Wärmebedarfs aus einer Solarthermieanlage mit Saisonalspeicher beziehen soll. Den Rest soll eine Wärmepumpe liefern, die dem Untergrund über ein Erdsondenfeld Energie entzieht. Nur für den Extremfall steht ein Gas-Spitzenlastkessel in Reserve, der rechnerisch an den drei kältesten Tagen eines Jahres gebraucht würde. 463 Wohneinheiten seien in dem neuen Wohngebiet „Killberg IV“ künftig zu versorgen, berichtet Reinhold Dierin - ger, Geschäftsführer der Stadtwerke, der eine Machbarkeitsstudie für das Wärmenetz in Auftrag gegeben hat. „Die Idee dafür ist in einer Bürgerwerkstatt entstanden. Wir haben dort den Auftrag erhalten, eine Wärmeversorgung möglichst CO2-frei und zu günstigen Kosten zu entwickeln“, sagt Dieringer. „Das System mit der 7000 Quadratmeter großen Solarthermieanlage und einem 18.000 Kubikmeter großen saisonalen Wärmespeicher hat sich dann in der Machbarkeitsstudie als die wirtschaftlichste Lösung herausgestellt.“ Mit einem zu erwartenden, stabilen Wärmepreis für Endkunden von 15,7 Cent pro Kilowattstunde (Mischpreis aus Grund- und Arbeits preis inkl. MwSt.) überzeugte das Konzept auch den Gemeinderat. Gefördert wird diese Vorunter su - chung zu 50 Prozent aus dem Programm „Wärmenetze 4.0“ des Bundes am tes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Bemerkenswert findet die Ergebnisse auch Dirk Mangold, Leiter des Steinbeis-Forschungsinstituts Solites, das die Machbarkeitsstudie gemeinsam mit der auf Erdwärmeanlagen spezialisierten Tewag GmbH erstellt. „Dass ein so hoher solarer Deckungsanteil von 70 Prozent sich tatsächlich bei streng ökonomischer Betrachtungsweise als die günstigste Lösung erweist, hat uns selbst ein wenig überrascht“, gesteht Mangold. Dies liege einerseits daran, dass ein Netz für solch ein Neubaugebiet mit einer niedrigen Vorlauftemperatur von maximal 70 Grad auskomme. Zum anderen habe das Votum der Bürgerschaft die Optionen eingeschränkt, so Mangold: „Die Aufgabe hieß: CO2-neutral und möglichst auch ohne Holz“ Wenn die Hechinger Stadtwerke das Projekt realisieren, dann wäre es das erste solare Saisonalspeicherprojekt in Deutschland nach mehr als einem Jahrzehnt Pause. Nachdem ein halbes Dutzend Leuchtturmprojekte in München, Friedrichshafen, Crailsheim und anderswo die Machbarkeit der Speicherung von Sommersonne bis in den Winter hinein bewiesen haben, waren es vor allem dänische Fernwärmeversorger, die die Technologie weiterentwickelt, in die Breite getra - gen und dabei die Kosten massiv gedrückt haben. Und so soll in Hechingen auch erstmals für Deutschland ein kostengünstiger Erdbeckenspeicher nach dänischem Vorbild zum Einsatz kommen. Platz ist dafür auf einer Erdbodendeponie nahe des geplan ten Baugebietes. Dort soll an einem Hang ein Erdbecken ausgeho ben und mit Spezialfolie ausgekleidet werden. Die Solarkollektoren wer den an der Böschung des Erdbeckens Platz finden (siehe Grafik). gb Stadtwerke Hechingen, Reinhold Dieringer, T. 07471 9365-10, www.stadtwerke-hechingen.de • Solites, Dirk Mangold, Tel. 0711 6732000-20, www.solare-waermenetze.de Grafik: Stadtwerke Hechingen / Solites 10 Das baden-württembergische Umweltministerium hat einen „Handlungsleitfaden Freiflächensolaranlagen“ veröffentlicht. Der Leitfaden richtet sich unter anderem an Kommunen, Behörden, Projek tie rer und Planer. Er behandelt so wohl Solarthermieals auch Photovoltaikanlagen und ist auch außerhalb Baden-Württembergs gut zu verwenden. Umweltminister Franz Untersteller sagt, solare Freiflächenanlagen seien nicht monofunktional: „Wenn hinter ihnen ein durchdachtes, ökologisches Gesamtkonzept steht, können sie Energie- und Klimaschutzziele mit den Anliegen des Naturschutzes verbinden.“ Der Leitfaden enthält neben Informationen zu Wirtschaftlichkeit, Planungsrecht und Bürgerbeteiligung insbesondere Hilfestellungen zur ökologischen Gestaltung von Freiflächensolaranlagen. Er zeigt anhand von Beispielen verschiedene Optionen auf, wie die Artenvielfalt bei der Errichtung solcher Anlagen verbessert werden kann. gb https://um.baden-wuerttemberg.de, kostenloser Download: „Handlungsleitfaden Freiflächensolaranlagen“ Neue Isolierschicht für Erdbecken-Speicher Dank einer neuen Abdeckung sollen in Zukunft größere und effektivere Erdbecken-Energiespeicher für solare Wärmenetze möglich werden. Im dänische Marstal, wo 2012 der erste große Erdbeckenspeicher in Betrieb ging, wird zurzeit eine neue Abdeckung getestet. Sie soll laut dem Projektierer Arcon-Sunmark 25 Prozent effizienter sein als der bisherige Bautyp. Auch soll sie das Problem lösen, dass sich in der Isolierung der Abdeckung Feuchtigkeit ansammelt. Es diffundiert mehr Wasserdampf durch die warme Folie über der Wasseroberfläche, als durch die oberste Folienschicht über der Isolierung hinausdiffundieren kann. „Dies haben wir nun geändert“, berichtet Arcon. Solarthermie Anlagen Im Norden geht die Sonne auf! garantiert höchste Erträge stabile Wärmepreise schlüsselfertig oder im Contracting Jetzt anrufen und eine unserer über 15.000 m² großen Referenzanlagen in Dänemark besuchen! Savosolar Kühnehöfe 3 | 22761 Hamburg info@savosolar.de | ✆ +49 (0) 40 500 349 7-0 GmbH Jan u ar 2020 18. und 19. März 2020 in Kassel Dekarbonisierung der Fernwärme mit erneuerbaren Energien Das Fachseminar steht im Rahmen der neuen „Fachtage Fernwärme“ des Energieeffizienzverbandes Wärme, Kälte und KWK (AGFW). Das Event mit zahlreichen AGFWSeminaren und Workshops findet erstmals in neuer Form, unter neuem Titel und an neuem Ort statt. Die Veran - staltung löst die bisherige Messe En+Eff in Frankfurt ab. www.fachtage-fernwaerme.de 26. Mai 2020 in Stuttgart 4. Forum Solare Wärmenetze Die zentrale Veranstaltung für solare Wärmenetze in Deutschland findet in diesem Jahr zusammen mit dem Jahrestreffen der IEA SHC Task 55 „Large Solar Thermal Systems in District Heating and Cooling Networks“ statt. Alle Beiträge werden simultan übersetzt. Hier werden technische und ökonomische Expertise sowie Fachdis - kus sionen auf höchstem internationalem Niveau geboten. Dennoch versprechen die Organisatoren, dass die Veran stal tung wie in den Vorjahren auch für Vertreter von Kommunen und Energiegenossenschaften verständlich, interessant, motivierend und bezahlbar bleiben soll. www.solar-district-heating.eu/de/aktuelles/veranstaltungen VERANSTALTUNGEN SOLARE WÄRMENETZE Leitfaden für Freiflächensolaranlagen Der erste Erdbecken-Wärmespeicher in Marstal bekommt sieben Jahre nach Inbetriebnahme eine bessere Abdeckung. Solare Wärmenetze

2022-07-14T14:32:15+02:00Mittwoch, 1. Januar, 2020|

Kommunalversorger setzen auf Sonne – Solarthermie als Baustein urbaner Fernwärmenetze

Infoblatt Solare Wärmenetze | Nr. 4 www.solare-waermenetze.de 14.800 Quadratmeter – das wird der neue Maßstab sein für Solarthermie in Deutschland. Diese Größe hat das Kollektorfeld, mit dessen Bau die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB), nördlich von Stuttgart, im Herbst 2019 begonnen haben. Der vorherige Rekord der Stadtwerke Senftenberg in der Lausitz hat immerhin drei Jahre gehalten. Doch der aktuelle Trend ist klar: Die Fernwärmebetreiber in Deutschland haben die Solarthermie entdeckt. Kollektorfelder, die Energie in ein vorhandenes Wärmenetz einspeisen, mehren sich und sie werden größer. STARKES WACHSTUM Allein im Jahr 2019 werden voraussichtlich weitere 33.000 m2 Kollektorfläche gebaut werden, so dass die vorhandene Anlagenleistung in Deutschland von derzeit 44 Megawatt um mehr als die Hälfte wachsen wird. Den Löwenanteil werden dazu allein die drei größten Projekte in Ludwigsburg/Kornwestheim, Bernburg (8600 m2) und Halle (5091 m2) beitragen. Aus Sicht der etablierten Fernwärmeunternehmen, die sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten mit der Herausforderung konfrontiert sehen, fossile Energien aus ihrem Energiemix herauszudrängen und stattdessen erneuerbare Energien zu integrieren, hat die Nutzung von solarer Wärme im Zusammenspiel mit anderen erneuerbaren Energien viele Vorteile. Solarenergie ist preisstabil. Sie unterliegt nicht den unberechenbaren Preisschwankungen des Energiemarktes. Einmal gekauft und installiert arbeitet eine moderne Solarthermie-Großanlage mindestens 25 Jahre lang fast ohne Wartungsaufwand. Je nach Auslegung kann sie hohe Anteile der Sommerlast oder sogar den gesamten sommerlichen Wärmebedarf decken. Zunehmend setzen in Deutschland Versorgungsunternehmen auf Solarwärme. Solarkollektoren helfen bei der schrittweisen Dekarbonisierung von Fernwärmenetzen. Eine wachsende Anzahl von Projekten belegt, dass Solarthermie nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch inzwischen erste Wahl ist – gerade auch in Städten. Kommunalversorger setzen auf Sonne Solarthermie als Baustein urbaner Fernwärmenetze SENFTENBERG Die Stadtwerke Senftenberg haben im Sommer 2016 die bislang größte Solarthermieanlage Deutschlands an ihr Fernwärmenetz angeschlossen. 8300 m2 Vakuumröhrenkollektoren stehen auf einer ehemaligen Deponie. Technische Daten Bruttokollektorfläche: 8300 m2 CPC-Vakuumröhrenkollektoren Jahresertrag (Ø 2017/18): 4340 MWh Anbindung: Vorlauf (optional Rücklauf) Quelle: Stadtwerke Senftenberg Quelle: SWE/Steve Bauerschmidt Dabei sind die Preise für große Solarthermieanlagen heute – auch dank der Fördermöglichkeiten – konkurrenzfähig. Resultierende Wärmepreise aus großen Anlagen können je nach technischer Konstellation und Förderoption zwischen 50 und weniger als 20 Euro pro Megawattstunde liegen. Hinzu kommen schwer zu beziffernde Zusatznutzen wie etwa, dass eine Solarthermieanlage im Sommer die Anlagenlaufzeit von klassischen Wärmeerzeugern zu reduzieren hilft. So müssen diese auf den Winterbedarf ausgelegten Großaggregate weniger im Teillastbetrieb laufen und für Wartungsarbeiten entstehen komfortable Zeitfenster. HOHE FLÄCHENEFFIZIENZ Ein Pluspunkt, der die Solarthermie gerade für den Einsatz im Ballungsraum qualifiziert, ist ihr vergleichsweise geringer Platzbedarf. Die Suche nach geeigneten Flächen ist im urbanen Raum kein triviales Thema. Aber dabei ist es ein gewichtiges Argument, dass die Solarthermie gegenüber verschiedenen Formen des Biomasse- Anbaus eine 20- bis 50-fache Flächeneffizienz erreicht. Selbst gegenüber der Photovoltaik ist sie noch um Faktor vier im Vorteil. Die Fläche selbst ist außerdem nicht verloren; ein bodenständiges Kollektorfeld kann als Grünfläche extensiv beweidet werden – beispielsweise von Schafen. Oder es kann als Blumenwiese erholungssuchende Städter ebenso erfreuen wie nahrungsuchende Insekten. So ist die Solarthermieanlage in Ludwigsburg, die teilweise auf einer Altlast gebaut wird, als Lückenschluss für den rund um die Stadt entstehenden Grüngürtel eingeplant. Ein Spazierweg führt daran vorbei und macht das neue Highlight der Fernwärmeversorgung für Publikum erlebbar. Für die SWLB, die derzeit 14 Wärmenetze mit 22 Erzeugungsanlagen und 133 MW thermischer Leistung betreiben, spielt das Solarprojekt mit seinen 1088 Kollektoren und dem 2000 Kubikmeter großen Wärmespeicher eine Schlüsselrolle. In ihrem Projekt „Solar- HeatGrid“ schaffen sie einen Netzverbund zwischen Ludwigsburg und Kornwestheim und integrieren zugleich drei Inselnetze. Der größte Erzeuger ist hier heute und künftig ein wärmegeführtes Biomasseheizkraftwerk mit 9,75 MW thermischer und 2,1 MW elektrischer Leistung, die mit einer ORC-Turbine gewonnen wird. Die Anlage läuft bislang von Oktober bis Juni. In den Sommermonaten wird die Wärme mit fossil befeuerten Heizkesseln erzeugt, was die Klimabilanz der Fernwärme verschlechtert, sowie mit zusätzlicher BHKW-Leistung, die in der Heizperiode in „Konkurrenz“ zum Biomasse- Heizkraftwerk steht. Mit der solaren Jahreserzeugung von prognostizierten 5500 Megawattstunden sparen die SWLB daher nicht nur entsprechend viel Brennstoff und Treibhausgas ein, sondern auch viel Lieferverkehr im Ballungsraum. Die Heizperiode für die Biomasseanlage verkürzt sich künftig um einen Monat. JETZT KOMMEN DIE STADTWERKE Kein Wunder also, dass auch andere Versorger an der Solarisierung ihrer Wärmenetze arbeiten. Und während in den Jahren 2013 bis 2018 vor allem einige Solar-Bioenergiedörfer die solare Infoblatt Solare Wärmenetze | Nr. 4 LUDWIGSBURG/KORNWESTHEIM Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim bauen die bislang mit Abstand größte Solarthermieanlage Deutschlands. Technische Daten Bruttokollektorfläche: 14.800 m2 Flachkollektoren Jahresertrag (Prognose): 5050 MWh Quelle: Guido Bröer CHEMNITZ Der kommunale Energieversorger eins energie in sachsen betreibt seit 2016 eine Solarthermieanlage an einem Niedertemperatur-Teilnetz für den Stadtteil Brühl. Besonderheit: Die Flachkollektoren werden zur Effizienzsteigerung ohne Frostschutzmittel betrieben. Technische Daten Bruttokollektorfläche: 2230 m2 Flachkollektoren Systemanbindung: Direktanbindung an Low-Ex-Netz Quelle: eins energie in sachsen Wärmewende im ländlichen Raum vorgemacht haben, ziehen jetzt die städtischen Fernwärmeversorger nach. So sieht das auch der Präsident des Fernwärmeverbandes AGFW, Werner R. Lutsch, der im Interview (Seite 4) darauf hinweist, dass die größeren Projekte in Städten wegen der höheren Komplexität einen längeren Vorlauf benötigen. So haben die Stadtwerke Erfurt nach längerer Planung im Mai 2019 eine Doppel-Solaranlage mit zwei Kollektorfeldern (1155 m2 Vakuumröhren, 550 m2 Flachkollektoren) eingeweiht. Sie wollen mit dieser relativ kleinen Installation zunächst Erfahrungen sammeln, um im nächsten Schritt größere Solaranlagen zu errichten. Sehr zufrieden ist derweil der Vattenfall-Konzern mit seiner 2018 gebauten 1000-m2-Anlage in Berlin-Köpenick. Sie hat in ihrer ersten Saison die Prognosen weit übertroffen und 550 MWh Wärme produziert. Die Stadtwerke Halle an der Saale haben kürzlich den Zuschlag zum Bau einer gut 5000 Quadratmeter großen Flachkollektor-Anlage vergeben. Ähnlich wie in Berlin-Köpenick wird diese auf einem Betriebsgelände der Stadtwerke gebaut. Unweit von Halle werden auch bei den Stadtwerken Bernburg noch im Jahr 2019 Kollektoren installiert. Mit 8600 m2 dürfte deren Anlage – zumindest vorübergehend – die zweitgrößte in Deutschland nach Ludwigsburg sein. LANGFRISTIGE PLANUNGEN Doch auch der Ludwigsburger Rekord wird nicht ewig halten, wenn einige Stadtwerke ihre bereits laufenden Planungen umsetzen. So haben etwa die Stadtwerke Greifswald sich mit der Idee für eine rund 15.000 m2 große Solarwärmeanlage erfolgreich an einer Ausschreibung der Bundesnetzagentur für innovative KWKAnlagen beteiligt (iKWK). Dieses Fördermodell, bei dem regenerative Wärmeerzeugung – z.B. Solarthermie – indirekt über einen Zuschuss für den KWK-Strom gefördert wird, könnte sich zu einer attraktiven Alternative zur regulären KfW-Förderung entwickeln. In ähnlichen Größenordnungen denken die Stadtwerke in Hennigsdorf und in Neubrandenburg, die jeweils den Bau großer Multifunktionswärmespeicher planen und diese passend auslegen wollen, um im zweiten Schritt Solarthermieanlagen im Megawattmaßstab daran anzuschließen. Bei den Stadtwerken Kempen am Niederrhein ist geplant, dass innerhalb der nächsten drei Jahre ein Kollektorfeld entstehen soll, das groß genug ist, um 15 Prozent des Jahresfernwärmebedarfs der Stadt zu decken. Dieses hätte etwa die Größenordnung, die alle realisierten Fernwärme-Solaranlagen in Deutschland bislang zusammen erreichen. Um im Jahr 2050 rund 12 Terawattstunden Solarthermie für die Fernwärme zu ernten, so wie es sich als Ziel aus der Gebäudestrategie der Bundesregierung ableiten lässt, müssen freilich noch viele solcher Projekte an den Start gehen. Denn dafür wäre 30 Jahre lang ein Zubau von jeweils 1 Million Quadratmeter Kollektorfläche nötig. www.solare-waermenetze.de BERLIN-KÖPENICK Vattenfall hat für das Fernwärmenetz im Berliner Stadtteil Köpenick im Frühjahr 2018 eine Kollektoranlage in Betrieb genommen. Sie wurde auf einer brachliegenden Fläche auf dem Betriebsgelände des Heizkraftwerkes errichtet und speist über einen Wärmetauscher in den Rücklauf des Netzes ein. Technische Daten Bruttokollektorfläche: 1058 m2 Flachkollektoren Jahresertrag (1. Betriebsjahr): 550 MWh Systemanbindung: Rücklaufeinspeisung über Wärmetauscher Quelle: Guido Bröer ERFURT Die SWE Energie GmbH, Tochter der Stadtwerke Erfurt, betreibt seit Frühjahr 2019 eine Solarthermieanlage an ihrem Fernwärmenetz. Die Anlage besteht zu Versuchszwecken aus zwei vollständig voneinander getrennten Teilen. Ein Teil arbeitet mit Flachkollektoren, der andere mit CPC-Vakuumröhrenkollektoren. Technische Daten Bruttokollektorfläche: 1705 m2 1155 m2 CPC-Vakuumröhrenkollektoren 550 m2 Flachkollektoren Jahresertrag (Prognose): 700 MWh Quelle: SWE/Steve Bauerschmidt Gefördert durch: www.solare-waermenetze.de IMPRESSUM Das Infoblatt Solare Wärmenetze ist eine Initiative im Rahmen von Solnet 4.0, einem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Vorhaben zur Marktbereitung für solare Wärmenetze. Die Projektpartner sind das Steinbeis Forschungsinstitut Solites, der Fernwärmeverband AGFW, das Hamburg Institut sowie die Herausgeber der Zeitschrift Energiekommune. Herausgeber: Steinbeis Innovation gGmbH vertreten durch Steinbeis Forschungsinstitut Solites (www.solites.de) Redaktion: Guido Bröer, Guido Bröer & Andreas Witt GbR Veröffentlichung: Oktober 2019 Haftungsausschluss: Das dieser Publikation zugrundeliegende Vorhaben wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unter dem Förderkennzeichen 03EGB0002A gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieses Dokuments liegt bei den AutorInnen. Weder der Fördermittelgeber noch die AutorInnen übernehmen Verantwortung für jegliche Verwendung der darin enthaltenen Informationen. Energiekommune Herr Lutsch, in jüngster Zeit steigt in Deutschland die Zahl der großen Solarthermieanlagen von Energieversorgern. Erleben wir in Ihrer Branche gerade einen Bewusstseinswandel? Nicht nur einen Wandel des Bewusstseins. Wir erleben einen realen Wandel der Energieversorgung im Strom- und im Wärmebereich, der sich in den kommenden Jahren noch verstärken wird. Im Grunde sind wir schon mittendrin. Die Fernwärme, die ja durch ihren hohen Anteil effizienter Kraft-Wärme-Kopplung ohnehin schon immer eine sehr umweltfreundliche Art der Wärmeversorgung gewesen ist, wird künftig immer weniger fossile und immer mehr erneuerbare Energien enthalten. Unsere Fernwärmeversorger stellen sich außerdem den ganz neuen Aufgaben und Chancen, die für sie im Zuge der Energiewende entstehen und die zum Teil aus dem Strombereich auf uns zu kommen. Fernwärme kann Sektorenkopplung, sie kann Energiespeicherung und sie kann erneuerbare Energietechniken – wie die Solarthermie – in einer viel effizienteren und kostengünstigeren Art und Weise integrieren, als dies in Einzelheizungen für Gebäude jemals möglich wäre. Warum interessieren sich Stadtwerke plötzlich für die Solarthermie? So plötzlich kam das gar nicht. Aber gerade die großen Projekte im urbanen Raum brauchten eine gewisse Anlaufzeit. Ich wage die Voraussage: In den nächsten Jahren werden wir von einer ganzen Reihe neuer Solarprojekte hören. Ein aktueller Anstoß sind dafür wohl auch die neuen europäischen Vorgaben für höhere Anteile erneuerbarer Energien in der Fernwärme. Mitgliedsstaaten bemühen sich also künftig, Wärmeversorger zu überzeugen, ihren Regenerativ- oder Abwärmeanteil jährlich um 1 Prozent zu steigern. Und inzwischen ist die Solarthermie nicht nur eine verlässliche und kostenstabile Energiequelle, sondern auch so preiswert, dass sie für viele Versorger zum tragenden Baustein für die „Dekarbonisierung“ ihrer Netze wird. Welche Anteile trauen Sie der Solarwärme zu? Europaweit gehen wir davon aus, dass 15 Prozent des Fernwärmebedarfs im Jahr 2050 solarthermisch gedeckt werden wird. In Summe sind dies dann 240 Terawattstunden. Wie fügt sich die Solarthermie in die Kakophonie der anderen Energieformen ein, die in sogenannten Wärmenetzen 4.0 eine Rolle spielen sollen? Sehr gut. Sie kann sogar dafür sorgen, dass aus der Kakophonie ein harmonischer Kanon wird. Denken Sie mal an die Multifunktionsspeicher, die mit den großen Solarthermieanlagen gebaut werden: Auf den ersten Blick werden diese großen Wassertanks dafür gebraucht, Solarwärme über Tage, Wochen oder gar saisonal zu speichern. Zugleich dienen sie aber auch zur besseren Integration der KWK-Anlagen in den Strommarkt und zur Optimierung des Zusammenspiels zwischen zahlreichen Energieerzeugern im Wärmenetz – künftig sogar zur Integration von Wind- und Solarstrom. Werner R. Lutsch ist Geschäftsführer des deutschen Fernwärmeverbandes AGFW|Effizienzverband für Wärme, Kälte, KWK sowie Präsident des europäischen Dachverbandes EuroHeat & Power. Im Interview spricht er über die Perspektiven der Solarthermie in der Ferwärme. Quelle: AGFW Infoblatt Solare Wärmenetze | Nr. 4 „Solarthermie wird zum tragenden Baustein“

2022-07-14T14:45:28+02:00Freitag, 1. November, 2019|

Solare Wärmenetze in der Wohnungswirtschaft – wichtiger Baustein für Klimaneutralität im Gebäudesektor

Infoblatt Solare Wärmenetze | Nr. 3 www.solare-waermenetze.de SCHLÜSSELROLLE FÜR EINE ERFOLGREICHE ENERGIEWENDE Der Gebäudesektor spielt eine Schlüsselrolle für das Gelingen der Energiewende: Immerhin machen die Beheizung und Warmwasserbereitung von Wohngebäuden fast ein Viertel des Endenergieverbrauchs der Bundesrepublik und circa 15 % der CO2-Emissionen aus. Jeweils ein Drittel davon entfällt auf den vermieteten Geschosswohnungsbau, also rund 8 % des Endenergieverbrauchs und etwa 5 % der CO2- Emissionen [1]. Die Energieerzeugung und -versorgung mittels Erneuerbarer ist somit auch für die Wohnungswirtschaft von hoher Bedeutung. Neben der Reduzierung des CO2-Ausstoßes liegt darin ein entscheidender Faktor für langfristig bezahlbare Mieten. INFRASTRUKTUR FÜR GRÜNE WÄRME IST VORHANDEN Bislang jedoch liegt der Fokus weitgehend auf der Stromerzeugung, dabei muss auch der Wärmebereich zwingend klimafreundlicher werden. Insbesondere Wärmenetze bieten eine gut geeignete Infrastruktur für grüne Wärme – gerade in dicht bebauten Innenstädten, wo die Umstellung auf erneuerbare Energien bei Gebäuden schnell an ihre Grenzen stößt. Die solaren Deckungsgrade sind hoch, zudem ist die Versorgung über zentrale Wärmenetze deutlich kostengünstiger im Vergleich zu dezentralen Anlagen. DIE WÄRMEWENDE BRAUCHT WÄRMENETZE An diesem Punkt kommt erneut die Wohnungswirtschaft ins Spiel: In einer Umfrage des Gesamtverbands der Wohnungswirtschaft im April 2018 gaben zahlreiche Wohnungsunternehmen an, über eigene Wärmenetze zu verfügen und Interesse an der Integration erneuerbarer Energieträger – vornehmlich großflächiger Solarthermie – zu haben. In der Praxis wird diese vorhandene Infrastruktur aber noch wenig genutzt, um einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Wärmenetze zu leisten. Inspiration können bereits erfolgreich realisierte Projekte liefern, bei denen vielfältige Konzepte und Technologien zum Einsatz kommen. SOLARWÄRME-CONTRACTING IN GRAZ Graz in der österreichischen Steiermark: Im Bezirk Waltendorf entstand in den 1960er Jahren mit dem Berliner Ring eine der größten Wohnsiedlungen der Stadt. Im Zuge einer umfangreichen Dach- und energetischen Sanierung Anfang der 2000er Jahre wurde die Versorgung über einen zentralen Ölkessel ersetzt durch den Anschluss an das Fernwärmesystem, kombiniert mit dem Bau einer Solaranlage. Auf den Dächern von sechs Gebäuden wurde eine Kollektorfläche von insgesamt rund 2.400 m2 installiert. Darüber werden über 750 Wohnungen in 27 Gebäuden versorgt. Die Solarwärme wird zunächst direkt in das Netz der Häuser, auf denen die Anlage montiert ist, eingespeist, und dann über das Hausnetz an die umliegenden Die Energiewende findet nach wie vor zu wenig im Wärmebereich statt. Dabei mangelt es nicht an intelligenten Konzepten zur Integration erneuerbarer Energien, wie etliche Beispiele zeigen. Wärmenetze mit Solarthermie-Einspeisung stellen eine besonders interessante Option für CO2- und Kosteneinsparungen dar, gerade für städtische Quartiere. Hier steckt neben grüner Wärme vor allem eines: noch viel Potenzial. Solare Wärmenetze in der Wohnungswirtschaft Ein wichtiger Baustein für Klimaneutralität im Gebäudesektor Gebäude weitergegeben. Überschüsse landen in zwei Pufferspeichern mit einem Gesamtvolumen von 60 m3. Bei ihrer Errichtung 2004 war die Solaranlage die größte ihrer Art in Europa. „Der Berliner Ring ist ein gutes Beispiel dafür, wie in einer dicht bebauten Siedlung mit relativ wenig Dachfläche ein hoher Wärmeertrag generiert werden kann“, sagt Moritz Schubert, zuständig für Projektentwicklung bei SOLID. Die Gesellschaft für Solarinstallation und Design baute die Solaranlage und betreut sie technisch. Eigentümer und Betreiber ist solar.nahwaerme.at, ein Unternehmen der SOLID-Gruppe. Im Rahmen eines Contractingmodells liefert es die Solarwärme an den Betreiber des örtlichen Wärmenetzes, der sie wiederum an die Bewohner am Berliner Ring vertreibt. „In diesem Fall haben nicht die Haus- bzw. Wohnungseigentümer in die Anlage investiert, sondern die Solar-Contractingfirma“, so Schubert. Und die Performance? „Die Leistung der Anlage ist auch 15 Jahre nach Inbetriebnahme noch immer zufriedenstellend und erfüllt mit einem Solarertrag von circa 1.000 MWh pro Jahr die Erwartungen.“ SPEICHER-PILOTPROJEKT IN ROSTOCK Gute Tausend Kilometer weiter nördlich blickt eine Anlage in Rostock schon auf eine fast 20-jährige Lebensdauer zurück. Im Mai 2000 ging sie als erste solar unterstützte Nahwärmeversorgung mit einem Aquiferspeicher in Deutschland in Betrieb – errichtet als Demonstrationsanlage im Rahmen des Bundesforschungsprogramms „Solarthermie-2000“. Eine Solaranlage mit knapp 1.000 m2 Absorberfläche versorgt ein Mehrfamiliengebäude mit 108 Wohnungen. Wärmeüberschüsse werden in einen unter dem Gebäude liegenden Aquiferspeicher mit zwei Brunnen geleitet. Der saisonale Wärmespeicher ist so ausgelegt, dass die Hälfte des jährlichen Wärmebedarfs für Raumheizung und Warmwasserbereitung durch Solarenergie gedeckt wird. Anfängliche Probleme im Anlagenbetrieb konnten behoben werden, so dass dieses Planungsziel mit einem solaren Deckungsanteil am Gesamtwärmebedarf von durchschnittlich 49 % erreicht wird. Solarthermie ist beim Betreiber der Anlage, der Rostocker WIRO Wohnungsgesellschaft, auch aktuell ein großes Thema. Um die Wärmeversorgung grundlegend zukunftsfähig auszurichten, hat das Unternehmen 2016 eine Energietochter gegründet: Die WIR Wärme in Rostocker Wohnanlagen GmbH erneuert in den nächsten 10 bis 15 Jahren sämtliche gasbetriebene Heizungsanlagen im Wohnungsbestand der WIRO. „Insgesamt werden wir rund 6.000 Wohnungen mit innovativer Technik ausstatten“, erläutert WIR-Geschäftsführer Ingolf Wenzel. „Dabei spielt der Einsatz Erneuerbarer Energien – darunter auch Solarthermie – eine wichtige Rolle.“ Seit 2017 wird dort, wo die Voraussetzungen wie etwa die Gebäudeausrichtung stimmen, Solarthermie als Ergänzung zur gasbetriebenen Heizungsanlage eingesetzt. „Für die in 2017 installierten Anlagen werten wir derzeit das erste volle Abrechnungsjahr aus und sind gespannt, inwieweit sich die Prognosen mit den realen Ergebnissen decken.“ Auch in puncto innovative Speichertechnologien ist WIRO weiterhin aktiv. Zwischen 2020 und 2022 sind Großprojekte wie das Werftdreieck geplant, deren Energiekonzepte beispielsweise den Einsatz von Eisspeichern vorsehen. Ob Speicher oder Solarthermie: „Diese Anlagen brauchen für einen optimalen Betrieb ein konstantes Monitoring“, betont Ingolf Wenzel. „Die Themen Energie und Effizienz werden immer wichtiger und erfordern somit mehr Aufmerksamkeit und Kapazitäten.“ WIRO sieht sich dafür mit seinem eigenen Energieunternehmen innerhalb der Wohnungsgesellschaft gut aufgestellt. FERNWÄRMENETZ ALS SAISONALSPEICHER IN BERLIN Der Bau großer Speicherkapazitäten war im neuen Wohnquartier am Berliner Forschungsund Wissenschaftsstandort Adlershof nicht notwendig – diese Funktion übernimmt das dort bereits vorhandene Fernwärmenetz. Andreas Reinholz vom lokalen Fernwärmeversorger BTB erklärt das Prinzip: „Wir stellen im Rahmen dieses Modellprojekts unser Fernwärmenetz quasi Infoblatt Solare Wärmenetze | Nr. 3 PROJEKTSTECKBRIEF: SOLARTHERMIE AM BERLINER RING, GRAZ (ÖSTERREICH) Versorgung einer Wohnsiedlung mit 27 Gebäuden (756 Wohnungen) Kollektorfläche insgesamt 2.480 m2 auf 6 Gebäuden, zentraler Wärmespeicher 2 x 30 m3 Inbetriebnahme im Jahr 2004 Solarertrag: ca. 900 – 1.000 MWh/a (ca. 10 % des Wärmeumsatzes der Anlage) Anschluss an vorhandene Fernwärmeversorgung Finanzierung über Contractingmodell als Saisonalspeicher zur Verfügung: Die Mehrerträge der Solarthermieanlage im Sommer werden in unsere Fernwärmeleitungen eingespeist und der Hausgemeinschaft gutgeschrieben. Diese Menge an Fernwärme steht ihr dann im Herbst und Winter ohne Berechnung zu.“ TESTLAUF FÜR FLEXIBLES VERGÜTUNGSMODELL Für einen Einsatz im größeren Stil sei dieses Vergütungsmodell allerdings noch nicht geeignet und müsste dafür deutlich differenzierter ausgestaltet werden, betont Reinholz. „Hier wird praktisch der komplette Arbeitspreis vergütet, angemessen wäre jedoch eher der vermiedene Brennstoffeinsatz. Die dafür erforderliche messtechnische Auflösung und der abrechnungstechnische Aufwand sind vom Versorger noch nicht wirtschaftlich darstellbar. Bei diesem Projekt ging es eher darum, an einem hochwertigen Neubaustandort die Umsetzbarkeit von erneuerbarer Energieerzeugung in Kombination mit Fernwärme zu demonstrieren und auch in der Verrechnung flexible Wege zu gehen.“ Dadurch, dass die Fernwärme der BTB bereits einen KWK-Anteil von 90 % und einen sehr niedrigen Primärenergiefaktor von 0,24 hat, erreichen die Häuser dank zusätzlicher Solarthermie Passiv- oder sogar Plusenergiehaus- Standard. 2017 ging die erste von insgesamt drei Solarthermieanlagen im rund 16 Hektar großen Quartier „Wohnen am Campus“ in Betrieb. Das von einer Berliner Wohnungsbaugesellschaft realisierte Ensemble aus fünf Gebäuden mit insgesamt 128 Wohnungen nutzt anderthalb Dachflächen für Solarthermie und die restlichen Flächen für Stromerzeugung aus Photovoltaik. Die Bilanz des ersten Betriebsjahres von Juni 2017 bis Mai 2018 ergab einen Solarwärmeanteil am Gesamtverbrauch von 68,6 % und einen solaren Wirkungsgrad von gut 42 %. Über die eigenständige Bilanzierung und Vermarktung der Solarwärme an die Kunden könnten neue Geschäftsmodelle entwickelt und Anreize zum Bau derartiger Anlagen gesetzt werden. [1] GdW Bundesverband Deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. https://web.gdw.de/energie-und-technik www.solare-waermenetze.de PROJEKTSTECKBRIEF: “WOHNEN AM CAMPUS“ IN BERLIN ADLERSHOF Anlagenkonzept: möglichst hohe Wärmebedarfsdeckung durch Solarthermie und Strombedarfsdeckung durch Photovoltaik Umsetzung von drei Solarthermie-Anlagen auf drei Gebäude-Ensembles Errichtung eines Niedertemperaturnetzes mit 65°C und Einbindung in den Rücklauf des vorgelagerten Fernwärmenetzes zur Solareinspeisung Inbetriebnahme: sukzessive seit 2017 Bilanz des ersten Betriebsjahrs der ersten Anlage (618 m2 Kollektorfläche auf zwei Dächern): 288 MWh Solarwärme (Planung Wärmebedarf 250 MWh) PROJEKTSTECKBRIEF: SOLARTHERMIE MIT AQUIFERSPEICHER, ROSTOCK Die erste in Deutschland realisierte Solarthermie-Anlage mit Aquifer-Wärmespeicher Inbetriebnahme im Jahr 2000 Versorgung eines Mehrfamilienhauses mit über 7.000 m2 Wohnfläche mit Solarenergie zur Warmwasserbereitung und Raumheizung Kollektorfläche insgesamt 980 m2, integriert in 11 mit einer Neigung von 38° nach Süden ausgerichtete Dächer Aquiferspeicher mit einem Brunnenpaar unter dem Gebäude Solarer Deckungsanteil durchschnittlich 49 % Gefördert durch: www.solare-waermenetze.de IMPRESSUM Das Infoblatt Solare Wärmenetze ist eine Initiative im Rahmen von Solnet 4.0, einem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Vorhaben zur Marktbereitung für solare Wärmenetze. Die Projektpartner sind das Steinbeis Forschungsinstitut Solites, der Fernwärmeverband AGFW, das Hamburg Institut sowie die Herausgeber der Zeitschrift Energiekommune. Herausgeber: Steinbeis Innovation gGmbH vertreten durch Steinbeis Forschungsinstitut Solites (www.solites.de) Redaktion: Dr. Matthias Sandrock, Philippa Kreis, HIR Hamburg Institut Research gGmbH (www.hamburg-institut.com) Foto: S.1 und S.2 SOLID; S.3 oben WIRO; S. 3 unten Rolf Meißner (Ritter XL Solar), S. 4 GdW Urban Ruths Veröffentlichung: August 2019 Haftungsausschluss: Das dieser Publikation zugrundeliegende Vorhaben wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unter dem Förderkennzeichen 03EGB0002A gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt dieses Dokuments liegt bei den AutorInnen. Weder der Fördermittelgeber noch die AutorInnen übernehmen Verantwortung für jegliche Verwendung der darin enthaltenen Informationen. Energiekommune Wie schätzen Sie das Interesse an der Umstellung auf grüne Wärme seitens der Wohnungswirtschaft ein? Die Frage, wie sie perspektivisch ihre Energieversorgung gestalten, beschäftigt die Unternehmen zunehmend. Das zeigen Gespräche wie auch Umfragen. Entscheidend bei der Weiterentwicklung ihrer Bestände und energetischen Sanierungen sind neben dem Faktor „grüne Wärme“ dabei immer auch die Kosten pro gelieferte Kilowattstunde. Wie lässt sich beides bestmöglich verbinden? Hier besteht großes Interesse, vor allem an konkreten Praxisergebnissen. Welche Rolle spielt dabei die Solarthermie? Grundsätzlich eine wichtige. Wärmenetze mit solarer Unterstützung sind einer der Bausteine, um den Klimaschutz und die Energiewende voranzubringen. Die Lösung wird in einer Kombination aus Technologien liegen. Und Beispiele zeigen ja auch, dass es Möglichkeiten gibt, Solarthermie- Anlagen wirtschaftlich zu betreiben. Dies scheint aber sehr von den lokalen Gegebenheiten abzuhängen. Was fehlt noch zur Umsetzung von mehr innovativen Technologien und neuen Geschäftsmodellen? Dass die thermischen Solaranlagen in wohnungswirtschaftlichen Wärmenetzen bisher noch nicht „in Fahrt gekommen“ sind, ist aus meiner Sicht weniger eine technologische als vor allem eine praktische Frage. So ist eine Voraussetzung die Verfügbarkeit passender Freioder Dachflächen. Auch wird Wärme derzeit nicht nach ihren Treibhausgasemissionen, sondern nach dem Primärenergiefaktor bewertet. Bei Netzen mit KWK mit hoher Stromauskopplung ist daher der Anreiz gering, thermische Solaranlagen einzubinden. Vielleicht fehlt auch die Überzeugung darüber, dass die Anlagen ausgereift sind und einfach und zuverlässig das liefern, was geplant ist. Mangelndes Vertrauen, Flächenrestriktionen und niedrige Primärenergiefaktoren führen dann zu einer Zurückhaltung, solche Projekte anzugehen. Zudem macht der derzeitige Boom der PV es den solarthermischen Anlagen schwer, hier besteht quasi eine Flächenkonkurrenz: Wer aktuell an Dächer denkt, der denkt schnell in Richtung Photovoltaik. Also alles eine Imagefrage? Wenn Sie so wollen, ja. Eine stärkere Kommunikation von Erfolgsbeispielen im Hinblick auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis, CO2-Einsparungen, Umsetzung, Wartungsaufwand und Langlebigkeit werden sicherlich helfen, dem Thema solare Wärmenetze innerhalb der Wohnungswirtschaft mehr verdiente Aufmerksamkeit zu verschaffen. Im Gespräch: Dr. Ingrid Vogler, Leiterin Energie und Technik beim GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. Infoblatt Solare Wärmenetze | Nr. 3 „GROSSES INTERESSE AN KONKRETEN PRAXISERGEBNISSEN“

2022-07-14T14:47:38+02:00Donnerstag, 1. August, 2019|

Versorger erwärmen sich für Solarthermie

7 Solare Wärmenetze Juli 2019 Seit dem 21. Juni liegt die Baugenehmigung für Deutschlands bald größte Solarthermieanlage vor. Nun können auf dem Ludwigs bur - ger Römerhügel die Bagger anrücken. Solarkollektoren mit einer Gesamtflä - che von 14.800 Quadratmetern wird der Hersteller Arcon-Sunmark hier in den kommenden Monaten platzieren. Bezogen sich in den vergangenen Jahren die meisten Meldun gen über neue solare Wärmenetze auf ländliche Solar-Bioenergiedörfer von Bürger ener - gie gesellschaf ten, so beweist das Ludwigsburger Projekt nun endgültig, dass auch klassische Fernwärmebetreiber in urbanen Ballungsräumen Solarthermie als nachhaltige und kostengünstige Wärmequelle entdeckt haben. Die Reihe der Stadtwerke, die Multimegawatt- Anlagen planen, bauen und betreiben, wird immer länger. Allein in diesem Jahr wurden und werden neben Ludwigsburg noch mindestens drei weitere Anlagen im Megawattmaßstab von Stadtwerken fertiggestellt: in Erfurt 1700 m2, Halle 5000 m2 und (siehe Seite 10) in Bernburg 8600 m2. Weitere konkrete Planungen sind aus Städten wie Greifswald, Kempen, Hennigsdorf, Neubrandenburg und Potsdam be kannt, während sich eine ganze Reihe weite rer Stadtwerke mit ihren Plänen noch bedeckt halten. Die Teilnehmerlisten einschlägiger Veranstaltungen, wie des „Forums Solare Wärmenetze“, das Anfang Juni zum dritten Mal in Stutt gart stattfand, sprechen jedenfalls für ein stark wachsen des und immer konkreteres Interesse der kommunalen Fern - wärmeversorger an der Solarthermie. Vorreiter der Entwicklung waren Kommunen wie Neckarsulm (5700 m2) und Crailsheim (7400 m2), deren Stadtwerke innerhalb von Forschungs- und Demonstrationsprojekten mit großzügiger öffentlicher Unterstützung schon Anfang der 2000er Jahre sehr große Solarthermieanlagen mit Sai sonal spei - chern für Öko-Quartiere errichte ten. Die Anlagen beweisen bis heute, dass Solarthermie gerade im großen Maßstab technisch ausgereift und eine lang - fristig sichere Investition ist. Viele Probleme, die von kleineren Anlagen bekannt sind, wie etwa die Stagnation des Solarkreislaufs bei Überschuss wär me im Sommer, können bei fernwärmegekoppelten Anlagen oder solchen mit Langzeitwärmespeicher gar nicht erst auftreten. Trotz der guten Erfahrungen entstanden nach der Pionierphase Anfang der 2000er Jahre kaum neue große Solarthermieprojekte in Deutschland, während das Nachbarland Dänemark einen regelrechten Solarthermieboom in der Fernwärme erlebte. Überzeugende Erträge Der Wendepunkt kam erst mit der 8300-m2-Anlage der Stadtwerke Senftenberg, die 2016 ans Netz ging und seitdem die einst prognostizierten Ertragserwartungen Jahr für Jahr übe r - trifft. Dass hier im Jahr 2018 angesichts des Rekordsommers sogar ein Viertel mehr Solarwärme ins Netz eingespeist wurde als vorausgesagt, mag nicht verwun dern. Die Betriebswirte in Versorgungsunternehmen interessieren sich indessen mehr dafür, wie sich dies auswirkt auf die kalkulierten Wärmekosten. Pro solare Megawattstunde schnitt die Senftenberger Anlage nach Berech- Deutschlands Stadtwerke entdecken die Solarthermie. Zunehmend entstehen auch in urbanen Räumen große Kollektoranlagen für die Fernwärme. Stabile Wärme - preise, Langlebigkeit und Klimaschutz sprechen für die Technologie. Versorger erwärmen sich für Solarthermie Foto: Guido Bröer 8 Solare Wärmenetze Juli 2019 nungen des Herstellers Ritter XL in den ersten beiden vollen Heizperioden um 12,4 Prozent besser ab als vorausberechnet. Bei heutigen, weiter gesunke - nen Anlagenpreisen, beim üblichen Bundeszuschuss von 45 Prozent und bei einer kalkulierten Nutzungsdauer von 25 Jahren ergäbe sich laut Rolf Meißner von Ritter XL für die Senftenberger Anlage ein empirischer Wärmepreis von 1,72 Cent pro Kilowattstunde einschließlich aller Nebenkosten. Bislang bewahrheitet sich also die Devise des Senftenberger Stadtwerke- Chefs Detlef Moschke, der ein ums andere Mal betont, die Solaranlage allein aus wirtschaftlichen Gründen gebaut zu haben. Das macht den Unterschied zu früheren Demonstrationsprojekten, wo es weniger um Ökono mie als um Ökologie ging. Und gerade mit seiner rein wirtschaftlichen Argumentation macht Moschke Kollegen in der Versorger- Bran che hellhörig. Exkursio nen des Fernwärmeverbandes AGFW nach Senf ten berg sind stets ausgebucht. Energiekonzern ist zufrieden Auch Berlin-Köpenick, wo der Vattenfall- Konzern direkt neben seinem Heiz - werk seit einem Jahr eine 1000-m2- Flachkollektoranlage des dänischen Marktführers Arcon-Sunmark be treibt, hat sich inzwischen zur Pilger stätte für Fern wärmeexperten ent wickelt. Im Unterschied zu Senftenberg, wo die Kollektoren während des weit überwiegenden Teils ihrer Betriebsstunden in den mehr als 95 Grad heißen Vorlauf des zentralen Wärmenetzes einspeisen, fließt die Solarwärme in Köpenick ausschließlich in den kühleren Rücklauf. Vorlaufeinspeisung ist bei Fernwärmebetreibern zwar in der Regel belieb - ter, der Effizienz der Kollektoren sind die niedrigeren Arbeitstempe ra turen im Rücklauf freilich zuträglich. Und so kann auch Thomas Jänicke-Klingen - berg, bei Vattenfall unter anderem verantwort lich für die beschlossene Dekarbonisierung der Fern wärme, auf sehr gute Betriebser geb nisse ver wei - sen. 520 Megawattstunden (MWh) statt der er war teten 440 MWh lieferte das Köpenicker Solarfeld im ersten Betriebs - jahr. Es lag damit 18 Prozent über den Prognosen. Die Themen, die den Energiekon - zern Vattenfall umtreiben, der sein Berliner Wärmenetz bis 2030 kohlefrei und bis 2040 erdgasfrei betreiben will, ste - hen auch bei anderen Wärmeversor - gern auf der Tagesordnung. Nach Vorgaben aus Brüssel müssen alle Fernwärmenetzbetreiber ab 2020 Jahr für Jahr den Anteil von erneuerbaren Energien im Netz um mindestens 1 Prozent steigern. Solarthermie steht deshalb bei immer mehr Versorgern auf der Agenda. In städtischen Ballungsräumen erscheint zwar das Finden geeig neter Flächen fast immer als Problem. Allerdings gibt es dafür bei systematischer Flächensuche und frühzeitiger Beteiligung der maßgeblichen Behör den oft gute Lösungen. Für kleinere Anlagen findet sich – ähnlich wie in Köpenick – häufig schon auf Flächen der Ver sorger ein Plätzchen. So konnten die Stadtwerke Erfurt im Mai in unmit telbarer Nachbarschaft bestehender Fernwärmeleitun - gen gleich zwei Solar thermie anlagen einweihen. Mit einer Vakuumröhrenkollektoranlage (1155 m2) von Ritter XL und einem Flachkollektorfeld (550 m2) des öster reichischen Anbieters Solid wollen sie testen, welche Technologie für künftig geplante, wesentlich grö - ßere Solarprojekte in Frage kommt. Auch in Halle wird die Stadtwerke- Tochter Energieversorgung Halle (EVH) für die Solarisierung ihres Fernwärmenetzes eine eigene Fläche von rund einem Hektar verwenden, die bislang als Freilager für Materialien genutzt wurde. Für 374 Großflächenkollektoren ist da - rauf Platz, die zusammen eine Bruttokollektorfläche von 5091 m2 haben werden. Der Kommunalversorger sieht darin nur einen Anfang: „Die Größe der Anlage und deren Bedeutung für den Fernwärmebedarf bieten eine optimale Möglichkeit, für weitere Projekte Erfahrungswerte zu erwerben“, heißt es von Seiten der Stadtwerke-Pressestelle. Integration in den Grüngürtel Von den Stadtwerken Ludwigsburg- Kornwestheim, die jetzt die 14.800 m2 große Solarthermieanlage bauen, wur - de das Flächenthema besonders ele - gant gelöst. Die 1088 Kollektoren pflanzen sie auf einer Altlasten-Fläche un - weit ihres seit 10 Jahren existie renden Biomasse-Heizwerkes. Nicht nur die kurze Anbindeleitung spricht für diesen Standort. Vielmehr dient die künftige bunte Wiese zwischen den Kollek toren sogar als Lückenschluss für den geplanten Grüngürtel rings um Ludwigsburg. In dessen Verlauf wird auch ein Spazierweg mit Energielehr pfad am Kollektorfeld ent lang geführt. Dass im fortgeschrittenen Planungsstadium plötzlich streng ge - schütz te Zaun- und Mauer eidechsen auf der geplanten Solarfläche entdeckt wurden, durchkreuzte zwar die Zeitplä - ne. Die Verant wortli chen nahmen es allerdings als Herausforderung. Für die Reptilien wur den in der Nähe neue Habi tate aus Steinen und Altholz geschaffen. So konnte nach gelungener Umsiedlungsaktion jetzt die ersehnte Baugenehmigung an die Stadtwerke erteilt wer den. Und nach den Unterkünften der wärmeliebenden Rep ti lien wird die Sonne bald auch menschliche Habitate beheizen. Guido Bröer Die Stadtwerke Erfurt (SWE) haben gleich zwei Solarthermieanlagen an einem Standort gebaut, um die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Systeme zu prüfen. Foto: SWE/Steve Bauerschmidt Solare Wärmenetze Mit den schlüsselfertigen Solarwärme-Großanlagen von Arcon-Sunmark erzeugen Sie Ihre eigene Wärme und sparen damit nicht nur echtes Geld, sondern unterstützen aktiv den Umweltschutz. Als Marktführer mit über 25 Jahren Erfahrung in Großanlagen ist Arcon-Sunmark ein kompetenter Ansprechpartner rund um die Beratung, Installation und Betreuung individueller Solarthermie-Anlagen. Wir freuen uns auf Sie! www.arcon-sunmark.com JETZT UMSTEIGEN AUF UMWELTFREUNDLICHE UND GÜNSTIGE WÄRME Arcon-Sunmark GmbH Clermont-Ferrand-Allee 26e 93049 Regensburg info@arcon-sunmark.com Tel. 0941-64090804 Marktstatusbericht: Solarthermie in der Fernwärme 34 solarthermische Großanlagen mit einer Gesamtleistung von 44 Megawatt (MW) und einer Bruttokollektorfläche von 62.700 Quadratmetern sind derzeit in Deutschland in Fernwärmenetze eingebunden. Dies geht aus einem aktuellen Marktstatusbericht hervor, den das Steinbeis-Forschungsinstitut Solites Anfang Juni in Stuttgart vorgestellt hat. Die Branche erwartet für die nächsten Jahre ein beschleunigtes Wachstum und stellt sich langfristig auf einen fünfzigfach vergrößerten Markt ein. Bereits im Jahr 2019 werden nach Berechnungen von Solites, ergänzt um jüngste Informationen der Energiekommune- Redaktion, voraussichtlich weitere 33.000 m2 Kollektor - fläche an den Start gehen, so dass die vorhandene Anlagenleistung um mehr als die Hälfte wachsen wird. Den Löwen anteil werden dazu allein die drei größten Anlagen in Ludwigsburg (14.800 m2), Bernburg (8600 m2) und Halle (5091 m2) beitragen. Für die kommenden fünf Jahre bis 2023 erwartet Dirk Mangold, Leiter des Steinbeis-Forschungsinstituts Solites, eine Verdopplung der Anlagenzahl auf 70 große Solarsyste - me mit einer Verdreifachung der Leistung auf dann 140 MW. „Diese Zahl errechnet sich aus bereits laufenden Projekten und konkreten Machbarkeitsstudien, wobei wir die jeweilige Realisierungswahrscheinlichkeit als Faktor einkalku liert haben“, erläutert Mangold. Gemessen an den offiziellen Ausbauzielen, wie sie in der Energieeffizienzstrategie Gebäude der Bundesregierung dargelegt sind, könne die derzeitige, sehr positive Marktentwicklung freilich nur als ein Anfang betrachtet werden, betont der Wissenschaftler: „Bis zum Jahr 2050 möchte die Bundesregierung den Beitrag der Solarthermie zur Fernwärmeversorgung massiv steigern. Bei einem Anteil von 15 Prozent entspricht dies 12 Terawattstunden pro Jahr. Dafür wird eine installierte Leistung von rund 21 Gigawatt benötigt, also eine Kollektorfläche von rund 30 Millionen Quadratmetern. Wir brauchen somit einen Zubau von 1 Million Quadratmetern pro Jahr. Das bedeutet einen Faktor 50 gegenüber dem heutigen Markt!“ Euch auf europäischer Ebene finden solche Prognosen ihre Entsprechung. Werner Lutsch, Geschäftsführer des deutschen Fernwärmeverbandes AGFW und Präsident der europäischen Vereinigung Euroheat & Power verweist auf einen langfristigen europäischen Bedarf von 240 Terawattstunden Solarthermie in der Fernwärme im Jahr 2050. Der Marktstatusbericht ist als 4-seitige Bro schüre im Internet abrufbar unter https://bit.ly/2FInNA7 oder kann in Papierform kostenlos bestellt werden bei info@solites.de. SOLARTHERMIEANLAGEN IN DER FERNWÄRME Grafik: Solites/Energiekommune 10 Solare Wärmenetze Solarthermie Anlagen Im Norden geht die Sonne auf! garantiert höchste Erträge stabile Wärmepreise schlüsselfertig oder im Contracting Jetzt anrufen und eine unserer über 15.000 m² großen Referenzanlagen in Dänemark besuchen! Savosolar Kühnehöfe 3 | 22761 Hamburg info@savosolar.de | ✆ +49 (0) 40 500 349 7-0 GmbH J u li 2019 Bernburg setzt auf Sonne Die Stadtwerke Bernburg (SWB) in Sachsen-Anhalt schicken sich an, die zweitgrößte Solarthermieanlage Deutschlands für ihr Fernwärmenetz zu bauen. Nach Windkraft, Kraftwärme kopp lung mit Biomethan und Photovoltaikanlagen, mit denen sich die Stadtwerke zum Vorreiter in Sachen Mieterstrom machten, ist jetzt das Fernwärmenetz an der Reihe. Eine große Solarthermieanlage soll die Ökobilanz des Wärmenetzes in der 36.000-Einwohner- Stadt verbessern. Gerald Bieling, Geschäftsführer der Stadtwerke, sagt: „In den vergangenen Jahren haben wir vornehm - lich in Photovoltaik- und Windkraftanlagen zur umweltfreundlichen Stromerzeugung investiert. Mit der neuen So lar thermieanlage können wir nun auch den Wärmebedarf der Stadt Bernburg zunehmend aus regenerativen Quellen abdecken.“ Mit 8603 m2 Bruttokollektorfläche dürfte die Anlage Ende 2019 die zweitgrößte in Deutschland sein – nach Ludwigsburg, wo derzeit mit 14.800 m2 der neue Rekordhalter entsteht, und noch vor Senftenberg, wo die 8300 m2 große Röhrenkollektoranlage nach drei Jahren bald die Spitzenposition abgeben wird. Partner der Stadtwerke Bernburg ist bei diesem Projekt der Weltmarktführer Arcon-Sunmark. Das Konzept stammt von der EEB Enerko Energiewirtschaftliche Beratung GmbH. Das Investitionsvolumen beträgt 3 Millionen Euro. Davon sind 1,35 Millionen staatliche Zuschüsse. gb Veranstaltungstipp: Holz und Sonne Am 25./26. September 2019 findet der 19. Fachkongress Holzenergie als Topveranstaltung des deutschen Holzenergiemarktes statt. Dort wird es erstmals ein Forum zur „Kombination von Solarthermie und Biomasse“ geben. 250 Experten werden zur jährlichen Leitveranstaltung in Würzburg erwartet. Für viele bestehende und künftig ge - plante Holzenergie-Anlagen stellt die Solarthermie eine gute Ergänzung dar. Solarwärme spart Brennstoff und entlastet den Kessel vom ineffizienten Teillastbetrieb in den Sommermonaten. Das Bewusstsein dafür steigt in der Holzbranche. www.fachkongress-holzenergie.de Crailsheim ist in Sachen solare Fernwärme immer eine Reise wert. So zeigten sich während des 3. Forums solare Wärmenetze Exkursionsteilnehmer beeindruckt von der Pionierarbeit, die hier immer noch geleistet wird. Nicht nur weil die seit 2002 in mehreren Bauabschnitten auf insgesamt 7400 Quadratmeter gewachsenen Kollektor - felder jahrelang die größten in Deutsch land waren. Auch technisch und in Sachen Ökologie hat die Anlage einige Highlights zu bieten. So wird die Solarwärme teilweise in einem Bohrlochspeicher bis in den Winter gerettet und dann per Wärmepumpe veredelt. Zoologen sind derweil entzückt von den im Umfeld der Kollektoren entstandenen Trocken biotopen, wo seltene Insektenarten wie die blauflügelige Ödlandschrecke heimisch geworden sind. EXKURSIONSZIEL SOLARTHERMIE Foto: Guido Bröer Foto: Guido Bröer Holzheizwerk mit Kollektorfeld – zu Nachahmung empfohlen.

2022-07-14T14:48:21+02:00Montag, 1. Juli, 2019|

Sonne + Holz – den Gewinn macht das Dorf

7 Januar 2019 Solare Wärmenetze reishaus in Simmern. Büro des Klimaschutzbeauftragten im Rhein-Hunsrück-Kreis, Frank-Michael Uhle. Der Gastgeber und Volker Wich ter, Ortsbürgermeister der Gemeinde Neuerkirch, rechnen mal eben nach: 310000 Liter Öl pro Jahr, bei einem Heizölpreis, der im November gerade auf 90 ct pro Liter geklettert war. „Das macht 279000 Euro pro Jahr“, sagt Uhle. So viel Geld geben die knapp 300 Einwohner der Gemeinde Neuerkirch bei diesem Preis pro Jahr nicht mehr für Heizöl aus. Denn seit drei Jahren sind mehr als 80 Prozent der Gebäude in Neuerkirch und der Nachbar gemein de Kürz an das gemeinsame Wärme netz angeschlossen, das mit Holz aus der Region und Solarwärme beheizt wird. Uhle und Wichter rechnen weiter: In 20 Jahren flösse bei dieser Ölpreis-Momentaufnahme die stolze Summe von 5,58 Millionen Euro nicht mehr aus Neuerkirch ab und zu auswärtigen Energiehändlern und Ölscheichs. Die Neuerkircher bezahlen zwar weiterhin für ihre Wärme – an die Verbandsgemeindewerke in Simmern, die die Dorfwärmeversorgung betreiben. Aber das Geld bleibt in der Region. Die Gemeindewerken finanzieren von den Beiträgen der Hausbesitzer die Abschreibung von Heizhaus, Leitungen und Solarthermie anla ge, sie bezahlen den Lohn ihren Ingenieurs, der die Anlage überwacht, und sie kaufen Holz - hack schnit zel bei dem örtlichen Dienstleister, der das Restholz aus den umliegenden Wäldern zerkleinert, trock net und ausliefert. Und die Energieernte von der Sonne – 650000 Kilowattstunden pro Jahr? Zwar wurde die erst durch ein staatlich gefördertes Investment in das 1400 Quadratmeter große Solarkollektorfeld ermöglicht. Aber die Sonne selbst, die schickt keine Rechnung. Kommunale Daseinsvorsorge Im Hunsrück ist diese mone tari sierte Sicht auf die heimische Energiewelt inzwischen in vielen Köpfen verankert. Die Idee von der kommunalen Daseinsvorsorge und der Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe mithilfe erneuerbarer Energien wird nirgends deutlicher als in den inzwischen 17 Dorfwärmeverbünden, die sich im Rhein-Hunsrück- Kreis in den vergangenen Jahren gebil - det haben. Für alle zusammen rechnet Uhle eine jährliche Einsparung von 2,7 Millionen Liter Heizöläquivalenten vor. Geld ist ein Thema Zwei dieser Verbünde, Külz-Neuerkirch und seit Oktober 2018 auch die Ortsgemeinde Ellern (Foto oben), 10 Fahrminuten wei ter westlich gelegen, nutzen neben Holz die Solarthermie, die in beiden Ortsnetzen jeweils rund 20 Prozent zum Jahreswärmebedarf beiträgt und den Sommerbedarf vollständig abdeckt Letztlich sei auch in Ellern viel über Geld gesprochen worden, bevor im Gemeinderat der endgültige Beschluss zum Bau des Wärmenetzes gefallen sei, erinnert sich Friedhelm Dämgen, der Bürgermeister. Besonders als in der entscheidenden Anwerbephase vor eini - gen Jahren, in der sich möglichst viele Hausbesitzer für einen Anschluss an das Netz entscheiden sollten, der Ölpreis in Kommunen, die ihre Wärmeversorgung auf heimische erneuerbare Energien umstellen, tun nicht nur der Umwelt Gutes, sondern vor allem auch der lokalen Wertschöpfung. Sonne + Holz – den Gewinn macht das Dorf Foto: Guido Bröer K Solare Wärmenetze den Keller fiel. „Wir hatten uns ursprünglich 130 Hausanschlüsse vorgestellt, dann sind wir allerdings lange nicht über 80 hinausgekommen.“ Je geringer die Anschlussdichte, desto geringer die Wirtschaftlichkeit – dieses Grund gesetz aller Wärmenetzprojekte ließ das Projekt in Ellern zeitweilig auf der Kippe stehen. Der Durchbruch kam dann aber, als der Arbeitskreis Nah - wärme acht Dorfbewohner aus den eigenen Reihen argumentativ schulte, um für jeden Hausbesitzer eine Einzelberatung anzubieten. Gemein sam wurde in diesen Beratungsgesprächen die Situation im Heizungskeller über prüft und mit einem eigens entwickel ten Excel- Tool eine individu elle Wirtschaftlichkeitsberechnung erstellt. Ein wichtiges Argument war dabei auch, dass jeder Hausbesitzer für die Erneuerung seiner Heizungstechnik einen Zuschuss von der Gemeinde von 3800 Euro erhält. Der Betrag entspricht genau den Anschlusskosten die die Verbandsgemein de - werke Rhein böllen, die das Wärmenetz betreiben, einmalig für den Hausanschluss erheben. Dass die Gemeinde so großzügig sein kann, hat auch mit den vier Windrädern zu tun, die hier, wie in manchen anderen Hunsrück-Kommu - nen, im gemeindeeigenen Wald stehen. So fließen hohe Pachteinnahmen an die Gemeinde. Wie in anderen Wärmenetzverbünden gibt es auch in Ellern ein Glasfaser- Kabel für ultraschnelles Internet ins Haus gelegt. „Für mich ist dies beson - ders wichtig, dass man mit der Wärmeversorgung solche anderen Dinge miterledigen kann, die für die Zukunfts - fähig keit unseres Dorfes wichtig sind“, sagt Bürgermeister Dämgen, und er denkt dabei auch für an die Stromkabel, die bei dieser Gelegenheit erneuert wer den. Auch solche Dinge hätten mit kommunaler Wertschöpfung zu tun, meint er. Denn schließlich lebe Ellern von den Pendlern, die nach Mainz, Kob - lenz oder Wiesbaden führen. Für diese Leute seien Kommunikationstechnik und gute Onlineverbindungen im Home office zunehmend wichtiger. Ein Dorf grinst Volker Wichter, erlebt in Neuerkirch- Külz nun schon seit drei Jahren, wie sich der Doppel-Ort seit der Installation des Wärme net zes entwickelt und wie das Netz auch machen unerwarteten Segen bringt. Wichter lacht laut auf als er erzählt: „An den Tagen, als die Stromkostenabrechnungen ins Haus flatter - ten, hatten alle, wirklich alle im Dorf ein Grinsen im Gesicht. Ich selber habe nach dem ersten Jahr 500 Euro Stromkostenrückerstattung bekommen ohne dass ich etwas getan hätte - 200 bis 800 Euro haben die Leute zurück bekommen.“ Der Stromspareffekt resultiert aus den vielen ineffizienten Heizungspumpen und stromfressenden Kesseln, die beim Anschluss an das Wärmenetz außer Dienst gestellt wurden. Doch Wichter sieht den Benefit des Wärmenetzes nicht nur im Finanziellen: „Es fängt schon damit an, dass das Dorf im Winter ganz anders riecht; es stinkt nicht mehr nach Qualm. Und das Nahwärmenetz hat uns enorm zusammengeführt. Inzwischen haben wir vieles, was wir uns vor drei Jahren nicht vorstellen konnten, verwirklicht. Denn bei vielen Bürgern hat es Klick gemacht. Wenn da neue Ideen kommen, werden die nicht gleich belächelt, wie früher, sondern es wird ernst genommen.“ Beispielsweise hat die Gemeinde mehrere E-Bikes angeschafft und ein elektrisch unterstütztes Lastenrad, „die im Sommer jeden Tag unterwegs sind“, beteuert Wichter. Und neben der Turnhalle spielen Senioren mit ihren Enkeln auf einem neuen „Mehrgenerationen feld“ Mensch-ärgere-Dich-nicht. Alles kommt vom Wärmenetz „Das alles kam eigentlich vom Wärmenetz“, sagt Wichter. Mit den Diskussionen über die gemeinsame Energieversorgung sei ein neuer Gemeinsinn entstanden, und das Dorf sei auch deshalb wieder attraktiv gewor - den für junge Familien, berichtet Wichter: „In Neuerkirch gibt es jetzt überhaupt keine Leerstände mehr. Sondern wenn ein Haus zum Verkauf steht, ist die erste Frage des Interessenten, ist das Haus ans Wärmenetz ange schlos - sen? Und dann kommt als zweite Frage: Hat das Haus diesen Glasfaser an - schluss?“ Derzeit befänden sich in Neuerkirch sechs Häuser im Umbau, deren ältere Besitzer verstorben sind. „Die werden jetzt von jungen Familien bezogen, teilweise von Leuten aus Neuerkirch, die weg gezogen waren und die jetzt wieder zurück kommen.“ Auch das habe mit dem Wärmenetz zu tun, meint Wichter. „Die Leute, die zu uns kommen, sehen, dass hier was passiert. Und die sagen sich, wenn die den Heizungsumbau im ganzen Dort gepackt haben, dann geht da auch sonst was.“ Wichter sagt: „Das ist alles aus der Nahwärme entstanden, weil wir damit so zusammengewachsen sind. Als damals nach dem Wärmenetzplan auch noch die Idee mit der Solarthermie aufkam, haben uns manche Leute für verrückt erklärt und ausgelacht.“ Inzwischen lacht niemand mehr – außer über seine eigene Stromrechnung. Guido Bröer Energiewende sorgt in Ellern für Wertschöpfung: Die Windräder im Kommunalwald schaufeln Geld ins Gemeindesäckel; das Solar-Biomasse-Heizwerk erübrigt Öl-Importe. Foto: Guido Bröer Januar 2019 Drittes Solarwärmenetz in Rheinland-Pfalz Das Land Rheinland-Pfalz fördert einen Nahwärmeverbund in der Gemeinde Gimbweiler im Landkreis Birkenfeld. Die Ortsgemeinde will sich künftig mittels einer Holzhackschnitzel- und einer solarthermischen Freiflächenanlage versorgen. Geplant ist eine klassische Dorfwärmeversorgung für etwa 100 Hausanschlüsse von denen sich bislang gut 80 Hausbesitzer zur Teilnahme entschlossen haben. Außerdem soll eine Sporthalle und ein Mehrgenerationenhaus versorgt werden. Das Netz soll eine Länge von 4 Kilometern haben. Zwei Holzkessel mit 600 und 350 kW Feuerungsleistung sollen es versorgen, die dabei von einer Solarthermieanlage mit rund 1000 Quadratmetern Kollektorfläche unterstützt werden. Im Sommer sollen die Kollektoren die Heizlast vollständig übernehmen. Dazu werden zwei Pufferspeicher mit jeweils 60 Kubikmetern errichtet. Der Plan sei, die Anlage schon zur nächsten Heizsaison am Netz zu haben, berichtet Alexander Reis vom IFAS-Institut am Hochschulcampus Birkenfeld, der die Kommune in der Konzeptphase beraten hat. Reis nennt Dorfwärmenetze, die mit erneuerbaren Energien versorgt werden, „die Königsklasse der kommunalen Klimaschutzarbeit“, denn es gehöre sehr viel Überzeugungsarbeit dazu, um solch ein Projekt über Jahre voranzutreiben und möglichst viele Mitbürger zur Teilnahme zu motivieren. Auch Thomas Griese, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten (MUEEF) lobte bei der Übergabe des Förderbescheides für die Anschlussleitungen und die Hausübergabestationen an Bürgermeister Martin Samson Mitte Dezember: „Ich bin begeistert von diesem Projekt, denn wir brauchen das Engagement der Kommunen für eine erfolgreiche Wärme- und Energiewende!“ Neben Landesmitteln erhält Gimbweiler Zuwendungen vom Bund aus der nationalen Klimaschutzinitiative. gb Klimaschutzgesetz Thüringen bricht eine Lanze für solare Wärmenetze Im Dezember hat der thüringische Landtag ein Klimaschutzgesetz für das Land beschlossen. Darin nimmt die Wärmeversorgung einen großen Raum ein. Kommunen werden angehalten, Wärmeanalysen und darauf aufbauende Wärmekonzepte zu erstellen. Öffentliche Fernwärmeversorger sind verpflichtet, innerhalb von vier Jahren ein Konzept vorzulegen, wie sie ihr Netz bis spätestens 2040 klimaneutral machen wollen. „Fernwärmeversorgungsunternehmen (...) sind verpflichtet, ein Konzept für ihr Wärmenetz zu entwickeln, das an dem Ziel der nahezu klimaneutralen Wärmeversorgung bis zum Jahr 2040 ausgerichtet ist und in dem auch die gegebenenfalls erforderlichen Durchführungsschritte für den Zeitraum bis zum Jahr 2040 dargelegt werden“, heißt es im Wortlaut des Gesetzes. Um ein solches Konzept zu entwickeln, haben die Unternehmen maximal vier Jahre Zeit. Die ursprünglich im Gesetzentwurf vorgesehene Frist von drei Jahren wurde vom Landtag um ein Jahr verlängert. Im ersten Schritt müssen öffentliche Fernwärmeversorger in Thüringen nun binnen eines halben Jahres nach Inkrafttreten des Gesetzes die Zusammensetzung ihres Energiemixes veröffentlichen. Die Zuständigkeit der Kommunen für die Wärmeversorgung begründet der Landesgesetzgeber damit, dass anders als bei der Stromversorgung nur lokale und keine Überregionalen Netze zur Verfügung stünden. „Die Nutzung von Photovoltaik, Solarthermie, Kraft-Wärme-Kopplung, vor allem in Verbindung mit Speichern und Wärmenetzen, ist vorrangig in Gemeinden zu planen“, heißt es in der Begründung. Laut Klimaschutzgesetz sind die Kommunen aufgefordert, sich im Rahmen ihrer Zuständigkeit für Raumordnung und Bauleitplanung an den Entwicklungskonzepten der Fernwärmeunternehmen zu orientieren. Insbesondere mit Blick auf die Ausweisung ausreichend großer Flächen für die Solarthermie ist diese Aussage des Gesetzes relevant. gb Solare Wärmenetze Mit den schlüsselfertigen Solarwärme-Großanlagen von Arcon-Sunmark erzeugen Sie Ihre eigene Wärme und sparen damit nicht nur echtes Geld, sondern unterstützen aktiv den Umweltschutz. Als Marktführer mit über 25 Jahren Erfahrung in Großanlagen ist Arcon-Sunmark ein kompetenter Ansprechpartner rund um die Beratung, Installation und Betreuung individueller Solarthermie-Anlagen. Wir freuen uns auf Sie! www.arcon-sunmark.com JETZT UMSTEIGEN AUF UMWELTFREUNDLICHE UND GÜNSTIGE WÄRME Arcon-Sunmark GmbH Clermont-Ferrand-Allee 26e 93049 Regensburg info@arcon-sunmark.com Tel. 0941-64090804 Solare Wärmenetze Ludwigsburg bekommt wohl größte Solarthermieanlage Deutschlands Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) haben die Ausschreibung für die geplante Solarthermieanlage für ihr Fernwärmenetz abgeschlossen. Sie dürfte die größte derartige Anlage in Deutschland werden. Etwa 14000 Quadratmeter soll das Kollektorfeld nach Aussage der SWLB messen und damit eine Leistung von rund 7 Megawatt erreichen. Die Anlage würde somit die Dimensionen der bislang größten Solarthermieanlage Deutschlands in Senftenberg (8300 m2, 4,5 MW) deutlich übertreffen. Dass der Zuschlag an den dänischen Weltmarktführer gegangen sein soll, wurde von den Stadtwerken bislang nicht bestätigt. „Die ausführende Firma wird im Januar offiziell bekannt gegeben“, hieß es von Seiten der SWLB-Pressestelle. Die Solarthermieanlage, die auf dem Römerberg entste - hen soll, wird in das zentrale Ludwigsburger Fernwärmeverbundnetz einspeisen, das zurzeit erweitert wird. Ge plant ist auch ein Solarwärmespeicher, der als Multifunktionsspeicher genutzt werden kann. Bislang wird das Netz zu 70 Prozent durch das 2010 errichtete Holzheizkraftwerk versorgt, das mit einer thermischen Leistung von 14,6 MW und einer ORCAnlage zur Stromerzeugung mit 2,1 MW arbeitet. Das nach Integration der Solarthermieanlage und dem laufenden Zusammenschluss mit zwei Inselnetzen 26 Kilometer lange Fernwärmenetz soll ab Anfang 2020 etwa 6 Prozent seines jährlichen Energiebedarfs von der Sonne beziehen. Angeschlossen sind etwa 500 Gebäude. Das Ausbauvorhaben wird von der Bundesregierung mit einem Zuschuss von rund 10 Millionen Euro gefördert. Bei der Übergabe des Förderbescheids sagte die Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr- Sutter, bereits im Mai 2017: Wenn Sie zeigen, was möglich ist, werden es Ihnen viele andere nachmachen.“ gb www.swlb.de/solar-heat-grid Zwei solare „Testanlagen“ für Erfurt Die Stadtwerke Erfurt haben die Aufträge für zwei Solarthermieanlagen vergeben, die im Stadtteil Marbach in ein Subnetz des Erfurter Fernwärmenetzes einspeisen sollen. Mit den technisch getrennten Teilanlagen, die es zusammen auf 1100 m2 Kollektorfläche bringen, möchten die Stadtwerke verschiedene Technologien testen, um möglicherweise künftig noch größere Anlagen im Stadtgebiet zu errichten. So wird in Kürze die Ritter XL solar GmbH eine Teilanlage mit ihren CPC-Vakuumröhrenkollektoren ausstatten, während die österreichische Solid GmbH den Auftrag zum Bau einer ähnlich dimensionierten Flachkollektoranlage erhalten hat. Das Netz in Maybach ist ein Niedertemperaturnetz, das per Wärmeübergabestation vom Erfurter Fernwärmenetz versorgt wird. www.ritter-xl-solar.de, www.solid.at 13. Februar 2019 in Simmern Fachinformationstag „Solare Wärmenetze“ Die Energieagentur Rheinland-Pfalz veranstaltet in Zusammenarbeit mit den Partnern des Projektes Solnet 4.0 im Rhein-Hunsrück-Kreis einen Fachinformationstag zum Thema solare Wärmenetze. Kommunen, Versorgungsunternehmen und alle fachlich Interessierten können sich hier über den Stand der Technik, kaufmännische und rechtliche Aspekte sowie Fördermöglichkeiten praxisnah informieren. Es werden Exkursionen zu den beiden solaren Wärmenetzen in Külz- Neuerkirch und Ellern angeboten. Dank Unterstützung durch die rheinland-pfälzische Landesregierung ist die Teilnahme kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich. Thorsten Henkes, Energieagentur Rheinland-Pfalz, thorsten.henkes@energieagentur.rlp.de 22. März 2019 in Husum Fachinformationstag für den Norden Im Rahmen der New Energy Days im Messezentrum von Husum wird von der Investitionsbank Schleswig-Holstein und dem Branchenverband watt 2.0 in Kooperation mit dem Projekt Solnet 4.0 ein Fachinformationstag zu solaren Wärmenetzen angeboten. Das Programm befindet sich noch in Abstimmung. Simona Weisleder, Hamburg-Institut, weisleder@hamburg-institut.com 4./5. Juni 2019 in Stuttgart 3. Forum Solare Wärmenetze Die zentrale Fachveranstaltung zu solaren Wärmenetzen in Deutschland findet 2019 zum dritten Mal statt. Veran - stalter sind das Steinbeis-Institut Solites und der Verband AGFW. Gastgeber ist das Baden-Württem ber gische Umwelt- und Energieministerium. www.solare-waermenetze.de TERMINE ZU SOLAREN WÄRMENETZEN Januar 2019 Foto: Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim Seit 2010 wird das Ludwigsburger Fernwärmenetz zu etwa 70 Prozent von einem Holzheizkraftwerk mit ORC-Modul zur Stromerzeugung befeuert. Bald soll auch die bislang wohl größte Solarthermieanlage Deutschlands einen Beitrag leisten. Wiens größte Solarthermie-Anlage vom Kärntner Solarpionier GREENoneTEC Die von GREENoneTEC als Generalunternehmer im Auftrag der Wien Energie GmbH errichtete Anlage befindet sich in Wien Simmering, auf dem Dach eines bestehenden Kesselhauses in rund 70 m Höhe. Mit der Anlage wird das Netzspeisewasser für das Wiener Fernwärmenetz erwärmt. Die Solaranlage beeindruckt durch hohe Systemerträge von bis zu 780 kWh/m² und den daraus resultierenden niedrigen Wärmepreis. Zum Einsatz kam der GREENoneTEC Hochleistungskollektor der GK3003 Serie, welcher aufgrund seines Absorberdesigns sowie seiner attraktiven Leistungsdaten ideal für solarthermische Großanlagen geeignet ist. Als Referenz für jegliche Anwendung bei der ein Prozessmedium vorgewärmt wird, zeigt dieses Projekt einerseits, dass sich auch ein enormer Installationsaufwand durchaus lohnt und Solarthermie attraktive Wärmepreise garantiert. Andererseits dient die Anlage aber auch für Forschungszwecke und soll weitere Informationen zum zukünftigen Einsatz der Solarthermie in Wien liefern. GREENoneTEC Solarindustrie GmbH Energieplatz 1, 9300 St. Veit/Glan, Österreich Ihr Ansprechpartner für Projekte: DI Friedrich Rois +43 4212 28136 220 friedrich.rois@greenonetec.com www.greenonetec.com Anlagengröße Solarer Ertrag CO2 Einsparung 13m² 8m² 656 m² 510 MWhth/a 2.132.000 kg bezogen auf 25 Jahre

2022-07-14T14:59:15+02:00Dienstag, 1. Januar, 2019|
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