FinaAm 15. September haben die Stadtwerke Greifswald ihre 18.700 Quadratmeter große Solarthermie-Anlage für das Fernwärmenetz feierlich in Betrieb genommen. Es ist zurzeit die größte Solarwärme-Anlage in Deutschland.

Übers Jahr erwarten die Stadtwerke einen Energieertrag der Anlage von etwa acht Gigawattstunden, was gemessen an der gesamten Einspeisung in das Fermwärmenetz einen Anteil von 3 bis 4 Prozent ausmachen wird.
In den vergangenen Sommermonaten konnte die Anlage während der Testphase bereits die gesamte Leistung erbringen, die im Fernwärmenetz benötigt wurde – und somit andere fossile Energieträger einsparen.

Innovative Kraft-Wärme-Kopplung mit Hilfe von Solarthermie

Die Anlage wurde mittels Bundesförderung über die im KWK-Gesetz eingeführte iKWK-Ausschreibung finanziert. iKWK – „innovative Kraft-Wärme-Kopplung“ bedeutet im Greifswalder Fall, dass die Solarthermie-Anlage mit einem Elektrodenkessel und einem klassischen Blockheizkraftwerk zu einer Steuerungseinheit zusammengefasst wurde.
Das Kollektorfeld mit fast 19.000 Quadratmetern Bruttokollektorfläche befindet sich günstig gelegen auf Flächen unmittelbar neben dem Heizkraftwerk. Die Flächen gehören einer Stiftung, die der Nachhaltigkeit verpflichtet ist. Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan ermöglichte die Genehmigung der Solarnutzung.

Großwärmespeicher für das Solarthermie Fernwärmenetz

Im Jahr 2024 soll ein geplanter Großwärmespeicher mit 6.000 Kubikmetern Speichervolumen fertig gestellt und ebenfalls in das Fernwärmenetz integriert werden. Damit wird noch mehr Wärme gespeichert und in solarertragsarmen Jahreszeiten genutzt. Der Anteil der erneuerbaren Fernwärme in Greifswald wird so deutlich auf ca. 20 Prozent erhöht.

Sogar rund 35 Prozent der Fernwärme könnten erneuerbar bereitgestellt werden, wenn die Power-to-Heat-Komponente voll ausgenutzt wird: Der 5-MW-Elektrodenkessel ist darauf ausgelegt, vor allem Windstrom aus der Region zu Wärme zu verarbeiten, wenn dieser ansonsten abgeregelt wird. Diese Abregelung der Windkrafträder findet aktuell noch statt. Z.B. wenn der Strom über die vorhandenen Leitungen nicht abtransportiert werden kann oder weil an der Börse aufgrund produktiver Braunkohle- und Atomkraftwerke negative Preise drohen.

Diese politisch-infrastrukturellen Hindernisse deckeln den Anteil der erneuerbaren Wärme im Greifswalder Netz zurzeit noch. Die Anlage mit Deutschlands größtem Kollektorfeld jedenfalls ist bereit.

Foto: Stadtwerke Greifswald