Große Solarthermieanlagen für die Fernwärme helfen unmittelbar in der Gaskrise

Solarthermieanlagen ersetzen unmittelbar fossile Energien in der Wärmeerzeugung. Gerade auch für die Fernwärme eröffnet Sonnenenergie erhebliche Einsparpotenziale. Die saisonale Verfügbarkeit der Solarwärme spielt dabei eine geringere Rolle als vielfach angenommen. Darauf macht das Projektkonsortium SolnetPlus aufmerksam.

Die Beobachtung des Füllstands unterirdischer Gasspeicher, von deren Existenz bis vor einigen Monaten die meisten Menschen kaum etwas ahnten, ist inzwischen zum täglichen Medienthema geworden. Sind die Gasspeicher gut gefüllt, ist das Risiko einer Gasmangellage im Winter gering. Wenn nicht, dann wird es ungemütlich. Was man auch aus der aktuellen Debatte lernen kann: Im Gegensatz zu Stromspeichern besteht an Gasspeichern in Deutschland kein Mangel. Erst vor diesem Hintergrund gilt, was Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck in den vergangenen Wochen ein ums andere Mal betont hat: Jede Kilowattstunde Gas, die wir jetzt im Sommer nicht verbrauchen, hilft uns über den Winter.

Jeder Quadratmeter zählt in der Gaskrise

Und somit hilft die Solarthermie uns in der kalten Jahreszeit, weil wir in den Sommermonaten und den Übergangs-Jahreszeiten weniger Gas verbrauchen und stattdessen Solarwärme dafür nutzen. Dank der bereits vorhandenen Gas-Speicherkapazitäten kann diese eingesparte Gasmenge für den Winter eingelagert werden. So leisten bereits kleine Solarthermie-Kollektoren auf dem Einfamilienhaus ihren Beitrag, indem sie einen Gaskessel im Sommer ruhen lassen. Und in noch höherem Maße trifft es für große Kollektorfelder zu, die ihre Energie in Fernwärmenetze einspeisen: Damit kann der Warmwasser- und Heizungsbedarf vieler angeschlossener Wohnungen auf einen Schlag in den Sommermonaten solar abgedeckt werden. Und das Gas kann in den Speicher fließen.

Politische Weichenstellung für die Solarthermie

Große Solarthermieanlagen für Wärmenetze benötigen freie Flächen in Siedlungsnähe, auf denen sie errichtet werden können. Das SolnetPlus-Projektkonsortium, zu dem das Steinbeis-Forschungsinstitut Solites, der Fernwärme-Branchenverband AGFW, das Hamburg Institut und das Deutsche Institut für Urbanistik gehören, fordert klare politische Weichenstellungen: Auch für den Wärmebereich ist eine eindeutige Festlegung notwendig, wie sie jetzt das Erneuerbare-Energien-Gesetz und das Energiewirtschaftsgesetz für den Strombereich treffen: „Solarthermie ist von überragendem öffentlichen Interesse und dient der öffentlichen Sicherheit.“

In fast fünfzig Fernwärmenetzen, deren Betreiber bereits heute in Deutschland auf Solarwärme setzen, beweisen Solarthermieanlagen, dass sie in der Lage sind, über Tage, Wochen und sogar über mehrere Sommermonate hinweg den kompletten Energiebedarf dieser Netze zu decken. Noch ist der Beitrag der Solarthermie zur deutschen Fernwärmeversorgung gering, aber das Potenzial ist groß: Jeder Quadratmeter Kollektorfläche schützt das Klima und spart unmittelbar Energiemengen für den Winter.

Saisonale Wärmespeicher: Solare Wärme für den Winter

„Mit großen Wärmespeichern lässt sich Solarwärme sogar saisonal sammeln und speichern – hierzu wird im Sommer der Speicher erwärmt und vom Herbst über den Winter wird die gespeicherte Solarwärme zur Raumheizung und Wassererwärmung genutzt,“ erläutert SolnetPlus-Wissenschaftler Dirk Mangold, Leiter des Steinbeis-Forschungsinstituts Solites. „Ist der Wärmespeicher groß genug, reicht die Solarwärme sogar bis ins Frühjahr. In Deutschland und Dänemark sind schon einige saisonale Wärmespeicher in Betrieb und in Deutschland entstehen derzeit neue saisonale Wärmespeicher. Diese Wärmespeicherung ist völlig unabhängig von fossilen Energieimporten, sichert die Wärmeversorgung von Quartieren bis hin zu großen Städten lokal ab und stellt diese auf eine wirtschaftlich sichere Basis. Diese Wärmespeicher sind multifunktional nutzbar: Sie können neben Solarwärme auch geothermische Wärme, Abwärme aus industriellen Prozessen und aus anderen Wärmequellen speichern. Solche Wärmespeicher werden in den nächsten Jahren vielfach notwendig sein.“

Neue Förderung BEW wird helfen

Viele Fernwärmeversorger arbeiten bereits intensiv an der Transformation ihrer Wärmenetze und der verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien. Dabei wird ihnen die neue Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) helfen, für die die Bundesregierung in dieser Woche von der EU-Kommission die lange erwartete beihilferechtliche Genehmigung erhalten hat. Dr. Heiko Huther, Bereichsleiter Forschung & Entwicklung des AGFW sagt: „Zwei Jahre haben wir auf die BEW gewartet, viele innovative Pläne liegen inzwischen in den Schubladen der Wärmeversorger. Nach dem grundsätzlichen OK aus Brüssel muss die Bundesregierung nun schnell die Förderrichtlinie in Kraft setzen. Denn aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage stehen die Energieversorger stark unter Druck. Sie alle setzen sich dafür ein, die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten, sodass im Winter niemand im Kalten sitzt. Vor diesem Hintergrund können nur schnelle Investitionsentscheidungen in Solarthermie, Wärmepumpen, Netze und Speicher dafür sorgen, das Ziel der Klimaneutralität im Wärmesektor bis 2045 einhalten zu können.“

In der Anlage finden Sie eine Deutschlandkarte, die den aktuellen Ausbau- und Planungsstand für solare Wärmenetze zeigt, sowie ein Foto, welches eine Solarthermieanlage abbildet. Verwenden Sie diese Abbildungen gern für Ihre Berichterstattung!

Deutschlandkarte: 47 solare Wärmenetze mit insgesamt 123.755 Quadratmetern Bruttokollektorfläche sind im August 2022 in Deutschland in Betrieb. (Ouelle: Steinbeis Forschungsinstitut Solites)

Titelbild: Solarthermieanlage und Heizzentrale in Ellern. (Foto: Guido Bröer)