Vernetzte Solarwärme im Wohnungsbau + Solarenergiedörfer liegen im Trend

9 Oktober 2018 Solare Wärmenetze Bei einer Umfrage des GdW Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, an der sich 131 Wohnungsbaugesellschaften beteiligten, erklärte jedes vierte Unternehmen, dass es eigene Wärmenetze betreibe. Ausdrücklich nicht erfasst waren dabei Netze, die von Contractoren wie beispielsweise Stadtwerken betrieben werden. Bislang ist dieser Bereich der Wärmeversorgung weitgehend statistische Grauzone. Simona Weisleder vom Ham burg Insti tut, das in diesem Bereich mit dem GdW koo pe riert, findet das Umfrageergebnis deshalb sehr interessant: „Dass ein derart hoher Anteil der Wohnungsunternehmen eigene Netze betreibt, bestätigt unsere These, dass hier im Zuge der Wärmewende ein Feld zu beackern ist.“ Während sich der Fokus der Wohnungswirtschaft nach Weisleders Einschätzung bislang eher auf den Bereich der Gebäudedämmung gerichtet habe, sei die Erzeugung von Wärme mittels erneuerbarer Energien bislang noch zu wenig im Mittelpunkt, meint Weisleder. Ein vorhandenes Wärmenetz biete al - ler dings die beste Voraussetzung, um erneuerbare Energien, wie beispiels - weise Solarthermie, Erdwärme oder Holz, in vielfältigen Va ria tionen für die Wärmewende in Quar tie ren zu nutzen. Das zeigen etliche Beispiele. Sonne und Eis So betreibt eine Hamburger Wohnungsgenossenschaft, der Eisenbahnbauverein (EBV), seit 2014 im Quartier Roseggerstraße für 480 Wohnungen einen zentralen Eisspeicher mit Wärmepumpe, der von 600 Quadratmetern Solarthermiekollektoren regeneriert wird. Der Betontank mit 20 Metern Durchmesser fasst 1500 Kubikmeter Wasser und rettet trotz dieser relativ geringen Ausmaße große Mengen der Solar wärme vom Sommer in den Winter. Dies funktioniert, weil im Phasenübergang zwischen Eis und flüssi - gem Wasser bei Null Grad relativ große Mengen Energie gespeichert werden kön nen. Allerdings wird eine Wärmepumpe benötigt, um die bei null Grad gespeicherte „Wärme“ auf ein nutz - bares Temperaturniveau für die Raumheizung zu heben. Im Winter entzieht die Wärmepumpe dem Speicher die Energie und lässt dabei das Wasser im Speicher gefrieren. Im Sommerhalbjahr wird der Speicher dann durch die Kollektor anlage wieder aufgetaut und erwärmt. Die Heizkosten der Mieter konnten nach Darstellung von EBV-Vorstand Joachim Bode mit dem neuar - tigen System im Schnitt um 30 Prozent gesenkt werden. In den nächsten Jahren sollen nach diesem Vorbild weitere Quartiere mit Eisspeichersystemen ausgestattet werden. Ganz ohne großen Speicher kommen hingegen fünf neue Solarhäuser der HOWOGE Wohnungsbaugesell - schaft in Berlin-Adlershof aus (Foto oben), obwohl diese sich übers Jahr bilanziell zu 100 Prozent mit der Solarthermie vom eigenen Dach versorgen. Dafür mussten sogar nur eineinhalb Flach dächer mit Solarwärmekollek - toren bestückt werden. Die restlichen Dachflächen können für die Stromerzeugung aus Photovoltaik genutzt wer- Wärmenetze mit Solarthermie-Einspeisung sind eine interessante Energiewende- Option für städtische Quartiere, die bislang aber im Markt noch kaum angekommen ist. Vernetzte Solarwärme im Wohnungsbau Foto: Guido Bröer B Solare Wärmenetze den. Möglich wird dies, weil der Fernwärmeversorger BTB sein Netz gewissermaßen als Solarspeicher zur Verfü - gung stellt: Was die hoch effiziente Solarthermieanlage im Sommer an Mehr ertrag produziert, der in den Häusern selbst nicht gebraucht wird, das speist sie in die Fernwärme leitungen der BTB ein und erwirbt damit für die Mieter ein Energieguthaben. Im Winter steht der Hausgemeinschaft dafür die gleiche Menge Fernwärme ohne Berechnung zu. Im ersten Betriebsjahr der Anlage ist die Bilanz aufgegangen: Die Sonne lieferte mehr Wärme als die Häuser verbraucht haben. Andreas Reinholz, der das Modell als Projektentwickler der BTB zu verantworten hat, freut sich, dass dabei das Temperaturniveau der Solaranlage fast immer hoch genug war, um in den heißeren Vorlauf des Wärmenetzes einzuspeisen. Die Option einer Rücklaufeinspeisung, die bei Netzbetreibern nicht so beliebt ist, musste kaum genutzt werden. Neue Geschäftsmodelle Reinholz lässt durchblicken, dass an diesem im Sinne des Klimaschutzes vorbildlichen Deal zwischen der BTB und dem Wohnungsunternehmen für den Wärme netz betrei ber nicht wirklich viel zu verdienen sei. Allerdings sei es aus Sicht der Fernwärmebranche wichtig, auch in hocheffizienten Neubauquartieren im Geschäft zu bleiben, indem man solche flexiblen Angebote mache. „Die Musik für die Wärmewende spielt allerdings im Altbau“, sagt er. Und auch dort würden großflächige Solaranlagen im Sommer Überschüsse erwirt schaf - ten, die bei attraktiven Verrechnungsmodellen – die es heute in Deutschland allerdings noch nicht gibt – an das Netz abgege ben werden könnten. Bei einem neuen Quartierskonzept der eG Wohnen in Cottbus wird zwar künftig auch Solarwärme an Nachbargebäude weitergegeben, allerdings will man dort mit Verrechnung nichts zu tun haben. Die Schlagworte des vom Energieexperten Timo Leukefeld entwickelten Energiekonzeptes heißen „Flat - rate-Miete“ und „vernetzte Autarkie“. Die beiden fast fertiggestellten Sonnenhäuser mit jeweils sieben Wohnungen sollen sich nicht nur zu 60 bis 70 Prozent selbst mit Strom und Wärme versorgen; sie werden darüber hinaus ihre unvermeidlichen sommerlichen Solarwärmeüberschüsse jeweils an einen benachbarten Platten bau aus DDR-Zeiten abgeben. In den ansonsten mit Fernwär me versorgten Altbauten werden nur kleine Pufferspeicher installiert. Leukefeld geht davon aus, dass die Überschüsse der Solarhäuser ausrei - chen werden, um die Nachbargebäude in den Sommermonaten vollständig mitzuversorgen. „Indem wir den Nach - ba r gebäu den die Überschussenergie schenken, verdoppeln wir in den Solarhäuser den jährlichen Kollektor ertrag.“ Den Mieter im Sonnenhaus kostet diese Freizügigkeit nichts. Er zahlt in diesem Gebäude eine sogenannte Flatrate- Miete, in der Wärme und Strom bereits enthalten sind. Guido Bröer Mit den schlüsselfertigen Solarwärme-Großanlagen von Arcon-Sunmark erzeugen Sie Ihre eigene Wärme und sparen damit nicht nur echtes Geld, sondern unterstützen aktiv den Umweltschutz. Als Marktführer mit über 25 Jahren Erfahrung in Großanlagen ist Arcon-Sunmark ein kompetenter Ansprechpartner rund um die Beratung, Installation und Betreuung individueller Solarthermie-Anlagen. Wir freuen uns auf Sie! www.arcon-sunmark.com JETZT UMSTEIGEN AUF UMWELTFREUNDLICHE UND GÜNSTIGE WÄRME Arcon-Sunmark GmbH Clermont-Ferrand-Allee 26e 93049 Regensburg info@arcon-sunmark.com Tel. 0941-64090804 Die vernetzten Sonnenhäuser der eG Wohnen in Cottbus versorgen über kleine Wärmenetze im Sommer Bestandsgebäude in der Nachbarschaft mit. Foto: eG Wohnen 11 Solare Wärmenetze Oktober 2018 Als 2012 in Büsingen das erste deutsche Solar-Bioenergiedorf an den Start ging, bei dem die Holzkessel im Sommer abgestellt bleiben und die Wärme ausschließlich von der Sonne kommt, da sorgte dies nicht nur in Fachkreisen für Furore. Auch viele Delegationen aus Kommunen reisten teils über weite Strecken an den Hochrhein, um sich das Büsinger Wärmenetz erklären zu lassen. Doch bis die ersten Nachahmer in die Gänge kamen, dauerte es vier Jahre. Erst 2016 erhöhte sich die Anzahl der deutschen Solar-Bioenergiedörfer je nach Zählweise auf zwei bis drei. Die rheinland-pfäl zischen Nachbargemeinden Neuerkirch und Külz hatten sich mit ihrem Wärme netz zum siamesi - schen Zwillingsdorf verbunden – mit der Solar-Heizzentrale als Herz. Anfang 2017 stieß dann das fränkische Hallerndorf zum kleinen Kreis der Solarenergiedörfer. Erst 2018 ist der Club stark gewachsen: Gleich fünf neue Dorf-Solarheizungen nehmen im laufenden Jahr den Betrieb auf. Breklum im hohen Norden und Randegg ganz im Süden haben ihre Einweihungsfeiern schon hinter sich. In Liggeringen am Bodensee, Mengsberg in Hessen und Ellern im Hunsrück laufen die letzten Vorbereitungen zur vollständigen Inbetriebnahme von Wärmenetz und Solar- Heizzentrale in diesem Jahr. Alle diese fünf Projekte folgen der gleichen Grundidee: Im Som mer bleibt der Holzkessel für einige Monate ausgeschaltet. Dann über nimmt die Sonne die Restwärmeversorgung des Dorfes. Das spart einerseits Brennstoff, was sich mithilfe von Fördermitteln des Bundes auch für den heute noch relativ günstigen Energieträger Holz schon nach einigen Jahren rechnet. Andererseits wird damit der ineffiziente Teillastbetrieb der Kesselanlagen im Sommer vermieden. Das spart Wartungskosten und erhöht die Lebensdauer. 20 Prozent Solarbeitrag Der prognostizierte Beitrag zur jährlich verbrauchten Wärmemenge liegt in den neuen Solardörfern typischerweise bei knapp 20 Prozent. Diese Größenordnung ergibt sich fast automatisch, wenn das Solarfeld für eine Volldeckung im Sommer ausgelegt wird. Wollte man größere Solaranteile erreichen – wie es in Dänemark bereits häufig der Fall ist –, so müsste man deutlich größere Spei cher bauen oder in Kauf nehmen, dass die Kollektoren sich im Sommer mit unter abschalten und die Energie verloren geht. Beides würde die Kosten pro Kilowattstunde Solarwärme verteuern. Unterschiede im Detail So ähnlich sich die Solardorfprojekte auf den ersten Blick sind, so unterscheiden sie sich doch im Detail. Das fängt schon mit der Betreibergesellschaft an. In Mengsberg und Breklum haben sich lokale Bürgerenergiegenossenschaften gebildet, um das Netz zu betreiben. Wer angeschlossen werden möchte, wird Genosse und trägt mit seiner Einlage zum Stamm kapital des Unternehmens bei. Die Gegenleistung ist Wärme zum dauerhaft günstigen Preis. Und vielleicht gibt es sogar eine kleine Dividende am Jahresende. Der Auf - wand für Wartung der Anlagen, Abrechnung der Wärme und Betreuung der Mitglieder, dem sich die Genossenschaften hier über die Bauphase hinaus stellen müssen, ist allerdings erheblich. In den Gemeinden Ellern und Liggerin- Fünf neue Solar-Bioenergiedörfer nehmen 2018 in Deutschland den Regelbetrieb auf. Foto: Stadtwerke Radolfzell. Solarenergiedörfer liegen im Trend In Liggeringen am Bodensee haben die Stadtwerke Radolfzell das Solarthermiefeld bereits aufgestellt. Solare Wärmenetze gen hat sich die Dorfgemeinschaft deshalb entschieden, Bau und Betrieb des Netzes von vornherein dem jeweiligen Versorgungsunternehmen der Kommune zu überlassen. In Randegg hingegen wird das Netz von der Solarcomplex AG betreiben (vgl. Energiekommune 7/2018), einer als Aktiengesell schaft organisierten regionalen Bürgerenergiefirma, die schon im ersten Solarenergiedorf Büsingen Pionierarbeit geleistet hat. Technische Varianten Der auffälligste technische Unterschied zwi schen den einzelnen Solarsystemen ist die Bauform der Kollek toren. Drei der Anlagen (Ellern, Randegg, Breklum) arbeiten mit Vakuumröhrenkollektoren, die nach dem Thermoskannenprinzip isoliert sind und so bei kühler Witterung eine höhere Effizienz erreichen. In Liggeringen und Mengsberg kom men hin - ge gen Großflächen-Flachkollektoren zum Einsatz, wie sie im Vorreiterland Dänemark üb lich sind. Diese sind in der Anschaffung güns tiger, ha ben aber einen geringeren Flächenertrag. Für Thomas Pauschinger vom Steinbeis- Forschungsinstitut Solites in Stuttgart hat jedes System seine Vor- und Nachteile; für die Wärme wende in Deutschlands Dörfern seien diese aber letzt lich nicht entscheidend. Er sieht inzwischen einen klaren Trend zur Sonne: „Es liegt auf der Hand, dass sich die Solarthermie in immer mehr Energie dör - fern als verlässlicher und wirtschaftli - cher Wärmeerzeuger durchsetzt, denn solche Anlagen sind eine zukunftssi - chere Investition und genießen bei den Bewohnern eine hohe Akzeptanz.“ Mit der heutigen Technik sei dabei noch mehr möglich, so Pauschinger: „Wir rechnen damit, dass die Solarthermie zukünftig nicht nur den Sommerbedarf solcher Wärmenetze deckt, sondern durch größere Speicher auch höhere Solaranteile erzielt.“ Guido Bröer Das Solarthermiefeld im hessischen Mengsberg arbeitet seit dem 1. August. Die beiden Speicher sind schon prall gefüllt mit Solarwärme. Die ersten Gebäude werden versorgt. Foto: Viessmann Solarthermie Anlagen Im Norden geht die Sonne auf! garantiert höchste Erträge stabile Wärmepreise schlüsselfertig oder im Contracting Jetzt anrufen und eine unserer über 15.000 m² großen Referenzanlagen in Dänemark besuchen! Savosolar Kühnehöfe 3 | 22761 Hamburg info@savosolar.de | ✆ +49 (0) 40 500 349 7-0 GmbH 15. Oktober 2018 in Erfurt Wärmenetze mit erneuerbarer Ener gie und Multifunktions-Wärmespeichern Der kostenfreie Workshop des Umwelt- und Energie mi - nis teriums Thüringen richtet sich an Versorger, Kommu - nen, Genossenschaften, Wohnungswirtschaft und Planer. Info: A. Kornmann, aline.kornmann@tmuen.thueringen.de 25. Oktober 2018 in Stuttgart Regenerative Wärmekonzepte Der Stadtwerkeverbund ASEW gibt seiner Veranstaltung den Untertitel „Wärmewende mitgestalten und dabei Geld verdienen“. Es geht dabei unter anderem um die Verbindung von Solarthermie und Techniken der Sektorenkopplung in Wärmenetzen. www.asew.de/waermekonzepte 7. bis 9. November 2018 in Dänemark Exkursion zu dänischen Wärmenetzen Das Kompetenzzentrum Wärmenetze Baden-Württem - berg bietet eine Tour nach Dänemark an. Die Veran stal - tung richtet sich an Vertreter von Kommunen und Stadtwerken. Dänische Kommunen und Energiegenos - senschaften sind weltweit führend bei der Entwicklung von (Solar-)Wärmenetzen und Sektorenkopplung. KEA, www.energiekompetenz-bw.de/ddd TERMINE ZU SOLAREN WÄRMENETZEN Oktober 2018

Julian Kuntze2023-03-22T11:50:52+01:00Montag, 1. Oktober, 2018|

Vernetzte Solarwärme im Wohnungsbau + Solarenergiedörfer liegen im Trend

9 Oktober 2018 Solare Wärmenetze ei einer Umfrage des GdW Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, an der sich 131 Wohnungsbaugesellschaften beteiligten, erklärte jedes vierte Unternehmen, dass es eigene Wärmenetze betreibe. Ausdrücklich nicht erfasst waren dabei Netze, die von Contractoren wie beispielsweise Stadtwerken betrieben werden. Bislang ist dieser Bereich der Wärmeversorgung weitgehend statistische Grauzone. Simona Weisleder vom Ham burg Insti tut, das in diesem Bereich mit dem GdW koo pe riert, findet das Umfrageergebnis deshalb sehr interessant: „Dass ein derart hoher Anteil der Wohnungsunternehmen eigene Netze betreibt, bestätigt unsere These, dass hier im Zuge der Wärmewende ein Feld zu beackern ist.“ Während sich der Fokus der Wohnungswirtschaft nach Weisleders Einschätzung bislang eher auf den Bereich der Gebäudedämmung gerichtet habe, sei die Erzeugung von Wärme mittels erneuerbarer Energien bislang noch zu wenig im Mittelpunkt, meint Weisleder. Ein vorhandenes Wärmenetz biete al - ler dings die beste Voraussetzung, um erneuerbare Energien, wie beispiels - weise Solarthermie, Erdwärme oder Holz, in vielfältigen Va ria tionen für die Wärmewende in Quar tie ren zu nutzen. Das zeigen etliche Beispiele. Sonne und Eis So betreibt eine Hamburger Wohnungsgenossenschaft, der Eisenbahnbauverein (EBV), seit 2014 im Quartier Roseggerstraße für 480 Wohnungen einen zentralen Eisspeicher mit Wärmepumpe, der von 600 Quadratmetern Solarthermiekollektoren regeneriert wird. Der Betontank mit 20 Metern Durchmesser fasst 1500 Kubikmeter Wasser und rettet trotz dieser relativ geringen Ausmaße große Mengen der Solar wärme vom Sommer in den Winter. Dies funktioniert, weil im Phasenübergang zwischen Eis und flüssi - gem Wasser bei Null Grad relativ große Mengen Energie gespeichert werden kön nen. Allerdings wird eine Wärmepumpe benötigt, um die bei null Grad gespeicherte „Wärme“ auf ein nutz - bares Temperaturniveau für die Raumheizung zu heben. Im Winter entzieht die Wärmepumpe dem Speicher die Energie und lässt dabei das Wasser im Speicher gefrieren. Im Sommerhalbjahr wird der Speicher dann durch die Kollektor anlage wieder aufgetaut und erwärmt. Die Heizkosten der Mieter konnten nach Darstellung von EBV-Vorstand Joachim Bode mit dem neuar - tigen System im Schnitt um 30 Prozent gesenkt werden. In den nächsten Jahren sollen nach diesem Vorbild weitere Quartiere mit Eisspeichersystemen ausgestattet werden. Ganz ohne großen Speicher kommen hingegen fünf neue Solarhäuser der HOWOGE Wohnungsbaugesell - schaft in Berlin-Adlershof aus (Foto oben), obwohl diese sich übers Jahr bilanziell zu 100 Prozent mit der Solarthermie vom eigenen Dach versorgen. Dafür mussten sogar nur eineinhalb Flach dächer mit Solarwärmekollek - toren bestückt werden. Die restlichen Dachflächen können für die Stromerzeugung aus Photovoltaik genutzt wer- Wärmenetze mit Solarthermie-Einspeisung sind eine interessante Energiewende- Option für städtische Quartiere, die bislang aber im Markt noch kaum angekommen ist. Vernetzte Solarwärme im Wohnungsbau Foto: Guido Bröer B Solare Wärmenetze den. Möglich wird dies, weil der Fernwärmeversorger BTB sein Netz gewissermaßen als Solarspeicher zur Verfü - gung stellt: Was die hoch effiziente Solarthermieanlage im Sommer an Mehr ertrag produziert, der in den Häusern selbst nicht gebraucht wird, das speist sie in die Fernwärme leitungen der BTB ein und erwirbt damit für die Mieter ein Energieguthaben. Im Winter steht der Hausgemeinschaft dafür die gleiche Menge Fernwärme ohne Berechnung zu. Im ersten Betriebsjahr der Anlage ist die Bilanz aufgegangen: Die Sonne lieferte mehr Wärme als die Häuser verbraucht haben. Andreas Reinholz, der das Modell als Projektentwickler der BTB zu verantworten hat, freut sich, dass dabei das Temperaturniveau der Solaranlage fast immer hoch genug war, um in den heißeren Vorlauf des Wärmenetzes einzuspeisen. Die Option einer Rücklaufeinspeisung, die bei Netzbetreibern nicht so beliebt ist, musste kaum genutzt werden. Neue Geschäftsmodelle Reinholz lässt durchblicken, dass an diesem im Sinne des Klimaschutzes vorbildlichen Deal zwischen der BTB und dem Wohnungsunternehmen für den Wärme netz betrei ber nicht wirklich viel zu verdienen sei. Allerdings sei es aus Sicht der Fernwärmebranche wichtig, auch in hocheffizienten Neubauquartieren im Geschäft zu bleiben, indem man solche flexiblen Angebote mache. „Die Musik für die Wärmewende spielt allerdings im Altbau“, sagt er. Und auch dort würden großflächige Solaranlagen im Sommer Überschüsse erwirt schaf - ten, die bei attraktiven Verrechnungsmodellen – die es heute in Deutschland allerdings noch nicht gibt – an das Netz abgege ben werden könnten. Bei einem neuen Quartierskonzept der eG Wohnen in Cottbus wird zwar künftig auch Solarwärme an Nachbargebäude weitergegeben, allerdings will man dort mit Verrechnung nichts zu tun haben. Die Schlagworte des vom Energieexperten Timo Leukefeld entwickelten Energiekonzeptes heißen „Flat - rate-Miete“ und „vernetzte Autarkie“. Die beiden fast fertiggestellten Sonnenhäuser mit jeweils sieben Wohnungen sollen sich nicht nur zu 60 bis 70 Prozent selbst mit Strom und Wärme versorgen; sie werden darüber hinaus ihre unvermeidlichen sommerlichen Solarwärmeüberschüsse jeweils an einen benachbarten Platten bau aus DDR-Zeiten abgeben. In den ansonsten mit Fernwär me versorgten Altbauten werden nur kleine Pufferspeicher installiert. Leukefeld geht davon aus, dass die Überschüsse der Solarhäuser ausrei - chen werden, um die Nachbargebäude in den Sommermonaten vollständig mitzuversorgen. „Indem wir den Nach - ba r gebäu den die Überschussenergie schenken, verdoppeln wir in den Solarhäuser den jährlichen Kollektor ertrag.“ Den Mieter im Sonnenhaus kostet diese Freizügigkeit nichts. Er zahlt in diesem Gebäude eine sogenannte Flatrate- Miete, in der Wärme und Strom bereits enthalten sind. Guido Bröer Mit den schlüsselfertigen Solarwärme-Großanlagen von Arcon-Sunmark erzeugen Sie Ihre eigene Wärme und sparen damit nicht nur echtes Geld, sondern unterstützen aktiv den Umweltschutz. Als Marktführer mit über 25 Jahren Erfahrung in Großanlagen ist Arcon-Sunmark ein kompetenter Ansprechpartner rund um die Beratung, Installation und Betreuung individueller Solarthermie-Anlagen. Wir freuen uns auf Sie! www.arcon-sunmark.com JETZT UMSTEIGEN AUF UMWELTFREUNDLICHE UND GÜNSTIGE WÄRME Arcon-Sunmark GmbH Clermont-Ferrand-Allee 26e 93049 Regensburg info@arcon-sunmark.com Tel. 0941-64090804 Die vernetzten Sonnenhäuser der eG Wohnen in Cottbus versorgen über kleine Wärmenetze im Sommer Bestandsgebäude in der Nachbarschaft mit. Foto: eG Wohnen 11 Solare Wärmenetze Oktober 2018 Als 2012 in Büsingen das erste deutsche Solar-Bioenergiedorf an den Start ging, bei dem die Holzkessel im Sommer abgestellt bleiben und die Wärme ausschließlich von der Sonne kommt, da sorgte dies nicht nur in Fachkreisen für Furore. Auch viele Delegationen aus Kommunen reisten teils über weite Strecken an den Hochrhein, um sich das Büsinger Wärmenetz erklären zu lassen. Doch bis die ersten Nachahmer in die Gänge kamen, dauerte es vier Jahre. Erst 2016 erhöhte sich die Anzahl der deutschen Solar-Bioenergiedörfer je nach Zählweise auf zwei bis drei. Die rheinland-pfäl zischen Nachbargemeinden Neuerkirch und Külz hatten sich mit ihrem Wärme netz zum siamesi - schen Zwillingsdorf verbunden – mit der Solar-Heizzentrale als Herz. Anfang 2017 stieß dann das fränkische Hallerndorf zum kleinen Kreis der Solarenergiedörfer. Erst 2018 ist der Club stark gewachsen: Gleich fünf neue Dorf-Solarheizungen nehmen im laufenden Jahr den Betrieb auf. Breklum im hohen Norden und Randegg ganz im Süden haben ihre Einweihungsfeiern schon hinter sich. In Liggeringen am Bodensee, Mengsberg in Hessen und Ellern im Hunsrück laufen die letzten Vorbereitungen zur vollständigen Inbetriebnahme von Wärmenetz und Solar- Heizzentrale in diesem Jahr. Alle diese fünf Projekte folgen der gleichen Grundidee: Im Som mer bleibt der Holzkessel für einige Monate ausgeschaltet. Dann über nimmt die Sonne die Restwärmeversorgung des Dorfes. Das spart einerseits Brennstoff, was sich mithilfe von Fördermitteln des Bundes auch für den heute noch relativ günstigen Energieträger Holz schon nach einigen Jahren rechnet. Andererseits wird damit der ineffiziente Teillastbetrieb der Kesselanlagen im Sommer vermieden. Das spart Wartungskosten und erhöht die Lebensdauer. 20 Prozent Solarbeitrag Der prognostizierte Beitrag zur jährlich verbrauchten Wärmemenge liegt in den neuen Solardörfern typischerweise bei knapp 20 Prozent. Diese Größenordnung ergibt sich fast automatisch, wenn das Solarfeld für eine Volldeckung im Sommer ausgelegt wird. Wollte man größere Solaranteile erreichen – wie es in Dänemark bereits häufig der Fall ist –, so müsste man deutlich größere Spei cher bauen oder in Kauf nehmen, dass die Kollektoren sich im Sommer mit unter abschalten und die Energie verloren geht. Beides würde die Kosten pro Kilowattstunde Solarwärme verteuern. Unterschiede im Detail So ähnlich sich die Solardorfprojekte auf den ersten Blick sind, so unterscheiden sie sich doch im Detail. Das fängt schon mit der Betreibergesellschaft an. In Mengsberg und Breklum haben sich lokale Bürgerenergiegenossenschaften gebildet, um das Netz zu betreiben. Wer angeschlossen werden möchte, wird Genosse und trägt mit seiner Einlage zum Stamm kapital des Unternehmens bei. Die Gegenleistung ist Wärme zum dauerhaft günstigen Preis. Und vielleicht gibt es sogar eine kleine Dividende am Jahresende. Der Auf - wand für Wartung der Anlagen, Abrechnung der Wärme und Betreuung der Mitglieder, dem sich die Genossenschaften hier über die Bauphase hinaus stellen müssen, ist allerdings erheblich. In den Gemeinden Ellern und Liggerin- Fünf neue Solar-Bioenergiedörfer nehmen 2018 in Deutschland den Regelbetrieb auf. Foto: Stadtwerke Radolfzell. Solarenergiedörfer liegen im Trend In Liggeringen am Bodensee haben die Stadtwerke Radolfzell das Solarthermiefeld bereits aufgestellt. Solare Wärmenetze gen hat sich die Dorfgemeinschaft deshalb entschieden, Bau und Betrieb des Netzes von vornherein dem jeweiligen Versorgungsunternehmen der Kommune zu überlassen. In Randegg hingegen wird das Netz von der Solarcomplex AG betreiben (vgl. Energiekommune 7/2018), einer als Aktiengesell schaft organisierten regionalen Bürgerenergiefirma, die schon im ersten Solarenergiedorf Büsingen Pionierarbeit geleistet hat. Technische Varianten Der auffälligste technische Unterschied zwi schen den einzelnen Solarsystemen ist die Bauform der Kollek toren. Drei der Anlagen (Ellern, Randegg, Breklum) arbeiten mit Vakuumröhrenkollektoren, die nach dem Thermoskannenprinzip isoliert sind und so bei kühler Witterung eine höhere Effizienz erreichen. In Liggeringen und Mengsberg kom men hin - ge gen Großflächen-Flachkollektoren zum Einsatz, wie sie im Vorreiterland Dänemark üb lich sind. Diese sind in der Anschaffung güns tiger, ha ben aber einen geringeren Flächenertrag. Für Thomas Pauschinger vom Steinbeis- Forschungsinstitut Solites in Stuttgart hat jedes System seine Vor- und Nachteile; für die Wärme wende in Deutschlands Dörfern seien diese aber letzt lich nicht entscheidend. Er sieht inzwischen einen klaren Trend zur Sonne: „Es liegt auf der Hand, dass sich die Solarthermie in immer mehr Energie dör - fern als verlässlicher und wirtschaftli - cher Wärmeerzeuger durchsetzt, denn solche Anlagen sind eine zukunftssi - chere Investition und genießen bei den Bewohnern eine hohe Akzeptanz.“ Mit der heutigen Technik sei dabei noch mehr möglich, so Pauschinger: „Wir rechnen damit, dass die Solarthermie zukünftig nicht nur den Sommerbedarf solcher Wärmenetze deckt, sondern durch größere Speicher auch höhere Solaranteile erzielt.“ Guido Bröer Das Solarthermiefeld im hessischen Mengsberg arbeitet seit dem 1. August. Die beiden Speicher sind schon prall gefüllt mit Solarwärme. Die ersten Gebäude werden versorgt. Foto: Viessmann Solarthermie Anlagen Im Norden geht die Sonne auf! garantiert höchste Erträge stabile Wärmepreise schlüsselfertig oder im Contracting Jetzt anrufen und eine unserer über 15.000 m² großen Referenzanlagen in Dänemark besuchen! Savosolar Kühnehöfe 3 | 22761 Hamburg info@savosolar.de | ✆ +49 (0) 40 500 349 7-0 GmbH 15. Oktober 2018 in Erfurt Wärmenetze mit erneuerbarer Ener gie und Multifunktions-Wärmespeichern Der kostenfreie Workshop des Umwelt- und Energie mi - nis teriums Thüringen richtet sich an Versorger, Kommu - nen, Genossenschaften, Wohnungswirtschaft und Planer. Info: A. Kornmann, aline.kornmann@tmuen.thueringen.de 25. Oktober 2018 in Stuttgart Regenerative Wärmekonzepte Der Stadtwerkeverbund ASEW gibt seiner Veranstaltung den Untertitel „Wärmewende mitgestalten und dabei Geld verdienen“. Es geht dabei unter anderem um die Verbindung von Solarthermie und Techniken der Sektorenkopplung in Wärmenetzen. www.asew.de/waermekonzepte 7. bis 9. November 2018 in Dänemark Exkursion zu dänischen Wärmenetzen Das Kompetenzzentrum Wärmenetze Baden-Württem - berg bietet eine Tour nach Dänemark an. Die Veran stal - tung richtet sich an Vertreter von Kommunen und Stadtwerken. Dänische Kommunen und Energiegenos - senschaften sind weltweit führend bei der Entwicklung von (Solar-)Wärmenetzen und Sektorenkopplung. KEA, www.energiekompetenz-bw.de/ddd TERMINE ZU SOLAREN WÄRMENETZEN Oktober 2018

Julian Kuntze2023-03-22T11:50:52+01:00Montag, 1. Oktober, 2018|

Mitmach-Stadtwerk setzt auf Sonne

rank van Balens Gedanken eilen seinen Worten oft schon ein Stück voraus. So auch wenn er von der Entstehung des Wärmenetzes in seiner Heimatgemeinde Breklum erzählt. Was dort, in der knapp 2800 Einwohner großen nordfriesischen Ort - schaft gerade geschieht, darf bereits in mehrfa cher Hinsicht als revolutionär gelten und ist für Frank van Balen doch nur der Anfang. Der Wärmeenergie-Mix im Breklu - mer Ortskern, wo bislang hauptsächlich fossil geheizt wird, soll schon bis zum Jahresende auf 100 Prozent erneuer - bare Energien ungestellt werden. 9 Prozent vom Jahreswärmebedarf soll dann die Sonne liefern. Das schafft ein Feld von Vakuumröhrenkollektoren des Herstellers Ritter XL solar mit 652 Quadratmeter Kollektorfläche. Für mehr reicht die Fläche direkt im Ortszentrum nicht, auf der in Kürze die Anlage errichtet werden soll. Den Löwenanteil am Wärmeenergie- Mix steuern zwei hocheffiziente Blockheizkraft wer ke (BHKW) bei, die kombiniert Strom und Wärme erzeugen und deren Brennstoff aus der Erdgasleitung kommt. Die kleinere der beiden Anlagen mit 80 kW Leistung heizt bereits ein Breklumer Möbelhaus, das nun ans Netz angeschlossen wird. Das größere mit einer Leistung von 480 kW wird in einem Container untergebracht. CO2-neutral von Anfang an Beide BHKW sollen zwar mit fossilem Erdgas betrieben werden. Der Brenn - stoff wird aber vom TÜV als CO2-neutral zertifiziert, indem für jede entnommene Kilowattstunde ein Obolus an ein CO2- Sparprojekt ge zahlt wird. Verdient wird der Mehrpreis über die Stromerzeu - gung der BHKW, die ans öffentliche Netz geliefert wird und dabei eine Einspeisevergütung erzielt. Dass ein BHKW und Solar kollek - toren gemeinsam ein Wärmenetz versorgen, ist für ein deutsches Solar-Bioenergiedorf ein Novum. Diese Kombination galt bislang schlicht als nicht wirt schaftlich, da BHKW sich hierzu - lande meist über den Strom verkauf finanzieren und daher nach herr schen - der Lehre eine Einschränkung ihrer Laufzeit durch den Einsatz einer Solarthermieanlage ihre spezifische Wirt - schaft lichkeit mindert. In Breklum sieht man das anders. Zum einen, weil die Genossenschaft gebrauchte BHKW anschafft, die sich schnell amortisieren. Zum anderen, weil van Balen und seine Energiegenossen die BHKW nur als Übergangslösung brauchen. Auf Dauer will die Genossenschaft nämlich kein Erdgas verheizen, dessen CO2-Kompensation sie nur als Not lö - sung sieht. Stattdessen soll als Ergän - zung zur Solarthermie überschüssiger Windstrom aus dem benach bar ten Windpark zu Wärme gemacht werden. Heute werden die Rotoren des Brek - lumer Bürgerwindparks, an dem viele der neuen Wärmegenossen seit Jahren beteiligt sind, häufig abgeschaltet, weil die Leitungen zum Abtransport der Strommengen nicht ausreichen. Tech- In der Kommune Breklum im Kreis Nordfriesland baut eine Bürger-Energiegenossenschaft Schleswig-Holsteins größte Solarthermieanlage. Sie ist Herzstück eines neuen Wärmenetzes, das sich in den kommenden Jahren noch stark verändern und auch Windstrom aufnehmen soll. Solare Wärmenetze Mitmach-Stadtwerk setzt auf Sonne Oktober 2017 F Foto: Guido Bröer Solnet 4.0 nisch ist es zwar ein leichtes, den Strom zum Heizen zu verwenden. Allerdings, so erklärt van Balen, verhinderten dies die bundesdeutschen Energie- und Steuergesetze, die die Nutzung des „Abfallstroms“ mit so hohen Steuern und Abgaben belegen, dass Power to Heat unwirtschaftlich ist. „Wir können aber nicht auf die Politik warten, sondern müssen jetzt Netze aufbauen, wenn wir den Altbaubestand CO2-neutral versorgen wollen,“ sagt van Balen. „So schaffen wir die Option, dass wir irgendwann unseren eigenen Windpark anschließen können.“ Sprit + Wärme lokal produziert Schon heute denkt van Balen dafür über technische Möglichkeiten nach. Einen schnöden Elektrokessel zu verwenden, wie dies einige Stadtwerke bereits tun, um negative Börsenstrompreise zu nutzen, ist für ihn dabei nicht die erste Wahl. Eine Option könne stattdessen ein Elektrolyseur sein, mit dem aus Windstrom Wasserstoff für Breklumer Fahrzeuge erzeugt werden könnte und dessen 25-prozentiger Abwärmeanteil im Dorfnetz Verwendung finden würde. Und die Breklumer machen bei diesen ungewöhnlichen Ideen mit. Van Balen: „Wir sind in Nordfriesland! Da sind es die Leute nicht nur gewohnt, dass sie sich an Windparks beteiligen können. Es ist mittlerweile typisch für uns im Norden, dass die Leute mit ihrer Daseinsvorsorge Geld verdienen wollen.“ Für den ersten Bauabschnitt im Ortskern, für 30 Einfamilienhäuser und 12 institutionelle Abnehmer vom Kindergarten bis zum Rathaus, wurden bereits 3,8 Kilometer Wärmeleitung im Sommer verlegt. Jeder zahlt 1000 Euro Genossenschaftsanteil und 3500 Euro einmalige Anschlusskosten. Und schon im kommenden Jahr geht es weiter: Eine Wohnsiedlung mit 140 Einfamilienhäusern ist dann an der Reihe. Obwohl dazu noch nicht einmal eine Informationsveranstaltung stattgefunden hat, sind schon jetzt viele der Eigentümer der Genossenschaft beigetreten, die nun 150 Mitglieder zählt. Sie unterstützen damit die Idee vom „Mitmach- Stadtwerk“, in dem – wie im Genossenschaftsgesetz verankert – jeder das gleiche Stimmrecht hat. In fünf Jahren, so das Ziel von Frank van Balen, soll dann im Endausbau das Wärmenetz für die ganze Gemeinde zur Verfügung stehen. Mit der Zahl der Hausanschlüsse soll auch die Solarthermiefläche mitwachsen. Dass im Zuge des Netzaus - baus mindestens eine weitere sehr große Solarthermieanlage gebaut wird, ist für van Balen ausgemachte Sache. Wind- und Solarwärme Ebenso sicher ist er, dass irgend wann Windstrom seinen Weg ins Wärmenetz finden wird. „Uns ist wichtig“, sagt van Balen, „dass alles in der Region bleibt und dass wir Herr unserer eigenen Energieversor gung werden.“ Dass sich hier viele Privatleute auf nachbarschaftlicher Basis zu einem „Mitmach-Stadtwerk“ zusammen - schließen, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Breklum Profis am Werk sind. Van Balen als hauptamtlicher Geschäftsführer ist ebenso vom Fach wie einige seiner Mitstreiter. Eine professionelle Organisationsform sei bei einem Wärmenetz unbedingt geboten, betont van Balen, da neben der Erzeugung auch die Abnahme der Energie, samt deren Abrechnung zu orga nisie - ren sei: „Die Organisiation unseres Wind parks war viel weniger komplex als dieses Nahwärmenetz.“ Guido Bröer BürgerGemeindeWerke Breklum e.G., Borsbüller Ring 25, 25821 Breklum, Tel. 04671 9331240, www.bgw-breklum.net Ritter XL solar, www.ritter-xl-solar.com Frank van Balen, Geschäftsführer der BürgerGemeindeWerke Breklum eG ist der profes sio nelle Kümmerer, den auch ein „Mitmach -Stadtwerk“ braucht. Solare Wärmenetze Foto: Guido Bröer Mit den schlüsselfertigen Solarwärme-Großanlagen von Arcon-Sunmark erzeugen Sie Ihre eigene Wärme und sparen damit nicht nur echtes Geld, sondern unterstützen aktiv den Umweltschutz. Als Marktführer mit über 25 Jahren Erfahrung in Großanlagen ist Arcon-Sunmark ein kompetenter Ansprechpartner rund um die Beratung, Installation und Betreuung individueller Solarthermie-Anlagen. Wir freuen uns auf Sie! www.arcon-sunmark.com JETZT UMSTEIGEN AUF UMWELTFREUNDLICHE UND GÜNSTIGE WÄRME Arcon-Sunmark GmbH Clermont-Ferrand-Allee 26e 93049 Regensburg info@arcon-sunmark.com Tel. 0941-64090804 Solarthermie meets Fernwärme Das Interesse von Stadtwerken an der Solarthermienutzung in Wärmenetzen wächst. Dies zeigte der erste Status - work shop „Solarthermie in der Fernwärme“, zu dem das Bundeswirtschaftsministerium Ende September nach Dresden eingeladen hatte. Die 200 Teilnehmer waren zu zwei Dritteln Mitarbeiter von Stadtwerken und anderen Fernwärmeversorgern. Werner Lutsch, Geschäftsführer des Fernwärmever ban des AGFW bestätigt, dass das Interesse seiner Branche an der Solarwärme gewachsen sei: „Wir haben früher noch gewisse Berührungsängste gehabt, aber mittlerweile sind wir darüber hinweg.“ Das Interesse der Stadtwerke wächst aber auch deshalb, weil seit gut einem Jahr erste Solaranlagen in bestehende deutsche Fernwärmenetze einspeisen, die auf Wirtschaft lich - keit getrimmt sind. Allen voran die vor Jahresfrist eingeweihte deutschlandweit größte Solarthermieanlage der Stadtwerke Senftenberg. Das 8300 Quadratmeter große Kollektorfeld mit einer Leistung von bis zu 5 Megawatt hat im ersten Betriebsjahr mehr als 4 Gigawattstunden an das Fernwär - menetz abgegeben –mehr als vorausberechnet. Senftenbergs Stadtwerke-Geschäftsführer Detlef Mosch - ke freut dabei, dass die vom Hersteller Ritter XL gelie ferte Röhrenkollektoranlage zumeist auf einem Temperaturniveau von 90 Grad und mehr direkt in den Vorlauf einspeist. Die Wirtschaftlichkeit der ebenfalls seit einem Jahr betriebene Solaranlage am Chemnitzer Heizkraftwerk mit 2136 Quadratmetern Flachkollektoren profitiert hingegen von den relativ niedrigen Vorlauftemperaturen, mit denen ein Subnetz den Stadtteil Brühl versorgt. Bei 70 Grad können die Flachkollektoren – die hier vom österreichischen Hersteller Green - onetech stammen – wesentlich effizienter arbeiten als in üblichen Hochtemperaturnetzen. Obwohl auch die Flachkollektoren hier ohne Glycol als Frostschutzmittel betrieben werden, hat die Chemnitzer Anlage laut ihrem technischen Mentor, Thorsten Urbaneck von der TU Chemnitz, den ersten Winter problemlos überstanden. Jedoch wurden vorsichts - halber 6 Prozent ihres solaren Jahresertrages für ihre Behei - zung bei Minusgraden eingesetzt, während die Senften - berger Vakuumröhrenkollektoren nach Angaben des Her stel - lers lediglich 0,1 Prozent ihrer Jahres-Wärme erzeu gung für den Frostschutz aus dem Fernwärmenetz bezogen haben. Der nächste Quantensprung für die solare Fernwärmeversorgung in Deutschland kündigt sich in der Stadt Hennigsdorf an. Die dortigen Stadtwerke wollen die Fernwärme kurzfristig klimaneutral machen. Neben einem Biomasse-Heizwerk und bislang ungenutzter Abwärme aus dem örtlichen Elektrostahlwerk ist auch die Solarthermie ein Baustein. Eine zentrale Rolle soll ein Wärmespeicher mit 22.000 Kubikmeter Wasser spielen. Einerseits puffert er plötzliche Schwankungen von bis zu 50 MW aus der Abwärme des Stahlwerkes. Zugleich soll er aber auch Power-to-Heat-Windstrom aufnehmen und große Mengen Solarwärme. In Hennigsdorf sind 20000 Quadrat - meter Solarkollektoren geplant, die überwiegend auf einer ehemaligen Schlackehalde des Stahlwerkes stehen sollen. Beeindruckt von solchen Aussichten äußert sich Frank Heidrich vom Bundeswirtschaftsministerium: „Fernwärme und Solarthermie – hier kommt zusammen, was zusammen gehört.“ gb Solare Wärmenetze Foto: Guido Bröer Zahlreiche Solaranbieter aus der Initiative Solare Wärmenetze stellten beim 22. Dresdener Fernwärmesymposium aus. 5000 m2 Kollektoren für Mürzzuschlag in der Steiermark Eine der größten Solarthermieanlagen Österreichs wird jetzt in der Stadt Mürzzuschlag gebaut. Die Anlage wird im Contracting betrieben. Seit 35 Jahren werden große Teile der 8600-Einwohner- Stadt im Bundesland Steiermark mit Fernwärme versorgt. 50 Prozent der Energie kommen bislang aus Biomasse. Nun wird eine große Solarthermieanlage gebaut, um den erneuerbaren Anteil der Fernwärme weiter zu erhöhen und zugleich wertvollen Rohstoff Holz einzusparen. 10 Prozent des Jahreswärmebedarfs sollen künftig Flachkollektoren mit rund 5000 Quadratmetern Kollektorfläche beisteuern. Das Kollektorfeld entsteht auf einer Wiese am nördlichen Stadtrand. Dort baut aber nicht der örtliche Fernwärmeversorger, sondern das Unternehmen S.O.L.I.D. aus Graz, das seit 1992 auf große Solarthermieanlagen spezialisiert ist. Es wird die Anlage auf eigenes Risiko als Contractor betreiben. gb S.O.L.I.D. GmbH, Detlev Seidler, Vertriebsleiter Deutschland, Tel. 0174 9474292, d.seidler@solid.at, www.solid.at Projekt Solnet 4.0 ist gestartet Koordiniert vom Forschungsinstitut Solites und gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium ist ein Projekt zur Marktbereitung für solare Wärmenetze gestartet. Bundesweit wollen die Projektpartner – neben Solites sind dies der Fernwärmeverband AGFW und das Hamburg-Institut sowie die Herausgeber der Energiekommune – über die Möglichkeiten solarthermisch unterstützter Fern- und Nahwärmenetze informieren und helfen, Markthemmnisse aus dem Weg zu räumen. Interessenten und mögliche Kooperationspartner sollten sich beim Projektleiter Thomas Pauschinger melden. gb Solites gGmbH, Thomas Pauschinger, Tel. 0211 6732000-40, www.solites.de WWW.SAVOSOLAR.DE SOLARTHERMIE FÜR BEWUSSTE UND NACHHALTIGE GEMEINDEN 11./12. April. 2017 in Graz/Österreich 5th International Solar District Heating Conference Die internationale Konferenz zur solaren Fernwärme nut - zung ist das Top-Event für alle Experten auf dem Gebiet der solaren Wärmenetze. In den vergangenen Jahren hat sich die Veranstaltung allerdings zunehmend für neue Zielgruppen geöffnet. Potenzielle Anwender aus Kommunen, Stadtwerken und Energiegenossenschaften sind hier willkommen und finden – bei moderaten Teilnahmegebühren – aktuellste Informationen zum Stand von Technik und Wirtschaftlichkeit. Wer Kontakte und Ansprechpartner sucht, ist hier richtig. Im April 2018 findet die Konferenz im österreichischen Graz statt. Konferenzssprache ist Englisch; ein Großteil der Teil - nehmer kommt allerdings erfahrungsgemäß aus den deutschsprachigen Ländern. http://solar-district-heating.eu Termin zum Thema solare Wärmenetze Solare Wärmenetze Auf der Mayerhoferwiese im Norden Mürzzuschlags entsteht eine Solarkollektoranlage (Computer-Visualisierung). Grafik: S.O.L.I.D. GmbH

Julian Kuntze2023-03-22T11:50:52+01:00Mittwoch, 1. August, 2018|

Solarenergiedorf Mengsberg

7 April 2018 Donnerstagmorgen acht Uhr, Baubesprechung im Feuerwehrhaus von Mengsberg, wie jeden Donnerstag. Heute sind sie zu fünft. Ortsvorsteher Karlheinz Kurz, zugleich Vor stands sprecher der Bioenergiegenossenschaft Mengsberg eG, hat schon den Kaffee gekocht. Zusammen mit seinem Vorstandskollegen Thomas Theis diskutiert er mit den Projektleitern von drei Baufirmen. Seit Monaten wühlen sich die Bagger durch das 20 Kilometer nord östlich von Marburg gelegene 900-Einwohner-Dorf. „Durch das schlechte Wetter sind wir ziemlich in Verzug“, berichtet Kurz. 2300 Meter des rund 9 Kilometer langen Rohleitungsnetzes seien bereits verlegt worden. „Wir arbeiten in Bauabschnitten und jetzt haben wir angefangen, auch rückwärts zu bauen, von mehreren Enden her, um Zeit aufzuholen.“ Schon nach Ostern will die Bürgerenergiegenossenschaft die Wärmversorgung aufnehmen. Dann sollen die ersten Haushalte auf Fernwärme umgeschaltet werden. Das Schmuckstück Auf dem Hügel am Ortsrand steht bereits die neue Heizzentrale. „Unser Schmuckstück“ nennt sie Kurz. Und wer den architektonisch gefällig gestalteten Zweckbau betrachtet, ahnt nicht das große Kino, dass hier Anfang März zu besichtigen war. Mit Sondertransporten wurden nachts die beiden riesigen Pufferspeicher herangekarrt, die jetzt 17 Meter hoch hinter dem Gebäude aufragen. „Rückwärts mussten die Tieflader durchs Dorf und den Berg rauf, weil sie sonst nicht um die Kurven gekommen wären“, erzählt Kurz. An der Heiz zen trale angekommen verdienten sich dann die Kranfüh rer der beiden Mobilkräne Respekt. Ihr Job war es, die beiden jeweils 160 Kubik meter Wasser fassenden Stahlbehälter zu - nächst in die Senkrechte zu kippen und dann über das Dach der Heizzentrale hinweg zentimetergenau an den Aufstellort zu bugsieren. Das riskante Manöver bewältigten die Profis ohne Sichtkontakt und bei stür mi schem Seitenwind. Der ließ die tonnenschwe ren Stahltanks bedenklich pen deln, wie auf einem YouTube-Video des Hessi schen Rundfunks zu besich - tigen ist. Eine Kollision der Ungetüme mit dem Schornstein der Heizzentrale hätte fatale Folgen gehabt – auch weil die Außenhaut der bereits vor dem Transport im Werk dick mit Steinwolle gedämm ten Behälter empfindlich ist. Die Pufferspeicher zeigen dem kundigen Beobachter schon jetzt, dass in Mengsberg auch rein technisch etwas Besonderes entsteht. Die Gefäße werden gebraucht, damit der Haupt- Wärmeerzeuger, ein 1,1 Megawatt starker Holzhackschnitzelkessel im Sommer möglichst gar nicht anspringen muss – so wird ein uneffizienter Teillastbetrieb Sechs Jahre nach den ersten Überlegungen, drei Jahre nach Gründung der Energie- Genossenschaft und ein Jahr nach den Unterschrift unter den Bauvertrag läuft jetzt der Umbau Mengsbergs zum Solar-Bioenergiedorf auf Hochtouren. Erneuerbare Wärme für Mengsberg Foto: Guido Bröer Solare Wärmenetze D 8 Solare Wärmenetze vermieden. Mindestens vier Monate lang soll stattdessen eine Solarther mie - anlage allein das Dorf mit Wärme versorgen. Die Kollektorreihen sollen auf der frisch planierten Fläche neben dem Heizhaus errichtet werden, wo der Matsch bislang noch knöcheltief steht. Sobald das Wetter es zulässt, werde die Montage der Kollektoren beginnen, hofft Kurz. Wärmeüberschüsse, die die Sonne tagsüber liefert, werden dann in den Puffertanks gespeichert, um für die Abendstunden zur Verfügung zu ste - hen. Die Speicher sind groß genug dimensioniert, um im Sommer auch längere Schlechtwetterperioden überbrücken zu können. Im Gesamtjahr soll die Solaranlage 17 Prozent des Wärmebedarfs von Mengsberg liefern. Der Ortsteil von Neustadt wird auf diese Weise das erste Solarenergiedorf in Hessen werden. Und mit knapp 3000 Quadrat metern Kollektorfläche wird seine Anlage bis auf weiteres die größte in einem ländlichen Wärmenetz in Deutschland sein. Leistungsstärker sind nur die urbanen Anlagen in den Städten Senftenberg, Crailsheim, Friedrichsha - fen und Neckarsulm. Unser Dorf hat Zukunft Kein Wunder, dass die Mengsberger mächtig stolz auf ihr Werk sind. Begonnen hatte hier alles mit dem Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“, an dem sich die Dorfgemeinschaft seit 2011 über die Regional- und Hessenmeisterschaft bis zum Bundessieger 2013 und zum Vize-Europameister 2014 hocharbeitete. Damals haben die Mengs berger erkannt, dass die Energiefrage neben vielen anderen Themen eine Schlüsselfrage für die ökologische und wirtschaftliche Zukunft ihres Dorfes ist. Als Dreh- und Angelpunkt der Dorferneuerung gilt dabei das Wärmenetz. Was in den Arbeitskreisen zur Vorbereitung der Wettbewerbe noch Theorie war, ist mittlerweile Praxis geworden. Und die macht viel Arbeit – ehrenamtliche Arbeit. Volker Helfenbein, Projektleiter des Heizungsbauunternehmens Viessmann, das viele Ideen für das Solar-Bioenergiedorf beisteuerte und jetzt als Generalunternehmer den Um - bau organisiert, zollt den Energiegenossen dafür Respekt: „Hochachtung von meiner Seite! Die Genossenschaft be - steht ja nicht nur aus dem Vorstand. Die Vorstandsmitglieder müssen immer wieder Entscheidungen treffen. Und diese Entscheidungen müssen sie auch immer wieder im Dorf rückkop peln und dabei alle Genossen einbin den. Das hat sehr viel mit Vertrau en zu tun.“ Nicht ohne Kümmerer Und so wird es auch an diesem Donnerstag sein. Nach der Baubesprechung am Morgen tagt abends in größerer Runde der Aufsichtsrat der Genossenschaft, durch den wiederum mit den Genossenschaftmitgliedern kommuniziert wird. „Seit einem Jahr geht das so“, sagt Kurz: „Morgens Baubespre chung, abends Aufsichtsrat – jede Woche.“ „Zum Glück haben wir hier Karlheinz Kurz, und zum Glück ist der schon Rentner“, betont sein Vorstandskollege Thomas Theis. Will heißen: Der Ortsvorsteher und Vorsitzende der Genossenschaft hält als primus inter pares die Truppe zusam men – nicht nur indem er morgens bei der Baubesprechung den Kaffee serviert. Auch Georg Stegemann, Leiter des Geschäftsbereiches Bioenergiedörfer und -systeme bei Viessmann, der die Mengsberger schon seit 2012 bei ihren Planungen begleitet, weiß genau, was er an Kurz hat: „Ohne einen solchen Kümmerer vor Ort, der über Jahre die Fäden zusammenhält, kann ich mir ein Energiedorfprojekt fast nicht vorstellen.“ Guido Bröer Zwei 17 Meter hohe Puffertanks sorgen dafür, dass Solarenergie auch in Schlechtwet - ter perioden zur Verfügung steht und im Sommer der Heizkessel nicht gebraucht wird. Nicht nur Wärme ist ein Thema in Mengsberg. Viele Dächer sind blau von Photovoltaik und auf dem Berg hinterm Dorf drehen sich Windräder. Die Inititial zün dung für die Mengsberger Energiewende kam mit dem Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Foto: Guido Bröer Foto: Guido Bröer April 2018 Solare Wärmenetze Mit den schlüsselfertigen Solarwärme-Großanlagen von Arcon-Sunmark erzeugen Sie Ihre eigene Wärme und sparen damit nicht nur echtes Geld, sondern unterstützen aktiv den Umweltschutz. Als Marktführer mit über 25 Jahren Erfahrung in Großanlagen ist Arcon-Sunmark ein kompetenter Ansprechpartner rund um die Beratung, Installation und Betreuung individueller Solarthermie-Anlagen. Wir freuen uns auf Sie! www.arcon-sunmark.com JETZT UMSTEIGEN AUF UMWELTFREUNDLICHE UND GÜNSTIGE WÄRME Arcon-Sunmark GmbH Clermont-Ferrand-Allee 26e 93049 Regensburg info@arcon-sunmark.com Tel. 0941-64090804 Stadtwerke Radolfzell geben Solarkollektorfeld in Auftrag Das Solarenergiedorf Liggeringen, Ortsteil von Radolfzell am Bodensee, macht Fortschritte. Noch in diesem Sommer sollen dort 1100 Quadratmeter Solarkollektoren installiert werden. Bereits seit Herbst 2017 lassen die Stadtwerke Radolfzell, die die Wärmeversorgung in Liggeringen künftig überneh - men wollen, unter dem Asphalt der Dorf straßen Fernwärmerohre verlegen. Jetzt hat der kommunale Energieversorger auch den Auftrag zum Bau des Kollektorfeldes erteilt. Nach einer Ausschreibung, an der sich fünf interessierte Solarthermieunternehmen beteiligt hatten, ging der Zuschlag nun an den österreichischen Projektierer SOLID, der bereits seit 1992 solarthermische Großanlagen plant, finanziert, installiert und betreibt. Das Konzept des Unternehmens, das selbst keine Kollektoren herstellt, fußt auf großflächigen Hochleistungsflachkollektoren mit zusammen 1100 Quadratmetern Brut - tokol lektor fläche. Angesichts der moderaten Tempera turen im dörflichen Wärmenetz von Liggeringen hätten sich die Flachkollektoren in diesem Fall als wirtschaftlichste Lösung erwiesen, heißt es von Seiten der Stadtwerke. Die Kollektoren sollen pro Jahr etwa 470000 Kilowattstunden Wärme liefern, was rund 20 Prozent des jährlichen Bedarfs entspricht. Während der Sommermonate sollen die neuen Holzkessel ganz abgeschaltet und der Wärmebedarf des Dorfes allein mit Solarthermie gedeckt werden. 90 von 260 Gebäuden in Liggeringen sollen bereits in diesem Jahr an das Netz angeschlossen und mit erneuerbarer Wärme versorgt werden. Das Solarkollektorfeld sei so ausgelegt, dass es erweitert werden könne, wenn weitere Nutzer hinzukommen und die Wärmenachfrage steige, betont Detlev Seidler, Deutschlandvertreter von SOLID. Er ist guter Dinge, die Solaranlage bereits in den kommenden Sommermonaten fertigstellen zu können. gb Stadtwerke Radolfzell, www.stadtwerke-radolfzell.de, SOLID GmbH, Detlev Seidler, Tel. 0174 9474292, www.solid.at Fünf neue Solarenergiedörfer 2018 Nach Informationen des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Marktbereitungsprojektes „Solnet 4.0“ werden 2018 in Deutschland mindestens fünf solarunterstützte Wärmenetze mit jeweils 1000 bis 3000 Quadratmetern Kollektorfläche neu an den Start gehen. Aktuell sei vor allem im Marktsegment der Energiedörfer eine wachsende Dynamik zu erkennen, konsta tiert Projektkoordinator Thomas Pauschinger vom Steinbeis-Forschungsins - titut Solites. Um so mehr will das von Solarunternehmen kofinanzierte Pro jekt künftig auch städtische Fern wärme - betreiber und die Wohnungswirtschaft adressieren. Solites gGmbH, Thomas Pauschinger, info@solites.de In landschaftlich reizvoller Umgebung am Ortsrand des Dorfes Liggeringen sollen in den kommenden Monaten die Holzheizzentrale und das Solarkollektorfeld entstehen. Grafik: Stadtwerke Radolfzell 10 Solare Wärmenetze Solarthermie Anlagen Im Norden geht die Sonne auf! garantiert höchste Erträge stabile Wärmepreise schlüsselfertig oder im Contracting Jetzt anrufen und eine unserer über 15.000 m² großen Referenzanlagen in Dänemark besuchen! Savosolar Kühnehöfe 3 | 22761 Hamburg info@savosolar.de | ✆ +49 (0) 40 500 349 7-0 GmbH Solare Kraft-Wärme-Kopplung In der dänischen Stadt Brønderslev ist am 19. März ein neuartiges Heizkraftwerk eingeweiht worden, bei dem ein konzentrierendes Solarsystem sowohl Strom als auch Wärme erzeugt. Als Sonnenfänger kommen in dieser Anlage nicht typische Flach- oder Vakuumröhrenkollektoren zum Einsatz, wie sie in anderen solaren Wärmenetzen genutzt werden. Vielmehr handelt es sich um Parabolrinnenkollektoren des dänischen Herstellers Aalborg CSP, die nach dem gleichen Prinzip arbeiten wie große thermische Solarkraftwerke in Wüstengebieten. Die Sonnenstrahlen werden auf eine Glasröhre im Fokus des Parabolspiegels konzentriert, in der ein Thermo-Öl auf bis zu 330 Grad Celsius erhitzt wird. Anders als in den Wüstenkraftwerken liefern die in 40 Reihen á 125 Meter Länge arrangierten Kollektoren von Brønderslev allerdings nicht nur Strom, sondern Strom und Wärme oder wahlweise auch nur Wärme. Denn das Thermo-Öl gibt seine Energie über Wärmetauscher entweder direkt an das Wärmenetz ab oder zunächst an eine ORC-Turbine (Organic Ranckine Cycle), in der Strom erzeugt wird. Die ORC-Turbine soll immer dann zum Einsatz kommen, wenn ausreichend Sonne scheint und die Börsenstrompreise zugleich hoch sind. Ansonsten heizen die Kollektoren das Wärmenetz von Brønderslev mit einer Leistung von bis zu 16,6 Megawatt thermisch. Das tun sie im übrigen schon seit Ende 2016. Allerdings hat das Versorgungsunternehmen Brønderslev Forsyning A/S erst kürzlich den Biomassekessel und die ORC-Turbine fertiggestellt, so dass die Solarkollek - toren erst jetzt auch zur Stromerzeugung genutzt werden können. Die ORC-Turbine kann auch vom Biomasse-Kessel mit Wärme be schickt werden. Innovativ ist auch der Einsatz einer Wärmepumpe im Abgasstrang. Sie nutzt wie bei einer Brennwertheizung die Kondensation des im Rauchgas enthaltenen Wassers und führt sie dem Wärmenetz zu. Die Anlage in Brønderslev ist nach Angaben der Betreibergesellschaft die erste ihrer Art welt - weit. Sie löst ein Gaskraftwerk ab. gb Parabolrinnenkollektoren können in Brønderslev künftig wahlweise Strom oder Fernwärme erzeugen. 10. April 2018 in Wolpertshausen: 2. Fachkongress Nahwärme, WFG Schwäbisch Hall mbH, event.wfgsha.de 11. und 12. April 2018 in Graz/Österreich: 5th International Solar District Heating Conference. www.solar-district-heating.eu 9. Mai 2018 in Berlin: Ohne Solarthermie keine Energiewende. Lösungen für Gebäude und Quartiere. Im Rahmen der Berliner Energietage, www.energietage.de 15. und 16. Mai 2018 in Nürnberg: 12. Eurosolar-Konferenz „Stadtwerke mit erneuerbaren Energien”, Eurosolar e.V., stadtwerke-konferenz.eurosolar.de 17. bis 19. April 2018 in Frankfurt: 23. Int. Fachmesse und Kongress für Wärme, Kälte und KWK, AGFW, www.eneff-messe.de 23. Mai 2018 in Senftenberg: Infotag: Vorstellung der größten solarthermischen Anlage Deutschlands, AGFW, www.energieeffizienzverband.de TERMINE ZU SOLAREN WÄRMENETZEN Foto: Aalborg CSP April 2018

Julian Kuntze2023-03-22T11:50:53+01:00Mittwoch, 1. August, 2018|

Wärmedrehscheibe Hennigsdorf

7 Januar 2018 Solare Wärmenetze Wer wissen will, was es mit der Energiewende in Hennigsdorf auf sich hat und wie hier die Fernwärme solarisiert wird, der besucht am besten Thomas Bethke, den Chef der Hennigs dorfer Stadt - werke. Bethke arbeitet in einem lichten Büro im Technologiezentrum, einem schicken Glaskasten, „Blaues Wunder” genannt. Ab und zu rappelt vor dem Fenster die S-Bahn vorbei. Sonst ist es ruhig an diesem trüben Dezembernachmittag. Manche Mitarbeiter sind schon gegan gen, um sich auf die abend liche Weihnachtsfeier vorzubereiten. Der Chef nimmt sich vorher noch Zeit für das Gespräch mit der Energiekommune. Mit Presseleuten geht der hemdsär - me lige Mittfünfziger locker um, ist er doch mit einer Journa listin verheiratet. Er kennt das Spiel – und bestimmt es gern selbst. Schlich te Frage, simple Antwort – so läuft das nicht bei Bethke. Wer von ihm was wissen will, der muss ein bisschen Zeit mitbringen. Schließlich ist der Plan, wie das Hennigsdorfer Wärmenetz zur „Wärmedrehscheibe“ und damit zum ökologischen Vorreiter unter Deutschlands Fernwärmenetzen werden soll, nicht vom Himmel gefallen. Ebensowenig, wie der Be schluss der Stadtverordnetenversammlung, die vor Monaten grünes Licht für das Großvorhaben gegeben hat. „Ja, der Beschluss ist gefasst – wir müssen es nur noch machen“, sagt Bethke und be ginnt erstmal einen Exkurs zur Geschichte Hennigsdorfs. Keine gewöhnliche Kleinstadt Zu Kaisers Zeiten wurde in dem beschaulichen Dorf nordwestlich von Berlin innerhalb weniger Jahre ein Zentrum der deutschen Schwer- und Rüstungsindustrie aus dem märkischen Sand gestampft. Bis zum zweiten Weltkrieg wurden hier von AEG Lokomo - tiven gebaut und Stahl produziert. Nach verheerenden Bombardements kurz vor Kriegsende baute die DDR die nunmehr volks eige ne Schwerindustrie in Hennigsdorf wieder auf. Nur das Reservoir an Arbeitskräften, die zuvor täglich mit der S-Bahn aus der nahen Metropole herangerollt waren, das befand sich nun aus Perspektive der DDR-Kombinate auf der falschen Seite einer Mauer in Westberlin. In Hennigsdorf mussten also Wohnungen für Werktätige gebaut werden – schnell, preiswert, auf engem Raum. So entstanden hier seit den 1950er Jahren verdichtete, mehrgeschossige Wohnsiedlungen. Für die nach der Wende entwickelte Fernwärmestrategie der Stadt war diese Siedlungsstruktur eine günstige Voraussetzung. Die Stadtwärme Hennigsdorf GmbH übernahm als 100-prozentiger Eigenbetrieb der Kommune die Braunkohle- Heizwerke, die seit den 1960-er Jahren aufgebaut worden waren, und erweiterte Schritt für Schritt das Netz. „Durch Sanierung und Abbruch von Gebäuden haben wir seit der Wende 60 Prozent unserer Anschlussleistung verloren“, berichtet Bethke. „In Summe haben wir unsere Anschlussleistung allerdings verdreifacht.“ Heute sind in Hen- 100 Prozent erneuerbare Energie für das Fernwärmenetz einer Industriestadt. Geht das überhaupt? –Wenn, dann nur mit großem Gestaltungswillen und neuem Denken. Hennigsdorf will es vormachen. Wärmedrehscheibe Hennigsdorf Von den Dächern des Cohn’schen Viertels speisen schon seit 18 Jahren Solarkollektoren Energie ins Fernwärmenetz ein. Foto: Stadtwerke Hennigsdorf 8 Solare Wärmenetze nigsdorf 80 Prozent der Wohngebäude und 70 Prozent der Gewerbebetriebe ans Wärmenetz angeschlossen –Werte, die bundesweit ihresgleichen suchen. Dahinter steht eine konsequent umgesetzte städtebauliche Visi on. Auf der einen Seite sei es darum gegangen, die industriellen Kerne zu erhalten sowie neue Mittelständler anzuzie hen, auf der anderen Seite das Image der Industriestadt aufzupolieren und qualifizierten jungen Arbeitskräf ten eine gewisse Lebensqualität zu bieten, sagt Bethke: „Was anderswo unter dem ökologischen Aspekt diskutiert würde, ist für uns einfach Pragmatismus.“ Am Thema Energie kommt man dabei nicht vorbei, denn der Energieverbrauch ist in Hennigsdorf pro Kopf der 26000 Einwohner doppelt so hoch wie im Bundesdurch schnitt. Verantwortlich ist dafür der hohe Industrieanteil mit Großverbrauchern wie dem Elektrostahlwerk des Riva-Konzerns und dem Schienenfahrzeugbau von Bombardier. Im Wärmesektor wurde der CO2- Ausstoß bereits im Jahr 2009 schlag - artig halbiert: durch die Inbetrieb nah - me des Biomasse-Heizkraftwerks, das Hackschnitzel aus brandenburgischen Wäldern verwendet, und ein biomethan- betrie be nes Blockheizkraftwerk. Innerhalb der nächsten vier Jahre soll nun die Wärmeversorgung möglichst vollstän dig dekarbonisiert werden – Stichwort: „Wärmedrehscheibe“. „Ich muss den Kunden kennen” Wenn Thomas Bethke das Bild von der „Wärmedrehscheibe“ erklären soll, berichtet er aber nicht etwa von der künf - tigen Abwärmenutzung aus dem Stahlwerk, den geplanten großen Solaranlagen, den Power-to-Heat-Anlagen zur Nutzung überschüssigen Wind stroms und vom riesigen multifunktio na len Wärmespeicher, der all dies zu ei nem System verbinden soll. Statt des sen erzählt Bethke von dem Mehrfa milien - haus, in dem kürzlich der Trinkwasser- Wärmeverbrauch auf ein Vielfaches des Üblichen angestiegen sei. Da jeder Anschluss von den Stadtwerken fernüberwacht wird, habe man des Rätsels Lösung schnell gefunden: Ein frischgebackener Installateur-Meister habe sich in seiner Mietwohnung den Traum von einer privaten Badelandschaft erfüllt. Bethke will mit dem Beispiel sagen: „Ich muss meinen Kunden kennen und wie der sich entwickelt. Für jede einzelne Übergabestation muss ich das wissen, denn der Kontakt zum Kunden ist der Schlüs sel zur Wärmedrehscheibe.“ Und nochmal als Credo: „Wärmedreh schei - be heißt: messen, steuern, regeln.“ Denn wenn künftig insbesondere Solarwärme, womöglich Wind strom, aber auch die plötzlichen Abwärmeschübe des Stahlwerks als fluktuierende Energien ins Wärmenetz geholt werden sollten, dann komme es mehr denn je auf eine hohe Transparenz der Verbrauchsseite, Flexibilität der sonstigen Erzeugung und Speicher an, so Bethke: „Bei der Sonne kann ich keinen Knopf drücken wie bei meinen Heizwerken.“ Der Kontakt zu den einzelnen Kunden sei auch deshalb wichtig, um die Temperaturen im gesamten Netz zu drücken. Denn gerade die Solarkollektoren arbeiten dann effizienter: „Je mehr nichtfossile Energien im System sind, desto wichtiger ist es, die Vorlauf - tempe ratu ren zu senken.“ Womit wir zu guter Letzt doch noch beim Thema angekommen wä ren: Die Rolle der Sonne im künftigen Wärme - netz von Hennigsdorf. Geplant ist 2018 zunächst die Erneuerung der 18 Jahre alten Kollektorflächen (1000 m2) auf den Wohnhäusern des Cohn’schen Vier tels, deren Dachaufbau nicht mehr zeitgemäß ist. Danach kommt eine 3000-Quadratmeter-Kollektoranlage neben ei nem Biomasse-Heizwerk und schließ lich ist ab 2020 der Bau der 15000 Quadratmeter großen Solarthermieanlage am Stahlwerk geplant. „Die Flächen haben wir uns übrigens schon gesichert”, sagt Beth ke beiläufig. Für das obligatorische Pressefoto streift er schnell noch ein Jacket über’s karierte Hemd, und dann geht’s ab zur Weihnachtsfeier. Die Kolleginnen und Kollegen warten schon. Guido Bröer Thomas Bethke will die Fernwärme komplett auf Erneuerbare und Abwärme umstellen. Energiequellen der geplanten „Wärmedrehscheibe” sind u.a.: Abwärme Stahlwerk: Das Walz werk liefert schubweise bis zu 10 MW Abwärme, die in einem Multi funk - tionsspeicher gepuffert werden. Solarthermie: Eine Anlagen mit 15000 m2 Kollek tor fläche sowie weitere dezentrale Anlagen. Biomasseheizkraftwerk: Schon seit 2009 werden 50 % der Fernwärme aus Holzhack schnit zeln gewonnen. Biomethan-BHKW und -HKW: Kleine, flexible Einheiten decken den Spit - zenbedarf, dienen teils als Not - strom versorgung für Industriebe - triebe und sichern die Schwarzstart - fähigkeit des Stromnetzes. Regenerativstrom: Elektrokessel sollen überschüssigen Wind- oder Solarstrom bei geringem Börsen - preis als Wärme nutzbar machen. 100 % ERNEUERBAR Foto: Guido Bröer Solarthermie für Châteubriant In Châteubriant, einer 14000-Einwohner-Kommune im Bezirk Loire Atlantique im Westen Frankreichs, unterstützt jetzt eine Solaranlage das Fernwärmenetz. 200 Großflächenkollektoren des deutschen Herstellers KBB aus Berlin wurden noch im alten Jahr installiert und sollen mit steigendem Sonnenstand dafür sorgen, das der kommu - nale Betreiber möglichst viel Erdgas und Holz als Brennstoff einspart. Mindestens 900 Megawattstunden, so garantiert der Hersteller, sollen pro Jahr aus dem 2500 Quadratmeter großen Kollektorfeld gewonnen und genutzt werden. Eine Reihe von öffentlichen Gebäuden, wie das Kranken - haus, Schu len, das Rathaus, mehrere Sportstätten und das Schwimm bad, sind an das 9,5 Kilometer lange Wärmenetz angeschlossen. Die Investition von 1,5 Millionen Euro wird zu 30 Prozent von der Kommune selbst bezahlt. 70 Prozent För - derung kommt von der französischen Umwelt- und Energieagentur ADEME. Für die Fernwärmebezieher soll sich der Fernwärmepreis ab sofort um 5 Prozent verringern. gb KBB Kollektorbau GmbH, Anja Schmidt, a.schmidt@kbb-solar.com Solare Wärmenetze jetzt auf Twitter Nachrichten und Diskussionen zu solaren Wärmenetzen gibt es jetzt auch per Twitter unter @solnetz. Das Projekt Solnet 4.0, das mit Förderung des Bundeswirtschaftministeriums den Markt für solare Wärmenetze bereiten will, nutzt dafür seit Herbst 2017 auch einen Twitter-Kanal. Unter @solnetz be ziehungsweise „Solare Wärmenetze” zwit schert das Projektteam und freut sich über jeden neuen Follower und auf angeregte Debatten. gb 9 Solare Wärmenetze Januar 2018 200 Großflächenkollektoren auf einer Grünfläche in Châteubriant speisen jetzt Solarenergie ins Fernwärmenetz ein. 11./12. April 2018 in Graz/Österreich 5th International Solar District Heating Conference Die internationale Top-Veranstaltung zum Thema „solare Wärmenetze” findet in diesem Jahr in Graz statt. Für Forscher, Kollektorhersteller und Betreiber solarthermischer Großanlagen ist die Konferenz „Pflicht”. Aber auch Vertreter von Kommunen, Stadt wer - ken oder existierenden Bioenergie - dör fern, für die Solar ther mie eine mögliche Option zur Modernisierung ihrer Wärme ver sor gung ist, sind eingeladen, sich auf der Konferenz fundiertes Wissen zu verschaffen und Kontakt zu Experten und Anbieterun - ter nehmen aufzunehmen. Neben technischen Fragen der Auslegung und Netzeinbindung geht es zum Beispiel auch um Möglichkeiten der Flächen suche oder der Förderung. Exkursionen zu solaren Wärmenetzen verschaffen praktische Einblicke. Registrierung unter: www.solar-district-heating.eu. Bis 11. Februar 2018 gelten Early-Bird-Preise. TERMINE Solarthermie Anlagen Im Norden geht die Sonne auf! garantiert höchste Erträge stabile Wärmepreise schlüsselfertig oder im Contracting Jetzt anrufen und eine unserer über 15.000 m² großen Referenzanlagen in Dänemark besuchen! Savosolar Kühnehöfe 3 | 22761 Hamburg info@savosolar.de | 􀀉 +49 (0) 40 500 349 7-0 GmbH 15:29 Foto: ADEME Solare Wärmenetze Solares Nahwärmeprojekt in Attenkirchen wird stillgelegt Eine Pionieranlage der solaren Wärmeversorgung in der 2700-Einwohner-Gemeinde Attenkirchen soll nach 16 Betriebsjahren stillgelegt werden, weil die konventionellen Komponenten die Erwartungen nicht erfüllt haben. „Es gibt viele solche Anlagen, die gut funktionieren”, stellt Bürgermeister Martin Bormann am Telefon klar, „aber in unserer war von Anfang an der Wurm drin”. Zu oft hätten Bewohner der angeschlossenen zwei Dutzend Wohnhäuser in der Vergangenenheit in kalten Räumen sitzen oder kalt duschen müssen. Außerdem machten hohe Stromkosten für den Betrieb der Pumpen und Wärmepumpen die Anlage für die 2700-Einwohner-Gemeinde, der sie gehört, zu einem Zuschussgeschäft. Deshalb will der Gemeinderat jetzt einen Schluss strich ziehen, die Anlage still legen und die Hausbe - sitzer entschädigen. Mit hohem Anspruch war die Anlage, deren Herzstück ein 800 Quadratmeter großes Solardach und ein saisonaler Hybrid- Wärmespeicher ist, 2002 in Betrieb gegangen. Und im Prinzip, so Manfred Reuß, Gruppenleiter für Solarther mie und Geothermie im Bayerischen Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE), habe die Anlage die Erwartungen auch erfüllt. Immerhin 75 Prozent der in den Gebäuden übers Jahr verbrauchten Wärmeenergie seien von der Solaranlage gelie - fert worden. „In all den Jahren haben wir keine Störung an der Solaranlage gehabt”, sagt Reuß. Auch der einzigartige saiso - nale Speicher, bei dem ein unter irdischer Wassertank von einem Erdsondenfeld umgeben ist, habe gut funktioniert. Bei einem Vergleichstest verschiedenartiger saisonaler Solarspeicher habe die Attenkirchener Solaranlage sogar als die preiswerteste abgeschnitten, erklärt Reuß, und es schwingt ein bisschen Stolz mit, denn das ursprüngliche Konzept stammt von ihm und seinem ZAE-Team. Probleme habe es jedoch in Attenkirchen von Anfang an mit der konventionellen Fernwärmetechnik gegeben, erin - nert sich Reuß. Schon bei der Ausschreibung habe man nur auf’s Geld geschaut. Weil es gerade kein passendes Förderprogramm des Bundes gab, habe man an den falschen Stellen zu sparen versucht. Die Elektrowärmepumpen seien nicht die effizientesten und auch konventionelle Pumpen seien zu zahlreich eingeplant und zu groß dimensioniert worden. Von Anfang an hätten auch die Hausübergabestationen Ärger gemacht, die für klassische Hochtemperatur-Fernwärmenetze ausge legt und für das Niedertemperaturnetz von Atten - kirchen nicht geeignet seien. gb Mit den schlüsselfertigen Solarwärme-Großanlagen von Arcon-Sunmark erzeugen Sie Ihre eigene Wärme und sparen damit nicht nur echtes Geld, sondern unterstützen aktiv den Umweltschutz. Als Marktführer mit über 25 Jahren Erfahrung in Großanlagen ist Arcon-Sunmark ein kompetenter Ansprechpartner rund um die Beratung, Installation und Betreuung individueller Solarthermie-Anlagen. Wir freuen uns auf Sie! www.arcon-sunmark.com JETZT UMSTEIGEN AUF UMWELTFREUNDLICHE UND GÜNSTIGE WÄRME Arcon-Sunmark GmbH Clermont-Ferrand-Allee 26e 93049 Regensburg info@arcon-sunmark.com Tel. 0941-64090804 Foto: Savosolar Internationale Anerkennung für finnisches Solar-Fernwärmeprojekt Auli Haapiainen-Liikanen, Fernwärmemanagerin bei den Stadtwerken im finnischen Mikkeli, hat bei der Abschluss - feier des EU-Projektes „Celsius City” in Göte burg Ende November einen Ehrenpreis erhalten. Ein Jahr zuvor hatte Sie Ihren Chef überzeugt, auf einem Schulgelände eine 120 m2 große Solarthermie an lage zu bauen, die mit dem Fernwärmenetz verbunden ist. Die Großflächen-Kollek - toren wurden direkt in Mikkeli beim Hersteller Savosolar gefertigt. Aufgrund der guten Betriebsergebnisse soll die Anlage schon bald massiv erweitert werden. Savosolar mbH, Torsten Lütten, Tel. 040 5003497-0 torsten.luetten@savosolar.com AUSGEZEICHNETE ARBEIT

Julian Kuntze2023-03-22T11:50:53+01:00Mittwoch, 1. August, 2018|

Solar-Nachrüstung in Randegg

7 Juli 2018 och wie ein Haus ist der orange Holzkessel, der das Dorf Ran - degg seit 9 Jahren mit klimaneutraler Wärme versorgt. In der Maschine wummert ein Feuer mit 2 Megawatt Leistung. Bene Müller schaut durch das Guckloch der Brennkammer und kontrolliert die lodernden Flam - men: „Das ist der Zustand, den wir künftig nicht mehr haben wollen, dass bei herrlichstem Sommerwetter der Kessel läuft“, sagt der Vorstand der Solarcomplex AG aus Singen. Müllers aktuelles Projekt ist die „Solarisierung“ des Wärmenetzes von Randegg. Spätestens im August soll es soweit sein. Dann sollen neue Solarwärmekollektoren den Holzkessel während der Sommermonate komplett arbeits - los machen. „Bislang verbrau chen wir hier etwa 6000 Schüttkubikmeter Holzbrennstoff pro Jahr“, berich tet Müller. „Diese Men ge wollen wir durch die Solaran lage um 20 Prozent reduzieren.“ Holz sei zwar als Brennstoff wesentlich günstiger als fossile Brennstoffe wie Gas oder Öl, so Müller, aber in Baden- Württemberg seien die Preise für Holzhackschnitzel aufgrund der Nachfrage in den vergangenen Jah ren deutlich gestiegen. Holz sei zwar klimaneu tral, aber eben auch eine begrenzte Ressource. Deshalb betrachtet es Müller nicht nur als Frage der öko lo gi schen, sondern auch der wirtschaft lichen Vernunft, ei - nen Teil des Brennstoffs durch Solarwärme zu ersetzen. Deren Kilowattstundenpreis sei heute konkurrenz fähig und er bleibe vor allem für Jahrzehnte stabil. Günstige Bedingungen In Randegg sind die Bedingungen für den Solarthermie-Einsatz tatsächlich besonders günstig. Denn hier wird im Sommer, dann wenn die Sonne viel Energie liefert, auch viel Wärme gebraucht. Zwar heizen die rund 150 Hausbesitzer, die sich an das Wärme - netz angeschlossen haben, hauptsächlich im Winter. Doch der Wärmebedarf des größten Abnehmers im Ort, des Getränke- Abfüllbetriebs Randegger Ottilienquelle verläuft genau gegenläufig. Ihr Mineralwasser und ihre Limonade verkauft die Familie Fleischmann, die die Mineralquelle seit 126 Jahren betreibt, besonders gut im Sommer. Deshalb läuft die Leergutwaschanlage, für die die meiste Energie benötigt wird, in den Sommermonaten auf Hochtouren. Für den Solarenergieeinsatz ist das ein Glücksfall. Und deshalb hatte das Solarcomplex-Team auch bereits in der Planungsphase für das Wärmenetz den Einsatz von Solarthermie in Erwägung gezogen – von der Investition hatte man jedoch zunächst Abstand genommen. „Vor 9 Jahren hatten wir einfach das Problembewusstsein noch nicht, dass Biomasse begrenzt sein könnte“, gibt Mül ler freimütig zu. Die Geschichte des Randegger Wärmenetzes reicht allerdings noch ein paar Jahre länger zurück und hat viel mit dem besonderen Draht zwischen Bene Müller und Clemens Fleischmann zu tun, einem der beiden Brüder, die In der Gemeinde Randegg rüstet die Solarcomplex AG zum zweiten Mal eines ihrer 16 Bioenergiedörfer mit Solarkollektoren aus. Weitere Solarwärmenetze sind geplant. Solar-Nachrüstung in Randegg Foto: Guido Bröer H Schon beim Start des Wärmenetzes in Randegg vor 9 Jahren fand Bene Müller die Idee eines Solarkollektorfeldes interessant. Jetzt wird es nachgerüstet. 8 Solare Wärmenetze sich die Geschäftsführung der Ottilienquelle teilen. Im Jahr 2005 überzeugte Müller den Unternehmer, seinen ge - sam ten Strom bedarf von einem Wasser - kraft werk zu beziehen, das Solar com - plex kurz zuvor reaktiviert hatte. Für Fleischmann war das ein Wendepunkt: „Wir verfüllen ein Naturpro - dukt als Familienbetrieb, und das seit 126 Jahren. Aber mit der Entscheidung, erneuer baren Strom aus der Region zu bezie hen, fing bei uns das Nachdenken über ökologische Fragen als Grundlage unserer Zukunftsfähigkeit und Glaubwürdigkeit erst an.“ 2006 nahm das Unternehmen dann für den Warmwasserbedarf der Flaschenwaschanlage eine 700 kW starke Holzpelletsanlage in Betrieb. Gebaut und betrieben wurde sie von der Solarcomplex AG als Contractor. „Ironie des Konzepts war, dass wir hier einen Heizkessel hatten, der hauptsächlich im Sommer lief; das kommt sonst eher selten vor“, sagt Müller. Um den Kessel auch im Winter besser auslasten zu können, initiierten Müller und Fleisch mann Bürgerversammlungen, und warben für ihre Idee eines Dorfwärmenetzes. Das Dorf macht mit „Überrascht hat uns der Zulauf in der Gemeinde“, erzählt Fleischmann. Als schließlich fast 150 Gebäude angeschlossen werden sollten, musste eine neue Heizzentrale mit einem größeren Kessel geplant werden. Das Netz und der 2-MW-Kessel gingen 2009 an den Start, und seitdem reifte das Projekt Solarwärme. „Es entstand immer eine Idee aus der anderen“, sagt Fleisch mann, „es war eine organische Entwicklung.“ Inzwischen steht das Solarfeld 500 Me ter von der Heizzentrale entfernt auf einer ehemaligen Ackerfläche. Mit sei - nen 2400 Quadratmetern Bruttokollektorfläche besetzt es etwa den Platz eines Fußballfeldes. Zwischen den Kollektoren werden sich mit der Zeit Gras und Wildblumen breit machen, die extensiv genutzt werden können. Zur Zeit sieht das Kollektor -Ensem - ble allerdings aus wie ein Werk des Künstlers Christo. Denn die Vakuumröhrenkollektoren der Marke Ritter XL sind noch mit reflektierenden Stoffbahnen abgedeckt, bis sie in Betrieb genommen werden. In Randegg werden Vakuumröhrenkollektoren eingesetzt, die teu - rer, aber bei hohen Temperaturen leistungsfähiger sind als Flachkollektoren. Der Grund ist das Temperaturniveau von 95 Grad, das für die Flaschen- Waschanlage benötigt wird, während das Wärmenetz des Dorfes mit geringeren Temperaturen auskommt. Damit die Heizkessel im Sommer wirklich nicht anspringen müssen, wird die Heizzentrale jetzt um zwei große Speichertanks ergänzt. Der Energie vor - rat in ihnen soll ausreichen, um einige Tage ohne Sonnenschein zu überbrücken. Anfang Juni kamen die jeweils 100 Kubikmeter großen Stahlbehälter über Nacht auf zwei Schwertransportern. Spektakulär bugsierten zwei Mobilkrä - ne die Ko losse an ihren Aufstellort. Wenn es nach Bene Müller geht, dann wird dieses Schauspiel künftig häufiger zu besichtigen sein. Denn nachdem das erste Solar-Bioener gie - dorf von Solarcomplex, Büsingen, bereits seit 2012 jährlich im Schnitt 3 Prozent mehr Ertrag bringt als vorab prognostiziert und nachdem Randegg bald solarisiert sein wird, steht schon das mit einer 3000-Quadratmeter-Solaranlage noch größere Netz in Schluchsee an. Es soll 2019 fertig werden. Mittlerweile hat der Solarcomplex-Vorstand einen Grundsatzbeschluss gefasst: Künf - tig soll jedes neue Wärme netz, bei dem keine Abwärme zu Verfügung steht – sei es aus einer Bio gas an lage oder einem Industriebetrieb – mit einer großen Solarthermieanlage ausgestattet werden. Guido Bröer Anlieferung der Speicher. In zwei Wassertanks mit jeweils 100 Kubikmetern Fassungsvermögen wird Sonnenwärme für trübe Tage eingelagert. Kein Energiedorf gäbe es ohne Macher. Mineralbrunnenbesitzer Clemens Fleischmann (links) und Bene Müller ziehen für die Energiewende in Randegg an einem Strang. Foto: Guido Bröer Foto: Clemens Fleischmann Juli 2018 Solare Wärmenetze Mit den schlüsselfertigen Solarwärme-Großanlagen von Arcon-Sunmark erzeugen Sie Ihre eigene Wärme und sparen damit nicht nur echtes Geld, sondern unterstützen aktiv den Umweltschutz. Als Marktführer mit über 25 Jahren Erfahrung in Großanlagen ist Arcon-Sunmark ein kompetenter Ansprechpartner rund um die Beratung, Installation und Betreuung individueller Solarthermie-Anlagen. Wir freuen uns auf Sie! www.arcon-sunmark.com JETZT UMSTEIGEN AUF UMWELTFREUNDLICHE UND GÜNSTIGE WÄRME Arcon-Sunmark GmbH Clermont-Ferrand-Allee 26e 93049 Regensburg info@arcon-sunmark.com Tel. 0941-64090804 Neu: www.solare-waermenetze.de Unter der neuen Adresse www.solare-waermenetze.de stellt das Steinbeis-Forschungsinstitut Solites jetzt im Internet Know-how und aktuelle Infos zu solaren Wärmenetzen bereit. Highlight ist ein neues Wissensportal. „Die Internetseite www.solare-fernwärme.de wurde schon vor neun Jahren für das EU-Projekt SDHtake-off zur Marktbereitung solarer Wärmenetze aufgebaut. Seitdem haben wir das Informationsangebot ständig erweitert“, sagt Laure Des - chaintre von Solites. Nun sei es an der Zeit gewesen, das mehrsprachige Portal in modernem Design und mit erweiterten Inhalten komplett neu aufzubauen. Die Seite läuft jetzt auch auf Smartphones optimal. Unter anderem findet sich auf der Website ein neues Wissensportal, das Zugriff auf Fachveröffentlichungen zum Thema verschaffen soll. Auch Ergebnisse aus dem Projekt „Solnet 4.0“, an dem die Energiekommune beteiligt ist, sollen dort künftig zu finden sein. „Responsive“ ist das Zauberwort. Die Website zu solaren Wärmenetzen läuft jetzt auf allen möglichen Endgeräten. Solarthermieprojekt gewinnt Ausschreibung für innovative KWK Bei der ersten Ausschreibung der Bundesnetzagentur für so genannte „innovative KWK-Systeme“ hat sich unter anderem ein Projekt der Stadtwerke Greifswald durchgesetzt, bei dem eine Solarthermieanlage eingebunden werden soll. Die Stadtwerke Greifswald sind mit einer kombinierten BHKW-Solarwärmeanlage angetreten, die an ihrem bestehenden KWK-Standort Jungfernwiese im Süden der Stadt ins Netz eingebunden werden soll. Zur Realisierung der Pläne haben sie nun vier Jahre Zeit. Vier der fünf erfolgreichen Gebote kamen von Stadtwerken (Greifswald, Bayreuth, Lippstadt, Bad Reichenhall). Alle fünf „innovativen KWK-Systeme“ bringen es zusammen auf 21 MW elektrische Leistung. Wer in der ersten Ausschreibungsrunde dieser Art erfolgreich war, kann nun mit einer erhöhten Förderung nach dem 2017 novellierten KWK-Gesetz (KWKG) planen. Bei einem „innovativen KWK-System“ müssen nach Definition des Gesetzes 30 Prozent der so genannten Referenzwärme des Systems aus erneuerbaren Energien stammen. So könnte beispielsweise eine Wärmepumpe eingebunden werden, eine Solarthermieanlage oder eine Geothermiequelle. Holzheizkessel können in diesem Sinne ausdrücklich nicht auf den 30-Prozent-Anteil angerechnet werden. Zusätzlich muss ein elektrischer Wärmeerzeuger vorhanden sein, der die elektrische Erzeugung beispielsweise eines Blockheizkraftwerkes bei Bedarf vom Netz nehmen und größtenteils in Wärme umwandeln kann. Die Ausschreibung für innovative KWK-Systeme kann für Betreiber attraktiv sein, weil der per Ausschreibung ermittelte Zuschlag auf den Strompreis hier für 45000 Vollbenutzungsstunden gezahlt wird, nicht nur für 30000 wie in den normalen KWK-Ausschreibungen. Außerdem liegt der zulässige Höchstwert für die Gebote bei 12 Cent pro Kilowattstunde, 5 Cent höher als in den normalen KWK-Ausschreibungen. In der ersten Runde lagen die Gebote zwischen 8,47 und 10,94 ct/kWh. 10 Solare Wärmenetze Solarthermie Anlagen Im Norden geht die Sonne auf! garantiert höchste Erträge stabile Wärmepreise schlüsselfertig oder im Contracting Jetzt anrufen und eine unserer über 15.000 m² großen Referenzanlagen in Dänemark besuchen! Savosolar Kühnehöfe 3 | 22761 Hamburg info@savosolar.de | ✆ +49 (0) 40 500 349 7-0 GmbH Verbraucher zahlen für Fernwärme aus erneuerbaren Energien freiwillig mehr Nach einer Umfrage des Fernwärme-Branchenverbandes AGFW sind Verbraucherhaushalte bereit, für Fernwärme zwischen 2,90 und 3,60 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr mehr auszugeben, wenn die Wärme aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Für die Studie wurden in Deutschland, Frankreich und Österreich Kommunalver treter, Energieversorger und pro Land jeweils rund 500 Privathaushalte befragt. In allen drei Zielgruppen und Ländern wurden die Präferenzen für vier verschiedene Heizungs typen abgefragt: Elektrische Wärmepumpe, Fern wärme mit fossilen Energien, Fernwärme mit er - neu erbaren Energien und Gasbrennwertheizung. Durchweg genießen Fernwärmesysteme nach Darstel - lung des Interessenverbandes AGFW bei den Befragten eine höhere Wertschätzung als Wärme pum pen und Gaskessel. Gegenüber der Gasheizung würden beispielsweise Ver braucher in Deutschland für die Heiz energie aus einer Wärmepumpe 1,30 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr mehr bezahlen wollen und für Fernwärme 4,20 Euro. Würde die Fernwärme aus erneuerbaren Energien gewonnen, so wäre die Zahlungsbereitschaft sogar noch deutlich höher: 7,10 Euro pro Quadratmeter über einer Gasheizung liegt die Zahlungsbereitschaft und somit 2,90 Euro höher als bei Fernwär - me auf fossiler Basis. Bezogen auf eine 120-Quadratmeter- Woh nung, die der Befragung zugrunde gelegt wurde, wür - den Deutsche also freiwillig 348 Euro pro Jahr mehr zahlen, wenn sie wüssten, dass ihre Fernwärme aus erneuerbaren statt fossilen Ressourcen stammen würde. In Frankreich und Österreich liegt diese Zahlungsbereitschaft sogar noch höher. Die Umfrage wurde im Rahmen des Projektes „SDHp2m - Solar District Heating – from policy to market“ von der Europäischen Union gefördert. Beim Kongress für Solare Wärmenetze in Graz sorgten die Ergebnisse im April für Erstaunen. Die meisten anwesenden Experten hätten offenbar nicht erwartet, dass sich Fernwärmekunden für die ökologische Qualität ihrer Wärmequelle überhaupt interessieren. gb Quelle: AGFW, Prokribus GmbH Juli 2018 6. September 2018 in Erfurt Fachforum regenerative Wärmeversorgung Solare Wärmenetze sind ein Schwerpunkt dieser Veran - staltung, die das regionale ThEEN-Netzwerk zusammen mit der Fachhochschule Nordhausen anbietet. Thüringer Erneuerbare Energie Netzwerk (ThEEN) e.V. www.theen-ev.de 9. bis 12. September 2018 in Hamburg 16th International Symposium on District Heating and Cooling Die Fachveranstaltung der Internationalen Energieagen - tur für den ganzen Fernwärmesektor. Die Rolle flexibler Wärmenetze für die Energiewende und Decarboni - sierung insgesamt spielt in den letzten Jahren eine zunehmende Rolle. District Heating and Cooling programme der Internationalen Energieagentur (IEA DHC) www.dhc2018.eu 18./19. September 2018 in Dresden 23. Dresdner Fernwärme-Kolloquium Das Event für Fernwärme-Experten in Deutschland. Auch hier sind solare Wärmenetze inzwischen ein Thema. AGFW, www.agfw.de/veranstaltungen TERMINE ZU SOLAREN WÄRMENETZEN MEHRZAHLUNGSBEREITSCHAFT FÜR WÄRME Einige Euro pro Quadratmeter würden Verbraucher freiwillig für andere Wärmequellen mehr zahlen als für Gas.

Julian Kuntze2023-03-22T11:50:53+01:00Mittwoch, 1. August, 2018|

Solare Nah- und Fernwärme in der Metropolregion Hamburg

1 SDHp2m … from policy to market Regulatorische und marktunterstützende Maßnahmen für die Mobilisierung von Investitionen in erneuerbare Wärmenetze in europäischen Regionen und Ländern Solare Nah- und Fernwärme in der Metropolregion Hamburg Regionalbericht über Maßnahmen zur Verbesserung der regulatorischen Rahmenbedingungen, Finanzierungs- und Fördermaßnahmen sowie der Marktbereitung Dieses Projekt wird durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der europäischen Union gefördert (Förderkennzeichen 691624). 2 Informationen: Herausgeber: Hamburg Institut mit Unterstützung des Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz Kontakt: Hamburg Instiut - Simona Weisleder Paul-Nevermann-Platz 5, 22765 Hamburg Aktualisierung: April 2018 Deliverable: D3.3 und D4.3 Status: Öffentlich Projektwebseite: www.solar-district-heating.eu Die alleinige Verantwortung für den Inhalt dieser Publikation liegt bei den Herausgebern. Sie gibt nicht unbedingt die Meinung der Fördermittelgeber wieder. Weder die Fördermittelgeber noch die Herausgeber übernehmen Verantwortung für jegliche Verwendung der darin enthaltenen Informationen. 3 Inhalt Grußwort ................................................................................................................................................. 4 Was Hamburg antreibt ............................................................................................................................ 5 Klimaschutz mit solarer Nah- und Fernwärme ........................................................................................ 7 Wärmenetze als Plattformen .............................................................................................................. 8 Wirtschaftlichkeit ................................................................................................................................ 8 Versorgungskonzepte und Einbindung von Solarthermieanlagen in Wärmenetze ............................ 8 Wärmenetze in Quartieren und Städten ......................................................................................... 9 Wärmenetze in kleinen Städten ländlichen Regionen .................................................................... 9 Herausforderungen ............................................................................................................................. 9 Das Projekt SDHp2m – Solar District Heating … from policy to market ................................................ 10 Alles beginnt mit einer Analyse der Ausgangssituation (WP 2) ............................................................ 11 Nationale Rahmenbedingungen ........................................................................................................ 11 Hamburger Rahmenbedingungen ..................................................................................................... 13 Regionale Experten: Akteursgruppen „solare Nah- und Fernwärme“ .................................................. 16 Aufgaben der Akteursgruppen .......................................................................................................... 16 Zusammensetzung der Akteursgruppen ........................................................................................... 16 Sitzungen, Exkursionen und Workshop mit der Akteursgruppen ..................................................... 17 Auf dem Weg zu mehr solarer Nah- und Fernwärme – Maßnahmen und Aktivitäten ......................... 21 Regulatorische Instrumente (WP 3) .................................................................................................. 21 Studie zur „Öffnung der Wärmenetze“ ......................................................................................... 22 Best Practice Guide „Multikodierte Flächen für SDH“ .................................................................. 23 Coaching ........................................................................................................................................ 26 Marktunterstützende Instrumente (WP4) ........................................................................................ 29 Studie „Solare Nachbarschaftsgewächshäuser“ ........................................................................... 29 Veranstaltungen, Workshops und Vorträge .................................................................................. 30 Ausblick in eine sonnige Zukunft ........................................................................................................... 32 4 Grußwort In der wachsenden Metropolregion Hamburg leben rund 5 Millionen Menschen, davon 1,8 Millionen in Hamburg selber. Sie ist Standort vieler international tätiger Unternehmen und hat mit dem Hamburger Hafen den zweitgrößten Hafen in Europa. In der Metropolregion Hamburg haben wichtige Akteure im Bereich der Erneuerbaren Energien ihren Geschäftssitz. Das Branchennetzwerk Cluster Erneuerbare Energien Hamburg unterstützt seit Herbst 2010 die Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energien von Finanzsektor, Versicherungen über Hersteller von Windenergieanlagen bis hin zu Planungsbüro über alle Sektoren hinweg. Damit leistet das Cluster EEHH einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. Für eine erfolgreiche Energiewende muss auch die Wärmewende gelingen. Bis 2030 müssen im Wärmemarkt einschneidende Umbrüche geschehen, um die Energieversorgung unserer Gesellschaft fit für die Zukunft zu machen. Die Nachfrage nach Raumwärme und Warmwasser sollten bis 2030 um ein Viertel gesenkt werden; die verbleibende Nachfrage aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Aktuell liegt der Anteil erneuerbarer Wärme lediglich bei 13 %. Um dieses Thema auch verstärkt im Cluster zu diskutieren, gibt es seit 2016 das Forum Wärme. Hier versuchen wir aktuelle Forschungs- und Projektaktivitäten in der Metropolregion aufzugreifen, darüber zu berichten und aktiv zu unterstützen. In diesem Sinne haben wir als sogenanntes „expert board“ auch sehr gerne das SDHp2m Projekt begleitet und beraten. Und von den Aktivitäten profitiert: z.B. durch Fachbeiträge des Hamburg Instituts bei unseren Sitzungen, durch Fach-Exkursionen nach Dänemark zu großflächigen Solarthermieanlagen oder auch durch die sehr gut besuchte internationale Veranstaltung „Erneuerbare Fernwärme in Großstädten“ 2017 in Hamburg. Wir werden auch mit Interesse die Ergebnisse des SDHp2m Projektes weiterverfolgen, auch und gerade von den internationalen Partnern. Sebastian Averdung Geschäftsführer der Averdung Ingenieurgesellschaft mbH für das Cluster Erneuerbare Energien Hamburg Mitglied der Lenkungsgruppe Forum Wärme 5 Was Hamburg antreibt Als eine der Modellregionen innerhalb des Projekts „SDH p2m – from policy to market“ hat sich Hamburg das Ziel gesetzt, die solare und erneuerbare Fernwärmeversorgung strukturell zu stärken und auszubauen. Die Förderung der solaren Fernwärme erfolgt innerhalb eines langfristig orientierten städtischen Konzepts zur Umsetzung der internationalen Klimaschutzziele. Dabei wird neben den Aktivitäten der Stadt auch die Metropolregion in den Blick genommen, insbesondere im Hinblick auf solare Wärmeprojekte. Mit dem im Dezember 2015 in Kraft getreten Hamburger Klimaplan verstärkt Hamburg seine langjährigen Anstrengungen für den Klimaschutz1. Er enthält zahlreiche neue Maßnahmen zur CO2-Minderung – und ein neues Ziel: Bis 2030 will Hamburg den CO2-Ausstoß im Vergleich zu 1990 halbieren. Weiterhin will Hamburg bis 2020 zwei Millionen Tonnen CO2 vermeiden und bis 2050 die CO2-Emissionen um mindestens 80 Prozent im Vergleich zu 1990 reduzieren. Mit dem neuen Klimaplan setzt sich Hamburg das Leitbild einer modernen Stadt der Zukunft, in der Klimaschutz und Klimaanpassung elementare Bestandteile des gesellschaftlichen Miteinanders sind. Im Klimaplan ist neben Zielen zum Ausbau der E-Mobilität und ÖPNV, Verdoppelung des Anteils des Radverkehrs, Klimaanpassungsmaßnahmen auch Ziele beschrieben, die den Gebäude und den Ausbau der Erneuerbaren Energien betreffen. Die Ziele des Klimaplans sind sehr ambitioniert. Für den Gebäudebereich bedeutet das: Wenn bis zum Jahr 2050 der komplette Häuserbestand saniert sein soll, müsste die Sanierungsrate auf etwa das dreifache steigen. Damit gehört die energetische Erneuerung der Stadt zu einer der großen Herausforderungen und das Thema Wärmewende ist in der Hamburg Politik angekommen. Die Bedeutung der leitungsgebundenen Wärmeversorgung bei diesem Transformationsprozess hin zu Erneuerbaren Energien und damit einer klimaneutralen Wärmeversorgung ist erkannt. Die Sanierung des Gebäudebestands alleine wird nicht reichen, um die nötigen Klimaschutzziele zu erreichen. 1 http://www.hamburg.de/hamburger-klimaplan/ 6 Abbildung 1: Möglicher Zielkorridor zwischen Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien (Quelle: Quelle: BMWi : Sanierungsbedarf im Gebäudebestand; Dezember 2014) Die Freie und Hansestadt Hamburg hat in den letzten Jahren sehr intensiv an der Bereitstellung eines sogenannten Wärmekatasters2 gearbeitet. Mit dem Wärmekataster werden relevante Informationen zu der Wärmeversorgungs- und Wärmebedarfssituation in Hamburg zur Verfügung gestellt. Mit diesen zentral bereitgestellten Informationen soll ein Beitrag geleistet werden, die Umstellung auf eine effiziente Wärmeversorgung anzuregen und dadurch nachhaltig Ressourcen einzusparen. Damit befindet sich Hamburg auf einem guten Weg, der noch viele Herausforderungen in sich birgt, aber zu dessen Gelingen zahlreiche Akteure intensiv beitragen. 2 http://www.hamburg.de/energiewende/waermekataster/ 7 Klimaschutz mit solarer Nah- und Fernwärme Wärme aus Sonnenenergie - kurz Solarthermie - ist eine moderne Form der klimafreundlichen erneuerbaren Energien, die in den letzten Jahren immer stärker zum Einsatz kommt. Mit Hilfe der Sonnenenergie kann sowohl warmes Wasser als auch Heizwärme umweltfreundlich bereitgestellt werden. Neben stabilen Wärmegestehungskosten bietet der Einsatz der Solarthermie weitere Vorteile, zum Beispiel ist sie • erneuerbar, • emissionsfrei, • kostenstabil und • flächeneffizient. Solarkollektoren können als Aufdach- oder Freiflächenanlage installiert werden. Und neben der herkömmlichen Nutzung für die Warmwasserbereitung bzw. Heizungsunterstützung ist auch eine Anbindung großflächiger Solarthermieanlagen an ein Wärmenetz möglich. Dieser Ansatz ist in Dänemark bereits weit verbreitet und findet zunehmend auch in Deutschland Beachtung und Anwendung. Abbildung 2: Übersichtskarte der solaren Nah- und Fernwärme in Deutschland 2018 (Quelle: Solites). 8 Wärmenetze als Plattformen Generell bieten Wärmenetze als infrastrukturelles Element eine gute Möglichkeit über die Biomasse hinaus auch andere erneuerbare Energien wie Solarthermie, Geothermie, Umweltwärme oder auch industrielle Abwärme in die regionale Wärmeversorgung einzubinden. Als Plattformen stellen sie eine Schlüsseltechnologie zur Steigerung der Energieeffizienz und des Anteils erneuerbarer Energien an der Wärmeversorgung in Städten, Quartieren oder ländlichen Regionen dar. In Kombination mit zentralen Wärmespeichern lassen sich so auch fluktuierende Energieträger in der Wärmeversorgung verlässlich nutzen und die solaren Deckungsgrade steigern. Abbildung 3: Wärmenetz als Plattform zur Einbindung verschiedener Wärmeströme (Quelle: Hamburg Institut) Wirtschaftlichkeit Neben CO2-Einsparungen bietet eine Einbindung der Solarthermie in Wärmenetze auch den Vorteil der Kostenstabilität für die Wärmeversorgung vor Ort. Da insbesondere fixe Investitionskosten anfallen, sind die Wärmegestehungskosten ab dem ersten Betriebstag stabil. Und so stehen der hohen Kapitalintensität von Investitionen in Wärmenetze mit erneuerbaren Energien auch die Vorteile großer Planungssicherheit und stabiler Wärmegestehungskosten gegenüber. Versorgungskonzepte und Einbindung von Solarthermieanlagen in Wärmenetze Wärmenetz-Versorgungskonzepte können sich auf ländliche Regionen (Energiedörfer), größere Städte oder Stadtquartiere beziehen und unterscheiden sich von Fall zu Fall – je nach regionalen Rahmenbedingungen. Grundsätzlich kann bei der Integration von Solarthermie in 9 Wärmenetze jedoch zwischen einer zentralen und einer dezentralen Einbindung unterschieden werden. Während bei der zentralen Einbindung die Solarthermieanlage in der Nähe der Heizzentrale liegt und direkt dort in das System einspeist, kann bei einer dezentralen Einbindung die Solarthermieanlage auch an einer anderen Stelle im Wärmeversorgungssystem liegen. Dennoch gilt es, Wärmeverluste beim Transport der solaren Wärme zu vermeiden und für eine Installation von Solarkollektoren eigenen sich insbesondere Flächen in Verbrauchsnähe. Wärmenetze in Quartieren und Städten Zum einen begünstigen hohe Wärmebedarfsdichten in Städten einen wirtschaftlichen Einsatz von erneuerbaren Energien in der Wärmeversorgung. Da insbesondere die Wärmenetzverlegungskosten einen großen Einfluss auf die Wärmegestehungskosten haben, begünstigt zum anderen das Vorhandensein von Wärmenetzen niedrige Wärmegestehungskosten. Durch die Einbindung von großflächiger Solarthermie können zum Beispiel Brennstoff- und damit CO2-Einsparungen erzielt werden. Auch in Neubau- oder Sanierungsgebieten kann quartiersweise eine Wärmeversorgung über Wärmenetze mit erneuerbaren Energien wie der Solarthermie erfolgen. Ein hoher Gebäudestandard kann niedrige Netztemperaturen zulassen, was eine Einbindung der Solarthermie begünstigt. Werden auch saisonale Wärmespeicher integriert, können hohe solare Deckungsgrade erzielt werden. Wärmenetze in kleinen Städten ländlichen Regionen Auch in kleinen Städten und ländlichen Regionen kann sich eine Wärmeversorgung über solare Wärmenetze anbieten. Interessant ist dort oftmals die Kombination von Biomasseheizwerken und Solarthermieanlagen, so dass die Wärmeversorgung zu großen Teilen auf erneuerbaren Energien beruhen kann. Herausforderungen Während mit großflächigen Solarthermieanlagen bereits konkurrenzfähige Wärmegestehungskosten erzielt werden können, stellt die Verfügbarkeit von Flächen für die Installation der Solarkollektoren eine besondere Herausforderung dar. Im Gegensatz zur Nutzung Photovoltaikanlagen ist es von Vorteil, wenn die Solarkollektoren in der Nähe der zu versorgenden Wärmesenke installiert werden um Wärmeverluste über die Netze zu minimieren. 10 Das Projekt SDHp2m – Solar District Heating … from policy to market Das Projekt SDHp2m (Solar District Heating … from policy to market) zielt auf einen Ausbau der solaren Wärmenetze in neun europäischen Regionen (Thüringen und Hamburg in Deutschland, Steiermark in Österreich, Auvergne-Rhône-Alpes in Frankreich, Masowien in Polen, Varna in Bulgarien, Västra Götaland in Schweden, Aosta und Veneto in Italien). Konkret werden regulatorische und marktunterstützende Maßnahmen für erneuerbare Wärmenetze entwickelt und implementiert. Essentieller Teil des Projekts ist nicht eine investive Förderung sondern eine inhaltliche Unterstützung regionaler Akteure. Dazu arbeiten in den neun europäischen Regionen 15 internationale Projektpartner aus den Bereichen Politik, Markt und Forschung zusammen. Abbildung 4: Deckblatt des SDH Projektfaltblatts 11 Alles beginnt mit einer Analyse der Ausgangssituation (WP 2) Nationale Rahmenbedingungen Im November 2016 verabschiedete die Bundesregierung den Klimaschutzplan 2050. Damit ist Deutschland eines der ersten Länder, die die im Pariser Abkommen geforderte Klimaschutzlangfriststrategie erstellt und bei der UN vorgelegt haben. Deutschlands Langfristziel ist es, bis zum Jahr 2050 weitgehend treibhausgasneutral zu werden. Die Energiewende in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte – wenn man nur den Strombereich betrachtet. Hier liegt der aktuelle Anteil der Erneuerbaren Energien bei rund 35%. Der Wärmebereich rückt langsam in den Fokus – noch liegt hier der Anteil bei nur 13%. Fernwärmenetze sind als Infrastruktur zur kostengünstigen und flexiblen Integration von Erneuerbaren Energien in das Energiesystem gut geeignet. Der Transformationsprozess dieser Infrastruktur ist eine der großen Herausforderungen für die Wärmewende in den nächsten Jahrzehnten. Es gibt mehr als 1.500 Fernwärmenetze in Deutschland. In nur etwa 40 großen Netzen findet 85% des Absatzes statt. Das heißt vor allem die großen städtischen Netze sollten in den Fokus genommen werden. Der rechtliche Rahmen zur Integration der Erneuerbaren Energien in die Fernwärme ist in Deutschland noch unterentwickelt. Aufgrund mangelnder Besteuerung fossiler Brennstoffe haben diese einen hohen Kostenvorteil gegenüber erneuerbaren Energien, die in der Regel mit hohen Anfangsinvestitionen verbunden sind. Ein ordnungsrechtlicher Rahmen zur Förderung Erneuerbarer Fernwärme ist nur rudimentär vorhanden. Es bestehen auf Bundesebene keine Verpflichtungen zum Einsatz von Erneuerbaren Energien im Gebäudebestand. Eine entsprechende Verpflichtung im Neubau ist auf einen 10%-Anteil begrenzt, der zudem auch durch den Einsatz von Effizienztechnologien ersatzweise erbracht werden kann. Fernwärmenetzbetreiber sind weder direkt noch indirekt veranlasst, einen Mindestanteil an erneuerbaren Energien in ihre Systeme zu integrieren. Das Förderungsrecht ist zudem stark auf die konventionelle Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) auf Basis fossiler Brennstoffe ausgerichtet. Für viele Versorger bietet die Förderung dieser Anlagen nach wie vor die besten Bedingungen, so dass Investitionen weiterhin verstärkt eher entsprechende Anlagen als in die erneuerbare Fernwärme-Erzeugung fließen. Durch die letzte Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes und die Einführung von Ausschreibungen von „innovativer KWK“ wurden jedoch auch Erneuerbare Energien förderungsfähig, wodurch neue Impulse erwartet werden. Das deutsche Planungsrecht bietet ausreichende Möglichkeiten, um solarthermische Großanlagen umzusetzen. Verbesserungen sind jedoch insbesondere auf der Ebene der 12 Landesplanungsgesetze wünschenswert, um eine hinreichende Flächenkulisse für quantitativ relevante Erzeugungsbeiträge bereitstellen zu können. Ebenso existiert in Deutschland noch keine rechtlich verbindliche kommunale Wärmeplanung, so dass auch in den meisten Kommunen bislang keine entsprechenden konzeptionellen Überlegungen oder planerische Festsetzungen getroffen wurden. Die Fördersituation in Deutschland ist zur Zeit sehr komfortabel. Verschiedene Programme der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW) bieten lukrative Zuschüsse an (u.a. KfW 273, 432)3. Die nationale Klimaschutzinitiative NKI fördert mit Klimaschutzkonzepten und Klimaschutzteilkonzepten die Erstellung von Konzepten4. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat unlängst ein Förderprogramm aufgelegt, was erstmalig einen systemischen Ansatz zur Wärmewende fördern soll: Wärmenetze 4.05. http://www.bafa.de/DE/Energie/Energieeffizienz/Waermenetze/waermenetze_node.html Für die Planung und die Umsetzung von Wärmenetzen und Produktionsanlagen für erneuerbare Wärme existieren in den Bundesländern verschiedene Arten der Förderung. Die Förderprogramme der Länder werden in vielen Fällen teilweise durch Mittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert. Auf kommunaler Ebene oder von den Stadtwerken können auch weitere Fördermittel bereitstehen. Bei der Betrachtung der Förderungen ist zu beachten, dass eine Förderung des Bundes (z.B. KfW Erneuerbare Energien – Premium) den Landesförderungen vorausgeht. Des Weiteren sind bei jedem spezifischen Projekt die genauen Förderbedingungen und die Beihilfegrenzen der Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung (AGVO) zu beachten. 3 www.kfw.de 4 www.klimaschutz.de 5 http://www.bafa.de/DE/Energie/Energieeffizienz/Waermenetze/waermenetze_node.html 13 Hamburger Rahmenbedingungen Die Metropolregion Hamburg ist eine von elf Europäischen Metropolregionen in Deutschland. Sie umfasst ungefähr 1.000 Städte und Gemeinden in 19 Landkreisen. Ihr Gebiet erstreckt sich über die Freie und Hansestadt Hamburg, sowie die umliegenden Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. In der Metropolregion leben ungefähr 5 Mio. Menschen, davon ungefähr 1,8 Mio. in Hamburg. Sie beheimatet viele international tätige Unternehmen und hat mit dem Hamburger Hafen den zweitgrößten Hafen in Europa. Neben vielen anderen Branchen sind auch wichtige Akteure im Bereich der Erneuerbaren Energien in der Metropolregion ansässig. Abbildung 5: Kreise der Länder Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern in der Metropolregion Hamburg (Quelle: Metropolregion Hamburg). In der Fernwärmeversorgung der Metropolregion Hamburg gibt es ein breites Spektrum an verschiedenen Wärmenetzen. Das bedeutendste Netz ist das innerstädtische Fernwärmenetz des Vattenfall Konzerns in Hamburg, welches eines der größten in Europa ist. Neben weiteren kleineren Wärmenetzen in Hamburg gibt es auch in zahlreichen Kommunen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern Nah- und Fernwärmenetze. In der Freien und Hansestadt Hamburg wird 20% des Wärmebedarfs durch Fernwärme gedeckt. Hiervon werden 80% über das Netz das Fernwärmenetz der Vattenfall Wärme Hamburg GmbH geliefert. Die Freie und Hansestadt Hamburg ist mit 25,1% an dieser 14 Gesellschaft beteiligt. Aufgrund eines Volksentscheids vom 22.9.2013 soll das Fernwärmenetz im Jahr 2019 wieder vollständig von der Stadt zurückgekauft werden. Hier werden zur Zeit intensiv Wege zur Transformation des Hamburger Fernwärmenetzes hin zu Erneuerbaren Energien diskutiert. In der Metropolregion außerhalb der Stadtgrenzen Hamburgs bestehen Dutzende örtliche Fern- und Nahwärmenetze, die zum größten Teil von den örtlichen Stadtwerken oder der Hansewerk Natur GmbH betrieben werden. Die Nutzung solarthermischer Anlagen, ist in der Metropolregion Hamburg noch weniger weit entwickelt als in anderen Regionen Deutschlands. Die installierte Kollektorfläche pro Einwohner liegt in allen zur Metropolregion gehörigen Bundesländern unterhalb des Bundesdurchschnitts. In Bezug auf solare Wärmenetze, hebt sich Hamburg vom Rest der Metropolregion ab. So befinden sich viele bisher existierende oder in Planung befindlichen solaren Wärmenetze – teilweise von internationaler Bedeutung – in Hamburg. Mit der Solarsiedlung Bramfeld befindet sich beispielsweise eines der ersten deutschen solaren Nahwärmenetze in Hamburg. Es wurde im Jahr 1996 gebaut und hat eine Kollektorfläche von 3.000 m2, die auf den Dachflächen installiert wurde. Des Weiteren sind folgende innovativen Projekte zu nennen:  Energiebunker Wilhelmsburg http://www.iba-hamburg.de/projekte/energiebunker/projekt/energiebunker.html  Mietergenossenschaft Gartenstadt Farmsen https://www.mgf-farmsen.de  Großwohnsiedlung Mümmelmannsberg (im Bau) https://www.saga-gwg.de/das-unternehmen/pressebereich/downloads/sagagwg_broschuere_mummelmannsberg-2020.pdf  EBV Harburg (mit Eisspeicher) (http://www.ebv-harburg.de/startseite/infofilme/)  Solare Wärmeversorgung HafenCity West 15 (http://www.hafencity.com/de/konzepte/saubere-waermeenergie-fuer-einen-neuen-stadtteil.html) Abbildung 6: Der 2013 fertiggestellte Energiebunker in Hamburg-Wilhelmsburg (Quelle: Hamburg Energie). 16 Regionale Experten: Akteursgruppen „solare Nah- und Fernwärme“ Aufgaben der Akteursgruppen Im Projekt SDHp2m ist es vorgesehen, dass jede teilnehmende Region Akteursgruppen rund um das Thema „Solare Nah- und Fernwärme“ einbindet. In Hamburg wurden zwei relevante Akteursgruppen zu Beginn der Projektlaufzeit Anfang 2016 identifiziert und dann kontinuierlich beteiligt. Aufgabe der Akteursgruppen ist es, die regionalen Projektpartner, konkret das Hamburg Institut bei der Durchführung des EU-Projekts SDHp2m zu beraten. Grundsätzliches Ziel des Projekts SDHp2m ist eine Umsetzung von marktunterstützenden Maßnahmen um Investitionen in Projekte zu Wärmenetzen mit erneuerbaren Energien anzuregen. Doch auch unabhängig von der Notwendigkeit einer praxisnahen Beratung zur Umsetzung von Maßnahmen vor Ort bietet eine thematische Akteursgruppe eine sehr gute Möglichkeit für einen perspektivreichen Fachaustausch. Zum Beispiel in den folgenden Bereichen kann eine Akteursgruppe Unterstützung leisten:  Analyse der Ausgangssituation in Bezug auf die Rahmenbedingungen für Solarthermie in Wärmenetzen  Mitwirkung bei der Entwicklung einer Strategie und eines Aktionsplanes  Empfehlung/Initiierung konkreter Maßnahmen mit dem Ziel, die Nutzung der Solarthermie in Wärmenetzen zu forcieren,  Stellungnahme zu Projekten und Vorhaben  Unterstützung bei der Veröffentlichung der Projektergebnisse Zusammensetzung der Akteursgruppen  AG Klimaschutz und Energie der Metropolregion Hamburg6 Die Metropolregion Hamburg ist eine von elf europäischen Metropolregionen in Deutschland. Die Kooperation umfasst den Stadtstaat Hamburg sowie Teile der Bundesländer Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Innerhalb der Organisation existiert bereits eine gut organisierte Expertengruppe für Klimaschutz und Energie. Die Gruppe besteht aus Fachkräften aus Kreisen, Ministerien und Gemeinden der Region. Sie trifft sich vierteljährlich und wird durch Dr. Graham Butt, Leiter der Abteilung Energie im Ministerium 6 http://metropolregion.hamburg.de/ 17 für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung des Landes Mecklenburg-Vorpommern geleitet. Die Arbeitsgruppe hat eine ständige Vertretung, die von einer Mitarbeiterin der Metropolregion (zunächst Jenny Lorenz, jetzt Lan Janet Krause) geleitet wird. Die Gruppe hat gleich zu Beginn des EU-Projektes beschlossen, mit dem SDHp2m-Projekt zusammenzuarbeiten und als lokaler Beirat (sogenanntes „local advisory board“) zu fungieren.  AG Wärme des Cluster für EE Hamburg7 Das EEHH-Netzwerk "Erneuerbare Energien Hamburg" (oder "Cluster") wurde gegründet, um die Zusammenarbeit im Energiesektor der Region Hamburg zu stärken und zu fördern. Es bündelt die vielfältigen Kompetenzen von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Institutionen. Es bietet auch eine Plattform für den Dialog zwischen den Interessengruppen und fördert Schnittstellen zu anderen Sektoren, wie der Logistik. Das Cluster verwaltet drei Foren, die sich das ganze Jahr über regelmäßig treffen, um Erfahrungen auszutauschen und sich zu bestimmten Themen zu vernetzen. Im Jahr 2016 wurde eine Arbeitsgruppe für Erneuerbare Wärme gegründet. Ziel der AG ist es, Erneuerbare Energien im Wärmesektor zu fördern, Wissen über neue Entwicklungen in der Branche auszutauschen und Ideen zu diskutieren und Partnerschaften für gemeinsame Projekte unter seinen Mitgliedern zu bilden. Das Forum steht allen EEHH-Mitgliedsunternehmen offen und besteht aus ca. 30 Mitglieder. Den Vorsitz führt Sebastian Averdung (Geschäftsführer der Averdung Ingenieure GmbH). Mitglieder des Forums sind Netz-Betreiber und Planer, Energiegenossenschaften und -initiativen, Stadtplaner, Wärmeplaner, Verwaltungen, Verbände, politische Entscheidungsträger. Das SDH-Projekt wurde von Anfang an in das Forum eingeführt. Das Forum erklärte sich auch bereit, als Expertenausschuss (sogenanntes „expert board“ für das SDH-Projekt zu fungieren. Sitzungen, Exkursionen und Workshop mit der Akteursgruppen Insgesamt sollen in der Projektlaufzeit 5 Sitzungen den Akteursgruppen abgehalten werden und das Projekt in den Phasen der Vorbereitung und der Umsetzung begleiten. Diese werden durch den regionalen Projektpartner organisiert und vorbereitet. Das Hamburg Institut hat bisher mit beiden Akteursgruppen je vier Sitzungen durchgeführt. Besonders gut besucht und sehr bereichernd für die beiden Akteursgruppen waren zwei Exkursionen, die das Hamburg Institut im Rahmen des SDHp2m Projektes durchgeführt hat. 7 http://www.erneuerbare-energien-hamburg.de/de/erneuerbare-waerme.html 18 Am 13. April 2016 wurde in Zusammenarbeit mit der Firma Arcon-Sunmark eine Akteursgruppen-Tour nach Gram in Dänemark organisiert, mit Fokus auf großflächige solarthermische Solaranlagen im Kontext von Naturschutz und Umweltschutz. Die Zielgruppe war aus den Akteursgruppen lokale Verwaltung, Planer, Wärmeversorger, NGOs (Naturschutz, Umweltschutz). 17 Teilnehmer/innen folgten der Einladung des Hamburger Instituts und bekamen einen intensiven Einblick in den Betrieb der Solarthermieanlage und des Großspeichers. Neben Präsentationen des Betreibers und von Arcon-Sunmark konnten der Projektentwickler und ein Experte für Natur- und Umweltschutz über ihre Erfahrungen berichten. Abbildung 7: Exkursion der Akteursgruppen nach Dänemark 2016 (Quelle: Hamburg Institut). Am 13. Juni 2017 besuchte eine Delegation der Arbeitsgruppe Klimaschutz und Energie der Hamburger Metropolregion zwei SDH-Projekte in Dänemark. Als Beratungsgremium für die Hamburger Region im Rahmen des SDHp2m-Projekts soll die Arbeitsgruppe den Weg für SDH-Projekte in der Region weiter ebnen. In der Metropolregion Hamburg mit 5 Millionen Einwohner/innen gibt es zwar zahlreiche Wärmenetze - aber bisher nur wenige gespeist mit erneuerbaren Energien. 25 Teilnehmer/innen folgten der Einladung des SDH-Partners Hamburg-Institut, um erneuerbare Fernwärme-Projekte in Gram und Vojens zu besuchen. Die Gruppe bestand vor allem aus Fachleuten aus den Ministerien, Bezirken, Gemeinden und einigen Projektentwicklern, die sich alle aus erster Hand über SDH-Anlagen und saisonale Wärmespeicher informieren wollten. 19 Abbildung 8: Exkursion der AG Klimaschutz und Energie der Metropolregion Hamburg 2017 (Quelle: Hamburg Institut). Ein sehr gelungenes Experiment war ein Workshop im März 2018 zu Thema „Multikodierung für SDH“ - zum Spannungsfeld von Freiflächen-Solarthermie, Naturschutz und Landwirtschaft - mit den Akteursgruppen und ergänzenden Expert/innen. Die großen Herausforderungen bei der Realisierung von solarthermischen Freilandanlagen sind die Flächenknappheit und die Konkurrenz verschiedener Nutzungsansprüche im Umfeld von Dörfern und Städten. Bereits heute manifestiert sich dies in Konflikten um Flächen zwischen Landwirtschaft, Naturschutz, Energieerzeugung und Siedlungsentwicklung. Eine Möglichkeit zum Umgang mit dieser Flächenkonkurrenz besteht darin, Flächen gleichzeitig für mehrere Nutzungsarten zu verwenden. Insbesondere stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten es gibt, Flächen so zu nutzen, dass eine landwirtschaftliche Teilnutzung möglich bleibt und gleichzeitig Wärme erzeugt werden kann. Auch die Frage nach der Vereinbarkeit von Energieerzeugung und Naturschutz ist dabei ein wichtiges Thema. Genauso drängt sich die Frage auf, ob und unter welchen Bedingungen für einzelne Flächen ein Konsens zwischen Landwirten, Naturschützern und Energieerzeugern bei der Planung und Bewirtschaftung entsprechender Flächen erzielt werden kann. Diese und weitere Fragen wurden im Rahmen dieses Workshops sehr konstruktiv erörtert. Es zeichnete sich eine große Bereitschaft ab, miteinander weiter im Gespräch zu bleiben, gemeinsam Projekte anzustoßen und den integrativen Gedanken dieses Workshops fortzusetzen. 20 Abbildung 9: Workshop zu „Multikodierung von Flächen für SDH“ in Hamburg 2018 (Quelle: Hamburg Institut). 21 Auf dem Weg zu mehr solarer Nah- und Fernwärme – Maßnahmen und Aktivitäten Regulatorische Instrumente (WP 3) In Hamburg ist eine wichtige – und bislang in vielen Fällen auch praktisch genutzte – Regelung die Möglichkeit, energetische Festsetzungen im Rahmen von Bebauungsplänen zu treffen. Auf dieser Grundlage wurde eine Reihe von Verordnungen erlassen, mit denen für bestimmte Neubaugebiete ein Anschluss- und Benutzungsgebot an Wärmenetze und für diese ein Mindestanteil Erneuerbarer Energien festgeschrieben wird. In den drei Flächenländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern ist die einzige gesetzliche Regelung für die Fernwärme die Möglichkeit eines Anschluss- und Benutzungszwangs. Damit überlässt das jeweilige Land den Kommunen die Möglichkeit, die Bewohner eines mit Fernwärme erschlossenen Gebiets zum Anschluss und zur Nutzung der Fernwärme zu verpflichten. In keinem der Länder der Metropolregion Hamburg gibt es in der Landesgesetzgebung eine generelle Verpflichtung zur Integration bestimmter Mindestanteile erneuerbarer Energien in Wärmenetze. Erneuerbare-Energien-Wärmegesetze wie im Land Baden-Württemberg, mit denen eine Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien bei größeren Renovierungen oder beim Heizungsaustausch vorgesehen wird, existieren in der Metropolregion auf Landesebene nicht. Das Land Schleswig-Holstein setzt derzeit ein Energiewende- und Klimaschutzgesetz um. Das im Jahr 2017 verabschiedete Klima- und Energiewendegesetz sieht u.a. eine größere Transparenz der Wärmenetzbetreiber vor. In Zukunft sollen sie angeben müssen, zu welchen Anteilen die Fernwärme aus erneuerbaren Energieträgern stammt und welchen Primärenergiefaktor die gelieferte Wärme hat. Zudem sieht das Gesetz eine Verpflichtung der Netzbetreiber und Energielieferanten zur Datenbereitstellung an Kommunen vor, womit diesen die Erarbeitung von Wärmeplänen erleichtert werden soll. In Niedersachsen befindet sich ein Klimaschutzgesetz in der Planung. Über die genauen Inhalte gibt es noch keine Informationen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es kein entsprechendes Vorhaben. Durch die bundesweite Förderung aus dem Marktanreizprogramm (MAP), sowie die regionalen Förderungen, ergeben sich lukrative Finanzierungen für Solarthermie-Anlagen und damit verbundene Wärmenetze. Zur Umsetzung von Solarthermie-Anlagen ist bisher immer noch starke Überzeugungsarbeit im Einzelfall zu leisten. Bisher konnten daher nur einzelne Referenzprojekte realisiert werden. Gut für die Solarthermie ist die generell positive Einstellung der Bürgerinnen und Bürger zu erneuerbaren Energieträgern. 22 Durch den Rückkauf des Fernwärmenetzes im Jahr 2019 vom Vattenfall Konzern ergeben sich auch im innerstädtischen Fernwärmenetz in Hamburg zusätzliche neue Möglichkeiten der Einflussnahme auf den Energiemix. Hemmend für die Entwicklung der Solarthermie in Fernwärmenetzen sind die fehlenden politischen Anreize für eine erneuerbare Wärmegewinnung. So sind die entsprechenden Vorschriften bisher nicht an die Fernwärmenetze, sondern an die Gebäude gebunden. Des Weiteren ist die Flächenfindung bei Freiflächen-Solarthermieanlagen in vielen Projekten ein großes Problem. Im Rahmen des SDHp2m Projektes wurden zwei wichtige Aspekte vertiefend verfolgt:  Mit der Kurzstudie „Öffnung der Wärmenetze“ werden die rechtlichen Grundlagen zur Beförderung der Integration erneuerbarer Wärme von unterschiedlichen Erzeugern in Wärmenetze untersucht. (noch in Arbeit)  Mit dem Best Practice Guide: „Multikodierte Flächen für SDH“ soll eine breit gefächerte Übersicht über Möglichkeiten der Doppelnutzung von Flächen für SDH gegeben werden. (noch in Arbeit) Studie zur „Öffnung der Wärmenetze“ Anlass für die Untersuchung ist die teilweise mangelnde Bereitschaft von Wärmenetzbetreibern, erneuerbare Wärme oder Abwärme von Dritten in ihr Netz zu angemessenen Konditionen zu integrieren und die vom Hamburger Senat seit vielen Jahren verfolgte Absicht, die Wärmenetze für Dritte zu öffnen. Bislang sind diese Bemühungen jedoch nicht in regulatorische Aktivitäten gemündet. Aktuell gibt es in Hamburg zwei Versorger, die mit innovativen Geschäftsmodellen darauf abzielen, ihre Wärmenetze für die Einspeisung auch von kleineren Quellen Dritter, insbesondere Solarthermie, zu öffnen. Der Betreiber des mit Abstand größten Fernwärmenetzes bietet bislang keine entsprechenden Modelle, verhandelt jedoch im Einzelfall mit großen Produzenten bilateral über die Abnahme von Wärme. In der Untersuchung werden verschiedene regulatorische Modelle und Ansätze darauf untersucht, inwieweit sie zur besseren Integration von Erneuerbaren Energien in die Fernwärme beitragen könnten und welche rechtlichen Rahmenbedingungen ggf. zu ändern wären, um erfolgversprechende Ansätze in die Praxis umzusetzen. Auch im ursprünglichen Kommissionvorschlag zur Novellierung der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie waren Elemente zur Öffnung der Wärmenetze erkennbar. 23 Konzeptionell lassen sich „Single Buyer“-Modelle von „Drittzugangsmodellen“ unterscheiden. In „Single Buyer“-Modellen, wie sie z.B. von Hamburg Energie und Hansewerk Natur in Hamburg sowie von Fortum in Stockholm betrieben werden, definiert der Wärmenetzbetreiber transparente Bedingungen für Dritte zum Ankauf von Wärme. Demgegenüber wird in Modellen zum Drittzugang, wie sie zeitweise insbesondere in Schweden diskutiert wurden, über regulatorische Bestimmungen ein Netzzugang für Dritte geschaffen. Die Durchleitung von Wärme durch dritte Wärmeproduzenten zum Endkunden, wofür der Netzbetreiber ein Netzentgelt enthält. Dieses Modell orientiert sich an den Regelungen des EnWG für die Bereiche Strom und Gas. Externe Wärmeerzeuger können dann analog zur Situation auf dem Strommarkt einen diskriminierungsfreien Zugang zu Wärmenetzen einklagen. Beide Modelle bieten im Einzelnen Chancen und Risiken, die in der Untersuchung näher beleuchtet werden. Best Practice Guide „Multikodierte Flächen für SDH“ Solar District Heating ist eine einfache, bewährte und kostengünstige Möglichkeit, Erneuerbare Energien in Fernwärmesysteme zu integrieren, wenn große Flächen zur Verfügung stehen und sogenannte einfache „Plug-and-Play-Lösungen“ realisiert werden können. Dieser Ansatz ist in Dänemark sehr erfolgreich. Abbildung 10: Plug&Play-Lösungen wie in Silkeborg in Dänemark 2017 realisiert (Quelle: Arcon-Sumark). 24 Die Übertragung dieses Ansatzes auf andere mitteleuropäische Länder ist bisher nur in wenigen Fällen gelungen. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass die Flächenknappheit vor allem in urbanen Regionen ein großes Hindernis für die Umsetzung von SDH darstellt. Um diese Barrieren zu überwinden, werden politische Instrumente benötigt, um die Nutzung von städtischen Gebieten für SDH zu erleichtern - im besten Fall für einfache, große und kosteneffiziente Lösungen. Gleichzeitig erscheint es notwendig, Instrumente zu finden, die SDH auf Gebieten mit zusätzlichen Nutzungen ermöglichen - parallel und auf der gleichen Ebene mit SDH. Wir müssen unsere Perspektive und unser Verständnis der monovalenten Landnutzung neu überdenken, und wir müssen multikodierte Gebiete entwickeln. Diese Lösungen könnten auf den ersten Blick komplizierter, experimenteller und vielleicht teurer sein, aber die Transformation des Wärmesektors insbesondere in den städtischen Regionen könnte nur in Kooperationsmodellen mit anderen Landnutzungen erfolgreich sein. Die Entwicklung von SDH-Projekten scheitert oft an Platzmangel. In dicht besiedelten urbanen Areas wird Raum für viele andere konkurrierende Zwecke wie Wohnen, Verkehrsinfrastruktur, Industrie und Handel, Naturschutz oder - in den ländlicheren Gebieten - für die Landwirtschaft benötigt. Die SDH-Landflächenentwicklung und die doppelte Nutzung von Gebieten für SDH und andere Zwecke werden bisher im nationalen oder regionalen Planungsrecht oder anderen politischen Instrumenten kaum berücksichtigt. Beispiele aus verschiedenen Regionen der EU zeigen, dass Lösungen für die SDH-Landentwicklung und für die parallele Landnutzung durch SDH und andere Zwecke gefunden werden können und uns motivieren. Kategorien für multikodierte Bereiche für SDH sind:  große Dachflächen  große Infrastruktureinrichtungen  belastete oder kontaminierte Gelände oder Industriegebiete  Gebiete entlang Verkehrswegen  landwirtschaftliche Produktion  Naturschutz- und Wasserschutzgebiete Der Best-Practice-Guide soll ermutigen integrativer und kreativer über das Thema Doppelnutzung nachzudenken. 25 26 Coaching Coaching-Aktivität des Hamburg Instituts im 2017 in Thüringen Thüringen hat im Verlauf des Jahres 2017 den Entwurf für eine Integriertes Klima- und Energiestrategie sowie eines Landes-Klimaschutzgesetzes erarbeitet. Beide Dokumente sollen im Jahr 2018 von der Landesregierung bzw. dem Landtag beschlossen werden. Die Integrierte Klima- und Energiestrategie zielt darauf ab, die Klimaschutzziele des Landes in den einzelnen Sektoren zu operationalisieren. Unter anderem sieht der Entwurf des Landes-Klimaschutzgesetzes vor, eine Landes-Wärmestrategie zu entwickeln, mit welcher der Rahmen für eine Verminderung des Wärmebedarfs sowie einer verstärkten Nutzung von Erneuerbarer Wärme in Thüringen gesetzt werden soll, insbesondere in Bezug auf die Fernwärme. Im Rahmen des SDH-Projektes wurde das Hamburg Institut um ein Coaching zu der Frage gebeten, wie die gesetzlich vorgesehene Landeswärmestrategie ausgestaltet werden könnte, um die angestrebte Transformation des Wärmesektors möglichst effektiv zu unterstützen. In diesem Coaching-Prozess wird u.a. abgestimmt, welche Schritte bereits in der aktuell zu beschließenden Integriertes Klima- und Energiestrategie operativ umgesetzt werden sollten und welche Schritte lediglich prozedural verankert werden sollten und in den Folgejahren umzusetzen sind. Coaching-Aktivität des Hamburg Instituts im April 2017 in Graz/Österreich Im Rahmen eines internationalen Seminars „Fernwärme der Zukunft“ und des 3. Treffen der lokalen Stakeholder Advisory Group in Graz im April 2017 konnte Simona Weisleder vom Hamburg Institut einen Vortrage zum Thema Flächenbereitstellung für große thermische Solaranlagen halten. Die wichtigste Aufgabe dieser Gruppe ist die Unterstützung der Landesverwaltung beim Verfassen von politischen Empfehlungen in den Bereichen, wo das Land Steiermark Möglichkeiten hat, den Einsatz von solarthermischen Anlagen für die Fernwärme zu beeinflussen. Das sind: Kommunikation, rechtliche Fragen, Förderungen und Technik (im Rahmen von F&E-Fragestellungen) 27 Abbildung 11: Coaching in Graz April 2017 (Quelle: AEE INTEC). 28 Abbildung 12: Coaching in der lokalen Stakeholder Advisory Group in Graz April 2017 (Quelle: Skalicki). Coaching-Aktivität des Hamburg Instituts im Januar 2018 in Thüringen Am 25. Januar hielt Simona Weisleder vom Hamburg Institut zwei Coaching-Vorträge im Rahmen des Workshops zu Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten von Wärmenetzen mit Erneuerbaren Energien im Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz in Erfurt. Coaching Schwerpunkt war die Wirtschaftlichkeit von solarer Fernwärmeerzeugung und Projektfinanzierung für große Freiflächenanlagen. Abbildung 13: Coaching in Erfurt Januar 2018 (Quelle: Aline Kornmann/ Thüringen). 29 Marktunterstützende Instrumente (WP4) Studie „Solare Nachbarschaftsgewächshäuser“ Das Konzept „Solare Nachbarschaftsgewächshäuser“ integriert große Freiflächen-Solarkollektoren in ein multifunktionales Konzept, das aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aufgreift. Die Gewächshäuser bieten einen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Mehrwert für die Anwohnerinnen und Anwohner und können so Akzeptanz für die Errichtung von großflächigen solarthermischen Anlagen schaffen. Die Solaren Nachbarschaftsgewächshäuser schaffen einen Ort der Begegnung, einen Ort für den Anbau gesunder und regionaler Lebensmittel und einen Ort für die Produktion sauberer und erneuerbarer Wärme. Dazu werden die solarthermischen Anlagen in einem integrierten Konzept mit Gewächshäusern zur gemeinschaftlichen Bewirtschaftung verwirklicht. Damit bilden die Solaren Nachbarschaftsgewächshäuser mehrere aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen ab und bieten eine neuartige Lösung für einen nachhaltigen städtischen Lebensstil. Das Konzept adressiert wesentliche menschliche Bedürfnisse nach gesunden und regionalen Lebensmitteln, nach einem warmen Zuhause und einem gemeinschaftlichen Zusammenleben. Zudem können niedrigschwellige Arbeitsplätze in peripheren Stadtrandlagen geschaffen werden. Abbildung 14: Solare Nachbarschaftsgewächshäuser (Quelle: Hamburg Institut). In der Studie wurden technische, wirtschaftliche und rechtliche Machbarkeit des Konzepts untersucht und zwei mögliche Standorte in Hamburg näher betrachtet. 30 Veranstaltungen, Workshops und Vorträge Konferenz "Erneuerbare Fernwärme in Großstädten" im April 2017 Am 3.April fand in Hamburg eine Fachkonferenz mit rund 170 Expert/innen zu Erneuerbaren Energien in großstädtischen Fernwärmesystemen statt, die das Hamburg Institut in Kooperation mit dem AGFW durchgeführt hat. Strategien und reale Beispiele aus internationalen und nationalen Vorreiterstädten haben gezeigt, wie die Transformation der urbanen Wärmeversorgung in Richtung Erneuerbarer Energien gelingt und welche Rolle die Fernwärme dabei spielen kann. Abbildung 15: Internationale Fachtagung 2017 in Hamburg (Quelle: Hamburg Institut). Workshop für Kapitalgeber „Finanzierung von großen Freiflächen-Solarthermieanlagen und Wärmenetzen“ im September 2016 Am 16.September fand in Kaltenkirchen bei Hamburg ein SDH Workshop in Kooperation mit dem MELUR, der IB.SH und dem Hamburg Institut mit über 40 Expert/innen zum Thema „Finanzierung von großen Freiflächen-Solarthermieanlagen und Wärmenetzen“ statt. Die Veranstaltung richtete sich gezielt an Kapitalgeber und hatte das Ziel, das Thema Solarthermie und deren Integration in bestehende und neu zu bauende Wärmenetze zu beleuchten sowie zuverlässige Lösungen für die Risikobewertung und damit der stabilen Finanzierung zu erörtern. 31 Abbildung 16: Referenten und Moderatorin des Workshops in Kaltenkirchen 2016 (Quelle: Hamburg Institut). Das Hamburg Institut hat bei zahlreichen Veranstaltungen national und internationale über das Projekt SDHp2m berichtet. 32 Ausblick in eine sonnige Zukunft Nach der umfangreichen und vielfältigen Arbeit die innerhalb des SDHp2m Projekts in der Metropolregion Hamburg geleistet wurde, schauen wir als Hamburg Institut sehr positiv in die Umsetzung der angeschobenen Projektideen. Das Themen Wärmewende und der Einsatz von großflächigen Solarthermieanlagen sind definitiv angekommen. Für die Metropolregion und speziell für die stetig wachsende Stadt Hamburg, ist das Thema der Flächenverfügbarkeit das entscheidende. Hier sieht sich die Freiflächensolarthermie in Konkurrenz zu einem sehr angespannten Wohnungsmarkt, der umfangreiche Wohnungsbautätigkeiten nach sich zieht, der wiederum zu einem enormen Druck auf wertvollen Flächen für Naturschutz, Landwirtschaft und Landschaft führt. Deswegen halten wir als Hamburg Institut den Ansatz der Mulitkodierung von Flächen für zielführend und auch auf andere Region in Deutschland und Europa für übertragbar. Wichtig sind die regulatorisch nötigen Anpassungen, um SDH wirklich zum Durchbruch zu verhelfen. Hier gehen einzelne Bundesländer, wie z.B. Thüringen im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit gutem Beispiel voran.

Julian Kuntze2023-03-22T11:50:53+01:00Freitag, 1. Juni, 2018|
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